Grosser Wiesenknopf - Sanguisorba officinalis
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Grosser Wiesenknopf im Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Der Grosse Wiesenknopf hat keine anerkannte medizinische Anwendung. In der Volksheilkunde wurden Kraut und Wurzel wegen ihres Gerbstoffgehalts bei Durchfall, zur Wundbehandlung und als zusammenziehendes Mittel verwendet. Klinisch ist diese Anwendung nicht ausreichend belegt.
Sanguisorba officinalis L. (syn. Poterium officinale, Sanguisorba major, Sanguisorba polygama);
Grosser Wiesenknopf (syn. Becherblume, Bibernell, Blutknopf, Blutkraut, Gartenbibernelle, Sperberkraut).
VORKOMMEN
Der Grosse Wiesenknopf besitzt eine eurasische Verbreitung. Er kommt von Westeuropa bis nach Ostasien vor. In Nordeuropa ist die Art gebietsweise selten oder fehlt. In den Alpen steigt sie von der kollinen bis in die subalpine Höhenstufe; in den Zentralalpen kann sie bis etwa 2300 m vorkommen.
Typische Standorte sind wechselfeuchte bis nasse Wiesen, Moorwiesen, Uferbereiche und nährstoffreichere Feuchtstandorte. Als charakteristische Art artenreicher Feuchtwiesen ist der Grosse Wiesenknopf auch ökologisch bedeutsam.
MERKMALE
Der Grosse Wiesenknopf ist eine ausdauernde, 30–100 cm hohe Staude. Die Blätter sind unpaarig gefiedert und besitzen meist 7–15 Fiederpaare. Die Teilblättchen sind gestielt, herzeiförmig bis länglich-eiförmig, grob gezähnt, oberseits grasgrün und glänzend, unterseits heller bis graugrün.
Die dunkel braunroten Blüten stehen in dichten, kugeligen bis länglich-eiförmigen Blütenständen. Die Einzelblüten sind klein, kronblattlos und besitzen auffällige Kelchblätter. Der Kelchbecher ist zur Fruchtzeit vierkantig und besitzt glatte Flächen.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Sanguisorbae rhizoma et radix (syn. Radix Sanguisorbae majoris, Rhizoma et Radix Sanguisorbae); Wiesenknopfwurzel, die im Herbst gesammelten, gewaschenen und getrockneten Rhizome und Wurzeln.
Traditionell wurden auch die oberirdischen Pflanzenteile verwendet. Für eine moderne medizinische Anwendung bestehen jedoch keine anerkannten Indikationen.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Die Pflanze enthält reichlich Gerbstoffe, insbesondere Ellagitannine. Zu den charakteristischen Inhaltsstoffen gehören Casuarinin, Sanguinin und Eugeniin. Daneben wurden Flavonoide, Sterole, Triterpene, Phenolcarbonsäuren und weitere Polyphenole beschrieben.
Die Wurzeln enthalten neben Gerbstoffen auch triterpenoide Verbindungen, die in neueren experimentellen Arbeiten pharmakologisch untersucht wurden. Die Samen sind ölhaltig und enthalten unter anderem Linol- und Linolensäure.
PHARMAKOLOGIE
Die traditionelle Verwendung des Grossen Wiesenknopfes lässt sich vor allem mit dem hohen Gerbstoffgehalt erklären. Gerbstoffe wirken adstringierend, können auf Haut und Schleimhäuten Eiweisse fällen und dadurch eine zusammenziehende, leicht austrocknende und schützende Wirkung entfalten.
Experimentelle Studien beschreiben für Extrakte und Inhaltsstofffraktionen von Sanguisorba officinalis unter anderem antimikrobielle, antioxidative, entzündungsmodulierende und immunologische Effekte. Diese Befunde sind pharmakologisch interessant, erlauben aber keine direkte Gleichsetzung mit einer gesicherten klinischen Wirksamkeit beim Menschen.
EVIDENZ
Für Sanguisorba officinalis liegt vor allem präklinische Evidenz vor. Die Inhaltsstoffe, insbesondere Tannine und andere Polyphenole, sind gut untersucht. Klinische Studien, die eine medizinische Anwendung bei Durchfall, Blutungen oder Wunden ausreichend belegen würden, fehlen.
Die traditionelle Anwendung bei Durchfall und zur äusserlichen Wundbehandlung ist aufgrund des Gerbstoffgehalts plausibel, bleibt aber aus heutiger Sicht nicht ausreichend klinisch abgesichert. Eine anerkannte medizinische Anwendung besteht nicht.
- PubMed: Phytotherapeutic activities of Sanguisorba officinalis – Übersichtsarbeit zu Inhaltsstoffen, traditioneller Anwendung und pharmakologischen Effekten.
- PubMed: The tannins from Sanguisorba officinalis – Arbeit zu Tanninen und deren Metaboliten.
- PMC: Oral administration of Sanguisorba officinalis extract – präklinische Untersuchung zu entzündungsbezogenen Effekten eines Wurzelextrakts.
- PMC: Polyphenolic composition and anti-inflammatory effects – experimentelle Untersuchung zu Polyphenolen und entzündungshemmenden Effekten.
