Reifpilz – Cortinarius caperatus

Volksname: Reifpilz; historisch/regional auch „Zigeuner“, ausserdem Scheidenrunzling, Runzelschüppling, Hühnerkoppe.

Synonyme: Rozites caperatus, Rozites caperata.

Reifpilz (Cortinarius caperatus) mit strohgelbem Hut im sauren Nadelwald

Reifpilz (Cortinarius caperatus) mit Ring am Stiel und ockerfarbenem Hut

Beschreibung des Reifpilzes

Hut

Strohgelblich, ocker oder gelb-bräunlich, vor allem jung mit weisslichem bis blass violettlichem Velum reifartig überzogen, später schwindend; Durchmesser: 5–10 cm.

Lamellen

Blassrötlich bis blassbeige, später ocker; Schneide gekerbt und wellig; angeheftet bis angewachsen.

Stiel

Hellbraun bis hellviolett, im Alter manchmal gilbend; faserig mit häutigem Ring; voll, Basis meist knollig verdickt.

Fleisch

Weisslich, in der Stielspitze oft etwas lila.

Geruch / Geschmack

Unbedeutend.

Sporen

Mandelförmig, 11–14 × 7–9 µm, rauh. Sporenpulver rostgelb.

Verwechslung – Vorsicht bei ähnlich aussehenden Pilzen

Der Reifpilz (Cortinarius caperatus) kann aufgrund seiner Hutform und Färbung mit gefährlichen Pilzarten verwechselt werden. Besonders problematisch ist die Ähnlichkeit zu einzelnen giftigen Arten.

Eine mögliche Verwechslung besteht unter anderem mit dem kegelhütigen Knollenblätterpilz, der tödlich giftig ist. Auch Verwechslungen mit Risspilzen sowie mit verschiedenen Haarschleierlingen (Gattung Cortinarius) sind möglich.

Eine sichere Unterscheidung ist besonders für ungeübte Sammler schwierig. Deshalb empfehle ich ausdrücklich den Vergleich der wichtigsten Merkmale:

→ Reifpilz und seine gefährlichen Doppelgänger im direkten Vergleich

Hinweis: Pilze niemals allein anhand von Fotos bestimmen. Bei Unsicherheit den Fund nicht verzehren und eine offizielle Pilzkontrollstelle aufsuchen.

Vorkommen

Der Reifpilz (Cortinarius caperatus) ist in Mitteleuropa weit verbreitet und gehört in geeigneten Lebensräumen zu den häufigen Pilzarten.

Er wächst bevorzugt in sauren Nadelwäldern, vor allem unter Fichten und Kiefern, seltener auch in Mischwäldern. Bevorzugt werden moosige, humusreiche Böden.

Die Fruchtkörper erscheinen meist von August bis Oktober, in günstigen Jahren auch etwas früher. Der Reifpilz wächst einzeln, gesellig oder in kleinen Gruppen.

Bemerkungen / Speisewert

Der Reifpilz (Cortinarius caperatus) wird in vielen Pilzbüchern als aromatischer Speisepilz beschrieben und teils hoch geschätzt. Nach meiner persönlichen Einschätzung wird der Speisewert des Reifpilzes jedoch häufig überschätzt.

Seit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl gilt der Reifpilz als eine Art, die regional zu den stärker mit radioaktivem Cäsium (Cs-137) belasteten Pilzen zählen kann. Die Belastung ist stark standortabhängig und kann je nach Region und Boden deutlich variieren.

Darüber hinaus kann der Reifpilz – wie viele Wildpilze – Schwermetalle (z. B. Cadmium) anreichern, ebenfalls abhängig vom Standort.

Weiterhin enthält der Reifpilz hitzelabile Lektine; es wurde beschrieben, dass diese eine agglutinierende Wirkung auf rote Blutkörperchen haben können (u. a. Blutgruppe A). Aus diesem Grund sollten Speisepilze grundsätzlich nur gut erhitzt verzehrt werden. Bei bekannter Empfindlichkeit ist besondere Vorsicht geboten.

Hinweis: Regionale Sammel- und Verzehrempfehlungen sowie aktuelle Messdaten der Behörden sollten beachtet werden.

Häufige Fragen zum Reifpilz (FAQ)

Wie erkennt man den Reifpilz zuverlässig?
Typisch sind der strohgelbliche bis ockerfarbene Hut und bei jungen Exemplaren ein weisslicher, „reifartiger“ Überzug (Velum). Auffällig ist ausserdem ein häutiger Ring am Stiel.

Ist der Reifpilz essbar?
Der Reifpilz wird häufig als essbar beschrieben, der Speisewert wird jedoch unterschiedlich beurteilt. Verwende nur junge, einwandfreie Exemplare und verzehre Pilze stets gut durchgegart.

Welche gefährlichen Verwechslungen gibt es?
Verwechslungen sind möglich, u. a. mit Risspilzen und ähnlichen Haarschleierlingen. Bei Unsicherheit: Pilze nicht verzehren und eine Pilzkontrollstelle aufsuchen.

Warum wird beim Reifpilz über Cs-137 gesprochen?
Der Reifpilz kann regional erhöhte Cs-137-Werte aufweisen. Die Belastung ist stark standortabhängig (Region, Boden, Waldtyp). Beachte regionale Empfehlungen und Messberichte der Behörden.

Kann der Reifpilz Schwermetalle anreichern?
Wie viele Wildpilze kann auch der Reifpilz je nach Standort Schwermetalle anreichern (z. B. Cadmium). Die tatsächliche Belastung hängt stark vom Sammelgebiet ab.

Muss man Reifpilze immer kochen?
Ja. Speisepilze sollten grundsätzlich nur gut erhitzt verzehrt werden.

Wie heisst der Reifpilz noch?
Als historischer Trivialname wird regional auch „Zigeuner“ verwendet. Heute ist „Reifpilz“ die übliche Bezeichnung.

Hinweis: Eine sichere Bestimmung nur anhand von Fotos ist nicht möglich. Bei Unsicherheit Pilze nicht verzehren und eine Pilzkontrollstelle aufsuchen.

Letzte Änderung: 01.02.2026 / © W. Arnold