Kapland-Pelargonie (Pelargonium sidoides)
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Inhaltsstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Die Kapland-Pelargonie besitzt eine anerkannte traditionelle medizinische Anwendung. Verwendet wird die Pelargoniumwurzel (Pelargonii radix) zur symptomatischen Behandlung der Erkältung. Klinische Studien untersuchten vor allem akute Atemwegsinfektionen und akute Bronchitis; die Evidenz ist begrenzt bis moderat.
Pelargonium sidoides DC.;
Kapland-Pelargonie, Kap-Pelargonie, Südafrikanische Pelargonie.
VORKOMMEN
Die Kapland-Pelargonie ist im südlichen Afrika heimisch. Das natürliche Verbreitungsgebiet umfasst unter anderem Lesotho, Teile Südafrikas und angrenzende Regionen. Die Pflanze kommt in Höhenlagen bis etwa 2000 m vor und ist an trockene, zeitweise belastende Standortbedingungen angepasst.
MERKMALE
Pelargonium sidoides ist ein ausdauernder, krautiger Kleinstrauch mit einer Wuchshöhe von etwa 20 bis 80 cm. Charakteristisch sind die herz- bis rundlich geformten Blätter, die dicht mit Drüsenhaaren besetzt sind. Die Behaarung verleiht den Blättern ein silbrig-graugrünes, leicht glänzendes Erscheinungsbild.
Die Blüten sind meist dunkelrot bis nahezu schwarz gefärbt. Besonders ausgeprägt ist das kräftige Wurzelsystem. Die Wurzeln sind etwa 1 bis 3,5 cm dick und gliedern sich in kurze, knollig verdickte Speicherabschnitte sowie längere Seitenwurzeln. Die unterirdischen Pflanzenteile stellen den arzneilich verwendeten Pflanzenteil dar.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Pelargonii radix; Pelargoniumwurzel, die getrockneten, meist fragmentierten unterirdischen Organe von Pelargonium sidoides DC. und/oder Pelargonium reniforme Curt.
Ein Teil des Bedarfs an Rohmaterial wird durch Wildsammlung, ein anderer Teil durch Anbau gedeckt.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Die Droge aus den Wurzeln der Kapland-Pelargonie enthält eine charakteristische Kombination aus mehrfach substituierten Benzopyranonderivaten sowie kondensierten Gerbstoffen.
Bei den Benzopyranonderivaten handelt es sich um 2H-1-Benzopyran-2-one (Cumarine), die in den Positionen 5 bis 8 zwei- bis vierfach hydroxy-, methoxy- und/oder sulfooxysubstituiert sind. Zu den wichtigsten Vertretern zählen Scopoletin und Umckalin. Umckalin und dessen 7-O-Methylether gelten als Leitstrukturen für Pelargonium-sidoides-Extrakte.

Der Gerbstoffgehalt der Droge liegt bei etwa 9 %. Dabei handelt es sich überwiegend um oligomere Proanthocyanidine, also kondensierte Gerbstoffe. Darüber hinaus sind einfache phenolische Verbindungen, insbesondere Gallussäure, sowie Flavonoide wie Quercetin beschrieben.
PHARMAKOLOGIE
Für Extrakte aus Pelargoniumwurzel werden antimikrobielle, immunmodulierende und sekretomotorische Eigenschaften diskutiert. In-vitro-Untersuchungen zeigen unter anderem Effekte auf die Anheftung von Erregern, auf Abwehrreaktionen und auf die Schlagfrequenz der Flimmerhärchen im respiratorischen Epithel.
Diese Befunde liefern eine pharmakologische Plausibilität für die Anwendung bei akuten Atemwegsinfektionen. Sie ersetzen jedoch keine klinische Wirksamkeitsprüfung. Die klinische Aussagekraft hängt deshalb vor allem von kontrollierten Studien und systematischen Übersichtsarbeiten ab.
EVIDENZ
Zur Kapland-Pelargonie liegen mehrere randomisierte, placebokontrollierte Studien und systematische Übersichtsarbeiten vor. Die Daten betreffen vor allem akute Atemwegsinfektionen, insbesondere akute Bronchitis und Erkältungsbeschwerden.
Ein Cochrane-Review berichtet über mögliche symptomlindernde Effekte bei akuten Atemwegsinfektionen, weist aber auf Unsicherheiten und unterschiedliche Studienqualität hin. Insgesamt ist die Evidenz daher als begrenzt bis moderat einzustufen.
Das HMPC der EMA stuft Pelargonii radix als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur symptomatischen Behandlung der Erkältung ein. Diese Einstufung beruht auf langjähriger Anwendung und Plausibilität, nicht auf einer Anerkennung als „well-established use“.
- HMPC / EMA: Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC) – zentrale Seite des europäischen Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel.
- EMA: Pelargonii radix – europäische HMPC-Seite zu Pelargoniumwurzel.
- PubMed: Cochrane Review: Pelargonium sidoides extract for acute respiratory tract infections.
- PMC: Review zu klinischer Wirksamkeit und Sicherheit von Pelargonium-sidoides-Extrakt bei Atemwegsinfektionen.
- PubMed: In-vitro-Untersuchung zur Flimmerhärchen-Schlagfrequenz.
Zusammenfassend ist Pelargoniumwurzel bei Erkältung und akuten Atemwegsinfektionen eine plausibel begründete, regulatorisch traditionell eingestufte Arzneidroge. Die klinische Evidenz ist stärker als bei vielen rein volksmedizinischen Hustenpflanzen, bleibt aber methodisch nicht frei von Unsicherheiten.
