Katzenkralle – Uncaria tomentosa

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Die Katzenkralle (Uncaria tomentosa) ist eine südamerikanische Heilpflanze mit traditioneller Anwendung bei entzündlichen Erkrankungen. Experimentelle Untersuchungen zeigen immunmodulatorische und entzündungshemmende Eigenschaften. Die klinische Evidenz bleibt jedoch begrenzt.

Uncaria tomentosa (Willd. ex Schult.) DC.;
Katzenkralle (syn. Krallendorn, Cat's Claw).

Katzenkralle (Uncaria tomentosa) als tropische Kletterpflanze

Getrocknete Handelsware der Katzenkralle (Uncaria tomentosa)

VORKOMMEN

Die Katzenkralle ist im tropischen Südamerika heimisch. Hauptverbreitungsgebiete liegen im Amazonasraum von Peru, Brasilien, Bolivien und Kolumbien. Die Pflanze wächst bevorzugt in feuchtwarmen Regenwaldgebieten.

Als Liane klettert sie an Bäumen empor und erreicht beträchtliche Längen. Kultivierte Pflanzen bleiben meist deutlich kleiner.

MERKMALE

Uncaria tomentosa ist eine verholzende Kletterpflanze mit langen, lianenartigen Trieben. Die gegenständig angeordneten Blätter sind oval bis elliptisch geformt.

Charakteristisch sind die gebogenen Dornen in den Blattachseln, die an Katzenkrallen erinnern und der Pflanze ihren Namen gaben. Die Blütenstände sind gelblich gefärbt und kugelig bis rispig angeordnet.

Die Pflanze kann unter natürlichen Bedingungen eine Länge von über 30 Metern erreichen.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Uncariae tomentosae cortex beziehungsweise Radix Uncariae tomentosae;
verwendet werden vor allem Stammrinde und Wurzelrinde.

WIRKSTOFFE

Die Katzenkralle enthält eine komplexe Mischung pharmakologisch aktiver Inhaltsstoffe. Besonders bedeutsam sind Oxindolalkaloide, Chinovasäurederivate, Triterpene, Procyanidine und Sterole. Die qualitative und quantitative Zusammensetzung kann je nach Herkunft, Pflanzenteil, Erntezeitpunkt und Chemotyp erheblich variieren.

Die Droge weist verschiedene Chemotypen auf. Von besonderer Bedeutung ist das Verhältnis pentacyclischer zu tetracyclischen Oxindolalkaloiden, da für beide Gruppen teilweise unterschiedliche beziehungsweise antagonistische pharmakologische Wirkungen beschrieben wurden.

Oxindolalkaloide (Gesamtgehalt nach Literatur meist etwa 0,1–0,5 %):

  • Pentacyclische Oxindolalkaloide: Mitraphyllin, Isomitraphyllin, Pteropodin, Isopteropodin, Speciophyllin und Uncarin F. Diese Verbindungen werden mit den beschriebenen immunmodulatorischen und entzündungshemmenden Eigenschaften der Pflanze in Zusammenhang gebracht.
  • Tetracyclische Oxindolalkaloide: Rhynchophyllin, Isorhynchophyllin, Corynoxein sowie verwandte Verbindungen. Für einzelne tetracyclische Alkaloide wurden teilweise antagonistische Wirkungen gegenüber pentacyclischen Alkaloiden beschrieben.
  • Glykosidisch gebundene Alkaloide: unter anderem 5α-Carboxystrictosidin.

Oxindolalkaloide der Katzenkralle (Uncaria tomentosa)

Chinovasäurederivate und Triterpene:
Die Katzenkralle enthält verschiedene Chinovasäureglykoside und weitere pentazyklische Triterpene. In experimentellen Untersuchungen wurden für einzelne Verbindungen entzündungshemmende, antioxidative und antivirale Eigenschaften beschrieben.

Beschrieben wurden unter anderem Chinovasäureester sowie verschiedene Glycoside der Chinovasäure. Diese Stoffe gelten als mitverantwortlich für die entzündungshemmenden Eigenschaften wässriger und alkoholischer Extrakte.

Ursol- und Oleanolsäurederivate:
Nachgewiesen wurden Ursolsäure, Oleanolsäure sowie weitere triterpenartige Verbindungen mit struktureller Nähe zu diesen Substanzen.

Flavanole und Procyanidine:
Die Pflanze enthält Epicatechin sowie oligomere Procyanidine, darunter Procyanidin A1, B1, B2 und B4. Diese Stoffe besitzen antioxidative Eigenschaften und werden als mögliche Mitverursacher entzündungshemmender Effekte diskutiert.

Sterole:
Wichtige Vertreter sind β-Sitosterol, Campesterol und Stigmasterol.

Daneben wurden geringe Mengen weiterer Polyphenole, Flavonoide und niedermolekularer Pflanzenstoffe beschrieben.

Die Zusammensetzung handelsüblicher Präparate kann erheblich schwanken. Für therapeutische Anwendungen werden deshalb standardisierte Extrakte bevorzugt.

