Blutweiderich – Lythrum salicaria
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Blutweiderich im Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Blutweiderichkraut hat keine anerkannte medizinische Anwendung. Volksheilkundlich wurde das Kraut vor allem gegen Durchfall verwendet, ähnlich wie andere Gerbstoffdrogen, etwa Frauenmantelkraut, Odermennigkraut oder Gänsefingerkraut. Die klinische Evidenz ist begrenzt.
Blutweiderich, Roter Weiderich; Lythrum salicaria.
VORKOMMEN
Blutweiderich ist in Europa, Asien und Nordafrika heimisch und in Nordamerika eingebürgert. Die Pflanze wächst häufig an Seeufern, Flüssen, Gräben, Riedwiesen, Flachmooren, feuchten Wiesen und Waldrändern.
Sie bevorzugt feuchte bis nasse, nährstoffreiche Standorte und kann längere Zeit in wassergesättigten Böden stehen. In Nordamerika gilt Lythrum salicaria vielerorts als invasive Art.
MERKMALE
Der Blutweiderich ist eine mehrjährige, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von etwa 50 cm bis über 1,5 m erreichen kann. Die aufrechten Stängel sind meist kantig, beblättert und im oberen Bereich verzweigt.
Die Blätter sind lanzettlich bis schmal-eiförmig, ganzrandig und meist gegenständig oder quirlig angeordnet. Von Juni bis September erscheinen purpurrote bis violettrote Blüten in dichten, ähren- oder traubenartigen Blütenständen.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Salicariae herba (syn. Herba Salicariae); Blutweiderichkraut, das getrocknete Kraut beziehungsweise die getrockneten, blühenden Zweigspitzen.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Gerbstoffe: Blutweiderichkraut enthält Gerbstoffe, darunter Gallotannine und Ellagitannine. Nachgewiesen wurden unter anderem Gallussäure, Ellagsäure, p-Cumarsäure und Spuren von Chlorogensäure.
Flavonoide: Im Kraut kommen Flavonoide wie Vitexin, Isovitexin, Orientin und Isoorientin vor. Anthocyane tragen zur Blütenfarbe bei.
Weitere Inhaltsstoffe: Beschrieben wurden phenolische Verbindungen, Sterole wie beta-Sitosterin, Loliolid sowie weitere lipophile Bestandteile.
PHARMAKOLOGIE
Die volksmedizinische Anwendung bei Durchfall lässt sich vor allem durch den Gehalt an Gerbstoffen plausibel erklären. Gerbstoffe können adstringierend wirken, indem sie Eiweisse an der Schleimhautoberfläche fällen und dadurch eine oberflächlich verdichtende, reizlindernde Wirkung entfalten.
Experimentell wurden für Extrakte aus Lythrum salicaria antioxidative, antimikrobielle, entzündungshemmende und blutzuckerbezogene Effekte beschrieben. Diese Befunde stammen überwiegend aus Labor- oder Tiermodellen und erlauben keine gesicherte therapeutische Aussage für den Menschen.
EVIDENZ
Für Blutweiderichkraut besteht keine anerkannte medizinische Anwendung. Die Verwendung bei Durchfall ist traditionell und pharmakologisch durch den Gerbstoffgehalt plausibel, aber klinisch nicht ausreichend durch belastbare Humanstudien belegt.
Angaben zu Wirkungen auf Blutzucker, Lipidstoffwechsel oder Blutdruck beruhen vor allem auf experimentellen Untersuchungen. Daraus lässt sich keine Anwendung bei Diabetes, Hypertonie oder Fettstoffwechselstörungen ableiten.
- EMA / HMPC: European Union monographs and list entries – In der HMPC-Monographienübersicht ist für Lythrum salicaria keine pflanzliche Arzneimonographie ersichtlich.
- Piwowarski et al. 2015, PubMed – Review zur traditionellen Verwendung von Lythrum salicaria; Hauptanwendungen historisch bei Durchfall, Dysenterie sowie Haut- und Schleimhautbeschwerden.
- Granica et al. 2020, PubMed – experimentelle Untersuchung zu Ellagitanninen aus Lythrum salicaria; stützt mögliche Mechanismen einer antidiarrhoischen Wirkung, ersetzt aber keine klinische Wirksamkeitsstudie.
- Manayi et al. 2013, PMC – Untersuchung biologischer Aktivität; hohe antioxidative Aktivität, aber nur geringe antidiabetische und anti-Helicobacter pylori-Effekte.
ANWENDUNG
Volksheilkundlich wird Blutweiderichkraut vor allem bei Durchfall, Schleimhautentzündungen und leichten Blutungen verwendet. Genannt wurden auch Stomatitis, Kolitis, Fieber, Amenorrhoe, Gebärmutterblutungen, Rheuma-ähnliche Beschwerden und Diabetes mellitus.
Äusserlich wurden Zubereitungen bei Hauterkrankungen, Ekzemen, schlecht heilenden Stellen, offenen Krampfadern, Juckreiz und Schleimhautreizungen verwendet.