- EMA: European Union herbal monographs and list entries – keine HMPC-Monographie zu Sanguisorba officinalis vorhanden.
ANWENDUNG
Der Grosse Wiesenknopf hatte früher aufgrund seines hohen Gerbstoffgehalts eine gewisse Bedeutung in der Volksheilkunde. Kraut und Wurzel wurden bei Durchfall eingesetzt und galten als blutstillendes Mittel, besonders bei zu starker Monatsblutung.
Äusserlich wurde das frische, zerquetschte Kraut zur Wundbehandlung verwendet. Diese Anwendungen beruhen auf traditioneller Erfahrung und auf der adstringierenden Wirkung der Gerbstoffe. Eine gesicherte klinische Wirksamkeit ist nicht belegt.
Die jungen Blätter und Triebe können gelegentlich als Salatbeigabe oder Gemüse verwendet werden. Kulinarisch wird jedoch häufiger der Kleine Wiesenknopf (Sanguisorba minor) genutzt, dessen Blätter würzig-nussartig schmecken.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Traditionell wurde Wiesenknopfwurzel selten als Teeaufguss verwendet. Beschrieben sind etwa 3 g Wiesenknopfwurzel pro Tasse. Wegen des Gerbstoffgehalts wurde häufig ein Kaltansatz empfohlen, der mehrere Stunden ziehen gelassen wurde.
Eine allgemein anerkannte Dosierung besteht nicht. Die Anwendung sollte zeitlich begrenzt bleiben. Bei länger anhaltendem Durchfall, Blut im Stuhl, Fieber, starken Bauchschmerzen, unklaren Blutungen oder schlecht heilenden Wunden ist eine medizinische Abklärung erforderlich.
SICHERHEIT
Gerbstoffreiche Zubereitungen können bei empfindlichen Personen Magenbeschwerden, Übelkeit oder Reizungen der Schleimhäute verursachen. Bei längerem Gebrauch oder hoher Dosierung sind gerbstofftypische Unverträglichkeiten möglich.
Während Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern sollte eine medizinische Anwendung nur nach fachlicher Beratung erfolgen. Bei gleichzeitiger Einnahme von Arzneimitteln ist Vorsicht sinnvoll, da gerbstoffreiche Zubereitungen die Aufnahme bestimmter Wirkstoffe vermindern können.
STATUS
- Kommission E: keine Bearbeitung
- ESCOP: keine Monographie vorhanden
- HMPC: keine Monographie vorhanden
GROSSER WIESENKNOPF IM GARTEN
Der Grosse Wiesenknopf bevorzugt einen sonnigen bis halbschattigen Standort auf eher frischem bis feuchtem Boden. In der freien Natur gedeiht er besonders gut auf feuchten Wiesen, Moorwiesen und nährstoffreicheren Feuchtstandorten.
Die Pflanze ist winterhart und kann auch im Topf gezogen werden, sofern die Erde nicht austrocknet. Der Grosse Wiesenknopf ist für viele Insekten attraktiv, darunter Bienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge.
Der Grosse Wiesenknopf gehört zur Familie der Rosengewächse und ist damit verwandt mit anderen wichtigen Heilpflanzen wie Mädesüss und Odermennig.
SONSTIGES
Der Grosse Wiesenknopf ist eine dekorative, alte Nutz- und Heilpflanze und passt gut in naturnahe Gärten, Feuchtwiesenpflanzungen und Insektenbeete. In extensiven Wiesen trägt er zur ökologischen Vielfalt bei.
Der Name Sanguisorba leitet sich von lateinisch sanguis für Blut und sorbere für aufsaugen oder aufnehmen ab. Er verweist auf die frühere Verwendung als blutstillende und zusammenziehende Pflanze.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Odermennig (Agrimonia eupatoria) – gerbstoffreiche Rosengewächs-Heilpflanze mit traditioneller Anwendung bei Durchfall und Schleimhautreizungen.
- Mädesüss (Filipendula ulmaria) – Rosengewächs mit Gerbstoffen, Flavonoiden und Salicylat-Verbindungen.
- Blutwurz (Potentilla erecta) – stark gerbstoffhaltige Wurzel mit adstringierender Wirkung.
- Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) – gerbstoffreiche Pflanze mit traditioneller Anwendung in der Frauenheilkunde.
FAQ
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Hat der Grosse Wiesenknopf eine anerkannte medizinische Anwendung?
Nein. Für Sanguisorba officinalis besteht keine anerkannte medizinische Anwendung. -
Welche Inhaltsstoffe sind wichtig?
Wichtig sind Gerbstoffe, besonders Ellagitannine wie Casuarinin, Sanguinin und Eugeniin. -
Wofür wurde die Pflanze traditionell verwendet?
Traditionell bei Durchfall, zur Wundbehandlung und als zusammenziehendes Mittel. -
Ist die Wirkung klinisch belegt?
Nein. Die pharmakologische Plausibilität ist vorhanden, klinische Belege sind aber unzureichend. -
Kann man den Grossen Wiesenknopf essen?
Junge Blätter und Triebe können in kleinen Mengen als Salatbeigabe verwendet werden.
Letzte Änderung: 11.05.2026 / © W. Arnold