Madagaskar-Immergrün – Catharanthus roseus
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Das Madagaskar-Immergrün hat keine anerkannte medizinische Anwendung als Heilpflanze. Die Pflanze dient als Industriedroge zur Gewinnung von Vinblastin und Vincristin, zweier stark wirksamer Mitosehemmer, die als Zytostatika in der Onkologie eingesetzt werden. Keine Selbstmedikation.
Catharanthus roseus (syn. Vinca rosea, Lochnera rosea);
Madagaskar-Immergrün, Tropisches Immergrün.
VORKOMMEN
Catharanthus roseus stammt ursprünglich aus Madagaskar. Heute ist die Art in vielen tropischen und subtropischen Gebieten verbreitet und wird weltweit als Zierpflanze kultiviert. In Mitteleuropa ist sie nicht winterhart und wird meist als Gewächshaus-, Zimmer- oder einjährige Sommerpflanze gehalten.
MERKMALE
Catharanthus roseus ist eine immergrüne, ausdauernde krautige Pflanze bis Halbstrauch, die Wuchshöhen bis etwa 80 Zentimeter erreichen kann. Die gegenständigen Laubblätter sind einfach, ganzrandig, meist elliptisch bis eiförmig und glänzend. Die einzeln in den Blattachseln stehenden, fünfzähligen Blüten besitzen eine lange Kronröhre; die Farbe variiert von weiss über hellrosa bis kräftig rosa oder violett.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Vincae roseae herba (syn. Herba Vincae roseae); Tropisches Immergrünkraut
Vincae roseae radix (syn. Radix Vincae roseae); Tropische Immergrünwurzel
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Catharanthus roseus enthält etwa 0,5–1 % Alkaloide. Es wurden über 90 Monoterpen-Indolalkaloide identifiziert. Zu den quantitativ bedeutenden Inhaltsstoffen gehören Vindolin und Catharanthin, die als Vorläufer der dimeren Vinca-Alkaloide dienen.
Die pharmakologisch wichtigsten Wirkstoffe sind die dimeren Monoterpen-Indolalkaloide Vinblastin (VLB, Vincaleucoblastin) und Vincristin (LC, Leurocristin). Diese entstehen biosynthetisch durch Kopplung von Vindolin und Catharanthin und kommen in der Pflanze nur in sehr geringen Mengen vor.
Neben diesen Hauptwirkstoffen enthält die Pflanze zahlreiche weitere Indolalkaloide, darunter unter anderem Ajmalicin, Serpentin und Vindolinin, deren pharmakologische Bedeutung im Vergleich zu den Vinca-Alkaloiden jedoch gering ist.
Die medizinische Bedeutung der Pflanze beruht nicht auf der Gesamtdroge als solcher, sondern auf isolierten beziehungsweise weiterverarbeiteten Alkaloiden. Vinblastin und Vincristin besitzen eine ausgeprägte zytotoxische Wirkung und werden als Zytostatika in der Krebsbehandlung eingesetzt.
PHARMAKOLOGIE
Vinblastin und Vincristin gehören zu den Vinca-Alkaloiden. Sie greifen an Tubulin beziehungsweise den Mikrotubuli des Spindelapparates an und hemmen dadurch die Zellteilung. Die Mitose wird blockiert, insbesondere in der Metaphase, wodurch sich rasch proliferierende Zellen nicht mehr regelrecht teilen können. Dieser Mechanismus erklärt die antitumorale Wirkung, aber auch einen grossen Teil der Toxizität.
Nach oraler Aufnahme werden diese Alkaloide nur ungenügend resorbiert; therapeutisch relevant sind sie daher als definierte Arzneistoffe in kontrollierter Anwendung, nicht als Tee oder klassische Phytodroge. In der Onkologie werden sie intravenös und in standardisierter Dosierung eingesetzt.
Die Nebenwirkungen sind erheblich. Bei Vinblastin steht vor allem die Knochenmarkstoxizität mit Leukopenie im Vordergrund. Bei Vincristin ist insbesondere die Neurotoxizität dosislimitierend; hinzu kommen unter anderem Obstipation, Haarausfall und weitere systemische Nebenwirkungen.
Vinca-Alkaloide haben klinische Bedeutung bei verschiedenen malignen Erkrankungen, darunter bestimmte Lymphome und Leukämien sowie weitere solide Tumoren.
Siehe in diesem Zusammenhang auch die Eibe (Taxus baccata) als weitere wichtige Arzneipflanze mit onkologisch bedeutsamen Naturstoffen.
