Gefleckter Schierling (Conium maculatum)
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Der Gefleckte Schierling ist eine hochgiftige Pflanze mit neurotoxischen
Piperidin-Alkaloiden, insbesondere Coniin und γ-Conicein.
Eine medizinische Anwendung ist heute nicht mehr vertretbar.
Vergiftungen können zu neurologischen Störungen, aufsteigender Lähmung
und schwerer Ateminsuffizienz führen.
Conium maculatum (syn. Cicuta maculata, C. officinalis,
Conium cicuta, C. maculosum, Selinum conium, Sium conium);
![]()
Gefleckter Schierling (syn. Bangenkraut, Fleckenschierling,
Giftpetersilie, Mäuseschierling, Stinkender Schierling, Tollkerbel,
Tollkraut, Vogeltod, Ziegendill)
VORKOMMEN
Der Gefleckte Schierling wächst auf Ruderalflächen, an Wegrändern, auf Brachen sowie auf nährstoffreichen, meist tiefgründigen Lehmböden. Die Art gilt als Stickstoffanzeiger. In landwirtschaftlich genutzten Bereichen wurde sie wegen der Giftigkeit für Nutztiere vielerorts zurückgedrängt.
MERKMALE
Die zweijährige krautige Pflanze erreicht Wuchshöhen von bis zu 2 Metern. Der kahle Stängel ist hohl, längs gerippt und besonders im unteren Bereich rötlich bis purpurfarben gefleckt. Die Laubblätter sind gross, stark zerteilt und drei- bis vierfach gefiedert. Die weissliche Wurzel ist spindelförmig. Als charakteristisch gilt der unangenehme Geruch nach Mäuseurin. Die weissen Blüten stehen in zusammengesetzten Dolden.


DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Conii herba (syn. Herba Conii, Herba Conii maculati,
Herba Cicutae terrestris); Schierlingskraut.
![]()
Fructus Conii; Schierlingsfrüchte.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
In allen Teilen der Pflanze, besonders reichlich in den unreifen Früchten, finden sich Piperidin-Alkaloide. Hauptkomponenten sind (+)-Coniin, N-Methylconiin und γ-Conicein. Daneben kommen unter anderem Conhydrin, Conhydrinon, Pseudoconhydrin und 2-Methylconiin vor.
Der Alkaloidgehalt schwankt je nach Pflanzenteil, Entwicklungsstadium, Chemotyp und Umweltfaktoren. Besonders hohe Gehalte finden sich in den unreifen Früchten. Als Begleitstoffe wurden ausserdem unter anderem Polyine, Furanocumarine und Flavonoide beschrieben.

