Erdrauch - Fumaria officinalis

Fumaria officinalis (syn. Fumaria media, Fumaria vulgaris);
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Erdrauch (syn. Ackerraute, Echter Erdrauch, Gemeiner Erdrauch, Krätzheil, Traubenkerbel).

Erdrauch

Fumaria officinalis - Erdrauch

Erdrauch - Fumaria officinalis

VORKOMMEN

Ursprünglich war der Erdrauch in der gemässigten und mediterranen Zone Eurasiens beheimatet. Heute ist die Pflanze fast weltweit verschleppt. Der Echte Erdrauch gilt als Nährstoffanzeiger. Er war früher recht häufig als Unkraut auf Äckern, Gärten und Weinbergen zu finden. Durch den Einsatz von Herbiziden sind seine Bestände aber stark rückläufig. Ich halte die schöne Pflanze im Garten.

MERKMALE

Der Erdrauch hat aufsteigende bis aufrechte Stengel, mit einer Höhe von 10 - 40 cm und 20 bis 40 in Trauben stehende Blüten. Die Blüten sind rosa bis rot mit dunkelroten Spitzen an den Kronblättem. Er blüht von April bis Oktober. Die Frucht ist annähernd kugelig und enthält jeweils nur einen Samen. Die ziemlich grossen Blätter des Erdrauchs sind mehrfach fiederig in schmale, aber flache Segmente geteilt.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Fumariae herba (syn. Herba Fumariae); Erdrauchkraut (syn. Ackerrautenkraut, Rauchkraut), das getrocknete Kraut.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Alkaloide:
Etwa 1 % Alkaloide, es handelt sich um Benzylisochinolinderivate vom Protopin-Typ und auch Indenbenzazepine (Fumarofin, Fumasritrin). Bekannt sind etwa 30 Verbindungen. Protopin ist das Hauptalkaloid (Gehalt bis zu 0,4 %), Nebenalkaloide sind (-)-Scoulerin, Sinactin, Cryptopin, Stypolin, Fumaritin, Fumarofin (Gehalt bis zu 0.3 %), Fumaricin, (+)-Fumarilin und Fumarophycin.

Flavonoide:
Rutin, Quercetin-3,7-diglucosid, Quercetin-3-glucosid sowie wenig Kämpferol-3-arabinosid.

Pflanzensäuren:
Fumarsäure (Name!), Äpfelsäure, Kaffeesäure, Chlorogensäure und verschiedene Hydroxyzimtsäure-Äpfelsäureester in rel. hoher Konzentration), darunter insbesondere Kaffeesäure-Äpfelsäureester.

Weitere Bestandteile:
Wenig Vitamin C, Schleimstoffe und Cholin.

Protopin - Alkaloid aus dem Erdrauch

PHARMAKOLOGIE

Die leichte, spasmolytische Wirkung am oberen Verdauungstrakt wird allgemein bestätigt. In dieser Beziehung ähnelt der Erdrauch in seiner Wirkung dem Schöllkraut.

In der Literatur wird oft eine so genannte "amphicholeretische" oder "amphoterische" Wirksamkeit. zitiert (d.h. Die Droge kann sowohl den Gallefluss fördern, als auch pathologisch gesteigerten Gallefluss reduzieren). Es gibt wenige Studien hierzu, diese belegen aber die amphoterische Wirksamkeit von Erdrauch.

Für Fumarsäureester des Erdrauchs konnte eine hemmende Wirkung auf TH1-Zellen festgestellt werden. Personen mit Psoriasis bilden diese im Übermass. Das führte zurm Einsatz synthetisch hergestellter Ester der Fumarsäure in der (nur unter ärztlicher Aufsicht durchgeführten) Therapie von Psoriasis.

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendungen (Kommission E):

  • Anwendungsgebiete: Krampfartige Beschwerden Im Bereich der Gallenblase und der Gallenwege sowie des Magen-Darm-Traktes.
  • Wirkungen: Ausreichend gesichert ist die leichte, spasmolytische Wirkung am oberen Verdauungstrakt.
  • Gegenanzeigen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln: Keine bekannt.
  • Art der Anwendung: Zerkleinerte Droge und deren galenische Zubereitungen zum Einnehmen.
  • Dosierung: Soweit nicht anders verordnet: Mittlere Tagesdosis: 6 g Droge; Zubereitungen entsprechend.

ESCOP: Bei Verdauungsbeschwerden (z.B. Magenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Völlegefühl, Flatulenz) im Zusammenhang mit Leber-Galle-Störungen.

Das HMPC hat Erdrauchkraut als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.

Volkstümliche Anwendung:
In der Volksheilkunde wird Erdrauchkraut traditionell äusserlich, bei Hautkrankheiten wie Psoriasis und chronischem Ekzem angewendet. Innerlich vor allem bei Verstopfung, Lebererkrankungen und Blasenleiden als Diureticum. Die Wirksamkeit dieser Anwendungen ist nicht belegt.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Meistens Bestandteil von Fertigarzneimitteln (Fluid- oder Trockenextrakte).

Als Teeaufguss: mehrmals täglich eine Tasse Erdrauchkrauttee vor oder zu den Mahlzeiten trinken. Tagesdosis: 6 g Droge.

STATUS

  • Kommission E: - positive Bewertung
  • ESCOP: - positive Bewertung
  • HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
  • Klinische Studien: positiv

HOMÖOPATHIE

Fumaria officinalis - die oberirdischen Teile der blühenden Pflanzen.
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Anwendungsgebiet: chronisches juckendes Ekzem bei Leberstörungen.

ERDRAUCH IM GARTEN

Der Erdrauch wächst gerne in voller Sonne, genügt sich aber auch mit Halbschatten. Er liebt schwach saure, stickstoffreiche Böden. Der einjährige Erdrauch sät sich selber aus und passt sehr gut in jeden Naturgarten. Bei mir im Garten wächst er neben Schwarzkümmel, Tausendgüldenkraut, Goldrute, Schöllkraut und Johanniskraut.

Erdrauch

SONSTIGES

Für den Namen Erdrauch gibt es verschiedene Erklärungen. Einmal soll sich der Name auf die rauchähnliche, graugrüne Färbung der Blätter beziehen. Zum anderen reizt der Saft - wie Rauch - die Augen zu Tränen, wenn er mit ihnen in Berührung kommt. Der Erdrauch war schon im Altertum eine bekannte Heilpflanze.

Letzte Änderung: 23.01.2017 / © W. Arnold