Lampionblume – Physalis alkekengi
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Die Lampionblume hat keine anerkannte medizinische Anwendung. Früher wurden die Früchte volksmedizinisch als Diuretikum sowie bei Gicht, Rheuma und Gelbsucht verwendet. Nur vollständig reife Beeren ohne Kelchhülle gelten als essbar; unreife Früchte und andere Pflanzenteile sind nicht zum Verzehr geeignet.
Lampionblume (syn. Blasenkirsche, Judenkirsche, Teufelskirsche); Physalis alkekengi.
VORKOMMEN
Die Lampionblume ist in Teilen Europas und Asiens heimisch und wurde in weitere Regionen eingeführt. Sie kommt zerstreut in Gebüschen, lichten Wäldern, an Böschungen, auf Halden und an Wegrändern vor.
Die Pflanze bevorzugt nährstoffreiche, eher kalkhaltige Böden und bildet an geeigneten Standorten durch Ausläufer dichte Bestände.
MERKMALE
Die Lampionblume ist eine ausdauernde krautige Pflanze und erreicht meist 30 bis 60 cm Höhe. Die Stängel sind einfach oder verzweigt, die Blätter breit eiförmig, zugespitzt und ganzrandig bis leicht buchtig.
Die Blüten sind grünlich-weiss und erscheinen von Mai bis August. Auffällig ist der zur Fruchtzeit stark vergrösserte, blasig aufgeblasene, orangerote Kelch. Er umschliesst eine glänzende, orangerote Beere.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Fructus Alkekengi (syn. Baccae Alkekengi); Judenkirschen beziehungsweise Blasenkirschen, die reifen Beeren. Historisch wurden auch Kelche und Beeren beschrieben.
Eine moderne, allgemein anerkannte Arzneidroge mit gesicherter medizinischer Anwendung besteht für Physalis alkekengi nicht.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Beschrieben sind Physaline, Flavonoide, Carotinoide wie Kryptoxanthin, organische Säuren, Zucker, Pektine, Vitamin C, Harzbestandteile und fettreiche Samenbestandteile.
Physaline gehören zu den charakteristischen Inhaltsstoffen der Gattung Physalis. Sie werden in der modernen Forschung vor allem wegen möglicher antiinflammatorischer und zytotoxischer Eigenschaften untersucht.
PHARMAKOLOGIE
Präklinische Untersuchungen beschreiben für Extrakte und einzelne Inhaltsstoffe von Physalis alkekengi unter anderem antioxidative, entzündungshemmende, antimikrobielle, immunmodulierende und zytotoxische Effekte.
Diese Befunde stammen überwiegend aus Zell- und Tiermodellen. Eine gesicherte therapeutische Wirkung beim Menschen lässt sich daraus nicht ableiten.
EVIDENZ
Für die Lampionblume liegt keine anerkannte medizinische Anwendung vor. Eine HMPC-Monographie zu Physalis alkekengi ist nicht vorhanden.
Die historische Verwendung als Diuretikum sowie bei Gicht, Rheuma und Gelbsucht ist volksmedizinisch überliefert. Klinische Studien, welche diese Anwendungen zuverlässig belegen, fehlen.
Moderne Publikationen beschreiben zahlreiche Inhaltsstoffe und präklinische Wirkungen, besonders für Physaline und Flavonoide. Diese Daten sind wissenschaftlich interessant, ersetzen aber keine klinische Wirksamkeits- und Sicherheitsbewertung.
- PubMed: Research progress on the chemical components and pharmacological effects of Physalis alkekengi – Übersichtsarbeit zu Inhaltsstoffen und präklinischen pharmakologischen Effekten.
- PubMed: Physalis alkekengi L. var. franchetii – Review zu traditioneller Anwendung, Inhaltsstoffen und pharmakologischen Daten.
- PubMed: Anti-inflammatory and antioxidant properties of Physalis alkekengi – präklinische Untersuchung zu entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften.
- PMC: Acute and subchronic toxic effects of the fruits of Physalis alkekengi – tierexperimentelle Untersuchung zur Toxikologie von Fruchtextrakten.
- HMPC – europäischer Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel; keine Monographie zu Physalis alkekengi vorhanden.
- ESCOP – europäische Fachorganisation für pflanzliche Arzneimittel; keine Monographie vorhanden.
- Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag.
