Perlpilz (Amanita rubescens)
Volksname: Perlpilz
Der Perlpilz (Amanita rubescens) ist ein in der Schweiz und in Mitteleuropa sehr häufiger Wulstling, der sowohl in Laub- als auch in Nadelwäldern vorkommt. Charakteristisch ist die rötliche Verfärbung des Fleisches bei Verletzung, ein Merkmal, das ihm auch den wissenschaftlichen Artnamen rubescens („rot werdend“) eingebracht hat.
Obwohl der Perlpilz zu den essbaren Arten gezählt wird, ist er roh giftig und darf nur gründlich erhitzt verzehrt werden. Aufgrund der Nähe zu stark giftigen Amanita-Arten (insbesondere Pantherpilz) ist eine sichere Bestimmung zwingend erforderlich. Die folgenden Abschnitte beschreiben Merkmale, Verwechslungsgefahren, Vorkommen und Hinweise zur Verwendung.
Beschreibung des Pilzes
Hut
5–15 cm, erst halbkugelig, dann aufgeschirmt, braun-fleischrötlich, alte Exemplare oft mit weinroten Flecken. Die Huthaut ist mit grauen, weissen oder gelblichen, flockig-warzigen Velumresten bedeckt, glänzend und leicht schmierig. Bei manchen Varietäten kann die Farbe leicht grünlich oder gelb-grünlich sein; der Rand ist regelmässig glatt.
Lamellen
Weiss, gedrängt, breit; bei Berührung färben sie sich langsam rötlich.
Stiel
8–20 × 1–2.5 cm, zylindrisch, zuerst voll, dann ausgestopft, schliesslich hohl. Fuchsig oder weiss-rosa, später weinrötlich, besonders am Stielgrund. Die keulenförmige Knolle wird von ein bis zwei Reihen flaumiger, bräunlicher oder blasser Warzen als Volva gekrönt. Manschette häutig, weit, herabhängend, typisch gerieft, weiss oder rosa, manchmal gelblich.
Fleisch
Weiss, zart; nimmt nach Bruch oder Schnitt bald eine leicht weinrötliche Färbung an, besonders am Stiel.
Geruch / Geschmack
Geschmack etwas herb. Geruchlos.
Sporen
Elliptisch, 7.5–11 × 5.5–7.5 µm, amyloid. Sporenpulver weiss.
Verwechslung
Der Perlpilz (Amanita rubescens) kann mit mehreren Arten der Gattung Amanita verwechselt werden, darunter auch stark giftige Pilze. Eine sichere Bestimmung ist daher unbedingt erforderlich.
Überblick: Perlpilz-Verwechslungen
Wichtige Doppelgänger sind:
Pantherpilz (Amanita pantherina) – stark giftig!
Die gefährlichste Verwechslungsmöglichkeit ist der Pantherpilz. Er besitzt einen ähnlichen Habitus, unterscheidet sich jedoch in wichtigen Merkmalen:
- kein Röten von Fleisch oder Lamellen bei Verletzung
- Hut meist graubraun mit rein weissen, scharf abgegrenzten Warzen
- Stielknolle mit deutlich abgesetztem, gezacktem Volvarand
- Manschette nicht oder nur schwach gerieft
Grauer Wulstling (Amanita excelsa)
Der Graue Wulstling verfärbt sich nicht rötlich. Die Manschette ist meist schwach oder nicht gerieft, das Fleisch bleibt weiss.
Porphyrbrauner Wulstling (Amanita porphyria)
Ebenfalls ohne Rötung des Fleisches. Der Geruch ist oft rettichartig, die Hutfarbe grau- bis violettbraun.
Wichtige Unterscheidungsmerkmale des Perlpilzes
- deutliches Röten des Fleisches bei Schnitt oder Druck
- typisch geriefte Manschette
- keine scharf abgesetzte Volva, sondern warzige Knolle
Bei Unsicherheit sollte der Pilz nicht gesammelt oder verzehrt werden. Im Zweifelsfall ist eine Kontrolle durch eine Pilzkontrollstelle empfehlenswert.
Vorkommen
Der Perlpilz (Amanita rubescens) ist in der Schweiz und in weiten Teilen Europas sehr häufig. Er kommt sowohl in Laub- als auch in Nadelwäldern vor und ist wenig spezialisiert.
Als Mykorrhizapilz lebt er in Symbiose mit verschiedenen Baumarten, darunter Buche, Eiche, Fichte und Tanne. Er bevorzugt frische bis feuchte Standorte und wächst auf sauren bis neutralen Böden.
Die Fruchtkörper erscheinen meist von Frühsommer bis Spätherbst, häufig einzeln oder in kleinen Gruppen. Aufgrund seiner Häufigkeit gehört der Perlpilz zu den am oftsten beobachteten Wulstlingen.
Speisewert
Der Perlpilz (Amanita rubescens) ist ein mässiger, aber gesuchter Speisepilz. Er besitzt wenig Eigengeschmack und wird daher häufig zusammen mit würzigen Zutaten verwendet.
Der Pilz darf nur gekocht genossen werden, da er im rohen Zustand Hämolysin enthält. Dieses Gift wird erst bei Temperaturen von etwa 70 °C sicher zerstört.
Vor der Zubereitung sollte die Huthaut abgezogen und der Pilz gründlich durchgegart werden.
Aufgrund der Verwechslungsgefahr mit stark giftigen Amanita-Arten ist der Perlpilz nur für sehr gut kundige Pilzsammler geeignet.
Kurz-FAQ zum Perlpilz
Ist der Perlpilz essbar?
Ja, der Perlpilz ist bedingt essbar, darf jedoch nur gekocht verzehrt werden.
Warum ist der Perlpilz roh giftig?
Er enthält Hämolysin, ein hitzeempfindliches Gift, das erst durch ausreichendes Erhitzen (ab ca. 70 °C) zerstört wird.
Woran erkennt man den Perlpilz sicher?
Typisch sind das Röten des Fleisches bei Verletzung und die deutlich geriefte Manschette.
Mit welchen Pilzen kann er verwechselt werden?
Besonders gefährlich ist die Verwechslung mit dem Pantherpilz, der stark giftig ist und keine Rötung zeigt.
Letzte Änderung: 08.02.2026 / © W. Arnold



