Gemeiner Wolfstrapp - Lycopus europaeus
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Lycopus europaeus (syn. Lycopus aquaticus, Lycopus vulgaris); Wolfstrapp (syn. Gemeiner Wasserandorn, Gemeiner Wolfsfuss, Uferwolfstrapp, Zigeunerkraut).
Wolfstrappkraut wird traditionell und nach Kommission E bei leichter Schilddrüsenüberfunktion mit vegetativ-nervösen Störungen sowie bei Mastodynie verwendet. Die klinische Evidenz ist begrenzt; die Datenlage stützt sich vor allem auf traditionelle Anwendung, pharmakologische Plausibilität und wenige klinische Untersuchungen.

VORKOMMEN
Der Gemeine Wolfstrapp ist in weiten Teilen Europas und Westasiens verbreitet. Er wächst bevorzugt an feuchten bis nassen Standorten, etwa an Ufern, Gräben, in Röhrichten, Seggenbeständen und in feuchten Bruchwäldern.
Typisch sind nährstoffreiche, zeitweise überschwemmte Böden. Die Art ist an wassernahe Lebensräume gut angepasst und daher besonders in sumpfigen oder ufernahen Bereichen zu finden.

MERKMALE
Der Ufer-Wolfstrapp ist eine mehrjährige krautige Pflanze und erreicht meist 20 bis 120 cm Wuchshöhe. Er bildet unterirdische Ausläufer und kann dadurch kleinere Bestände entwickeln.
Die gegenständigen Blätter sind grob gesägt, die unteren manchmal fiederteilig. Stängel und Blätter können kahl oder nur spärlich behaart sein. Die kleinen, weisslichen Blüten mit purpurnen Punkten sitzen in dichten Scheinquirlen in den Blattachseln.


DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Lycopi herba (syn. Herba Lycopi, Herba Marrubii aquatici, Lycopi europaei herba); Wolfstrappkraut, die zur Blütezeit gesammelten und getrockneten oberirdischen Teile.
WIRKSTOFFE
Wichtig sind Hydroxyzimtsäure-Derivate, insbesondere Rosmarinsäure sowie p-Cumar- und Kaffeesäure. Daneben kommen Flavonoide wie Luteolin-7-glucosid und Luteolin-7-glucuronid, ferner Cumarine, Gerbstoffe und Triterpene wie Ursolsäure vor.
Das ätherische Öl ist nur in kleinen Mengen vorhanden. Beschrieben wurden unter anderem Bornylacetat, Camphen, Campher, Geraniol, Limonen und Linalool.

