Lapacho - Handroanthus impetiginosus
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Handroanthus impetiginosus (syn. Tabebuia impetiginosa, Tabebuia avellanedae); Lapacho, Roter Lapacho, Pau d’Arco.
Lapacho-Rinde hat keine anerkannte medizinische Anwendung. Traditionelle und volkstümliche Anwendungen sind vielfältig, die klinische Evidenz bleibt jedoch unzureichend. Präklinische Daten zu Naphthochinonen wie Lapachol und Beta-Lapachon erlauben keine therapeutischen Schlussfolgerungen für die Anwendung beim Menschen.


VORKOMMEN
Lapacho ist von Zentralmexiko bis in das tropische und subtropische Südamerika verbreitet. Die Art wächst als Baum in wärmeren Regionen Mittel- und Südamerikas und ist dort sowohl wild als auch als Zierbaum bekannt.
MERKMALE
Lapacho ist ein mittelgrosser bis grosser Baum. Die Rinde ist aussen grau bis graubraun, innen deutlich dunkler bis rotbraun. Die Blätter sind meist handförmig geteilt, häufig mit fünf Fiederblättchen. Die auffälligen Blüten erscheinen in endständigen Blütenständen und sind meist rosa bis purpurfarben mit gelblichem Schlund. Die Früchte sind längliche Kapseln mit zahlreichen geflügelten Samen.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Tabebuiae cortex – Lapacho-Rinde, meist die getrocknete innere Rinde des Baumes, geschnitten oder als Teedroge angeboten.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Phytochemisch besonders bekannt sind Naphthochinon-Derivate wie Lapachol, Beta-Lapachon und weitere verwandte Chinone. Daneben wurden unter anderem phenolische Säuren, Gerbstoffe, Flavonoide und weitere Begleitstoffe beschrieben.
Die Zusammensetzung kann je nach Pflanzenmaterial, Herkunft und Aufarbeitung deutlich variieren. Gerade für den Gehalt an Lapachol werden in der Literatur stark unterschiedliche Angaben gemacht.

PHARMAKOLOGIE
Für Lapacho und einzelne isolierte Inhaltsstoffe sind in Zell- und Tiermodellen unter anderem antimikrobielle, entzündungsmodulierende und zytotoxische Effekte beschrieben worden. Besonders häufig untersucht wurden Lapachol und Beta-Lapachon.
Solche präklinischen Befunde sind pharmakologisch interessant, erlauben aber keine Aussage über eine klinische Wirksamkeit des Tees oder der Rinde beim Menschen. Dies gilt insbesondere für onkologische Anwendungen.

EVIDENZ
Die Evidenz zu Lapacho ist insgesamt schwach. Traditionelle Anwendungen und ethnopharmakologische Berichte sind zahlreich, doch moderne klinische Studien am Menschen sind begrenzt und reichen nicht aus, um eine anerkannte medizinische Anwendung abzuleiten.
Besonders vorsichtig ist die verbreitete Behauptung einer Wirksamkeit bei Krebs zu beurteilen. Präklinische Befunde zu einzelnen Naphthochinonen ersetzen keinen klinischen Nutzennachweis. Für AWL ist daher entscheidend: Lapacho kann phytochemisch und pharmakologisch interessant sein, die therapeutische Evidenz bleibt aber unzureichend.
- Castellanos et al. (2009) – ethnopharmakologischer Überblick zu Lapacho; zahlreiche traditionelle Anwendungen, aber kritische Einordnung der Evidenzlage.
- Zhang et al. (2020) – umfassende Übersichtsarbeit zu traditionellen Anwendungen, Phytochemie und immunpharmakologischen Eigenschaften.
- Ryan et al. (2021) – experimentelle Arbeit mit entzündungsmodulierenden Effekten von Rindenextrakten in primären menschlichen Lymphozyten.
- McClure et al. (2022) – kleine offene Sicherheitsstudie zu Tabebuia avellanedae; keine Grundlage für eine allgemeine medizinische Empfehlung.
ANWENDUNG
Lapacho wird vor allem im Bereich traditioneller und alternativer Anwendungen als Tee oder Extrakt verwendet. Genannt werden in der volkstümlichen Literatur sehr unterschiedliche Einsatzgebiete, darunter fieberhafte Erkrankungen, Infekte, Hautprobleme, rheumatische Beschwerden und onkologische Indikationen.
Diese Anwendungen sind wissenschaftlich nicht ausreichend belegt. Eine gesicherte arzneiliche Standardanwendung lässt sich daraus nicht ableiten.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Lapacho wird meist als Abkochung oder Tee angeboten. Da keine anerkannte medizinische Standardanwendung besteht, gibt es auch keine zu empfehlende Standarddosierung. Massgeblich sind gegebenenfalls die Herstellerangaben des jeweiligen Produkts.
SICHERHEIT
Die klinische Sicherheitsdatenlage zu Lapacho ist begrenzt. Wegen der unzureichenden Datenbasis sollte die Droge nicht als unproblematisch eingestuft werden. Bei Schwangerschaft, Stillzeit, schweren Grunderkrankungen oder gleichzeitiger Einnahme anderer Arzneimittel ist besondere Zurückhaltung angezeigt.
Für eine medizinische Selbstbehandlung, insbesondere bei schweren oder chronischen Erkrankungen, ist Lapacho nicht geeignet. Bei Krebsverdacht oder anderen ernsthaften Beschwerden darf Lapacho nicht an die Stelle einer fachgerechten Diagnostik und Therapie treten.
STATUS
- Kommission E: keine Monographie vorhanden
- ESCOP: ESCOP – keine Monographie vorhanden
- HMPC: keine Monographie vorhanden
SONSTIGES
Lapacho ist auch als Zierbaum bekannt und wird in warmen Regionen wegen seiner auffälligen Blüte geschätzt. In der älteren Literatur und im Handel finden sich unterschiedliche botanische Bezeichnungen; heute wird die Art häufig unter Handroanthus impetiginosus geführt.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Katzenkralle (Uncaria tomentosa) – ebenfalls mit traditioneller Verwendung im Bereich komplementärer und immunbezogener Anwendungen.
- Ballonerbse (Lessertia frutescens) – wird wie Lapacho oft im Umfeld alternativmedizinischer Stärkungskonzepte genannt.
- Chinarinde (Cinchona-Arten) – ebenfalls Rindendroge, aber mit klarerem pharmakologischem Profil und historisch definierterem Einsatz.
FAQ
- Hat Lapacho eine anerkannte medizinische Anwendung?
Nein. Für Lapacho-Rinde besteht keine anerkannte medizinische Standardanwendung. - Ist Lapacho bei Krebs wirksam belegt?
Nein. Präklinische Daten zu einzelnen Inhaltsstoffen sind kein klinischer Wirksamkeitsnachweis beim Menschen. - Welche Stoffe sind in Lapacho wichtig?
Besonders bekannt sind Naphthochinon-Derivate wie Lapachol und Beta-Lapachon. - Wie ist Lapacho sicherheitlich zu beurteilen?
Die klinische Sicherheitsdatenlage ist begrenzt. Für eine medizinische Selbstbehandlung sollte Lapacho deshalb zurückhaltend beurteilt werden.
Letzte Änderung: 20.04.2026 / © W. Arnold