ANWENDUNG
Historisch wurden die reifen Beeren der Lampionblume als Diuretikum verwendet. Weitere volksmedizinische Anwendungen betrafen Gicht, Rheuma, Gelbsucht und Beschwerden der ableitenden Harnwege.
Diese Anwendungen sind heute nicht als medizinisch gesichert einzustufen. Bei Beschwerden der Harnwege, Gelbsucht, unklaren Schmerzen, Fieber oder chronischen Erkrankungen ist eine ärztliche Abklärung erforderlich.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Historisch wurden Dekokte oder Saft aus reifen Beeren beschrieben. Eine moderne, gesicherte Dosierungsempfehlung für eine medizinische Anwendung besteht nicht.
Von einer Selbstmedikation mit Pflanzenteilen der Lampionblume ist wegen unzureichender Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit abzuraten.
SICHERHEIT
Nur vollständig reife Beeren ohne Kelchhülle gelten als essbar. Unreife Früchte, Kelch, Blätter, Stängel und andere grüne Pflanzenteile sollten nicht verzehrt werden.
Wie viele Nachtschattengewächse kann die Lampionblume unerwünschte Wirkungen verursachen, insbesondere bei Verwechslung, unsachgemässer Anwendung oder Aufnahme unreifer Pflanzenteile.
Während Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern sollte auf eine arzneiliche Anwendung verzichtet werden. Bei Vergiftungsverdacht ist medizinische Hilfe erforderlich.
STATUS
- Kommission E: keine Monographie vorhanden
- ESCOP : keine Monographie vorhanden
- HMPC : keine Monographie vorhanden
LAMPIONBLUME IM GARTEN
Lampionblumen bevorzugen sonnige bis halbschattige Standorte auf sandig-humosen, nährstoffreichen und eher kalkhaltigen Böden. Der Boden sollte gleichmässig frisch, aber nicht staunass sein.
Die Pflanze ist robust, winterhart und sehr ausbreitungsfreudig. Sie eignet sich für Bauerngärten, Wildgärten, Gehölzränder und ungenutzte Gartenecken. Bei Bedarf sollte die Ausbreitung durch Rhizomsperren oder regelmässiges Auslichten begrenzt werden.
Im Garten wächst die Lampionblume gut neben Schafgarbe, Schlüsselblume und Beinwell.
SONSTIGES
Der Gattungsname Physalis leitet sich vom griechischen Wort für Blase ab und bezieht sich auf den aufgeblasenen Kelch. Der Name Lampionblume beschreibt die auffälligen, orangeroten Fruchtkelche.
Die historische Bezeichnung Judenkirsche bezieht sich auf ältere volkstümliche Namensgebung. Heute wird im Gartenbau vor allem der neutrale Name Lampionblume verwendet.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Goldrute (Solidago virgaurea) – traditionell zur Durchspülung bei leichten Harnwegsbeschwerden verwendet.
- Schachtelhalm (Equisetum arvense) – traditionelle Durchspülungsdroge mit Kieselsäure.
- Brennnessel (Urtica dioica) – Blätter traditionell zur Erhöhung der Harnmenge eingesetzt.
- Hauhechel (Ononis spinosa) – Wurzel traditionell bei leichten Harnwegsbeschwerden verwendet.
FAQ
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Hat die Lampionblume eine anerkannte medizinische Anwendung?
Nein. Für Physalis alkekengi gibt es keine anerkannte medizinische Anwendung und keine HMPC-Monographie. -
Welche Teile der Lampionblume sind essbar?
Nur vollständig reife Beeren ohne Kelchhülle gelten als essbar. Unreife Früchte und grüne Pflanzenteile sollten nicht verzehrt werden. -
Wurde die Lampionblume früher als Heilpflanze verwendet?
Ja. Historisch wurde sie als Diuretikum sowie bei Gicht, Rheuma und Gelbsucht verwendet. Diese Anwendungen sind klinisch nicht gesichert. -
Welche Inhaltsstoffe sind bekannt?
Beschrieben sind Physaline, Flavonoide, Carotinoide, organische Säuren, Pektine und Vitamin C. -
Ist die Lampionblume giftig?
Unreife Früchte, Kelche, Blätter und andere grüne Pflanzenteile sollten nicht gegessen werden. Bei Vergiftungsverdacht ist medizinische Hilfe erforderlich.
Letzte Änderung: 08.05.2026 / © W. Arnold