Mahonie – Mahonia aquifolium
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Mahonie im Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Die Mahonie hat keine anerkannte HMPC-, ESCOP- oder Kommission-E-Monographie. Für die äusserliche Anwendung standardisierter Mahonienrinden-Extrakte bei leichter bis mässiger Psoriasis liegen jedoch begrenzte klinische Daten vor. Eine innerliche Anwendung von Rinde, Wurzel oder Extrakten wird wegen des Alkaloidgehalts nicht empfohlen.
Mahonia aquifolium (syn. Berberis aquifolium, Odostemon aquifolium); Mahonie, Gewöhnliche Mahonie, Oregon grape.
VORKOMMEN
Die Mahonie ist im pazifischen Nordamerika beheimatet. Sie wächst dort auf feuchten, fruchtbaren Böden, zwischen Felsen und in lichten Gehölzbeständen, besonders in Oregon. Dort ist die Gewöhnliche Mahonie als „Oregon grape“ bekannt.
In Europa wurde der robuste Strauch im 19. Jahrhundert eingeführt. Mahonien wachsen auf vielen Böden und sind vor allem in städtischen Garten- und Parklandschaften verbreitet. Sie können stellenweise verwildern.
MERKMALE
Die Gewöhnliche Mahonie ist ein immergrüner, meist 1 bis 2 m hoher Strauch ohne Dornen. Die Zweigepidermis und die Wurzelrinde sind durch Alkaloide, insbesondere Berberin, intensiv gelb gefärbt.
Die Blätter sind unpaarig gefiedert, lederig und oberseits dunkelgrün glänzend. Sie besitzen mehrere lanzettliche, stachelig gezähnte Teilblätter. Im Spätherbst färben sich die Blätter oft rötlich.
Die gelben Blüten stehen in dichten, 5 bis 10 cm langen Rispen, meist zu mehreren in den Blattachseln. Die Blütezeit reicht von April bis Mai. Die Beeren sind dunkelblau, bereift, kugelig und etwa 1 cm gross.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
1. Mahoniae cortex (syn. Cortex Mahoniae), Mahoniarinde, die Ast- und Zweigrinde sowie die Zweigspitzen.
2. Mahoniae radix (syn. Radix Berberis aquifolii, Radix Mahoniae aquifolii); Mahoniawurzel, die getrockneten Rhizome und Wurzeln.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
1. Mahoniae cortex enthält Isochinolinalkaloide, besonders vom Protoberberintyp, darunter Berberin, ausserdem Alkaloide vom Aporphintyp wie Magnoflorin sowie Bisbenzylisochinolinalkaloide wie Berbamin und Oxyacanthin.
2. Mahoniae radix enthält ebenfalls Alkaloide, darunter Berberin, Oxyacanthin und Berbamin. Besonders alkaloidreich ist die Wurzelrinde.
PHARMAKOLOGIE
Berberin und verwandte Isochinolinalkaloide zeigen in experimentellen Untersuchungen antimikrobielle, entzündungshemmende, antiproliferative und immunmodulierende Effekte. Diese Mechanismen werden als mögliche Grundlage der äusserlichen Anwendung bei entzündlichen, schuppenden Hauterkrankungen diskutiert.
Für Berberin wurden auch zahlreiche systemische Effekte beschrieben, unter anderem auf Entzündungsmediatoren, Lipidstoffwechsel, Glukosestoffwechsel, Gefässe und Herz-Kreislauf-Parameter. Diese Befunde betreffen jedoch Berberin als isolierten Stoff oder andere berberinhaltige Pflanzen und rechtfertigen keine innerliche Anwendung von Mahonienrinde oder Mahonienwurzel.
EVIDENZ
Für Mahonia aquifolium besteht keine anerkannte europäische Arzneimonographie. Die beste klinische Datenlage betrifft die äusserliche Anwendung standardisierter Rindenextrakte bei leichter bis mässiger Psoriasis vulgaris.
Mehrere kleinere Studien und Übersichtsarbeiten berichten günstige Effekte bei Psoriasis. Die Aussagekraft bleibt jedoch begrenzt, weil viele Studien klein sind, methodische Schwächen aufweisen oder produktbezogene Zubereitungen untersuchen. Eine innerliche Anwendung ist daraus nicht ableitbar.
- EMA / HMPC: European Union monographs and list entries – In der HMPC-Monographienübersicht ist für Mahonia aquifolium keine pflanzliche Arzneimonographie ersichtlich.
- Wiesenauer & Lüdtke 1996, PubMed – randomisierte, placebokontrollierte klinische Studie mit Mahonia aquifolium-Rindenextrakt bei Psoriasis vulgaris.
- Gulliver & Donsky 2005, PubMed – Bericht über drei klinische Studien mit einer 10%igen Mahonia aquifolium-Creme bei Psoriasis.
- Janeczek et al. 2018, PubMed – Review zur Wirksamkeit und Sicherheit der topischen Anwendung von Mahonia aquifolium bei Psoriasis und atopischer Dermatitis.
- Deng et al. 2013, PubMed – systematische Übersicht zu pflanzlichen Extrakten bei Psoriasis; begrenzte Unterstützung für topische Zubereitungen mit Mahonia aquifolium.
ANWENDUNG
In der Literatur finden sich Hinweise auf die äusserliche Anwendung von Mahonienrinden-Extrakten bei schuppenden, entzündlichen Hauterkrankungen, insbesondere bei leichter bis mässiger Psoriasis. Diskutiert werden auch Anwendungen bei seborrhoischer Dermatitis, Haarschuppen und Akne; die Datenlage ist hier deutlich schwächer.