PHARMAKOLOGIE
Für die pharmakologische Wirkung werden vor allem phenolische Inhaltsstoffe, insbesondere Hydroxyzimtsäure-Derivate, verantwortlich gemacht. Experimentelle Arbeiten beschreiben antithyreotrope und antigonadotrope Effekte sowie eine mögliche Beeinflussung der peripheren Dejodierung von Schilddrüsenhormonen.
Diese Befunde liefern eine pharmakologische Plausibilität für die traditionelle Anwendung bei leichter Schilddrüsenüberfunktion und bei Mastodynie. Sie ersetzen jedoch keinen gesicherten klinischen Wirksamkeitsnachweis.
EVIDENZ
Die Evidenz für Wolfstrapp ist begrenzt. Die medizinische Verwendung stützt sich vor allem auf die Monographie der Kommission E, auf traditionelle Anwendung sowie auf präklinische Untersuchungen zur möglichen Wirkung auf schilddrüsenassoziierte Parameter.
Es liegt eine offene klinische Anwendungsbeobachtung zu einem Lycopus europaeus-Extrakt bei milder Hyperthyreose vor. Solche Daten sind interessant, reichen aber nicht aus, um eine breit abgesicherte klinische Wirksamkeit im Sinn moderner evidenzbasierter Standards zu belegen.
Die Datenlage ist heterogen. Für Wolfstrapp bleibt deshalb eine zurückhaltende, evidenzkonforme Einordnung sinnvoll: pharmakologisch plausibel, traditionell verwendet, klinisch jedoch nur begrenzt untersucht.
- Eiling et al. (2013) – offene Anwendungsbeobachtung zu einem Lycopus europaeus-Extrakt bei milder Hyperthyreose.
- Vonhoff et al. (2006) – experimentelle Untersuchung zu Effekten eines Lycopus europaeus-Extrakts auf kardiovaskuläre Zeichen und schilddrüsenbezogene Parameter.
- Kommission E Monographie zu Lycopi herba – klassische regulatorische Grundlage für die Anwendung bei leichter Schilddrüsenüberfunktion und Mastodynie.
ANWENDUNG
Anerkannte beziehungsweise regulatorisch abgestützte Anwendung
- leichte Schilddrüsenüberfunktion mit vegetativ-nervösen Störungen
- Spannungsgefühl und Schmerzen in der Brustdrüse (Mastodynie)
Die Kommission E nennt für Wolfstrappkraut antigonadotrope und antithyreotrope Wirkungen sowie eine mögliche Hemmung der peripheren Dejodierung von T4. Diese Einordnung erklärt die traditionelle Verwendung bei milden Formen der Hyperthyreose und bei Mastodynie.
Die Anwendung sollte bei Schilddrüsenerkrankungen nicht unkritisch in Selbstmedikation erfolgen. Besonders bei anhaltenden Beschwerden, unklaren Befunden oder gleichzeitiger medikamentöser Therapie ist eine ärztliche Begleitung angezeigt.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Die Kommission E nennt als Tagesdosis 1 bis 2 g Droge für Teeaufgüsse beziehungsweise entsprechende Mengen in anderen Zubereitungen.
Da Wolfstrapp in einen sensiblen hormonellen Regelkreis eingreift, sollte die Anwendung nur nach Absprache mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer entsprechend fachkundigen Person erfolgen.
SICHERHEIT
Wolfstrapp ist kontraindiziert bei Schilddrüsenunterfunktion sowie bei Schilddrüsenvergrösserung ohne Funktionsstörung. Die Behandlung sollte nicht abrupt abgesetzt werden, da eine Verstärkung des Beschwerdekomplexes beschrieben wurde.
Bei Langzeittherapie und sehr hoher Dosierung wurden in seltenen Fällen Schilddrüsenvergrösserungen beschrieben. Eine gleichzeitige Einnahme mit Schilddrüsenhormon-Präparaten ist zu vermeiden.
Zudem kann Wolfstrapp die Schilddrüsendiagnostik mit Radioisotopen beeinträchtigen. Bei neu auftretenden oder zunehmenden Symptomen einer Schilddrüsenerkrankung ist eine ärztliche Abklärung erforderlich.
STATUS
- Kommission E: positive Bewertung
- ESCOP: keine Monographie vorhanden
- HMPC: keine Monographie vorhanden
WOLFSTRAPP IM GARTEN
Wolfstrapp eignet sich gut für feuchte Gartenbereiche, etwa an Teichrändern, Grabenrändern oder in sumpfigen Zonen. Er bevorzugt nährstoffreiche Böden und einen sonnigen bis leicht halbschattigen Standort.
Die Pflanze ist winterhart und bildet mit der Zeit durch Ausläufer kleine Bestände. Im Naturgarten ist sie vor allem für wassernahe Bereiche interessant.
Gute Nachbarn sind andere feuchteliebende Arten wie Fieberklee, Kalmus, Baldrian oder Blutweiderich.
SONSTIGES
Die Geschichte der medizinischen Anwendung des Europäischen Wolfstrapps ist vergleichsweise jung. Traditionell wurde er vor allem bei Herzklopfen und nervösen Beschwerden im Zusammenhang mit Schilddrüsenstörungen verwendet.
Ähnliche Heilpflanzen
- Melisse (Melissa officinalis) – beruhigend wirkende Heilpflanze bei nervöser Unruhe und funktionellen Beschwerden.
- Baldrian (Valeriana officinalis) – mild sedierend bei nervöser Unruhe und Einschlafstörungen.
- Herzgespann (Leonurus cardiaca) – traditionell bei nervösen Herzbeschwerden verwendet.
- Salbei (Salvia officinalis) – klassische Heilpflanze mit anderer Indikationslage, aber ebenfalls mit phenolischen Inhaltsstoffen wie Rosmarinsäure.
FAQ
- Wofür wird Wolfstrapp medizinisch verwendet?
Wolfstrappkraut wird traditionell und nach Kommission E bei leichter Schilddrüsenüberfunktion mit vegetativ-nervösen Störungen sowie bei Mastodynie verwendet. - Ist Wolfstrapp gut klinisch belegt?
Die Evidenz ist begrenzt. Es liegen pharmakologische Daten und einzelne klinische Beobachtungen vor, aber keine breite klinische Absicherung nach modernen Standards. - Wie wird Wolfstrapp dosiert?
Die Kommission E nennt 1 bis 2 g Droge pro Tag für Teeaufgüsse beziehungsweise entsprechende Mengen in anderen Zubereitungen. - Was ist bei der Anwendung zu beachten?
Wolfstrapp ist kontraindiziert bei Schilddrüsenunterfunktion und sollte nicht abrupt abgesetzt werden. Die Anwendung sollte ärztlich begleitet werden.
Letzte Änderung: 16.04.2026 / © W. Arnold



