Luzerne, Alfalfa – Medicago sativa
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Inhaltsstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Die Luzerne oder Alfalfa hat keine anerkannte medizinische Anwendung. In der Volksmedizin wird die Pflanze unter anderem bei erhöhten Cholesterinwerten, Wechseljahresbeschwerden und Arteriosklerose verwendet. Die Wirksamkeit ist für diese Anwendungen nicht ausreichend belegt; wegen Canavanin und phytoöstrogen wirksamen Inhaltsstoffen ist eine vorsichtige Sicherheitsbewertung wichtig.
Medicago sativa L.;
Luzerne (syn. Saat-Luzerne, Alfalfa, Schneckenklee, Ewiger Klee)

VORKOMMEN
Alfalfa beziehungsweise die Luzerne wird in Mitteleuropa oft feldmässig angebaut und verwildert immer wieder. Verwildert besiedelt sie Wegränder, ruderal werdende Halbtrockenrasen und Trockenwiesen. Im mitteleuropäischen Tiefland und in höheren Mittelgebirgen fehlt sie gebietsweise; sonst kommt sie in Mitteleuropa zerstreut vor.
Die Luzerne gedeiht am besten auf tiefgründigen, etwas kalkhaltigen, aber nur mässig nährstoff- und humusreichen Lehm- oder Lössböden. Als Kulturpflanze ist sie vor allem wegen ihres hohen Futterwertes und ihrer Fähigkeit zur Stickstoffbindung von grosser landwirtschaftlicher Bedeutung.
MERKMALE
Die Luzerne ist eine überwinternd grüne, ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von bis zu etwa 1 m. Sie besitzt ein tiefreichendes Wurzelsystem, das mehrere Meter in den Boden reichen kann und ihr erlaubt, trockenere Perioden besser zu überstehen.
Die Blätter sind dreizählig. Die Teilblätter werden bis etwa 3 cm lang, sind vorne meist gerundet oder gestutzt und fein gezähnt. Die Blüten sind hellblau, dunkelblau bis violett und stehen in endständigen, meist dicht gedrängten Trauben. Die Frucht besitzt spiralige Windungen und einen Durchmesser von wenigen Millimetern. Die Blütezeit reicht in der Regel von Juni bis August.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Herba Medicago sativae; Luzernenkraut (syn. Alfalfakraut, Schneckenkleekraut), das getrocknete Kraut.
Im Lebensmittelbereich werden auch junge Sprossen verwendet. Für eine medizinische Anwendung als Arzneidroge besteht jedoch keine anerkannte Monographie durch Kommission E, ESCOP oder HMPC.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Luzernenkraut enthält Triterpensaponine, darunter Glykoside von Hederagenin, Medicagensäure und Sojasapogenolen. Weitere Inhaltsstoffe sind Flavonoide, vor allem Glykoside von Apigenin und Luteolin, Cumarine, Stachydrin, Vitamine, Aminosäuren und nichtproteinogene Aminosäuren.
Pharmakologisch besonders beachtet werden Canavanin, eine nichtproteinogene Aminosäure, sowie Coumestrol, ein Coumestan mit phytoöstrogener Aktivität. Daneben kommen weitere phenolische Verbindungen und Begleitstoffe vor.

PHARMAKOLOGIE
Canavanin ist eine nichtproteinogene Aminosäure, die in Samen und jungen Pflanzenteilen verschiedener Leguminosen vorkommt. Ihre biologische Wirkung beruht unter anderem darauf, dass sie strukturell der Aminosäure Arginin ähnelt. Dadurch kann Canavanin in biologische Prozesse eingreifen, bei denen normalerweise Arginin beteiligt ist.
Für Alfalfa wurden in älteren Untersuchungen cholesterinsenkende Effekte beschrieben, insbesondere mit Samen oder ballaststoff- und saponinreichen Zubereitungen. Diese Befunde sind pharmakologisch interessant, reichen aber nicht aus, um eine gesicherte therapeutische Anwendung bei Hypercholesterinämie oder Arteriosklerose abzuleiten.
