Echtes Löffelkraut - Cochlearia officinalis

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Cochlearia officinalis L. (syn. Cochlearia linnaei, Crucifera cochlearia); Löffelkraut, Bitterkresse, Löffelkresse, Lungenkresse, Quellenkraut, Scharbocksheilkraut, Skorbutkraut.

Für Echtes Löffelkraut besteht heute keine allgemein anerkannte medizinische Anwendung. Historisch wurde die Pflanze wegen ihres Vitamin-C-Gehaltes gegen Skorbut genutzt; weitere Anwendungen in Volksmedizin und äusserlicher Reiztherapie sind traditionell, aber klinisch nicht ausreichend belegt.

Echtes Löffelkraut mit rundlichen Blättern und weissen Blüten

Blühendes Echtes Löffelkraut (Cochlearia officinalis)

VORKOMMEN

Das Echte Löffelkraut kommt vor allem im salzhaltigen Marschland, insbesondere in den höheren Zonen der Salzwiesen, am Meer vor. Die Ausbreitung erstreckt sich von den Küsten der Arktis bis in die gemässigteren Zonen der nördlichen Halbkugel und in Gebirge Europas. Zu seinen Verwandten zählen das Englische Löffelkraut (Cochlearia anglica) und das Dänische Löffelkraut (Cochlearia danica).

Die Pflanze gehört zu den frühen Frühjahrsblühern. An salzbeeinflussten Standorten kann sie Salz in den Blättern anreichern und ältere Blätter später vertrocknet abstossen.

MERKMALE

Das Echte Löffelkraut ist eine 15 bis 35 cm hohe, zwei- bis mehrjährige, wintergrüne, kahle Pflanze mit spindeligem, reichfaserigem Wurzelstock. Die Stengel sind aufsteigend bis fast aufrecht, einfach oder verzweigt, kantig gefurcht und beblättert.

Die Grundblätter stehen in lockerer Rosette. Sie sind rundlich-herzförmig bis nierenförmig, ganzrandig oder geschweift und lang gestielt. Die Stengelblätter sind eiförmig, seltener rundlich, grob entfernt gezähnt und oben mit dem Grund stengelumfassend. Die weissen, wohlriechenden Blüten stehen in zunächst gedrängten, später verlängerten Trauben.

DROGEN

Cochleariae herba (syn. Herba Cochleariae): die getrockneten, im ersten Jahr geernteten grundständigen Blätter oder die während der Blüte geernteten oberirdischen Teile der Pflanze.

WIRKSTOFFE

Charakteristisch sind Glucosinolate (Senfölglucoside), insbesondere Glucocochlearin, ferner geringe Mengen an Benzylsenfölglucosid und Allylglucosinolat. Durch enzymatische Spaltung können Isothiocyanate beziehungsweise Senföle entstehen.

Weitere Inhaltsstoffe sind ätherisches Öl mit sekundärem Butylsenföl als wichtiger Komponente, geringe Mengen an Benzylsenföl, andere Isothiocyanate, (+)-Limonen, Flavonoide und Vitamin C. Der Vitamin-C-Gehalt erklärt die historische Bedeutung als antiskorbutische Nahrungspflanze.

Strukturformel von Glucocochlearin aus Echtem Löffelkraut

PHARMAKOLOGIE

Die pharmakologische Plausibilität beruht vor allem auf Glucosinolaten und den daraus entstehenden Senfölen. Senföle können lokal reizend wirken und dadurch bei äusserlicher Anwendung eine hyperämisierende Wirkung entfalten.

Das ätherische Öl und ethanolische Zubereitungen können wegen des Senfölgehaltes deutlich haut- und schleimhautreizend sein. Bei konzentrierter Anwendung sind starke Reizungen bis hin zur Blasenbildung möglich.

EVIDENZ

Die Evidenz zu Echtem Löffelkraut ist insgesamt schwach. Die traditionelle Verwendung als Skorbutpflanze ist historisch und ernährungsphysiologisch durch den Vitamin-C-Gehalt frischer Pflanzenteile plausibel; für moderne arzneiliche Anwendungen bei Gicht, Rheuma, Zahnfleischerkrankungen oder Erschöpfung fehlen belastbare klinische Studien.

Die pharmakologische Plausibilität betrifft vor allem die lokale Reizwirkung senfölhaltiger Zubereitungen. Eine anerkannte therapeutische Anwendung lässt sich daraus nicht ableiten.

  • HMPC – Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel; keine spezifische Monographie zu Cochlearia officinalis gefunden.
  • EMA – European Union monographs and list entries – Übersicht der EU-Herbal-Monographien und Listeneinträge.
  • ESCOP – Fachgesellschaft für pflanzliche Arzneimittel; keine Monographie zu Cochlearia officinalis gefunden.
  • BfArM – Liste der Kommission-E-Monographien – amtliche Übersicht der veröffentlichten Kommission-E-Monographien.
  • Standardwerke wie Hager, Wichtl und pharmakognostische Fachliteratur beschreiben Inhaltsstoffe, historische Anwendung und Senfölpflanzen-Charakteristika.

