Boldo – Peumus boldus
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Boldoblätter (Boldi folium) werden traditionell zur Linderung von Verdauungsbeschwerden und leichten krampfartigen Beschwerden des Magen-Darm-Traktes verwendet. Das HMPC stuft Boldoblätter als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein.
Peumus boldus Molina; Boldo, Boldobaum. Verwendet werden die getrockneten Laubblätter.
VORKOMMEN
Peumus boldus ist ein immergrüner Strauch oder kleiner Baum aus Südamerika. Die Art stammt ursprünglich aus Chile und ist an trockene, warme Klimazonen angepasst. Verwilderte oder kultivierte Bestände kommen auch in anderen geeigneten Klimaregionen vor.
MERKMALE
Boldo ist ein immergrüner Strauch oder kleiner Baum, der Wuchshöhen von mehreren Metern erreichen kann. Die Laubblätter sind eiförmig, ledrig, brüchig, ganzrandig und besitzen einen charakteristischen, aromatischen Geruch.
Die Blüten sind weisslich bis gelblich und stehen in kleinen Blütenständen. Die Früchte sind kleine, gelblich-grüne Beeren.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Boldi folium (syn. Folia Boldo); Boldoblätter, die getrockneten Laubblätter von Peumus boldus.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Boldoblätter enthalten Alkaloide, darunter Boldin, Isocorydin, Norisocorydin, Reticulin, Isoboldin, Laurotetanin und verwandte Verbindungen. Weitere Inhaltsstoffe sind Flavonoide und ätherisches Öl.
Das ätherische Öl enthält unter anderem p-Cymol, 1,8-Cineol und Ascaridol. Ascaridol ist toxikologisch relevant und begrenzt die sichere Anwendung des ätherischen Öls.
PHARMAKOLOGIE
Für Boldoblätter werden choleretische, spasmolytische und sekretionsfördernde Wirkungen beschrieben. Die Droge kann die Verdauungsfunktion beeinflussen und wird traditionell bei Dyspepsie und leichten krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt.
Boldin und weitere Inhaltsstoffe zeigen in experimentellen Untersuchungen antioxidative, entzündungshemmende und verdauungsbezogene Effekte. Die klinische Übertragbarkeit dieser experimentellen Befunde bleibt begrenzt.
EVIDENZ
Boldoblätter (Boldi folium) sind vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft. Die Anwendung bezieht sich auf die symptomatische Linderung von Verdauungsbeschwerden und leichten krampfartigen Beschwerden des Magen-Darm-Traktes.
Die HMPC-Einstufung beruht auf langjähriger traditioneller Anwendung, nicht auf einer gesicherten klinischen Wirksamkeit im Sinne eines well-established use. Experimentelle Untersuchungen zeigen antioxidative, entzündungshemmende, gastroprotektive und hepatoprotektive Eigenschaften von Boldin und weiteren Inhaltsstoffen. Die klinische Evidenz beim Menschen bleibt jedoch begrenzt.
Mehrere experimentelle Arbeiten beschreiben antioxidative und leberschützende Effekte von Boldin beziehungsweise Boldo-Extrakten. Diese Daten stammen überwiegend aus Zell- und Tiermodellen und erlauben keine direkte Ableitung einer klinisch gesicherten therapeutischen Wirkung.
Sicherheitsrelevant ist insbesondere der Gehalt an Ascaridol im ätherischen Öl. Das ätherische Öl und Destillate aus Boldoblättern sollen deshalb nicht verwendet werden. Geeignet sind nur Zubereitungen, bei denen die Ascaridol-Problematik berücksichtigt wird.
- PubMed: Boldine and its antioxidant or health-promoting properties ; Übersichtsarbeit zu antioxidativen und pharmakologischen Eigenschaften von Boldin.
- PubMed: Boldo and boldine: an emerging case of natural drug development ; klassische Übersichtsarbeit zu Pharmakologie und Toxikologie von Boldo und Boldin.
- PubMed: Effect of boldo infusion on lipoperoxidation induced by cisplatin in mice liver ; experimentelle Untersuchung zu antioxidativen und hepatoprotektiven Effekten.
- PubMed: Gastroprotective effect of the alkaloid boldine ; experimentelle Daten zu gastroprotektiven Eigenschaften von Boldin.
- PubMed: Boldine: a narrative review of the bioactive compound with pharmacological potential ; aktuelle Übersichtsarbeit zu pharmakologischen Eigenschaften von Boldin.
- EMA/HMPC: Boldi folium – europäische HMPC-Seite mit Monographie und Assessment Report.