Coumestrol und verwandte Inhaltsstoffe können östrogenartige Wirkungen zeigen. Diese Eigenschaft erklärt traditionelle Anwendungen bei Wechseljahresbeschwerden, bedeutet aber zugleich, dass solche Anwendungen vorsichtig bewertet werden müssen.
EVIDENZ
Für Luzerne beziehungsweise Alfalfa besteht keine anerkannte medizinische Anwendung durch Kommission E, ESCOP oder HMPC. Die volkstümliche Anwendung bei erhöhten Cholesterinwerten, Wechseljahresbeschwerden, Hitzewallungen oder Arteriosklerose ist historisch beschrieben, klinisch aber nicht ausreichend gesichert.
Einzelne ältere Untersuchungen berichten über Effekte von Alfalfa-Samen oder Alfalfa-Bestandteilen auf Cholesterin- und Lipidstoffwechsel. Diese Daten sind jedoch klein, uneinheitlich und nicht mit einer modernen, belastbaren klinischen Studienlage gleichzusetzen. Eine therapeutische Empfehlung zur Behandlung von Fettstoffwechselstörungen lässt sich daraus nicht ableiten.
Sicherheitsrelevant sind Berichte und experimentelle Arbeiten zu Canavanin und immunologischen Effekten. In der Literatur werden lupusähnliche Reaktionen oder eine Verschlechterung eines bestehenden systemischen Lupus erythematodes im Zusammenhang mit Alfalfa-Präparaten diskutiert. Diese Hinweise betreffen vor allem konzentrierte Zubereitungen oder Tabletten und sind für die Nutzen-Risiko-Bewertung wichtig.
- PubMed: Alfalfa seeds lower low density lipoprotein cholesterol and apolipoprotein B concentrations in patients with type II hyperlipoproteinemia – ältere klinische Untersuchung zu Alfalfa-Samen und Lipidwerten.
- PubMed: Alfalfa Seeds: Effects on Cholesterol Metabolism – frühe Untersuchung zu Cholesterinstoffwechsel und Alfalfa-Samen.
- PubMed: Effects of L-canavanine on T cells may explain the induction of systemic lupus erythematosus by alfalfa – Arbeit zu Canavanin und möglichen immunologischen Effekten.
- PubMed: Dietary amino acid-induced systemic lupus erythematosus – experimentelle Hinweise zu Canavanin und lupusähnlichen Reaktionen.
- PubMed: Alfalfa pills and autoimmune diseases – kurzer Beitrag zu Alfalfa-Präparaten und Autoimmunerkrankungen.
- EMA / HMPC: European Union herbal monographs and list entries – Übersicht der europäischen pflanzlichen Monographien.
Zusammenfassend ist Luzerne eine wichtige Futter- und Nahrungspflanze mit pharmakologisch interessanten Inhaltsstoffen. Als Heilpflanze ist sie jedoch nicht ausreichend klinisch belegt. Die Anwendung konzentrierter Alfalfa-Präparate sollte wegen möglicher immunologischer und hormonartiger Effekte zurückhaltend beurteilt werden.
ANWENDUNG
Anerkannte medizinische Anwendung:
Keine anerkannte medizinische Anwendung.
Volkstümliche Anwendung:
In der Volksmedizin wird Luzerne unter anderem bei erhöhten Cholesterinwerten, Hypercholesterinämie, Wechseljahresbeschwerden, Hitzewallungen, verminderter östrogener Aktivität und Arteriosklerose verwendet. Die Wirksamkeit bei diesen Anwendungen ist nicht ausreichend belegt.
Alfalfa wird ausserdem als nährstoffreiche Pflanze, als Futterpflanze und in Form von Sprossen als Lebensmittel genutzt. Diese ernährungsbezogene Nutzung ist von einer medizinischen Anwendung als Arzneidroge zu unterscheiden.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Luzerne wird vor allem als Lebensmittel, Futterpflanze oder Nahrungsergänzung verwendet. Im Handel finden sich getrocknetes Kraut, Pulver, Tabletten, Kapseln und flüssige Zubereitungen.
Für eine medizinische Dosierung besteht keine anerkannte Grundlage. Angaben wie 5 bis 10 g, dreimal täglich, stammen aus der traditionellen oder ergänzungsbezogenen Anwendung und sind nicht als gesicherte therapeutische Dosierung zu verstehen.
