Tabak (Nicotiana tabacum)
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Inhaltsstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Sicherheit | Status | Im Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Tabak ist pharmakologisch wirksam, aber wegen des enthaltenen Nicotins toxikologisch problematisch und besitzt heute keine anerkannte medizinische Anwendung als pflanzliche Droge. Historische Anwendungen von Tabakblättern gelten als obsolet. Medizinisch relevant ist heute vor allem standardisiertes Nicotin in zugelassenen Arzneiformen zur Unterstützung der Tabakentwöhnung; dies ist klar von der Anwendung der Tabakpflanze zu unterscheiden.
Nicotiana tabacum L. (syn. Nicotiana latissima, N. macrophylla);
Tabak, Virginischer Tabak.


Nicotiana rustica - Bauerntabak

VORKOMMEN
Tabak stammt ursprünglich aus Amerika. Nicotiana tabacum wurde nach der europäischen Kolonisation weltweit verbreitet und wird heute in warmen und gemässigten Klimazonen kultiviert. Die Art ist als Kulturpflanze bekannt und verwildert gelegentlich.
MERKMALE
Nicotiana tabacum ist eine meist einjährige, kräftige, krautige Pflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse. Die Pflanze kann je nach Sorte deutlich über einen Meter hoch werden. Die Blätter sind gross, weich, klebrig-drüsig behaart und wechselständig angeordnet.
Die Blüten sind röhren- bis trichterförmig und meist rosafarben bis rötlich. Innerhalb der Kulturformen bestehen deutliche Unterschiede in Wuchsform, Blattgrösse, Blattstellung und Blütenausbildung. Neben Nicotiana tabacum wurde historisch auch Nicotiana rustica, der Bauerntabak, verwendet.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Nicotianae folium (syn. Folia Tabaci, Herba Nicotianae virginianae, Herba Petum, Herba Tabaci); Tabakblätter.
Verwendet wurden die an der Luft getrockneten, unfermentierten Blätter des Virginischen Tabaks. Die arzneiliche Anwendung der Droge ist heute obsolet.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Die pharmakologisch wichtigste Wirkstoffgruppe sind Pyridinalkaloide. Hauptalkaloid ist Nicotin beziehungsweise Nikotin; daneben kommen Nornicotin, Anabasin, Anatabin und weitere verwandte Alkaloide vor. Der Alkaloidgehalt ist abhängig von Sorte, Anbau, Pflanzenteil, Erntezeitpunkt und Verarbeitung.
Weitere Inhaltsstoffe sind unter anderem Betain, Asparagin, Allantoin, organische Säuren, Polyphenole, Enzyme, Nitrate und verschiedene Begleitstoffe. Beim Erhitzen, Verglimmen oder Rauchen entstehen zusätzlich zahlreiche Abbau- und Verbrennungsprodukte, die für die gesundheitliche Bewertung von Tabakrauch wesentlich sind.

