Weidenröschen (Epilobium parviflorum, Epilobium angustifolium)

Weidenröschenkraut ist in der EU als traditionelles pflanzliches Arzneimittel anerkannt. Die traditionelle Anwendung betrifft die Linderung von Beschwerden der unteren Harnwege im Zusammenhang mit benigner Prostatahyperplasie, nachdem ernsthafte Erkrankungen ärztlich ausgeschlossen wurden.

Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Im Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ

Epilobium parviflorum Schreb. – Kleinblütiges Weidenröschen; Epilobium angustifolium L. (syn. Chamaenerion angustifolium) – Schmalblättriges Weidenröschen. Die Gattung umfasst zahlreiche Arten; als arzneilich verwendete Droge ist Epilobii herba von besonderem Interesse.

Epilobium parviflorum – Kleinblütiges Weidenröschen

Blühendes Kleinblütiges Weidenröschen (Epilobium parviflorum)

Epilobium angustifolium – Schmalblättriges Weidenröschen

Blütenstand des Schmalblättrigen Weidenröschens (Epilobium angustifolium)

Weidenröschenbestand mit rosa Blüten

VORKOMMEN

Das Kleinblütige Weidenröschen wächst bevorzugt an feuchten Standorten, etwa an Ufern, Gräben, in Sümpfen oder auf nassen Wiesen, und ist in weiten Teilen Europas verbreitet.

Das Schmalblättrige Weidenröschen ist auf der Nordhalbkugel zirkumpolar verbreitet. Als typische Pionierpflanze besiedelt es Kahlschläge, Böschungen, Uferbereiche, Schuttplätze und andere offene Ruderalstandorte. Bevorzugt werden frische bis mässig feuchte, nährstoffreiche Böden an sonnigen bis halbschattigen Standorten.

MERKMALE

Epilobium parviflorum ist eine ausdauernde krautige Pflanze und erreicht meist 20 bis 100 Zentimeter Höhe. Charakteristisch sind die eher kleinen, blass rosa bis rosavioletten Blüten mit vier Kronblättern.

Epilobium angustifolium wächst kräftiger und wird meist 50 bis 150 Zentimeter, gelegentlich auch höher. Die schmal lanzettlichen Blätter sitzen wechselständig, die zahlreichen purpurrosa Blüten stehen in langen endständigen Trauben. Die Blütezeit reicht in Mitteleuropa typischerweise von Juni bis August.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Arzneilich verwendet wird Epilobii herba, das Weidenröschenkraut. Darunter versteht man die kurz vor oder während der Blüte gesammelten und getrockneten oberirdischen Teile geeigneter Arten, insbesondere Epilobium parviflorum und Epilobium angustifolium.

Im phytotherapeutischen Zusammenhang werden traditionell vor allem kleinblütige Arten bevorzugt. Im Handel und in populären Darstellungen finden sich jedoch auch Zubereitungen oder Bezüge auf das Schmalblättrige Weidenröschen.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Weidenröschen enthält vor allem Polyphenole. Dazu gehören Flavonoide, insbesondere Flavonolglykoside mit Aglyka wie Kämpferol, Myricetin und Quercetin. Daneben kommen Gerbstoffe, vor allem Ellagitannine und Polygalloylglucosen, vor.

Besonders beachtet wird das Ellagitannin Oenothein B. Ausserdem wurden Leukoanthocyane, Lectine, Sterole sowie Triterpensäuren wie Oleanolsäure und Ursolsäure beschrieben. Die genaue Zusammensetzung kann je nach Art, Herkunft, Erntezeitpunkt und Verarbeitung variieren.

Strukturformel von Oenothein B

PHARMAKOLOGIE

Präklinisch wurden für Extrakte aus Weidenröschen entzündungshemmende, antioxidative, antimikrobielle und teils antiproliferative Wirkungen beschrieben. Von besonderem Interesse sind Oenotheine und andere Polyphenole, die in experimentellen Modellen mit Effekten auf Entzündungsmediatoren und Enzymsysteme des Androgenstoffwechsels in Verbindung gebracht wurden.

Diskutiert werden unter anderem Hemmungen von 5α-Reduktase und Aromatase sowie immunmodulatorische Wirkungen von Oenothein B. Diese Befunde machen die traditionelle Anwendung bei Beschwerden der unteren Harnwege pharmakologisch plausibel, ersetzen aber keine belastbare klinische Wirksamkeitsbeurteilung.

EVIDENZ

Die Evidenzlage zu Weidenröschen ist zurückhaltend zu bewerten. Die regulatorische Anerkennung beruht vor allem auf langjähriger traditioneller Anwendung, nicht auf einem well-established use mit robusten klinischen Wirksamkeitsdaten. Präklinische und einzelne kliniknahe Arbeiten sprechen für eine pharmakologische Plausibilität, doch die klinische Datenlage bleibt insgesamt begrenzt, heterogen und für eine starke therapeutische Aussage nicht ausreichend.