PHARMAKOLOGIE

Experimentelle Untersuchungen weisen auf immunmodulatorische und entzündungshemmende Eigenschaften hin. Oxindolalkaloide beeinflussen unter anderem Makrophagen, Granulozyten und verschiedene Entzündungsmediatoren.

In Zell- und Tiermodellen wurden Hemmungen entzündlicher Signalwege, darunter NF-kappaB, beschrieben. Für einzelne Inhaltsstoffe wurden zudem antioxidative und antivirale Effekte untersucht.

Laboruntersuchungen zeigten teilweise antiproliferative Wirkungen auf Tumorzellen. Solche Ergebnisse aus Zellkultur- und Tierexperimenten erlauben jedoch keine direkten Rückschlüsse auf einen klinischen Nutzen beim Menschen.

EVIDENZ

Die traditionelle Anwendung der Katzenkralle bei entzündlichen Erkrankungen wird durch pharmakologische Untersuchungen teilweise gestützt. Klinische Studien liegen nur in begrenztem Umfang vor und umfassen meist kleine Patientenzahlen. Die Evidenz wird deshalb insgesamt als begrenzt eingestuft.

Für Anwendungen bei Krebs, Virusinfektionen oder Autoimmunerkrankungen liegen keine ausreichend gesicherten klinischen Nachweise vor.

ANWENDUNG

Die Katzenkralle wird traditionell zur unterstützenden Behandlung entzündlicher Erkrankungen verwendet. In der Phytotherapie werden insbesondere rheumatische Beschwerden diskutiert.

In Südamerika werden wässrige und alkoholische Auszüge traditionell auch bei Magenbeschwerden, Hauterkrankungen und allgemeinen Entzündungszuständen eingesetzt.

Die Anwendung als sogenanntes Immunstimulans oder als unterstützende Krebsbehandlung ist wissenschaftlich nicht ausreichend belegt und bleibt kontrovers.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Verwendet werden standardisierte Extrakte, Kapseln, Tabletten oder Teezubereitungen aus Rinde beziehungsweise Wurzelrinde.

Nicht standardisierte Produkte können erhebliche Schwankungen der Inhaltsstoffe aufweisen. Für therapeutische Anwendungen werden deshalb standardisierte Präparate bevorzugt.

Für Teeaufgüsse werden traditionell mehrere Gramm Droge pro Liter Wasser als Dekokt verwendet.

SICHERHEIT

Die Datenlage zur Sicherheit ist begrenzt. Gelegentlich werden Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit oder Kopfschmerzen beschrieben.

Vorsicht ist bei Autoimmunerkrankungen, Immunsuppression, Organtransplantationen sowie während Schwangerschaft und Stillzeit angezeigt.

Aufgrund möglicher immunologischer Wirkungen sollten Wechselwirkungen mit Immunsuppressiva berücksichtigt werden.

STATUS

  • Kommission E: keine Monographie vorhanden.
  • ESCOP: positive Monographie vorhanden für die unterstützende Behandlung entzündlicher Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis.
  • HMPC: klinische Evidenz als nicht ausreichend gesichert beurteilt; Uncariae tomentosae cortex.

GARTEN

Die Katzenkralle benötigt tropisch-warme Bedingungen mit hoher Luftfeuchtigkeit. In Mitteleuropa ist eine dauerhafte Freilandkultur kaum möglich.

Junge Pflanzen können in Wintergärten oder Gewächshäusern kultiviert werden. Die Pflanze bevorzugt humose, feuchte Böden und halbschattige Standorte.

SONSTIGES

Die Katzenkralle gehört zu den bekanntesten traditionellen Heilpflanzen des Amazonasgebietes. Besonders in den USA und Europa wird sie als Nahrungsergänzungsmittel vermarktet.

Die Bezeichnung „Cat's Claw“ bezieht sich auf die hakenförmigen Dornen der Pflanze.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) – traditionelle Heilpflanze bei rheumatischen Beschwerden.
  • Weihrauch (Boswellia serrata) – entzündungshemmende Harzdroge.
  • Weide (Salix alba) – traditionelle Arzneipflanze bei Schmerzen und Entzündungen.
  • Ballonerbse (Lessertia frutescens) – südafrikanische Heilpflanze mit diskutierter immunologischer Wirkung.

FAQ

  • Wofür wird Katzenkralle verwendet?
    Traditionell bei entzündlichen Erkrankungen und rheumatischen Beschwerden.
  • Ist die Wirksamkeit wissenschaftlich gesichert?
    Die klinische Evidenz ist begrenzt und nicht eindeutig.
  • Welche Inhaltsstoffe sind wichtig?
    Vor allem Oxindolalkaloide, Procyanidine und Chinovasäurederivate.
  • Hilft Katzenkralle gegen Krebs?
    Ein klinisch gesicherter Nutzen bei Krebs ist nicht belegt.
  • Wann sollte Katzenkralle nicht verwendet werden?
    Bei Autoimmunerkrankungen, Immunsuppression sowie in Schwangerschaft und Stillzeit.

Letzte Änderung: 14.05.2026 / © W. Arnold