ANWENDUNG
Anerkannte medizinische Anwendungen:
- Das HMPC stuft Pelargonii radix als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur symptomatischen Behandlung der Erkältung ein.
- ESCOP: positive Bewertung für Symptome von Atemwegsinfektionen und banalen Erkältungen wie verstopfte oder laufende Nase, Halsschmerzen und Husten.
- Kommission E: keine Monographie vorhanden.
Verwendet werden standardisierte Extrakte aus der Pelargoniumwurzel. Die Anwendung erfolgt bei Erkältungsbeschwerden und akuten Atemwegsinfektionen, besonders wenn Husten, Halsbeschwerden oder Bronchitis-Symptome im Vordergrund stehen.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Pelargoniumwurzel wird am besten in Form standardisierter Fertigarzneimittel angewendet. Die Dosierung richtet sich nach Extrakt, Darreichungsform, Alter und Packungsinformation. Eine Teezubereitung aus der Droge ist für diese Anwendung nicht üblich.
Bei Kindern sind Alterseinschränkungen der jeweiligen Präparate zu beachten. Bei anhaltenden Beschwerden oder deutlicher Verschlechterung ist eine medizinische Abklärung erforderlich.
SICHERHEIT
Pelargoniumwurzel-Extrakte gelten bei sachgemässer Anwendung insgesamt als gut verträglich. Gelegentlich können Magen-Darm-Beschwerden wie Magenschmerzen, Sodbrennen, Übelkeit oder Durchfall auftreten. Selten werden Nasen- oder Zahnfleischbluten sowie Überempfindlichkeitsreaktionen beobachtet.
Sehr selten wurden Leberreaktionen und schwere allergische Reaktionen beschrieben. Bei Gelbfärbung der Haut oder Augen, dunklem Urin, starkem Juckreiz, ungeklärter Müdigkeit oder Oberbauchbeschwerden sollte die Anwendung beendet und ärztlicher Rat eingeholt werden.
Bei bekannter Lebererkrankung, erhöhter Blutungsneigung, Behandlung mit gerinnungshemmenden Arzneimitteln, Schwangerschaft, Stillzeit sowie bei Säuglingen und Kleinkindern sollte die Anwendung nur nach fachlicher Abklärung erfolgen. Bei Atemnot, hohem Fieber, eitrigem oder blutigem Auswurf sowie Beschwerden über mehr als einige Tage ist ärztliche Abklärung angezeigt.
STATUS
- Kommission E: keine Monographie vorhanden
- ESCOP: positive Bewertung
- HMPC: als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft ( Pelargonii radix )
KAPLAND-PELARGONIE IM GARTEN
Die Kapland-Pelargonie ist eine interessante Pflanze für den Heilpflanzengarten, aber nicht winterhart. Sie eignet sich gut als Topfpflanze. Sie benötigt durchlässige Erde, einen hellen Standort und eine zurückhaltende Wasserversorgung. Staunässe sollte vermieden werden.
Im Winter sollte die Pflanze hell und eher kühl stehen und nur sparsam gegossen werden. Bei guter Pflege ist sie robust und durch die dunklen Blüten auch gärtnerisch attraktiv.
SONSTIGES
Im Jahr 1897 reiste der lungenkranke Engländer Charles Henry Stevens auf Anraten seines Arztes nach Südafrika. Dort wurde er auf die Kapland-Pelargonie aufmerksam gemacht. Diese Geschichte trug wesentlich dazu bei, dass die Pflanze in Europa bekannt wurde.
Die heutige medizinische Einordnung beruht jedoch nicht auf dieser historischen Überlieferung, sondern auf der arzneilichen Verwendung der Pelargoniumwurzel, auf pharmakologischen Untersuchungen, klinischen Studien und regulatorischen Bewertungen.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Thymian (Thymus vulgaris) – schleimlösend und antibakteriell bei Husten und Bronchitis.
- Efeu (Hedera helix) – fördert den Auswurf bei produktivem Husten.
- Schlüsselblume (Primula veris) – Saponindroge bei Bronchialkatarrh.
- Spitzwegerich (Plantago lanceolata) – reizlindernd bei trockenem Reizhusten.
- Eibisch (Althaea officinalis) – schleimhaltige Droge zum Schutz gereizter Schleimhäute.
FAQ
- Wofür wird die Kapland-Pelargonie medizinisch angewendet?
Pelargoniumwurzel wird traditionell zur symptomatischen Behandlung der Erkältung eingesetzt. Klinische Studien untersuchten insbesondere akute Atemwegsinfektionen und akute Bronchitis. - Welche Pflanzenteile werden verwendet?
Verwendet werden die getrockneten unterirdischen Pflanzenteile, pharmazeutisch als Pelargonii radix bezeichnet. - Wie gut ist die Wirksamkeit belegt?
Die Evidenz ist begrenzt bis moderat. Systematische Reviews berichten über mögliche symptomlindernde Effekte bei akuten Atemwegsinfektionen, weisen aber auf Unsicherheiten und unterschiedliche Studienqualität hin. - Ist Pelargoniumwurzel ein Antibiotikum?
Nein. Pelargoniumwurzel ist kein Antibiotikum und ersetzt bei schweren oder bakteriellen Infektionen keine ärztliche Behandlung. - Welche Nebenwirkungen sind möglich?
Möglich sind Magen-Darm-Beschwerden, allergische Reaktionen sowie selten Nasen- oder Zahnfleischbluten. Sehr selten wurden Leberreaktionen berichtet.
Letzte Änderung: 07.05.2026 / © W. Arnold