SICHERHEIT
Bei Luzerne ist die Sicherheitsbewertung besonders wichtig. Konzentrierte Alfalfa-Präparate können relevante Mengen an Canavanin enthalten. In der Fachliteratur werden lupusähnliche Beschwerden und eine Verschlechterung eines bestehenden systemischen Lupus erythematodes im Zusammenhang mit Alfalfa-Präparaten diskutiert.
Menschen mit Autoimmunerkrankungen, insbesondere systemischem Lupus erythematodes, sollten Alfalfa-Präparate meiden oder nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden. Wegen phytoöstrogener Inhaltsstoffe wie Coumestrol ist bei hormonabhängigen Erkrankungen, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern ebenfalls Zurückhaltung angezeigt.
Bei gleichzeitiger Einnahme von Arzneimitteln, insbesondere bei gerinnungshemmender Therapie oder komplexer Dauermedikation, sollte die Anwendung konzentrierter Alfalfa-Präparate medizinisch abgeklärt werden.
STATUS
- Kommission E: keine Monographie vorhanden
- ESCOP: keine Monographie vorhanden
- HMPC: keine Monographie vorhanden
LUZERNE IM GARTEN
Die Luzerne ist ein recht anspruchsloses Gewächs. Sie bevorzugt sonnige, warme Standorte sowie tiefgründige, wasserdurchlässige und neutrale bis kalkhaltige Böden. Trockenere Standorte werden meist gut vertragen.
Die Vermehrung gelingt durch Aussaat. In naturnahen Beeten ist Luzerne eine attraktive Pflanze mit ökologischem Wert. Bienen und Hummeln besuchen die Blüten gerne. Die Pflanze passt gut zu anderen robusten Garten- und Wildpflanzen wie Steinklee, Wilder Malve, Sonnenhut und Nachtkerze.
SONSTIGES
Schon in Persien war die Luzerne eine wichtige Futterpflanze für Pferde. Nach Überlieferungen wurde sie um etwa 470 v. Chr. nach Griechenland gebracht. Von dort kam sie etwa zwischen 150 und 50 v. Chr. nach Italien, wo sie als Futter für Schafe genutzt wurde.
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts brachten spanische Kolonialherren die Luzerne nach Amerika, vor allem nach Mexiko und Peru. Nach Deutschland gelangte sie um 1700 aus Italien durch Waldenser. In nördlicheren Gebieten wird die Sichelluzerne erst seit etwa 200 Jahren angebaut.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Steinklee (Melilotus officinalis) – Fabaceae-Art mit Cumarin-Verbindungen und eigener Sicherheitsrelevanz.
- Bockshornklee (Trigonella foenum-graecum) – Leguminose mit traditioneller Anwendung und stoffwechselbezogener Forschung.
FAQ
- Hat Luzerne eine anerkannte medizinische Anwendung?
Nein. Für Luzerne beziehungsweise Alfalfa besteht keine anerkannte medizinische Anwendung durch Kommission E, ESCOP oder HMPC. - Wofür wird Alfalfa traditionell verwendet?
Traditionell wird Alfalfa unter anderem bei erhöhten Cholesterinwerten, Wechseljahresbeschwerden und Arteriosklerose verwendet. Die Wirksamkeit ist nicht ausreichend belegt. - Welche Inhaltsstoffe sind besonders wichtig?
Wichtig sind Triterpensaponine, Flavonoide, Cumarine, Phytoöstrogene wie Coumestrol sowie Canavanin. - Warum ist Canavanin problematisch?
Canavanin kann immunologisch relevant sein. In der Literatur werden lupusähnliche Beschwerden und eine Verschlechterung eines bestehenden systemischen Lupus erythematodes im Zusammenhang mit Alfalfa-Präparaten diskutiert. - Sollten Menschen mit Autoimmunerkrankungen Alfalfa meiden?
Bei Autoimmunerkrankungen, insbesondere systemischem Lupus erythematodes, ist Vorsicht angezeigt. Konzentrierte Alfalfa-Präparate sollten nur nach medizinischer Rücksprache verwendet werden.
Letzte Änderung: 05.05.2026 / © W. Arnold





