Engelstrompeten – Brugmansia
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Anwendung | Zubereitung | Evidenz | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Engelstrompeten (Brugmansia) haben keine anerkannte medizinische Anwendung.
Sie sind dekorative Zierpflanzen, enthalten jedoch hochgiftige Tropanalkaloide
wie Scopolamin und Hyoscyamin.
Die Pflanzen wirken stark anticholinerg und können schwere Vergiftungen
mit Delirium, Halluzinationen, Tachykardie und lebensbedrohlichen Zuständen verursachen.
Von jeder innerlichen oder missbräuchlichen Anwendung ist dringend abzuraten.
VORKOMMEN
Engelstrompeten stammen aus Südamerika und sind vor allem im Andenraum beheimatet. Sie wachsen dort in offenen, gestörten Habitaten, an Wegrändern, in Siedlungsnähe und in kultivierten Bereichen. Je nach Art reicht das natürliche Vorkommen vom Tiefland bis in montane Höhenlagen.
Heute werden Brugmansia-Arten weltweit als Zierpflanzen kultiviert. In Mitteleuropa findet man sie meist als Kübelpflanzen in Gärten, auf Terrassen oder in Wintergärten.
MERKMALE
Engelstrompeten sind 2 bis 5 m hohe, teils starkwüchsige Sträucher oder kleine Bäume. Charakteristisch sind die grossen, oft weich wirkenden Blätter und die auffälligen, meist hängenden, trompetenförmigen Blüten, die weiss, gelb, rosa, orange oder lachsfarben sein können.
Die Blätter sind je nach Art und Sorte eiförmig bis elliptisch, ganzrandig bis schwach gezähnt und häufig weich behaart. Die Blüten hängen im Gegensatz zu den meist aufrecht stehenden Blüten von Datura-Arten nach unten. Gerade diese Unterscheidung ist botanisch wichtig, weil Engelstrompeten oft fälschlich pauschal als „Datura“ bezeichnet werden.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Alle Pflanzenteile – insbesondere Blätter, Blüten, Samen und Wurzeln – enthalten Tropanalkaloide. Der Alkaloidgehalt kann je nach Art, Sorte, Pflanzenteil, Entwicklungsstadium und Standort stark schwanken.
Gerade diese schlechte Vorhersagbarkeit der Wirkstoffmenge macht die Pflanze toxikologisch besonders gefährlich.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Hauptwirkstoffe sind Tropanalkaloide, vor allem Hyoscyamin, Atropin (Racemat aus D-/L-Hyoscyamin) und Scopolamin. Daneben kommen weitere, strukturell verwandte Alkaloide in geringeren Mengen vor.
Siehe auch die tropanalkaloidhaltigen Heilpflanzen Stechapfel, Alraune, Tollkirsche, Bilsenkraut und Glockenbilsenkraut.
PHARMAKOLOGIE
Tropanalkaloide wirken anticholinerg, indem sie muskarinische Acetylcholinrezeptoren blockieren. Daraus ergeben sich typische Effekte wie Mydriasis, Mundtrockenheit, Tachykardie, verminderte Schweisssekretion, zentrale Erregung, Desorientierung, Halluzinationen und Delirium.
Die pharmakologische Grundwirkung entspricht damit anderen tropanalkaloidhaltigen Nachtschattengewächsen wie Stechapfel und Tollkirsche, ist bei Engelstrompeten jedoch aufgrund der stark schwankenden Zusammensetzung praktisch nicht sicher dosierbar.
ANWENDUNG
Engelstrompeten werden nicht als Heilpflanzen verwendet. Historisch und ethnobotanisch sind zwar traditionelle Anwendungen einzelner Arten aus Südamerika beschrieben, doch handelt es sich dabei nicht um eine anerkannte, moderne phytotherapeutische Anwendung.
In der Medizin verwendet man nicht die Pflanze, sondern allenfalls isolierte Reinsubstanzen wie Atropin oder Scopolamin in genau definierter Dosierung.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Für Engelstrompeten gibt es keine sichere hausmedizinische Zubereitung und keine verantwortbare Dosierung. Die Pflanze ist als Selbstmedikation ungeeignet.
Engelstrompeten sind starke Giftpflanzen.
Bereits geringe Mengen können schwere anticholinerge Vergiftungen verursachen.
Missbrauch als Rauschmittel ist besonders gefährlich, weil die Alkaloidkonzentration
stark schwankt und toxische Wirkungen unvorhersehbar auftreten können.
