Ysop – Hyssopus officinalis

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Ysop hat keine anerkannte medizinische Anwendung. Traditionelle Anwendungen bei Husten, Bronchitis oder Asthma sind beschrieben, klinisch aber nicht ausreichend belegt. Das ätherische Öl kann neurotoxische Bestandteile enthalten und ist deshalb nicht unproblematisch.

Hyssopus officinalis (syn. Hyssopus aristatus, H. canescens, H. cinereus, H. montanus);
Ysop (syn. Isop, Kirchenysop, Klosterysop).

Ysop (Hyssopus officinalis)

Hyssopus officinalis - Ysop

Hyssopus officinalis - Ysopblüte

VORKOMMEN

Ysop ist im Mittelmeergebiet, in Kleinasien, im Iran sowie in den Regionen um das Schwarze und Kaspische Meer beheimatet. Er wächst bevorzugt an trockenen, sonnigen und steinigen Standorten. In Mitteleuropa wird die Pflanze vor allem kultiviert und tritt nur gelegentlich verwildert auf.

MERKMALE

Ysop ist eine ausdauernde, bis etwa 60 cm hohe Staude beziehungsweise ein Halbstrauch mit zahlreichen aufrechten, verzweigten Trieben. Die kleinen, gegenständigen, schmal lanzettlichen Blätter sitzen dicht an den Zweigen. Die Blüten sind meist blauviolett, seltener rosa oder weiss, und stehen in einseitswendigen Scheinquirlen, die zu ährenartigen Blütenständen zusammengefasst sind. Die Blütezeit reicht in der Regel von Juli bis Oktober.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Hyssopi herba (syn. Herba Hyssopi) – Ysopkraut, die getrockneten, während der Blütezeit gesammelten oberirdischen Teile.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Ysop enthält ein ätherisches Öl mit je nach Herkunft und Chemotyp wechselnder Zusammensetzung. Besonders bedeutsam sind Monoterpene und Monoterpen-Ketone wie Pinocamphon und Isopinocamphon. Daneben kommen Flavonoide, Gerbstoffe, Bitterstoffe wie Marrubin und phenolische Verbindungen wie Rosmarinsäure vor.

Diosmin, Marrubin - Inhaltsstoffe des Ysops

PHARMAKOLOGIE

Experimentell wurden für Ysop beziehungsweise Ysopöl unter anderem antimikrobielle, antioxidative und spasmolytisch diskutierte Effekte beschrieben. Für die medizinische Bewertung entscheidend ist jedoch, dass das ätherische Öl je nach Zusammensetzung relevante Mengen an Pinocamphon und Isopinocamphon enthalten kann. Diese Stoffe gelten als neurotoxisch und werden mit klonischen und tonisch-klonischen Krämpfen in Verbindung gebracht.

Die pharmakologischen Daten sind heterogen und weitgehend präklinisch. Einzelne neuere Arbeiten mit wässrigen oder hydroalkoholischen Extrakten zeigen interessante experimentelle Effekte, sie begründen aber keine klinisch abgesicherte therapeutische Anwendung des Ysops.

EVIDENZ

  • Kommission E: negative Bewertung. Die Wirksamkeit bei den beanspruchten Anwendungsgebieten wurde nicht als belegt angesehen; eine therapeutische Anwendung wird nicht vertreten.
  • HMPC (EMA) – keine Monographie vorhanden. Eine europäische Bewertung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel oder als Arzneipflanze mit well-established use liegt damit nicht vor.
  • ESCOP – es gibt Hinweise auf eine ältere ESCOP-Monographie; für die heutige klinische Praxis ergibt sich daraus jedoch keine allgemein anerkannte evidenzbasierte Indikation.
  • Sharifi-Rad et al. 2022 (PMC) – Übersichtsarbeit zur Chemie, Pharmakologie und Sicherheit von Ysopöl; betont die sicherheitsrelevante Rolle der ketonreichen Inhaltsstoffe.
  • Millet et al. 1979 (PubMed) – experimentelle Arbeit zu den toxisch-konvulsiven Eigenschaften von Ysopöl; Pinocamphon und Isopinocamphon werden als zentrale Problemstoffe beschrieben.
  • Millet et al. 1981 (PubMed) – klinische und experimentelle Daten zu Intoxikationen durch ätherische Öle, darunter auch Ysopöl, mit tonisch-klonischen Krämpfen.