ANWENDUNG

Epilobii herba wird traditionell zur Linderung von Beschwerden der unteren Harnwege im Zusammenhang mit benigner Prostatahyperplasie verwendet, sofern ärztlich ausgeschlossen wurde, dass eine ernsthafte Erkrankung vorliegt. Es handelt sich dabei um eine traditionelle Anwendung, nicht um eine gesicherte kurative Therapie der Prostatahyperplasie.

Volkstümlich wird Weidenröschen vor allem als Tee bei Miktionsbeschwerden eingesetzt. Zusätzlich finden sich traditionelle Anwendungen bei unspezifischen Reizungen im Magen-Darm-Bereich, diese stehen jedoch nicht im Vordergrund der aktuellen regulatorischen Bewertung.

Im phytotherapeutischen Umfeld wird Weidenröschen häufig zusammen mit anderen bei BPH diskutierten Drogen genannt, etwa Kürbissamen, Sägepalmenfrüchten und Brennnesselwurzel. Daraus darf aber nicht auf eine gleich starke Evidenzlage geschlossen werden.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Für die Anwendung als Tee werden 1,5 bis 2,0 g der zerkleinerten Droge mit 250 ml kochendem Wasser übergossen. Nach etwa 10 bis 15 Minuten wird abgeseiht. Traditionell wird der Aufguss zweimal täglich eingenommen.

Bei anhaltenden Beschwerden, unklaren Symptomen oder fehlender Besserung ist eine ärztliche Abklärung angezeigt.

SICHERHEIT

Gegenanzeigen sind Überempfindlichkeiten gegen die Droge. Wenn sich die Beschwerden verschlimmern oder Fieber, Krämpfe, Blut im Urin, Schmerzen beim Wasserlassen oder Harnverhalt auftreten, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren besteht keine relevante Anwendung. Für Schwangerschaft und Stillzeit ist die Anwendung aufgrund des Indikationsgebietes nicht vorgesehen.

STATUS

  • Kommission E: keine Monographie vorhanden
  • ESCOP: Monographie vorhanden (Epilobii herba, Online Series 2024)
  • HMPC: traditionelle Anwendung anerkannt (Epilobii herba)

WEIDENRÖSCHEN IM GARTEN

Das Schmalblättrige Weidenröschen bevorzugt frische bis mässig feuchte, nährstoffreiche Böden an sonnigen bis halbschattigen Standorten. Es ist robust, winterhart und lässt sich durch Aussaat, Teilung oder Stecklinge vermehren.

Als dekorative Wildstaude eignet es sich besonders für naturnahe Gärten. Aufgrund seiner Ausbreitungsfreude sollte der Standort bewusst gewählt werden. Junge Blätter und Triebspitzen können kulinarisch verwendet werden, etwa als Gemüse oder in Kräutermischungen.

Schmalblättriges Weidenröschen im Garten

SONSTIGES

Weidenröschenarten sind typische Pionierpflanzen. Sie besiedeln offene Flächen oft sehr rasch und treten daher charakteristisch auf Waldbrandflächen, Schutthalden oder anderen gestörten Standorten auf. Das Schmalblättrige Weidenröschen wurde nach Kriegszerstörungen häufig auf Trümmerflächen beobachtet.

Ähnliche Heilpflanzen

  • Sägepalme (Serenoa repens) – traditionell und phytotherapeutisch bei Beschwerden im Zusammenhang mit benigner Prostatahyperplasie verwendet.
  • Brennnessel (Urtica dioica) – die Wurzel wird in der Phytotherapie ebenfalls bei BPH-bedingten Harnbeschwerden eingesetzt.
  • Kürbis (Cucurbita pepo) – Kürbissamen werden traditionell bei Miktionsbeschwerden verwendet.
  • Goldrute (Solidago virgaurea) – Heilpflanze mit Schwerpunkt auf Harnwegen, allerdings mit anderer therapeutischer Ausrichtung.

FAQ

  • Wofür wird Weidenröschen verwendet?
    Traditionell zur Linderung von Beschwerden der unteren Harnwege im Zusammenhang mit benigner Prostatahyperplasie, nachdem ernste Erkrankungen ärztlich ausgeschlossen wurden.
  • Ist Weidenröschen ein anerkanntes Arzneimittel?
    Ja, auf HMPC-Ebene als traditionelles pflanzliches Arzneimittel. Das bedeutet jedoch keine starke klinische Evidenz im Sinn eines well-established use.
  • Wie wird Weidenröschen eingenommen?
    Meist als Teeaufguss aus der zerkleinerten Droge, üblicherweise zweimal täglich.
  • Wann sollte man zum Arzt?
    Bei Blut im Urin, Schmerzen beim Wasserlassen, Harnverhalt, Fieber, Krämpfen oder bei zunehmenden Beschwerden.

Letzte Änderung: 15.04.2026 / © W. Arnold