EVIDENZ
Für Brugmansia-Arten besteht keine anerkannte medizinische Anwendung in der modernen Phytotherapie. Die wissenschaftliche Literatur beschreibt vor allem Botanik, traditionelle Nutzungen, Phytochemie, Toxikologie und Vergiftungsfälle.
Gut belegt ist insbesondere das Vorkommen von Tropanalkaloiden sowie das Risiko schwerer anticholinerger Intoxikationen. Die klinisch relevante medizinische Verwendung betrifft isolierte Wirkstoffe wie Atropin oder Scopolamin, nicht jedoch die Pflanze als solche.
- Übersichtsarbeit zur Gattung Brugmansia: PubMed
- Fallbericht mit Literaturübersicht zu Vergiftungen: PubMed
- Freier Volltext zum Vergiftungsfall: PMC
- Übersicht zu Tropanalkaloiden: PMC
STATUS
Giftpflanze ohne anerkannte medizinische Anwendung.
Pharmakologisch relevante Inhaltsstoffe sind vorhanden, die Pflanze selbst ist jedoch
wegen ihrer Toxizität und der stark schwankenden Alkaloidgehalte für eine medizinische
Anwendung ungeeignet.
ENGELSTROMPETEN IM GARTEN
In unseren Breitengraden sind Engelstrompeten beliebte Kübelpflanzen. Sie bevorzugen einen sonnigen bis halbschattigen Standort, benötigen viel Wasser, reichlich Nährstoffe und ein gut drainiertes Substrat. Wegen ihres raschen Wachstums und der grossen Blattmasse sind sie windanfällig.
Für einen sicheren Stand eignen sich grosse Kübel mit ausreichend Volumen. Staunässe ist zu vermeiden. Während der Wachstumsphase ist eine regelmässige Düngung sinnvoll.
Ausgepflanzte Exemplare können in warmen Sommern beeindruckende Grössen erreichen, sind jedoch nicht frosthart. Vor dem ersten Frost müssen sie stark zurückgeschnitten und frostfrei überwintert werden.
SONSTIGES
Engelstrompeten werden häufig mit Datura-Arten verwechselt. Botanisch handelt es sich aber um eine eigene Gattung innerhalb der Solanaceae. Brugmansia-Arten sind verholzend und tragen meist hängende Blüten, während Datura-Arten meist krautig wachsen und überwiegend aufrechte Blüten besitzen.
Ethnobotanisch sind aus Südamerika rituelle und halluzinogene Anwendungen beschrieben. Aus heutiger toxikologischer Sicht ist davon klar abzuraten. Auch in Europa und anderen Regionen sind wiederholt schwere Vergiftungen dokumentiert worden.
Ein persönlicher Bezug: Engelstrompeten beeindrucken im Garten durch ihre grossen, hängenden Blüten und den kräftigen Wuchs. Gerade diese Schönheit darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um eine der problematischeren Zierpflanzen mit echter Vergiftungsrelevanz handelt.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Datura stramonium – ebenfalls tropanalkaloidhaltige Giftpflanze mit ähnlicher anticholinerger Wirkung.
- Atropa belladonna – klassische Arznei- und Giftpflanze mit Hyoscyamin und Atropin.
- Hyoscyamus niger – giftige Solanacee mit Scopolamin und Hyoscyamin.
- Mandragora officinarum – kulturhistorisch bedeutende Giftpflanze mit Tropanalkaloiden.
- Scopolia carniolica – tropanalkaloidhaltige Arznei- und Giftpflanze.
FAQ ZU ENGELSTROMPETEN
-
Sind Engelstrompeten Heilpflanzen?
Nein. Engelstrompeten haben keine anerkannte medizinische Anwendung und gelten als stark giftig. -
Welche Stoffe machen Engelstrompeten gefährlich?
Vor allem die Tropanalkaloide Scopolamin, Hyoscyamin und Atropin bzw. atropinartige Alkaloide. -
Welche Vergiftungssymptome sind typisch?
Typisch sind Mundtrockenheit, weite Pupillen, Tachykardie, Unruhe, Verwirrtheit, Halluzinationen, Delirium und in schweren Fällen lebensbedrohliche Zustände. -
Kann man Engelstrompeten medizinisch verwenden?
Die Pflanze selbst nein. Medizinisch verwendet werden nur isolierte Wirkstoffe wie Atropin oder Scopolamin unter kontrollierten Bedingungen. -
Worin unterscheiden sich Engelstrompeten von Stechapfel?
Engelstrompeten gehören zur Gattung Brugmansia und tragen meist hängende Blüten. Stechapfel gehört zur Gattung Datura und hat meist aufrechte Blüten.
Letzte Änderung: 28.03.2026 / © W. Arnold

