Waldmeister – Galium odoratum

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Waldmeister hat keine anerkannte medizinische Anwendung. Die Pflanze ist vor allem als Gewürz- und Aromapflanze bekannt. Pharmazeutisch ist Waldmeisterkraut wegen fehlender Wirksamkeitsbelege und wegen seines Cumaringehalts nur zurückhaltend zu beurteilen.

Galium odoratum (L.) Scop. (syn. Asperula matrisylva, Asperula odorata, Chlorostemma odoratum, Galium matrisylva);
Echter Waldmeister (syn. Duftlabkraut, Wohlriechendes Labkraut).

Echter Waldmeister (Galium odoratum) mit Blättern und Blüten

Waldmeisterpflanzen im Bestand

VORKOMMEN

Der Waldmeister kommt in Nord-, Mittel- und Osteuropa sowie in Teilen Westasiens vor. Er wächst in Laub- und Mischwäldern, an schattigen Waldrändern und in krautreichen Buchenwäldern.

Die Pflanze bevorzugt frische, humose, lockere und eher kalkreiche Böden. Waldmeister ist eine typische Waldpflanze und kann an günstigen Standorten durch Rhizome grössere Bestände bilden.

MERKMALE

Waldmeister wächst als überwinternd grüne, ausdauernde krautige Pflanze. Er erreicht meist Wuchshöhen von 5 bis 30 cm, gelegentlich auch mehr. Unterirdisch bildet die Pflanze dünne, kriechende Rhizome, mit denen sie sich vegetativ ausbreiten kann.

Die aufrechten, unverzweigten, vierkantigen Stängel sind glatt und kahl. Die Laubblätter stehen zu 6 bis 9 in Scheinquirlen. Die einfache, einadrige Blattspreite ist länglich-lanzettlich bis schmal-elliptisch.

Die weissen Blüten stehen in lockeren, endständigen Trugdolden. Die Kronblätter sind zu einer kleinen trichterförmigen Röhre verwachsen. Besonders im welken Zustand duftet die ganze Pflanze charakteristisch nach Cumarin.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Galii odorati herba (syn. Asperulae odoratae herba, Herba Asperulae, Herba Cordialis, Herba Hepaticae stellatae, Herba Matrisilvae); Waldmeisterkraut, die frischen oder getrockneten, kurz vor oder während der Blütezeit gesammelten oberirdischen Pflanzenteile.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Cumarin:
Cumarin liegt in der frischen Pflanze überwiegend in gebundener Form beziehungsweise als Vorstufe vor. Beim Welken und Trocknen wird Cumarin freigesetzt; dadurch entsteht der typische Waldmeisterduft. Der Cumaringehalt kann je nach Herkunft, Entwicklungsstadium und Trocknung deutlich schwanken.

Cumarin als Inhaltsstoff des Waldmeisters

Iridoide:
Im frischen Kraut wurden Iridoide wie Asperulosid, Monotropein und Scandosid beschrieben. Daneben können Spuren weiterer Iridoidverbindungen vorkommen.

Asperulosid und Monotropein als Inhaltsstoffe des Waldmeisters

Phenolische Verbindungen:
Beschrieben sind unter anderem Gallussäure, Kaffeesäure, p-Cumarsäure, p-Hydroxybenzoesäure und Vanillin.

Weitere Verbindungen:
Daneben kommen verschiedene Alkane vor, unter anderem n-Heptacosan.

PHARMAKOLOGIE

Für Waldmeisterkraut liegen keine ausreichenden Untersuchungen mit definierten Arzneizubereitungen vor. Traditionell wurden der Droge beruhigende, krampflösende, harntreibende, entzündungshemmende und gefässerweiternde Wirkungen zugeschrieben.

Für diese beanspruchten Wirkungen fehlen jedoch belastbare klinische Belege. Auch experimentelle Befunde zu einzelnen Inhaltsstoffen oder Extrakten reichen nicht aus, um eine therapeutische Anwendung zu begründen.

Beim Genuss cumarinhaltiger Waldmeisterzubereitungen können Kopfschmerzen auftreten. Akute schwere Vergiftungen durch übliche Mengen als Gewürz sind beim Menschen nicht zu erwarten, dennoch ist eine hohe oder regelmässige Aufnahme cumarinreicher Zubereitungen nicht sinnvoll.

EVIDENZ

Die Evidenz zu Waldmeisterkraut ist schwach. Die traditionelle Anwendung stützt sich auf volksmedizinische Erfahrung und auf Inhaltsstoffe wie Cumarin und Iridoide, nicht auf belastbare klinische Studien.

Die Kommission E bewertete Waldmeisterkraut negativ, da die Wirksamkeit bei den beanspruchten Anwendungsgebieten nicht belegt ist. Eine therapeutische Anwendung kann daher nicht befürwortet werden.

Für Galii odorati herba ist keine EU-Herbal Monograph des HMPC ersichtlich; auch eine ESCOP-Monographie ist nicht vorhanden. Die vorhandene präklinische Literatur zu antioxidativen oder wundheilungsbezogenen Effekten ist für eine medizinische Anwendung beim Menschen nicht ausreichend.