PHARMAKOLOGIE
Die Wirkung des Gefleckten Schierlings wird im Wesentlichen durch Coniin und verwandte Piperidin-Alkaloide bestimmt. Diese Substanzen werden über Schleimhäute gut resorbiert und wirken an nikotinischen Acetylcholinrezeptoren. Zunächst kann es zu einer Erregung, später zu einer Blockade der neuromuskulären Übertragung kommen.
Typische Vergiftungszeichen sind Brennen im Mund- und Rachenraum, vermehrter Speichelfluss, Übelkeit, Schwindel, Sehstörungen, Muskelschwäche, neurologische Störungen und aufsteigende Lähmungserscheinungen. Schwere Vergiftungen können zu einer ausgeprägten Ateminsuffizienz führen.
EVIDENZ
Für den Gefleckten Schierling (Conium maculatum) existieren keine anerkannten medizinischen Anwendungen. Die Pflanze ist vielmehr eine klassische toxische Alkaloidpflanze mit gut dokumentierter Vergiftungswirkung.
Die toxikologisch relevanten Inhaltsstoffe sind Piperidin-Alkaloide, insbesondere Coniin und γ-Conicein. Diese Substanzen sind für den grössten Teil der akuten und chronischen Toxizität verantwortlich. PubMed: Biochemistry of hemlock alkaloids
Übersichtsarbeiten beschreiben Coniin als toxisches Alkaloid mit Wirkung an nikotinischen Acetylcholinrezeptoren und neuromuskulärer Blockade. Damit ist der Gefleckte Schierling toxikologisch gut, therapeutisch jedoch nicht sinnvoll belegt. PMC: Coniine and related alkaloids
Klinische Fallberichte dokumentieren typische Vergiftungssymptome wie gastrointestinale Beschwerden, Speichelfluss, Muskelschwäche, neurologische Symptome und schwere respiratorische Komplikationen. PMC: Mild-to-severe poisoning due to Conium maculatum
Auch neuere Fallberichte bestätigen die erhebliche Toxizität und die Notwendigkeit einer raschen medizinischen Behandlung bei Aufnahme der Pflanze. PMC: Acute intoxication with poison hemlock
Ein therapeutischer Nutzen ist aufgrund der extrem geringen therapeutischen Breite und der hohen Vergiftungsgefahr nicht gegeben. Eine Einstufung als traditionelles oder gut etabliertes pflanzliches Arzneimittel liegt nicht vor.
ANWENDUNG
Historisch wurde Coniin in Salzen wie Hydrobromid oder Hydrochlorid als äusserlich angewendetes Schmerzmittel beschrieben. Aufgrund der hohen Toxizität sind heute keine vertretbaren medizinischen Anwendungen mehr gegeben.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Der Gefleckte Schierling ist eine gefährliche Giftpflanze. Eine therapeutische Zubereitung oder Dosierung ist heute nicht zu vertreten.
STATUS
Giftpflanze
- Kommission E: keine Monographie
- ESCOP: keine Monographie
- HMPC: keine Monographie; allgemeine Referenz: HMPC / EMA
GEFLECKTER SCHIERLING IM GARTEN
Conium maculatum bevorzugt feuchte bis mässig trockene, nährstoffreiche Lehmböden in sonniger bis halbschattiger Lage. Wegen der erheblichen Giftigkeit ist die Pflanze für Hausgärten nur mit grosser Vorsicht zu beurteilen. Besonders in Gärten mit Kindern oder Haustieren ist von einer Kultivierung eher abzuraten.
Die wilden Bestände der Pflanze sind regional rückläufig, vor allem durch den Verlust geeigneter Standorte. Wegen ihrer ausgeprägten Giftigkeit ist eine Anpflanzung im Hausgarten grundsätzlich zurückhaltend zu beurteilen. Als Jungpflanze kaufe ich die zweijährige und winterfeste Pflanze bei einer Spezialgärtnerei. In meinem Garten hat der seltene Gefleckte Schierling einen Stammplatz. Er wächst bei mir in normalem Gartenboden ohne besondere Pflege.
SONSTIGES
Der Gefleckte Schierling ist historisch vor allem durch den Begriff „Schierlingsbecher“ bekannt geworden. Heute steht jedoch ausschliesslich die toxikologische Bedeutung der Pflanze im Vordergrund.

Der Gefleckte Schierling ist auch für Weidetiere giftig. Vergiftungen entstehen vor allem durch Verwechslungen mit essbaren Doldenblütlern wie Petersilie oder Kerbel. Wichtige Hinweise zur Unterscheidung sind der unangenehme Geruch, die stark geteilten Blätter und die rötlich gefleckten, bereiften Stängel.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Atropa belladonna – stark giftige Alkaloidpflanze mit neurotoxischer Wirkung
- Aconitum napellus – hochgiftige Pflanze mit rasch einsetzender Neurotoxizität
- Digitalis purpurea – giftige Arzneipflanze mit herzwirksamen Glykosiden
FAQ ZUM GEFLECKTEN SCHIERLING
- Ist der Gefleckte Schierling giftig?
Ja. Alle Pflanzenteile sind giftig, besonders die unreifen Früchte. - Welcher Stoff ist hauptsächlich verantwortlich?
Hauptverantwortlich sind Piperidin-Alkaloide, vor allem Coniin und γ-Conicein. - Gibt es heute eine medizinische Anwendung?
Nein. Wegen der hohen Toxizität und der geringen therapeutischen Breite ist eine medizinische Anwendung nicht vertretbar. - Woran erkennt man die Pflanze?
Typisch sind der hohle, gerippte und rötlich gefleckte Stängel, die stark zerteilten Blätter und der unangenehme Geruch nach Mäuseurin. - Welche Vergiftungszeichen sind typisch?
Möglich sind Brennen im Mund, Speichelfluss, Übelkeit, Schwindel, Muskelschwäche, neurologische Störungen und schwere Atemprobleme.
Letzte Änderung: 28.03.2026 / © W. Arnold









