Essigrose, Apothekerrose – Rosa gallica

Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Essigrose im Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ

Rosenblüten (Rosae flos) sind traditionell als adstringierende Droge bei leichten Entzündungen der Haut sowie der Mund- und Rachenschleimhaut anerkannt. Die Einstufung beruht vor allem auf langjähriger Anwendung und pharmakologischer Plausibilität.

Rosa gallica L. (syn. Rosa grandiflora, Rosa provincialis, Rosa pumila, Rosa rubra); Apothekerrose, Essigrose, Französische Rose, Gallische Rose, Rote Rose, Samtrose, Zuckerrose.

Rosa gallica
Rosa gallica - Essigrose oder Apothekerrose

Rosa gallica - blühende Essigrose

Rosa centifolia
Rosa centifolia - Kohlrose

Rosa damascena
Rosa damascena - Damascenerrose

VORKOMMEN

Die Essigrose ist in Süd- und Mitteleuropa sowie in Teilen Westasiens verbreitet. Ihr natürliches oder historisch beeinflusstes Areal reicht von Spanien und Südeuropa bis in den Kaukasusraum. Die Art wurde seit langer Zeit kultiviert und verwilderte stellenweise aus Gärten.

Sie wächst bevorzugt auf nährstoffreichen, eher lehmigen Böden, an lichten Waldrändern, in Gebüschen und an sonnigen Standorten. Als Apothekerrose wurde sie besonders in Kloster- und Arzneigärten kultiviert.

MERKMALE

Die Apothekerrose ist ein niedriger, meist bis etwa 1,3 m hoher Strauch mit rutenförmigen Trieben und langen unterirdischen Ausläufern. Die Stacheln sind ungleich ausgebildet und können kräftig sein.

Die Laubblätter sind meist fünfzählig, seltener dreizählig, ledrig, doppelt gezähnt und deutlich genervt. Die blütentragenden Zweige sind häufig drüsenborstig. Die duftenden rosa bis roten Blüten stehen meist einzeln und erreichen etwa 5 bis 7 cm Durchmesser. Die Kronblätter sind breit verkehrt-eiförmig und vorne oft nur flach ausgerandet.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

1. Rosae flos (syn. Flores Rosae, Rosae petalum): Rosenblüten beziehungsweise Rosenblütenblätter. Verwendet werden die getrockneten Kronblätter von Rosa gallica, Rosa centifolia oder Rosa damascena.

2. Rosae aetheroleum (syn. Oleum Rosae, Oleum Rosarum): ätherisches Rosenöl, Rosenöl oder Rosen-Attar. Es wird vor allem aus frischen Rosenblüten, besonders von Rosa damascena, gewonnen.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Rosae flos:
Rosenblüten enthalten Gerbstoffe, Flavonoide, Anthocyane, Chinasäure und geringe Mengen ätherisches Öl. Die adstringierende Wirkung wird vor allem mit Gerbstoffen und polyphenolischen Inhaltsstoffen in Verbindung gebracht.

Rosae aetheroleum:
Rosenöl enthält ein komplexes Gemisch flüchtiger Bestandteile. Duftbestimmend sind unter anderem Citronellol, Geraniol, Nerol, Phenylethylalkohol sowie Rosenoxide und weitere Spurenkomponenten. Rosenwasser enthält aufgrund der guten Wasserlöslichkeit besonders viel 2-Phenylethanol.

PHARMAKOLOGIE

Rosenblüten wirken aufgrund ihres Gerbstoffgehalts adstringierend. Dadurch können sie bei leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut sowie bei oberflächlichen Hautreizungen unterstützend eingesetzt werden.

Experimentelle Untersuchungen zeigen antioxidative, entzündungsmodulierende und antimikrobielle Eigenschaften von Rosenblüten-Extrakten. Diese Befunde stützen die traditionelle Anwendung, ersetzen jedoch keine hochwertigen klinischen Wirksamkeitsnachweise am Menschen.

EVIDENZ

Die medizinische Bewertung von Rosae flos beruht überwiegend auf traditioneller Anwendung. Der HMPC stuft Rosenblüten als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei leichten Entzündungen der Haut sowie der Mund- und Rachenschleimhaut ein. Die Wirksamkeit gilt als plausibel, ist aber nicht durch eine umfassende moderne klinische Studienlage abgesichert.

Gesamtbeurteilung der Evidenz:
Für Rosenblüten ist die traditionelle äusserliche Anwendung bei leichten Entzündungen von Haut, Mund und Rachen regulatorisch anerkannt. Pharmakologische und experimentelle Daten stützen die Plausibilität, insbesondere durch Gerbstoffe und Polyphenole. Klinische Studien am Menschen sind jedoch begrenzt; die Evidenz ist daher traditionell gestützt, aber klinisch nur eingeschränkt belegt.

ANWENDUNG

Anerkannte beziehungsweise traditionell eingeordnete Anwendung von Rosae flos:

  • leichte Entzündungen im Bereich der Mund- und Rachenschleimhaut
  • leichte Entzündungen der Haut
  • Mundspülungen, Gurgellösungen oder Umschläge mit Rosenblüten-Aufguss

Die Kommission E beschreibt Rosenblüten als adstringierend und nennt leichte Entzündungen im Bereich der Mund- und Rachenschleimhaut als Anwendungsgebiet. Der HMPC stuft Rosae flos als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein.

