Walnussbaum - Juglans regia

Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ

Walnuss (syn. Christnuss, Steinnuss, Welschnuss)

Die medizinisch anerkannte Anwendung von Walnussblättern betrifft die äusserliche Behandlung leichter entzündlicher Hautveränderungen sowie die Verminderung übermässiger Schweissabsonderung, insbesondere an Händen und Füssen. Die regulatorische Grundlage beruht vor allem auf traditioneller Anwendung.

Walnussbaum mit grünen Früchten und Laub

Walnussblätter von Juglans regia

Walnüsse (kugeligen Steinfrüchte) am Baum.

VORKOMMEN

Der Walnussbaum ist ursprünglich in einem Gebiet von Südosteuropa über Vorderasien bis Zentralasien verbreitet. Als Herkunftsregion werden unter anderem der Balkan, Anatolien, der Kaukasus, der Iran und westliche Gebiete des Himalaya genannt. Heute ist Juglans regia in weiten Teilen Europas, West- und Zentralasiens sowie in anderen gemässigten Regionen kultiviert und teilweise verwildert.

Bevorzugt werden warme, sonnige Standorte mit tiefgründigen, nährstoffreichen und ausreichend frischen Böden. In höheren Lagen ist der Baum frostempfindlicher und daher deutlich seltener.

MERKMALE

Der Walnussbaum ist ein sommergrüner Baum, der gewöhnlich 15 bis 25 Meter hoch wird. Er bildet eine breite, oft locker aufgebaute Krone. Die Rinde ist in jüngeren Jahren hellgrau und relativ glatt, im Alter dunkler und längsrissig.

Die Blätter sind unpaarig gefiedert, aromatisch riechend und bestehen meist aus fünf bis neun Fiederblättchen. Frisch austreibende Blätter können leicht rötlich gefärbt sein. Die Art ist einhäusig; männliche und weibliche Blüten befinden sich auf derselben Pflanze. Die bekannten Walnüsse sind die Samen der kugeligen Steinfrüchte.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Juglandis folium (syn. Folia Juglandis); Walnussblätter, die getrockneten Laubblätter von Juglans regia.

WIRKSTOFFE

Gerbstoffe: etwa 10 % Gerbstoffe, vor allem vom Ellagitannin-Typ.

Naphthochinon-Derivate: insbesondere Juglon; in getrockneten Blättern liegt Juglon wegen seiner Instabilität nur in geringen Mengen vor.

Flavonoide: unter anderem Hyperosid, Quercitrin, Quercetin und Kämpferol.

Phenolsäuren: beispielsweise Kaffeesäure und p-Cumarsäure.

Ätherisches Öl: nur in sehr kleinen Mengen; beschrieben sind unter anderem Caryophyllen, Germacren D, (E)-β-Ocimen, β-Pinen und Limonen.

Weitere Inhaltsstoffe: unter anderem Ascorbinsäure.

Strukturformeln von Juglon und Germacren als Inhaltsstoffe der Walnussblätter

PHARMAKOLOGIE

Walnussblätter wirken aufgrund ihres Gerbstoffgehalts adstringierend. Diese Eigenschaft erklärt die traditionelle äusserliche Anwendung bei leichten entzündlichen Hautveränderungen und bei übermässiger Schweissabsonderung.

Darüber hinaus wurden in experimentellen Untersuchungen antimikrobielle, antioxidative und weitere biologische Effekte beschrieben. Solche Befunde betreffen jedoch vor allem Labor- und präklinische Modelle und sind nicht gleichbedeutend mit einem gesicherten klinischen Wirksamkeitsnachweis.

Aussagen zu Herz-Kreislauf-Effekten, Diabetes oder Prostata beziehen sich überwiegend auf Walnüsse als Lebensmittel und nicht auf Juglandis folium als Arzneidroge. Für die AWL-Hauptseite sind daher die Walnussblätter als traditionelle äusserliche Arzneidroge massgeblich.

EVIDENZ

Die Evidenz für Walnussblätter stützt sich in erster Linie auf langjährige traditionelle Anwendung und pharmakologische Plausibilität. Die HMPC-Monographie erkennt die äusserliche Anwendung bei leichten entzündlichen Hautzuständen sowie bei übermässiger Schweissabsonderung der Hände und Füsse als traditionelle pflanzliche Anwendung an.

Die Evidenz ist begrenzt. Kontrollierte klinische Studien sind für diese Anwendungsgebiete nicht ausreichend, weshalb kein well-established use abgeleitet wurde. Präklinische Untersuchungen, insbesondere zu antimikrobiellen Eigenschaften, unterstützen die Plausibilität der Anwendung.

ESCOP führt inzwischen ebenfalls eine Monographie zu Juglandis folium. Insgesamt bleibt die Datenlage für die äusserliche traditionelle Anwendung brauchbar, für weitergehende medizinische Aussagen jedoch begrenzt.