Die Wirksamkeit der Droge ist bei den genannten Anwendungsgebieten gegenwärtig nicht oder nicht ausreichend klinisch belegt. Besonders für Diabetes, Blutdruck, Fettstoffwechsel oder entzündliche Darmerkrankungen besteht keine Grundlage für eine Selbstbehandlung.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Für Blutweiderichkraut besteht keine anerkannte medizinische Dosierung. Historisch wurden Teeaufgüsse und Abkochungen verwendet.
Tee:
In volksheilkundlichen Quellen wird getrocknetes und zerkleinertes Kraut
oder blühendes Kraut mit kochendem Wasser übergossen und nach Ziehzeit
abgeseiht. Diese Angaben sind nicht als gesicherte medizinische Dosierung
zu verstehen.
Abkochung:
Für äusserliche Umschläge, Waschungen und Kompressen wurden Abkochungen
der getrockneten Pflanze beschrieben.
SICHERHEIT
Aufgrund des Gerbstoffgehalts können bei empfindlichen Personen Magenbeschwerden, Übelkeit oder Schleimhautreizungen auftreten. Länger dauernde oder hoch dosierte Anwendungen sind nicht zu empfehlen.
Durchfall sollte ärztlich abgeklärt werden bei Blut im Stuhl, Fieber, starker Austrocknung, schweren Bauchschmerzen, anhaltenden Beschwerden, Verdacht auf Infektion sowie bei Säuglingen, Kleinkindern, älteren oder geschwächten Personen.
In Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern sollte Blutweiderichkraut wegen fehlender Sicherheitsdaten nicht ohne fachliche Rücksprache angewendet werden.
STATUS
- Kommission E: keine Monographie vorhanden
- ESCOP: keine Monographie vorhanden
- HMPC: keine Monographie vorhanden
BLUTWEIDERICH IM GARTEN
Der Blutweiderich ist eine pflegeleichte, winterharte und robuste Pflanze. Er liebt volle Sonne, kommt aber auch mit Halbschatten zurecht. Am besten wächst er an wasserreichen Standorten und verträgt auch Staunässe, beispielsweise am Teichrand.
Dort kann er gut neben Kalmus, Gottesgnadenkraut, Fieberklee und anderen Wasserpflanzen eingesetzt werden. An den Boden stellt die Pflanze keine besonderen Ansprüche.
SONSTIGES
Die Pflanze ist seit dem Altertum bekannt. Der Name Blutweiderich wird meist mit den purpurroten Blüten und der früheren Verwendung als blutstillendes Mittel in Verbindung gebracht.
Blutweiderich ist ein wertvoller Nektarspender. Blütenbesucher sind unter anderem Schwebfliegen, Bienen und Schmetterlinge. Die Pflanze ist zudem eine wichtige Futterpflanze für Raupen aus der Gruppe der Nachtpfauenaugen.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Odermennig (Agrimonia eupatoria) – gerbstoffreiche Droge bei leichten Schleimhautreizungen und Durchfall.
- Gänsefingerkraut (Potentilla anserina) – traditionell bei leichten Magen-Darm-Beschwerden verwendet.
- Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) – gerbstoffhaltige Pflanze mit traditioneller Anwendung bei Durchfall.
- Blutwurz (Potentilla erecta) – stark gerbstoffhaltige Droge bei unspezifischem akutem Durchfall.
- Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) – getrocknete Früchte traditionell bei leichtem Durchfall.
HÄUFIGE FRAGEN (FAQ)
-
Hat Blutweiderich eine anerkannte medizinische Anwendung?
Nein. Für Blutweiderichkraut besteht keine anerkannte medizinische Anwendung durch Kommission E, ESCOP oder HMPC. -
Wofür wurde Blutweiderich volksmedizinisch verwendet?
Blutweiderichkraut wurde volksmedizinisch vor allem bei Durchfall, Schleimhautentzündungen und Blutungen verwendet. Die Wirksamkeit ist klinisch nicht ausreichend belegt. -
Welche Inhaltsstoffe sind wichtig?
Wichtig sind vor allem Gerbstoffe, darunter Gallotannine und Ellagitannine, ausserdem Flavonoide, Anthocyane und Phenolcarbonsäuren. -
Ist Blutweiderich bei Diabetes belegt?
Nein. Experimentelle Untersuchungen zu Blutzucker-Effekten sind vorhanden, aber eine klinisch gesicherte Anwendung bei Diabetes besteht nicht. -
Wann sollte Durchfall ärztlich abgeklärt werden?
Ärztliche Abklärung ist notwendig bei Blut im Stuhl, Fieber, starker Austrocknung, schweren Bauchschmerzen, anhaltendem Durchfall oder Durchfall bei Säuglingen, Kleinkindern, älteren oder geschwächten Personen.
Letzte Änderung: 04.05.2026 / © W. Arnold