EVIDENZ
Die medizinische Bedeutung von Catharanthus roseus beruht nicht auf einer anerkannten phytotherapeutischen Anwendung der Pflanze als Ganzdroge, sondern auf der Isolierung hochwirksamer Monoterpen-Indolalkaloide. Die daraus entwickelten Wirkstoffe Vinblastin und Vincristin gehören zu den etablierten Zytostatika der modernen Onkologie.
Für Catharanthus roseus besteht keine HMPC-Monographie im Sinn einer anerkannten Anwendung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel oder im Sinn eines well-established use.
Catharanthus roseus ist daher keine Heilpflanze im phytotherapeutischen Sinn und nicht zur Selbstmedikation geeignet.
- HMPC / EMA: keine Monographie vorhanden (EMA / HMPC)
- van der Heijden R et al.: The Catharanthus alkaloids: pharmacognosy and biotechnology. Curr Med Chem. 2004. (PubMed)
- Zhu X et al.: Biosynthetic pathway of terpenoid indole alkaloids in Catharanthus roseus. Front Med. 2014. (PubMed)
- National Cancer Institute: Vincristine (NCI)
- National Cancer Institute: Vinblastine (NCI)
ANWENDUNG / ZUBEREITUNG
Die Pflanze ist keine Teedroge und keine Arzneipflanze zur Selbstbehandlung. Ihre Bedeutung liegt ausschliesslich in der pharmazeutischen Gewinnung beziehungsweise Entwicklung von Zytostatika aus Vinca-Alkaloiden.
Eine häusliche Anwendung als Tee, Tinktur oder Extrakt ist nicht angezeigt.
Keine Selbstmedikation!
STATUS
MADAGASKAR-IMMERGRÜN IM GARTEN
Als Zierpflanze ist das Madagaskar-Immergrün ausgesprochen attraktiv. Im Zimmer bevorzugt es einen hellen Standort mit viel Licht, jedoch ohne anhaltende pralle Mittagssonne im Hochsommer. Im Freien eignet sich im Sommer ein geschützter, warmer Platz in halbschattiger bis sonniger Lage.
Das Substrat sollte locker, humos und gut drainiert sein. Während der Wachstumszeit kann mässig gedüngt werden. Da die Pflanze nicht frosthart ist, kommt in Mitteleuropa meist nur eine Kultur als Sommerpflanze, Kübelpflanze oder Zimmerpflanze in Frage. Wer sie überwintern möchte, sollte sie hell und eher kühl halten.
SONSTIGES
In verschiedenen Herkunfts- und Verbreitungsgebieten wurde Catharanthus roseus traditionell volksmedizinisch genutzt, unter anderem auch in Zubereitungen gegen Diabetes. Solche Anwendungen sind jedoch nicht mit einer anerkannten europäischen Phytotherapie gleichzusetzen.
Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Pflanze führte vor allem wegen der enthaltenen Indolalkaloide zu grossem Interesse. Daraus entwickelte sich die pharmakologische und klinische Nutzung einzelner isolierter Wirkstoffe. Gerade dieses Beispiel zeigt sehr schön, dass eine Pflanze medizinisch hochbedeutsam sein kann, ohne als klassische Heilpflanze für Tee oder Selbstmedikation geeignet zu sein.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Taxus baccata – liefert mit Taxanen ebenfalls wichtige Zytostatika aus pflanzlichen Ausgangsstoffen.
- Viscum album – wird in der Onkologie komplementär eingesetzt, auch in der Tiermedizin bei Tumorerkrankungen.
FAQ
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Ist Madagaskar-Immergrün eine Heilpflanze?
Nein. Catharanthus roseus hat keine anerkannte Anwendung als klassische Heilpflanze zur Selbstmedikation. -
Warum ist die Pflanze trotzdem medizinisch wichtig?
Weil aus ihr Vinca-Alkaloide wie Vinblastin und Vincristin gewonnen wurden, die als Zytostatika in der Krebsbehandlung eingesetzt werden. -
Kann man Madagaskar-Immergrün als Tee verwenden?
Nein. Eine Eigenanwendung ist nicht angezeigt. -
Ist Catharanthus roseus giftig?
Ja. Wegen der enthaltenen Alkaloide ist die Pflanze keine harmlose Hausmittel-Droge.
Letzte Änderung: 31.03.2026 / © W. Arnold