ANWENDUNG

Anerkannte beziehungsweise regulatorisch abgestützte Anwendung

  • äusserlich bei leichten entzündlichen Hautveränderungen
  • äusserlich zur Verminderung übermässiger Schweissabsonderung, insbesondere an Händen und Füssen

Kommission E beschreibt Walnussblätter als adstringierende Droge zur äusserlichen Anwendung bei leichten oberflächlichen Entzündungen der Haut sowie bei übermässiger Schweissabsonderung. Die HMPC-Monographie bestätigt diese Anwendung im Rahmen des Traditional Use.

Traditionell werden Zubereitungen aus den Blättern als Waschungen, Umschläge, Teilbäder oder Abkochungen verwendet. Für weitergehende Indikationen, etwa innere Stoffwechselwirkungen, liegt für Juglandis folium keine entsprechende regulatorische Grundlage vor.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Für Umschläge, Waschungen oder Teilbäder werden 4 bis 6 g zerkleinerte Walnussblätter mit 200 ml kochendem Wasser als Abkochung zubereitet.

Die HMPC-Monographie sieht die äusserliche Anwendung zwei- bis viermal täglich beziehungsweise je nach Indikation bis zu 30 Minuten zweimal täglich vor. Die Anwendung sollte nicht länger als eine Woche dauern.

SICHERHEIT

Walnussblätter sind ausschliesslich zur äusserlichen Anwendung bestimmt. Die Zubereitungen sollen nicht auf offenen Wunden oder grossen Hautverletzungen angewendet werden.

Bei Überempfindlichkeit gegenüber Walnussblättern ist die Anwendung kontraindiziert. Unerwünschte Wirkungen sind in der HMPC-Monographie nicht bekannt; die Anwendung kann jedoch die Haut vorübergehend verfärben.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren liegen keine ausreichenden Daten vor; die Anwendung wird daher nicht empfohlen. Auch während Schwangerschaft und Stillzeit wird die Anwendung mangels ausreichender Daten nicht empfohlen.

Wenn sich die Beschwerden verschlimmern oder trotz Anwendung bestehen bleiben, ist eine ärztliche oder fachkundige Abklärung angezeigt.

STATUS

  • Kommission E: positive Bewertung
  • ESCOP: Monographie vorhanden
  • HMPC: als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (Juglandis folium)

WALNUSSBAUM IM GARTEN

Der Walnussbaum braucht viel Platz und eignet sich vor allem für grössere Gärten. Er bevorzugt einen sonnigen, warmen und geschützten Standort mit tiefgründigem, nährstoffreichem Boden.

Junge Bäume reagieren empfindlicher auf starke Fröste, ältere Exemplare sind deutlich robuster. Wegen der breiten Krone und des kräftigen Wurzelsystems sollte genügend Abstand zu Gebäuden und anderen Gehölzen eingeplant werden.

Im Hausgarten steht der Walnussbaum meist als Nutz- und Schattenbaum im Vordergrund. Die medizinisch verwendete Droge sind jedoch die Blätter.

Walnussbaum als Solitärbaum im Garten

SONSTIGES

Der Name Walnuss geht auf die Bedeutung "welsche Nuss" zurück und verweist auf die aus südlicheren Regionen eingeführte Frucht. Der Walnussbaum war in Europa nicht nur als Fruchtbaum, sondern auch wegen seines wertvollen Holzes von grosser Bedeutung.

In der Volkskunde spielten Walnussbaum und Walnuss vielerorts auch eine Rolle in Brauchtum und Symbolik. Für die Arzneipflanzenkunde stehen jedoch die Blätter als traditionelle Heilpflanzendroge im Vordergrund.

Ähnliche Heilpflanzen

  • Zaubernuss (Hamamelis virginiana) – gerbstoffreiche Heilpflanze zur äusserlichen Anwendung bei leichten Hautreizungen.
  • Eiche (Quercus robur) – adstringierende Droge mit Gerbstoffen für Umschläge und Bäder.
  • Kamille (Matricaria recutita) – klassische Heilpflanze bei leichten Haut- und Schleimhautentzündungen.
  • Salbei (Salvia officinalis) – traditionell auch gegen übermässige Schweissabsonderung verwendet.

FAQ

  • Wofür werden Walnussblätter verwendet?
    Walnussblätter werden traditionell äusserlich bei leichten entzündlichen Hautveränderungen und bei übermässiger Schweissabsonderung an Händen und Füssen angewendet.
  • Sind Walnussblätter innerlich als Arznei anerkannt?
    Für Juglandis folium steht die äusserliche Anwendung im Vordergrund. Eine HMPC-anerkannte innere Anwendung ist nicht vorgesehen.
  • Wie werden Walnussblätter zubereitet?
    Üblich ist eine Abkochung aus 4 bis 6 g zerkleinerten Blättern auf 200 ml kochendes Wasser für Umschläge, Waschungen oder Teilbäder.
  • Was ist bei der Anwendung zu beachten?
    Die Anwendung sollte nicht auf offenen Wunden oder grossen Hautverletzungen erfolgen. Bei anhaltenden oder sich verschlechternden Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.

Letzte Änderung: 16.04.2026 / © W. Arnold