- ESCOP – europäische Fachorganisation für pflanzliche Arzneimittel.
- Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag.
ANWENDUNG
Boldoblätter werden traditionell zur Linderung von Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl, dyspeptischen Beschwerden und leichten krampfartigen Beschwerden im Magen-Darm-Bereich verwendet.
Die Kommission E beschreibt spasmolytische und choleretische Wirkungen sowie eine Steigerung der Magensaftsekretion. Als Anwendungsgebiete werden leichte krampfartige Magen-Darm-Störungen und dyspeptische Beschwerden genannt.
In der Volksmedizin wurde Boldo auch als Cholagogum, Diuretikum, Stomachikum und Antirheumatikum verwendet. Für diese weitergehenden Anwendungen ist die klinische Evidenz begrenzt.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Zur Teezubereitung wird traditionell etwa 1 Teelöffel feingeschnittene Droge als Einzeldosis verwendet. Die mittlere Tagesdosis der Droge wird in klassischen Monographien mit etwa 3 g angegeben.
Verwendet werden zerkleinerte Boldoblätter für Aufgüsse oder geeignete Zubereitungen zum Einnehmen. Das ätherische Öl und Destillate aus Boldoblättern sollen wegen des Ascaridol-Gehalts nicht verwendet werden.
Boldo kann in Teemischungen mit anderen Bitter- und Verdauungspflanzen kombiniert werden, zum Beispiel mit Artischocke, Fenchel, Schafgarbe, Löwenzahn oder Curcuma.
SICHERHEIT
Boldo darf nicht bei Verschluss der Gallenwege, schweren Lebererkrankungen oder bekannter Überempfindlichkeit gegen Boldoblätter angewendet werden. Bei Gallensteinen oder unklaren Oberbauchbeschwerden ist ärztlicher Rat erforderlich.
Während Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen sollte Boldo nur nach fachlicher Abklärung verwendet werden. Das ätherische Öl und Destillate aus Boldoblättern sind wegen Ascaridol nicht zur Selbstanwendung geeignet.
Bei anhaltenden, zunehmenden oder wiederkehrenden Beschwerden, Gelbsucht, Fieber, starkem Schmerz oder Erbrechen ist eine ärztliche Abklärung notwendig.
STATUS
- Kommission E: positive Bewertung
- ESCOP : positive Bewertung
- HMPC : als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft ( Boldi folium )
SONSTIGES
Der Gattungsname Peumus geht auf einen chilenischen Pflanzennamen zurück. Der Artname boldus wurde nach dem spanischen Botaniker D. Boldo geprägt.
Boldoblätter werden auch als aromatischer Bestandteil von Kräutertees und traditionellen Zubereitungen verwendet. In grossen Mengen oder in ungeeigneten Zubereitungen ist von einer Selbstanwendung abzuraten.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Artischocke (Cynara scolymus) – traditionell bei Verdauungsbeschwerden und zur Unterstützung der Gallenfunktion verwendet.
- Löwenzahn (Taraxacum officinale) – Bitterstoffpflanze mit traditioneller Anwendung bei Verdauungsbeschwerden.
- Schafgarbe (Achillea millefolium) – traditionell bei Appetitlosigkeit und leichten krampfartigen Verdauungsbeschwerden.
- Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea) – klassische Bitterdroge bei Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden.
- Curcuma (Curcuma longa) – traditionell bei Verdauungsbeschwerden und Beschwerden im Gallenbereich verwendet.
FAQ
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Wofür werden Boldoblätter verwendet?
Boldoblätter werden traditionell zur Linderung von Verdauungsbeschwerden und leichten krampfartigen Beschwerden des Magen-Darm-Traktes verwendet. -
Ist Boldo medizinisch anerkannt?
Das HMPC stuft Boldoblätter als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein. Die Anwendung beruht auf langjähriger Verwendung. -
Welche Inhaltsstoffe sind wichtig?
Wichtige Inhaltsstoffe sind Alkaloide wie Boldin, Flavonoide und ätherisches Öl. Sicherheitsrelevant ist Ascaridol. -
Darf Boldo bei Gallensteinen angewendet werden?
Bei Gallensteinen oder unklaren Beschwerden im rechten Oberbauch sollte Boldo nur nach ärztlicher Rücksprache angewendet werden. -
Warum ist Boldo-Öl problematisch?
Das ätherische Öl kann relevante Mengen Ascaridol enthalten. Deshalb sollen Boldo-Öl und Destillate aus Boldoblättern nicht zur Selbstbehandlung verwendet werden.
Letzte Änderung: 08.05.2026 / © W. Arnold