ANWENDUNG

Historisch wurde Löffelkraut als Vitamin-C-haltige Frischpflanze gegen Skorbut verwendet. Diese traditionelle Nutzung ist ernährungsphysiologisch nachvollziehbar, ersetzt aber keine moderne medizinische Diagnostik oder Therapie bei Mangelzuständen.

Volksmedizinisch wurde Löffelkraut bei Frühjahrsmüdigkeit, Erschöpfung nach körperlicher Anstrengung, Gicht, Rheuma sowie bei Beschwerden im Mund- und Rachenraum verwendet. Diese Anwendungen sind gegenwärtig nicht ausreichend klinisch belegt.

Äusserlich wurden zerquetschte frische Pflanzenteile oder Löffelkrautgeist (Spiritus Cochleariae) als hautreizende beziehungsweise lokal anregende Zubereitungen verwendet. Wegen der Reizwirkung senfölhaltiger Zubereitungen ist eine unkontrollierte äusserliche Anwendung nicht empfehlenswert.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Für Echtes Löffelkraut ist keine moderne, allgemein anerkannte arzneiliche Dosierung etabliert. Historisch wurden frische Blätter als Nahrungspflanze oder Würzkraut verwendet.

Konzentrierte alkoholische Zubereitungen, ätherisches Öl oder stark reizende Auszüge sollten nicht zur Selbstbehandlung verwendet werden. Für Teezubereitungen aus getrocknetem Kraut liegen keine ausreichend gesicherten Dosierungsempfehlungen vor.

SICHERHEIT

Senfölhaltige Zubereitungen können Haut und Schleimhäute reizen. Besonders bei empfindlicher Haut, offenen Hautstellen, Schleimhautkontakt oder längerer Einwirkzeit sind Reizungen möglich.

Ätherisches Öl oder konzentrierte alkoholische Auszüge können starke Hautreizungen bis hin zur Blasenbildung verursachen. Innerliche Anwendungen in konzentrierter Form sind wegen möglicher Schleimhautreizung nicht sinnvoll.

Während Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kindern sollte auf arzneiliche Anwendungen verzichtet werden, da ausreichende Sicherheitsdaten fehlen. Bei bestehenden Magen-Darm-Reizungen oder bekannter Empfindlichkeit gegenüber Senfölpflanzen ist besondere Vorsicht geboten.

STATUS

  • Kommission E: keine Monographie vorhanden.
  • ESCOP: keine Monographie vorhanden.
  • HMPC: keine Monographie vorhanden.

GARTEN

Das Kraut bevorzugt sonnige bis halbschattige Plätze. Die Pflanze lässt sich gut in feuchten Böden kultivieren. Löffelkraut ist anspruchslos in der Pflege, benötigt aber ausreichend Wasser.

Man sät im März in Reihen direkt ins Freiland aus. Löffelkraut ist ein Lichtkeimer und darf daher nicht mit Erde bedeckt werden. Die Blüten erscheinen meist erst im zweiten Jahr. Das Kraut kann über längere Zeit geerntet werden. Cochlearia officinalis gilt als robust und wenig anfällig für Schädlinge.

Im Garten wächst es neben Haselwurz, Aronstab, Bärlauch und Pestwurz. Auch der Seidelbast ist in der Nähe.

Echtes Löffelkraut im Gartenbeet

SONSTIGES

Löffelkraut schmeckt kresseartig und scharf-würzig. Es passt zu Blattsalaten, Kräuterquark, Kräuterbutter, gelben Rüben und Kartoffeln. Die Pflanze lässt sich schlecht trocknen, kann aber traditionell in Salz eingelegt werden.

In nördlichen Regionen wurde das Kraut früher auch mit saurer Milch oder Molke zubereitet oder mit Salz eingemacht als Würzspeise verwendet. Alle heimischen Cochlearia-Arten stehen unter Artenschutz; Wildvorkommen sollten deshalb nicht gesammelt werden.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris) – ebenfalls eine Brassicaceae-Art mit traditioneller arzneilicher Verwendung.
  • Bärlauch (Allium ursinum) – schwefelhaltige Frühlingspflanze mit kulinarischer und traditioneller Nutzung.
  • Benediktenkraut (Cnicus benedictus) – bitterstoffhaltige Arzneipflanze mit traditioneller Anwendung bei Verdauungsbeschwerden.

FAQ

  • Hat Echtes Löffelkraut eine anerkannte medizinische Anwendung?
    Nein. Für Echtes Löffelkraut besteht heute keine allgemein anerkannte medizinische Anwendung.
  • Warum wurde Löffelkraut früher gegen Skorbut verwendet?
    Frische Pflanzenteile enthalten Vitamin C. Dies erklärt die historische Verwendung als Skorbutkraut.
  • Welche Inhaltsstoffe sind wichtig?
    Wichtig sind Glucosinolate wie Glucocochlearin, daraus entstehende Senföle, Flavonoide und Vitamin C.
  • Ist Löffelkraut hautreizend?
    Ja. Senfölhaltige und alkoholische Zubereitungen können Haut und Schleimhäute deutlich reizen.
  • Ist Löffelkraut als Tee gut belegt?
    Nein. Für Teeanwendungen liegen keine belastbaren modernen klinischen Belege und keine gesicherte Standarddosierung vor.

Letzte Änderung: 24.04.2026 / © W. Arnold