PHARMAKOLOGIE
Nicotin wirkt als Agonist an nikotinischen Acetylcholinrezeptoren. Diese Rezeptoren kommen im vegetativen Nervensystem, an neuromuskulären Strukturen und im Zentralnervensystem vor. Die Wirkung ist dosisabhängig und kann stimulierende, vegetative und toxische Effekte hervorrufen.
In niedrigen bis mittleren Dosen können zentralnervöse Aktivierung, veränderte Aufmerksamkeit, Puls- und Blutdruckveränderungen sowie vegetative Symptome auftreten. In höheren Dosen stehen Übelkeit, Erbrechen, Speichelfluss, Schwitzen, Schwindel, Tremor, Krämpfe, Herzrhythmusstörungen und Atemstörungen im Vordergrund.
Nicotin besitzt ein deutliches Abhängigkeitspotential. Die medizinische Nutzung von Nicotin erfolgt heute nicht über Tabakblätter, sondern über standardisierte Arzneiformen zur Tabakentwöhnung, beispielsweise Pflaster, Kaugummis, Lutschtabletten oder Inhalationssysteme.
EVIDENZ
Für Nicotiana tabacum beziehungsweise Nicotianae folium besteht keine moderne klinische Evidenz, die eine Anwendung als Heilpflanze rechtfertigt. Historische Anwendungen, etwa als Klistier oder bei Verstopfung, Koliken und Wurmerkrankungen, sind wegen der Toxizität obsolet.
- EMA: European Union herbal monographs and list entries – in den EU-Herbal-Monographien ist für Nicotiana tabacum beziehungsweise Nicotianae folium keine spezifische HMPC-Monographie als pflanzliches Arzneimittel vorhanden.
- EMA / HMPC – der Ausschuss erstellt EU-Monographien für pflanzliche Arzneimittel mit traditioneller oder bibliographisch belegter Anwendung; für Tabak besteht keine entsprechende positive pflanzliche Arzneidrogenbewertung.
- PubMed: Nicotine and health – Übersicht zur Pharmakologie, Toxizität und gesundheitlichen Bedeutung von Nicotin und Tabakprodukten.
- PMC: Nicotine - from discovery to biological effects – Übersicht zu chemischen, pharmakologischen und toxikologischen Eigenschaften von Nicotin.
Insgesamt ist Tabak nicht als Heilpflanze mit vertretbarer Nutzen-Risiko-Bilanz einzustufen. Die pharmakologische Wirkung des Nicotins ist gut belegt, aber wegen Toxizität, Abhängigkeitspotential und fehlender sinnvoller pflanzlicher Indikation nicht Grundlage einer heutigen arzneilichen Anwendung der Droge.
ANWENDUNG
Die frühere arzneiliche Anwendung von Tabakblättern bei Verstopfung, Koliken oder als Klistier bei Wurmerkrankungen ist heute verlassen. Eine Anwendung von Tabakblättern, Tabakextrakten oder selbst hergestellten Zubereitungen ist wegen der unkontrollierbaren Nicotinaufnahme und möglicher Vergiftungen nicht zu empfehlen.
Nicotin selbst wird in standardisierten, zugelassenen Arzneiformen unterstützend zur Raucherentwöhnung eingesetzt. Diese Verwendung betrifft definierte Nicotin-Arzneimittel und nicht die Anwendung der Tabakpflanze als Heilpflanze.
Die frühere Verwendung nicotinhaltiger Extrakte in der Schädlingsbekämpfung ist aufgrund der Toxizität und des Risikoprofils heute weitgehend verlassen beziehungsweise stark reguliert.
SICHERHEIT
Tabak ist wegen des Nicotingehalts toxikologisch relevant. Die Anwendung von Tabakblättern oder selbst hergestellten Zubereitungen kann zu schweren Vergiftungen führen. Besonders gefährdet sind Kinder, Schwangere, ältere Personen sowie Menschen mit Herz-Kreislauf-, Atemwegs- oder neurologischen Erkrankungen.
- Eine innerliche Anwendung von Tabakblättern, Tabakaufgüssen oder Tabakextrakten ist wegen Vergiftungsgefahr nicht vertretbar.
- Mögliche Vergiftungssymptome sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Speichelfluss, Schwitzen, Schwindel, Kopfschmerzen, Zittern, Blutdruck- und Pulsveränderungen, Krämpfe und Atemstörungen.
- Nicotin kann über Schleimhäute und über die Haut aufgenommen werden. Kontakt mit feuchtem Tabakpflanzenmaterial kann insbesondere bei empfindlichen Personen oder bei längerem Kontakt zu systemischen Symptomen führen.
- Tabakrauch enthält neben Nicotin zahlreiche weitere gesundheitsschädliche Stoffe. Rauchen ist keine medizinische Anwendung und ist mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbunden.
- Nicotinpräparate zur Tabakentwöhnung sollten nach Packungsinformation oder fachlicher Beratung angewendet werden, besonders bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schwangerschaft oder gleichzeitiger Einnahme anderer Arzneimittel.
STATUS
- Kommission E: keine Monographie vorhanden
- ESCOP: keine Monographie vorhanden
- HMPC: keine Monographie vorhanden
TABAK IM GARTEN
Tabak kann als Zier- oder Kulturpflanze in warmen, sonnigen Lagen kultiviert werden. Die Pflanze bevorzugt nährstoffreiche, lockere Böden und ausreichend Feuchtigkeit. Wegen ihrer Grösse benötigt sie genügend Platz und einen geschützten Standort.
Beim Umgang mit Tabakpflanzen ist zu beachten, dass Nicotin auch über feuchte Pflanzenteile aufgenommen werden kann. Nach längerem Kontakt mit Blättern sollten die Hände gewaschen werden; bei empfindlicher Haut sind Handschuhe sinnvoll.
SONSTIGES
Nicotin wurde nach Jean Nicot benannt, einem französischen Diplomaten des 16. Jahrhunderts, der Tabak in Europa bekannt machte. Die Gattung Nicotiana erinnert ebenfalls an diesen Namen.
Historisch wurde Tabak sehr unterschiedlich bewertet: als Genussmittel, Ritualpflanze, Arzneidroge und später als gesundheitlich problematisches Suchtmittel. Die heutige medizinische Bewertung unterscheidet klar zwischen standardisierten Nicotinpräparaten zur Entwöhnung und der nicht empfohlenen Anwendung der Tabakpflanze.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Stechapfel (Datura stramonium) – stark alkaloidhaltige Nachtschattenpflanze mit hohem Vergiftungsrisiko.
- Tollkirsche (Atropa belladonna) – enthält Tropanalkaloide und ist pharmakologisch wirksam, aber hochgiftig.
- Bilsenkraut (Hyoscyamus niger) – historische Arzneipflanze mit stark toxischen Alkaloiden.
- Bittersüsser Nachtschatten (Solanum dulcamara) – Nachtschattengewächs mit toxikologisch relevanten Inhaltsstoffen.
FAQ ZU TABAK
-
Ist Tabak eine Heilpflanze?
Tabak wurde historisch arzneilich verwendet, besitzt heute aber keine anerkannte medizinische Anwendung als pflanzliche Droge. Wegen der Toxizität und des Abhängigkeitspotentials von Nicotin ist eine Selbstanwendung nicht vertretbar. -
Welche Inhaltsstoffe enthält Tabak?
Die wichtigste Wirkstoffgruppe sind Pyridinalkaloide, vor allem Nicotin. Daneben kommen Nornicotin, weitere Alkaloide, organische Säuren, Polyphenole und Nitrate vor. -
Warum ist Tabak giftig?
Nicotin wirkt an nikotinischen Acetylcholinrezeptoren. In höheren Dosen kann es Übelkeit, Erbrechen, Speichelfluss, Schwitzen, Blutdruck- und Pulsveränderungen, Krämpfe und Atemstörungen verursachen. -
Wird Nicotin medizinisch verwendet?
Nicotin wird in standardisierten Arzneiformen wie Pflastern, Kaugummis oder Lutschtabletten zur Unterstützung der Tabakentwöhnung eingesetzt. Dies ist von der Anwendung der Tabakpflanze als Droge zu unterscheiden. -
Gibt es eine HMPC-Monographie zu Tabak?
Für Nicotiana tabacum beziehungsweise Nicotianae folium ist keine spezifische HMPC-Monographie als pflanzliches Arzneimittel vorhanden.
Letzte Änderung: 06.05.2026 / © W. Arnold




