Feige, Feigenbaum - Ficus carica
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Die Feige und ihre Zubereitungen werden traditionell vor allem bei träger Verdauung und Obstipation verwendet. Für Feigenfrüchte gibt es begrenzte klinische Hinweise auf eine günstige Wirkung bei Verstopfung. Feigenblätter und Milchsaft sind wegen Furocumarinen und möglicher phototoxischer Hautreaktionen vorsichtig zu beurteilen.
Ficus carica L. (syn. Caprificus insectifera, Ficus communis, Ficus latifolia, Ficus leucocarpa, Ficus macrocarpa, Ficus pachycarpa, Ficus praecox); Echter Feigenbaum, Feige, Essfeige.
VORKOMMEN
Die Wildform der Echten Feige ist nicht sicher geklärt. Ihr Ursprung wird im südwestasiatischen Raum vermutet. Seit der Antike wird Ficus carica im Mittelmeergebiet kultiviert und ist dort vielerorts verwildert. In wintermilden Regionen gedeiht die Feige auch nördlich des Mittelmeerraums, etwa in geschützten Lagen Mitteleuropas, in Südengland und in Teilen des Ostseeraums.
Der Anbau von Feigen konzentriert sich vor allem auf warme, trockene bis mässig trockene Regionen. Die Feige ist eine der ältesten Kulturpflanzen und wird sowohl als Fruchtbaum als auch als Ziergehölz geschätzt.
MERKMALE
Die Feige wächst als sommergrüner Strauch oder kleiner Baum und erreicht meist 3 bis 10 m Höhe. Die Laubblätter stehen wechselständig, besitzen kräftige Blattstiele und sind gross, derb, meist drei- bis fünflappig und oberseits rau. Bei Verletzung von Blättern, Zweigen oder unreifen Früchten tritt ein weisser Milchsaft aus.
Die eigentlichen Blüten sitzen verborgen im Innern eines krugförmigen Blütenstandes. Aus diesem Blütenstand entwickelt sich die bekannte Feige, botanisch ein Fruchtverband beziehungsweise eine Scheinfrucht. Je nach Sorte, Klima und Kulturform entstehen eine oder mehrere Ernten pro Jahr.
DROGEN
1. Caricae fructus - syn. Fructus Caricae, Fructus Ficus, Pseudofructus Caricae; Feigen, der getrocknete ganze Fruchtstand.
2. Ficus-carica-Blätter - die frischen oder getrockneten Feigenblätter. Medizinisch sind sie deutlich kritischer zu beurteilen als die Früchte.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
1. Caricae fructus - getrocknete Feigen enthalten vor allem Kohlenhydrate, Pektine, lösliche und unlösliche Ballaststoffe, organische Säuren, Mineralstoffe, geringe Mengen Lipide und Eiweiss sowie Vitamine und Polyphenole. Beschrieben sind ausserdem Flavonoide wie Schaftosid und Isoschaftosid sowie geringe Spuren von Furocumarinen.
2. Ficus-carica-Blätter - Feigenblätter enthalten Cumarine und Furocumarine, darunter Psoralen und Bergapten, ausserdem Umbelliferon, Marmesin, Scopoletin, ätherisches Öl, Polysaccharide, Triterpene, Gerbstoffe, Rutin und Vitamin C. Im Milchsaft der Blätter und jungen Pflanzenteile ist die Protease Ficin enthalten.
PHARMAKOLOGIE
Die verdauungsfördernde beziehungsweise mild laxierende Wirkung getrockneter Feigen ist vor allem durch Ballaststoffe, Pektine, osmotisch wirksame Kohlenhydrate und Wasserbindung plausibel. Dadurch können Stuhlvolumen und Stuhlkonsistenz beeinflusst werden.
Für Feigenblätter werden in präklinischen und kleineren klinischen Untersuchungen verschiedene Stoffwechselwirkungen diskutiert. Diese Daten reichen jedoch nicht für eine allgemeine therapeutische Empfehlung. Der Milchsaft und die Blätter enthalten Furocumarine, die bei Hautkontakt und UV-Licht phototoxische Reaktionen auslösen können.
EVIDENZ
Für Feigenfrüchte gibt es begrenzte klinische Hinweise auf eine günstige Wirkung bei funktioneller Obstipation. Die Datenlage ist jedoch nicht breit genug, um eine starke arzneiliche Empfehlung abzuleiten. Bei Feigenblättern überwiegt wegen Furocumarinen und phototoxischem Milchsaft die sicherheitliche Vorsicht.
- PubMed – randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie zu Ficus carica-Paste bei funktioneller Obstipation.
- PubMed – präklinische Untersuchung zu Feigenpaste bei experimentell ausgelöster Obstipation.
- PMC – Review zu Phytochemie, traditionellen Anwendungen und pharmakologischen Untersuchungen von Ficus carica.
- PubMed – Untersuchung zu Psoralen und Bergapten als photoaktiven Inhaltsstoffen in Feigenblättern und Pflanzensaft.
- PMC – Fallbericht zu Phytophotodermatitis nach Kontakt mit dem Feigenbaum.