  • Kommission E – negative Bewertung von Waldmeisterkraut wegen nicht belegter Wirksamkeit bei den beanspruchten Anwendungsgebieten.
  • HMPC – europäischer Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel; keine EU-Herbal Monograph zu Galii odorati herba.
  • ESCOP – europäische phytotherapeutische Fachgesellschaft; keine Monographie zu Waldmeisterkraut.
  • PubMed Central – Kahkeshani N et al. – präklinische Untersuchung zu antioxidativem und wundheilungsbezogenem Potenzial von Galium odoratum-Extrakten.

ANWENDUNG

Waldmeister wurde volksmedizinisch bei sehr unterschiedlichen Beschwerden verwendet, unter anderem bei Schlafstörungen, Verdauungsbeschwerden, Leber- und Gallenbeschwerden, Beschwerden der Harnwege, Venenerkrankungen, Hauterkrankungen und zur sogenannten Blutreinigung.

Diese Anwendungen sind nicht ausreichend belegt. Waldmeisterkraut ist daher nicht als Arzneidroge mit anerkannter medizinischer Anwendung einzustufen.

Heute steht die Verwendung als Gewürz- und Aromapflanze im Vordergrund, etwa für Waldmeisterbowle oder andere aromatisierte Zubereitungen. Auch dabei ist der Cumaringehalt zu beachten.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Von einer therapeutischen Anwendung als Tee oder Extrakt wird abgeraten, da keine anerkannte medizinische Indikation und keine überzeugende Wirksamkeitsbelege vorliegen.

Für die Verwendung als Gewürzkraut sollten nur kleine Mengen verwendet werden. Wird frisches Waldmeisterkraut zum Aromatisieren angesetzt, sollte es nur kurz und sparsam verwendet werden.

Bei Waldmeisterbowle ist eine zurückhaltende Dosierung sinnvoll. Der typische Duft entsteht besonders nach kurzem Anwelken der Pflanze.

SICHERHEIT

Der wichtigste sicherheitsrelevante Inhaltsstoff ist Cumarin. Bei höherer Aufnahme können Kopfschmerzen, Benommenheit oder Unwohlsein auftreten. Eine regelmässige hohe Aufnahme cumarinreicher Waldmeisterzubereitungen ist nicht empfehlenswert.

Personen mit Lebererkrankungen, Kinder, Schwangere und Stillende sollten cumarinreiche Zubereitungen besonders zurückhaltend verwenden. Bei Arzneimitteltherapie oder bekannten Leberproblemen ist eine medizinische Abklärung sinnvoll.

Waldmeister ist als Gewürzpflanze anders zu beurteilen als als Arzneipflanze: gelegentliche kleine Mengen in Lebensmitteln sind nicht gleichbedeutend mit einer therapeutischen Anwendung.

STATUS

  • Kommission E: negative Bewertung
  • ESCOP: keine Monographie vorhanden
  • HMPC: keine Monographie vorhanden

DER WALDMEISTER IM GARTEN

Waldmeister ist eine Waldpflanze. Er liebt kalkreichen, humosen, lockeren Boden und halbschattige bis schattige Plätze. Die Pflanze ist mehrjährig, winterhart und bildet rasch Ausläufer.

Sowohl das frische Grün der Blätter als auch die kleinen weissen Blüten sind im Garten attraktiv. Die Blüten erscheinen meist im April und Mai. An geeigneten Standorten bildet Waldmeister dichte Bestände und eignet sich gut als Bodendecker im lichten Schatten.

SONSTIGES

Für den deutschen Namen Waldmeister gibt es verschiedene Deutungen. Er wird als «Meister des Waldes» verstanden oder im Sinn einer im Wald wachsenden Pflanze mit besonderer Heilkraft gedeutet.

Waldmeister spielte auch im Volksglauben eine Rolle. Er wurde als wohlriechende Pflanze geschätzt und gelegentlich mit Schutz- und Abwehrvorstellungen verbunden.

Seit 1974 ist die bis dahin verbreitete Aromatisierung mit Waldmeister bei bestimmten Limonaden und Süsswaren, die vor allem von Kindern konsumiert wurden, in Deutschland nicht mehr zulässig.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Melisse (Melissa officinalis) – aromatische Arzneipflanze mit besser belegter traditioneller Anwendung bei nervöser Unruhe und Verdauungsbeschwerden.
  • Baldrian (Valeriana officinalis) – mild sedierend bei nervöser Unruhe und Einschlafstörungen.
  • Johanniskraut (Hypericum perforatum) – Arzneipflanze mit eigenständiger Evidenzlage und relevanten Wechselwirkungen.

FAQ

  • Hat Waldmeister eine anerkannte medizinische Anwendung?
    Nein. Waldmeisterkraut hat keine anerkannte medizinische Anwendung; die Kommission E bewertete die Droge negativ.
  • Welcher Inhaltsstoff prägt den Duft von Waldmeister?
    Der charakteristische Duft entsteht vor allem durch Cumarin, das beim Welken und Trocknen aus Vorstufen freigesetzt wird.
  • Kann Waldmeister Kopfschmerzen verursachen?
    Ja. Bei höherer Aufnahme cumarinhaltiger Waldmeisterzubereitungen können Kopfschmerzen auftreten.
  • Wird Waldmeister heute eher als Arznei oder als Gewürz verwendet?
    Waldmeister wird heute vor allem als Gewürz- und Aromapflanze verwendet, nicht als anerkannte Arzneipflanze.

Letzte Änderung: 01.05.2026 / © W. Arnold