Maiapfel – Podophyllum peltatum

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Der Maiapfel enthält das stark wirksame Lignan Podophyllotoxin. Pharmazeutische Bedeutung besitzen vor allem standardisierte Podophyllotoxin-Zubereitungen zur Behandlung von Feigwarzen sowie halbsynthetische Derivate wie Etoposid und Teniposid.

Podophyllum peltatum
Gewöhnlicher Maiapfel (syn. Fussblatt).

Maiapfel (Podophyllum peltatum)

VORKOMMEN

Der Maiapfel stammt aus Nordamerika und wächst bevorzugt in feuchten, schattigen Laubwäldern.

Das natürliche Verbreitungsgebiet reicht von Kanada bis in die südlichen USA.

Heute wird die Pflanze gelegentlich auch als Zierpflanze kultiviert.

MERKMALE

Der Maiapfel ist eine ausdauernde krautige Pflanze mit kriechendem Rhizom.

Charakteristisch sind die grossen schildförmigen Blätter und die einzeln stehende weisse Blüte.

Die reife gelbliche Frucht ist essbar; die übrigen Pflanzenteile gelten als giftig.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Radix Podophylli peltati – Podophyllwurzelstock.

Podophyllinum – Podophyllinharz.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind:

  • Podophyllotoxin
  • weitere Lignane
  • Podophyllinharz
  • Flavonoide
  • Pflanzengummi

Podophyllotoxin zählt zu den pharmakologisch bedeutendsten pflanzlichen Lignanen.

Podophyllotoxin und verwandte Inhaltsstoffe

PHARMAKOLOGIE

Podophyllotoxin wirkt zytostatisch durch Hemmung der Zellteilung.

Die Substanz besitzt:

  • zytostatische
  • virusstatische
  • antimitotische

Eigenschaften.

Historisch wurde Podophyllin auch als drastisches Abführmittel verwendet. Wegen der erheblichen Toxizität spielt diese Anwendung heute praktisch keine Rolle mehr.

Pharmazeutisch bedeutsam sind halbsynthetische Derivate wie:

  • Etoposid
  • Teniposid

die in der Onkologie eingesetzt werden.

EVIDENZ

Podophyllotoxin besitzt eine etablierte medizinische Anwendung zur äusserlichen Behandlung von Condylomata acuminata (spitze Kondylome/Feigwarzen).

Die klinische Evidenz für standardisierte Podophyllotoxin-Präparate gilt als gut. Die Anwendung erfolgt ausschliesslich mit definierten Fertigarzneimitteln und standardisierten Wirkstoffkonzentrationen.

Die rohe Pflanze oder unstandardisierte Zubereitungen spielen in der modernen Medizin praktisch keine therapeutische Rolle mehr.

ANWENDUNG

Standardisierte Podophyllotoxin-Zubereitungen werden zur äusserlichen Behandlung von:

  • Condylomata acuminata (Feigwarzen)

eingesetzt.

Die rohe Arzneidroge besitzt wegen ihrer Toxizität heute praktisch keine Bedeutung mehr.

SICHERHEIT

Der Maiapfel zählt zu den giftigen Arzneipflanzen.

Podophyllotoxin und Podophyllin können:

  • schwere Schleimhautreizungen
  • Erbrechen
  • Durchfälle
  • neurologische Symptome
  • Knochenmarkschäden
  • schwere Vergiftungen

verursachen.

Eine Selbstmedikation mit der Pflanze oder selbst hergestellten Zubereitungen ist gefährlich und nicht vertretbar.

Standardisierte Arzneimittel dürfen nur nach ärztlicher oder pharmazeutischer Anleitung verwendet werden.

Schwangerschaft und Stillzeit gelten als Kontraindikationen.

STATUS

  • Kommission E: positive Bewertung für Podophyllin bei spitzen Kondylomen.
  • ESCOP : keine Monographie vorhanden.
  • HMPC : keine Monographie vorhanden.

MAIAPFEL IM GARTEN

Der Maiapfel bevorzugt humosen, frischen Boden in halbschattigen bis schattigen Gartenbereichen.

Über Rhizome können sich im Laufe der Zeit grössere Bestände bilden.

SONSTIGES

Der Maiapfel wurde von nordamerikanischen indigenen Bevölkerungen traditionell medizinisch genutzt.

Die moderne Bedeutung der Pflanze liegt heute vor allem in der pharmazeutischen Nutzung von Podophyllotoxin und dessen Derivaten.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) – stark giftige Pflanze mit antimitotischen Eigenschaften.
  • Eibe (Taxus baccata) – liefert Ausgangsstoffe für onkologische Arzneimittel.
  • Gefleckter Schierling (Conium maculatum) – stark giftige Arzneipflanze.
  • Fingerhut (Digitalis purpurea) – pharmakologisch bedeutende Giftpflanze.

FAQ

  • Wofür wurde Podophyllin verwendet?
    Vor allem zur Behandlung von Feigwarzen.
  • Was ist Podophyllotoxin?
    Ein stark wirksames pflanzliches Lignan mit zytostatischen Eigenschaften.
  • Ist der Maiapfel giftig?
    Ja. Bis auf die reife Frucht gelten praktisch alle Pflanzenteile als giftig.
  • Welche Bedeutung hat Podophyllotoxin heute?
    Es dient als Ausgangsstoff für Arzneistoffe wie Etoposid und Teniposid.
  • Darf man die Pflanze selbst anwenden?
    Nein. Eine Selbstmedikation ist wegen der erheblichen Toxizität gefährlich.

Letzte Änderung: 09.05.2026 / © W. Arnold