- EMA – European Union herbal monographs and list entries – Übersicht der europäischen pflanzlichen Monographien und Listeneinträge; keine spezifische HMPC-Monographie zu Ficus carica bekannt.
ANWENDUNG
1. Caricae fructus - Feigenfrüchte und Feigenzubereitungen werden traditionell bei träger Verdauung und Obstipation verwendet. Die Wirkung ist als milde, ernährungsphysiologisch plausible Unterstützung zu verstehen, nicht als starkes Laxans.
Klassische Feigensirupe oder Feigenpräparate enthalten häufig weitere laxierende Drogen, besonders Senna. In solchen Kombinationen ist die abführende Wirkung nicht allein der Feige zuzuschreiben.
2. Ficus-carica-Blätter - Feigenblätter wurden volksmedizinisch unter anderem als Tee bei Stoffwechselbeschwerden, Husten und Erkältungen verwendet. Solche Anwendungen sind nicht ausreichend belegt. Wegen Furocumarinen und möglicher phototoxischer Reaktionen ist eine Selbstanwendung nicht zu empfehlen.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Getrocknete Feigen können als Lebensmittel in üblichen Mengen verzehrt werden. Bei Neigung zu Verstopfung werden sie traditionell eingeweicht oder zusammen mit ausreichend Flüssigkeit gegessen. Entscheidend ist eine ausreichende Trinkmenge, da Ballaststoffe sonst nicht optimal wirken.
Feigenblätter, Milchsaft und selbst hergestellte Blattauszüge sollten nicht als Hausmittel verwendet werden. Für arzneiliche Feigenblatt-Zubereitungen besteht keine allgemein anerkannte Dosierung.
SICHERHEIT
Feigenfrüchte sind als Lebensmittel im Allgemeinen gut verträglich. Bei empfindlichen Personen können Blähungen, Bauchbeschwerden oder Durchfall auftreten, besonders bei grösseren Mengen getrockneter Feigen. Wegen des hohen Zuckergehalts sind getrocknete Feigen bei Diabetes und energiereduzierter Ernährung entsprechend einzuordnen.
Der Milchsaft frischer Feigenblätter, Zweige und unreifer Früchte kann die Haut reizen. Durch Furocumarine wie Psoralen und Bergapten sind bei anschliessender Sonnenexposition phototoxische Reaktionen möglich. Beim Schneiden des Feigenbaums sind Handschuhe und Schutz vor Sonnenlicht sinnvoll.
STATUS
- Kommission E: negative Beurteilung für Feigenfrüchte als Arzneidroge; keine Monographie für Feigenblätter
- ESCOP: keine Monographie vorhanden
- HMPC: keine Monographie vorhanden
FEIGENBAUM IM GARTEN
Der Feigenbaum bevorzugt warme, sonnige und windgeschützte Standorte mit durchlässigem, nährstoffreichem Boden. In wintermilden Gegenden kann er ausgepflanzt werden; in kälteren Regionen ist ein geschützter Standort an einer Mauer oder die Kultur im grossen Gefäss vorteilhaft.
Junge Pflanzen sind frostempfindlicher als ältere Exemplare. Ein Winterschutz des Wurzelbereichs und der jungen Triebe ist in raueren Lagen sinnvoll. Beim Rückschnitt ist der austretende Milchsaft zu beachten, da er hautreizend und phototoxisch wirken kann.
SONSTIGES
Die Feige gehört zu den ältesten Kulturpflanzen des Mittelmeerraums. In der Bibel und in der antiken Symbolik steht sie häufig für Fruchtbarkeit, Frieden und Wohlstand. Die Redewendung „Feigenblatt“ geht auf die Verwendung von Feigenblättern als symbolische Verhüllung zurück.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Senna (Senna alexandrina) – stark wirksame Laxansdroge mit Anthranoiden.
- Lein (Linum usitatissimum) – Quellstoffdroge bei träger Verdauung und Obstipation.
- Flohsamen (Plantago afra) – ballaststoffreiche Quellstoffdroge zur Stuhlregulation.
- Faulbaum (Frangula alnus) – anthranoidhaltige Laxansdroge mit klarer Sicherheitsbegrenzung.
FAQ
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Wird die Feige bei Verstopfung verwendet?
Ja. Getrocknete Feigen werden traditionell bei träger Verdauung und Verstopfung verwendet. Die Wirkung beruht vor allem auf Ballaststoffen, Zuckeralkoholen, Pektinen und Wasserbindung. -
Ist Feigensirup gleich Feige?
Nicht immer. Viele klassische Feigensirupe enthalten weitere laxierende Pflanzenbestandteile, häufig Senna. Die Wirkung solcher Zubereitungen darf nicht allein der Feige zugeschrieben werden. -
Sind Feigenblätter unproblematisch?
Nein. Feigenblätter und Milchsaft enthalten Furocumarine wie Psoralen und Bergapten. Bei Hautkontakt und Sonnenlicht können phototoxische Hautreaktionen auftreten. -
Hat Ficus carica eine HMPC-Monographie?
Für Ficus carica ist keine spezifische HMPC-Monographie bekannt.
Letzte Änderung: 29.04.2026 / © W. Arnold