Rosenöl und Rosenwasser werden vor allem als Geruchs- und Geschmackskorrigenz, in der Parfümerie, Kosmetik und Aromapflege verwendet. Eine therapeutische innerliche Anwendung von Rosenöl ist nicht ausreichend belegt und wegen der Konzentration ätherischer Öle nicht zur Selbstmedikation geeignet.

Volksmedizinisch wurden Rosenblüten auch bei Aphthen, Lidentzündungen, Durchfall, Blutungen und verschiedenen Schleimhautbeschwerden verwendet. Diese weitergehenden Anwendungen sind nicht ausreichend klinisch belegt.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Aufguss für Mundspülungen oder Gurgellösungen:
1 bis 2 g getrocknete Rosenblüten mit einer Tasse siedendem Wasser übergiessen, etwa 10 Minuten ziehen lassen und anschliessend abseihen. Der abgekühlte Aufguss kann für Mundspülungen, Gurgellösungen oder Umschläge verwendet werden.

Art der Anwendung:
Die Anwendung erfolgt äusserlich oder lokal auf Haut und Schleimhaut. Der Aufguss sollte frisch zubereitet und nicht über längere Zeit aufbewahrt werden.

SICHERHEIT

Rosenblüten gelten bei sachgemässer lokaler Anwendung im Allgemeinen als gut verträglich. Nebenwirkungen sind nicht häufig beschrieben. Möglich sind jedoch Überempfindlichkeitsreaktionen, insbesondere bei Personen mit Allergien gegen Rosen oder andere Rosengewächse.

Bei anhaltenden, stark schmerzhaften, eitrigen, blutenden oder sich ausbreitenden Entzündungen der Haut, des Mundes oder des Rachens sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Dies gilt auch bei Fieber, Schluckbeschwerden, Atembeschwerden oder wiederkehrenden Schleimhautveränderungen.

Für Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder unter 12 Jahren liegen nur begrenzte Daten vor. Die Anwendung sollte in diesen Gruppen vorsichtig und bei Unsicherheit nach fachlicher Rücksprache erfolgen.

Ätherisches Rosenöl ist ein konzentriertes ätherisches Öl und sollte nicht unverdünnt auf Schleimhäute oder empfindliche Haut aufgetragen und nicht innerlich zur Selbstmedikation eingenommen werden.

STATUS

  • Kommission E: positive Bewertung für Rosenblüten bei leichten Entzündungen im Bereich der Mund- und Rachenschleimhaut
  • ESCOP: keine Monographie vorhanden
  • HMPC: positive Bewertung; Rosae flos als traditionelles pflanzliches Arzneimittel

ESSIGROSE IM GARTEN

Die Essigrose ist robust, winterhart und vergleichsweise anspruchslos. Sie bevorzugt sonnige Standorte und gedeiht auf normalen, nicht zu schweren Gartenböden. Durch ihre Ausläufer kann sie mit der Zeit grössere Bestände bilden.

Als historische Rose passt sie gut in naturnahe Gärten, Bauerngärten und Arzneipflanzengärten. Eine gute Durchlüftung des Standorts hilft, Pilzkrankheiten zu vermindern. Bei starkem Ausbreitungsdrang kann eine Begrenzung der Ausläufer sinnvoll sein.

Essigrose - Rosa gallica im Garten

SONSTIGES

Rosen spielen in vielen Kulturen eine bedeutende Rolle. In Persien gab es seit Jahrtausenden Rosengärten, in denen besonders stark duftende Rosen wie Rosa gallica und Rosa damascena gezogen wurden. Auch die Rosenölgewinnung hat wahrscheinlich im persischen Raum eine lange Tradition.

Im Mittelalter wurde die Rose in Kloster- und Arzneigärten kultiviert. Dabei spielte die Apothekerrose Rosa gallica 'Officinalis' eine wichtige Rolle. Rote Rosen gelten seit dem Altertum als Symbol von Liebe, Freude und Jugendfrische.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Hagebutte (Rosa canina) – Wildrose mit vitaminreichen Scheinfrüchten und Anwendung als Hagebuttenschalen oder Hagebuttenpulver.
  • Salbei (Salvia officinalis) – Gerbstoff- und ätherisch-ölhaltige Pflanze bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum.
  • Zaubernuss (Hamamelis virginiana) – gerbstoffreiche Arzneipflanze für Haut und Schleimhäute.
  • Eiche (Quercus robur) – klassische Gerbstoffdroge zur äusserlichen Anwendung bei Haut- und Schleimhautbeschwerden.

FAQ

  • Wofür werden Rosenblüten verwendet?
    Rosenblüten werden traditionell äusserlich bei leichten Entzündungen der Haut sowie der Mund- und Rachenschleimhaut verwendet.
  • Ist Rosae flos vom HMPC anerkannt?
    Ja. Der HMPC stuft Rosenblüten als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein. Die Einstufung beruht auf langjähriger Anwendung.
  • Welche Inhaltsstoffe sind wichtig?
    Wichtig sind Gerbstoffe, Flavonoide, Anthocyane, Chinasäure und geringe Mengen ätherisches Öl.
  • Wie wird Rosenblüten-Aufguss angewendet?
    1 bis 2 g getrocknete Rosenblüten werden mit einer Tasse siedendem Wasser übergossen. Der abgekühlte Aufguss kann für Mundspülungen, Gurgellösungen oder Umschläge verwendet werden.
  • Wann ist Vorsicht geboten?
    Bei Allergie gegen Rosen oder Rosengewächse, bei eitrigen, stark schmerzhaften oder anhaltenden Entzündungen sowie bei Fieber sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

Letzte Änderung: 10.05.2026 / © W. Arnold