Die innerliche Anwendung von Rinde, Wurzel oder konzentrierten Extrakten wird nicht empfohlen. Historische und homöopathische Angaben sind nicht als Beleg für eine sichere oder wirksame phytotherapeutische Anwendung zu verstehen.
Bei Psoriasis sollten ausgedehnte, schwere, nässende, infizierte oder stark entzündliche Hautveränderungen ärztlich beurteilt werden. Mahonienhaltige topische Zubereitungen können allenfalls als ergänzende Option bei leichten Formen betrachtet werden.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Für die innerliche Anwendung besteht keine empfohlene Dosierung. Tees, Tinkturen oder Dekokte aus Rinde oder Wurzel werden wegen des Alkaloidgehalts nicht empfohlen.
Äusserlich wurden in klinischen Studien standardisierte Zubereitungen mit Mahonienrinden-Extrakt verwendet, vor allem Cremes oder Salben. Die Anwendung sollte nach Angaben des jeweiligen geprüften Präparats erfolgen.
SICHERHEIT
Äusserlich angewendete Mahonien-Zubereitungen wurden in Studien meist gut vertragen. Möglich sind lokale Reizungen, Brennen, Rötung, Trockenheit oder allergische Hautreaktionen.
Wegen der enthaltenen Isochinolinalkaloide, insbesondere Berberin, ist eine innerliche Anwendung von Rinde, Wurzel oder konzentrierten Extrakten nicht zu empfehlen. Berberin kann systemisch wirksam sein und Wechselwirkungen verursachen.
In Schwangerschaft und Stillzeit, bei Kindern sowie bei Lebererkrankungen sollte die Anwendung berberinhaltiger Zubereitungen besonders zurückhaltend beurteilt werden. Eine Anwendung auf grossflächig verletzter Haut ist zu vermeiden.
STATUS
- Kommission E: keine Monographie vorhanden
- ESCOP: keine Monographie vorhanden
- HMPC: keine Monographie vorhanden
MAHONIE IM GARTEN
Mahonien sind häufig in Gärten und Parks anzutreffen. Wegen ihres glänzenden Laubs, der gelben Blütenstände und der blauen, beerenartigen Früchte sind sie eine attraktive Zierpflanze.
Mahonien werden an helle, jedoch nicht vollsonnige Standorte gepflanzt. An den Boden stellt die Pflanze keine besonderen Ansprüche; bevorzugt werden eher frische bis mässig trockene Standorte. Mahonien brauchen wenig Pflege und gelten als anspruchslose Pflanzen.
Mahonia aquifolium ist winterhart und zur Unterpflanzung von Weissdorn, Sanddorn oder Faulbaum geeignet.
SONSTIGES
Der Artname aquifolium setzt sich aus den lateinischen Wörtern acus für Spitze und folium für Blatt zusammen und weist auf die stacheligen Spitzen an den Blatträndern hin. Für die Gewöhnliche Mahonie wird auch das Synonym Berberis aquifolium verwendet.
Die reifen Beeren sind sauer und wurden zur Herstellung von Marmeladen, Gelees oder Fruchtweinen verwendet. Die Rinde und Wurzel sind wegen der gelben Alkaloide deutlich anders zu beurteilen als die essbaren Früchte.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Berberitze (Berberis vulgaris) – berberinhaltige Pflanze aus derselben Familie.
- Kanadische Orangenwurzel (Hydrastis canadensis) – berberinhaltige Arzneipflanze mit relevanten Sicherheitsaspekten.
- Ringelblume (Calendula officinalis) – äusserlich bei kleinen Wunden und Hautentzündungen verwendet.
- Kamille (Matricaria recutita) – entzündungshemmend bei Haut- und Schleimhautreizungen.
- Zaubernuss (Hamamelis virginiana) – äusserlich bei Haut- und Schleimhautbeschwerden.
HÄUFIGE FRAGEN (FAQ)
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Hat Mahonie eine anerkannte medizinische Anwendung?
Für Mahonia aquifolium besteht keine anerkannte Monographie durch Kommission E, ESCOP oder HMPC. Für die äusserliche Anwendung bei Psoriasis gibt es jedoch begrenzte klinische Daten. -
Wofür wird Mahonie äusserlich verwendet?
Extrakte aus Rinde oder Wurzel werden äusserlich vor allem bei leichter bis mässiger Psoriasis verwendet. Die Evidenz ist begrenzt, aber besser als bei vielen anderen traditionellen Anwendungen. -
Welche Inhaltsstoffe sind wichtig?
Wichtig sind Isochinolinalkaloide, vor allem Berberin, ausserdem Berbamin, Oxyacanthin, Magnoflorin und verwandte Alkaloide. -
Ist eine innerliche Anwendung der Mahonie empfehlenswert?
Nein. Eine innerliche Anwendung wird wegen der Alkaloide und fehlender gesicherter Dosierungs- und Sicherheitsdaten nicht empfohlen. -
Sind Mahonienbeeren essbar?
Die reifen Beeren wurden als Lebensmittel, etwa für Marmelade oder Fruchtwein, verwendet. Wegen Säure, Samen und Alkaloidspuren sollten sie nicht in grossen Mengen roh gegessen werden.
Letzte Änderung: 04.05.2026 / © W. Arnold