Bewertung: Insgesamt ergibt sich für Ysop keine tragfähige Evidenz für eine anerkannte medizinische Anwendung. Die Datenlage ist überwiegend experimentell; dem steht ein relevantes toxikologisches Risiko des ätherischen Öls gegenüber.

ANWENDUNG

Traditionelle und volkstümliche Anwendungen: innerlich bei Husten, Bronchitis, Asthma, Erkältungskrankheiten und Verdauungsbeschwerden; äusserlich als Gurgelmittel bei Halsentzündungen und Heiserkeit. Die Wirksamkeit bei diesen Anwendungsgebieten ist nicht ausreichend belegt.

Kommission E: Die Kommission E beurteilte Ysop negativ. Gegen die Verwendung von Ysopkraut als Geschmackskorrigens in Teemischungen bis zu einem geringen Anteil bestehen nach älterer Beurteilung keine grundsätzlichen Bedenken; eine therapeutische Anwendung wurde jedoch nicht befürwortet.

WARNUNG

Das ätherische Öl des Ysops ist nicht harmlos. Wegen der möglichen Gehalte an Pinocamphon und Isopinocamphon sind Krampfanfälle und andere neurotoxische Reaktionen beschrieben worden. Besonders problematisch sind konzentrierte ölhaltige Zubereitungen. Bei Kindern, Schwangeren, Personen mit Epilepsie oder Krampfneigung sowie bei unsachgemässer Anwendung ist besondere Vorsicht geboten.

STATUS

  • Kommission E: negative Bewertung
  • ESCOP: keine eindeutige aktuelle Monographie verfügbar
  • HMPC: keine Monographie vorhanden

YSOP IM GARTEN

Ysop ist eine pflegeleichte, wärmeliebende Pflanze für sonnige, eher trockene Standorte im Garten oder auf dem Balkon. Der Boden sollte gut drainiert sein, denn Staunässe wird schlecht vertragen. Die Vermehrung gelingt durch Aussaat oder Stecklinge. Im Kräutergarten passt Ysop gut zu mediterranen Halbsträuchern und Gewürzpflanzen.

Bei mir im Garten wächst Ysop neben Thymian, Oregano, Johanniskraut und Schwarzkümmel.

Ysoppflanzen - Hyssopus officinalis

SONSTIGES

Der in der Bibel erwähnte Ysop ist sehr wahrscheinlich nicht mit Hyssopus officinalis identisch. In der alttestamentlichen und nahöstlichen Tradition wird eher an andere aromatische Lamiaceen gedacht, insbesondere an Arten aus dem Umfeld von Majoran oder Oregano.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Thymus vulgaris – Thymian; ebenfalls aromatische Lippenblütler-Droge mit traditioneller Anwendung bei Husten und Erkältung.
  • Origanum vulgare – Oregano; nahe verwandte Gewürz- und Aromapflanze mit ätherischem Öl, jedoch anderer medizinischer Bedeutung.

FAQ

  • Hat Ysop eine medizinisch anerkannte Wirkung?
    Nein. Für Hyssopus officinalis gibt es heute keine anerkannte medizinische Anwendung.
  • Warum gilt Ysop als problematisch?
    Das ätherische Öl kann neurotoxische Bestandteile wie Pinocamphon und Isopinocamphon enthalten, die mit Krampfanfällen in Verbindung gebracht werden.
  • Kann man Ysop bei Husten oder Bronchitis verwenden?
    Solche Anwendungen sind aus der Volksmedizin bekannt, klinisch ausreichend belegt sind sie jedoch nicht.
  • Ist Ysop als Küchengewürz dasselbe wie medizinischer Ysopgebrauch?
    Nein. Die kulinarische Verwendung in kleinen Mengen ist nicht mit der innerlichen Einnahme konzentrierter Arznei- oder Ölzubereitungen gleichzusetzen.

Letzte Änderung: 07.04.2026 / © W. Arnold