Eberraute – Artemisia abrotanum
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | EVIDENZ | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Die Eberraute hat keine anerkannte medizinische Anwendung. Volkstümlich wird das Kraut vor allem als appetitanregendes und die Verdauung förderndes Mittel verwendet. Die moderne klinische Evidenz ist begrenzt.
Artemisia abrotanum (syn. Artemisia abrotanifolium, A. angustifolia, A. paniculata, A. procera).


VORKOMMEN
Die Eberraute stammt vermutlich aus Vorderasien beziehungsweise aus südöstlichen Teilen Europas und Westasiens. Seit langem wird sie in Europa kultiviert und war besonders in Kloster- und Bauerngärten verbreitet. In Mitteleuropa kommt sie vor allem als Gartenpflanze vor; gelegentlich verwildert sie.
Die Art gedeiht gut im Garten an einem trockenen und sonnigen Standort.
MERKMALE
Die Eberraute wächst als Halbstrauch oder ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von meist 50 bis 130, selten bis zu 170 Zentimeter. Sie ist aromatisch duftend. Die Wurzeln sind dick und verholzen. Jede Pflanze bildet relativ viele aufrechte, verzweigte Stängel, die an ihrer Basis verholzen können und braun, kahl oder spärlich behaart sind.
Bis über 1 m hoher, dichtästiger Halbstrauch, Stängel aufrecht, oberwärts rispig verzweigt. Laubblätter doppelt fiederspaltig. Köpfe sehr klein, fast kugelig, nickend, blattwinkelständige, beblätterte Trauben bildend. Blüten blassgelblich, die äusseren weiblich, die inneren zwittrig. Die ganze Pflanze besitzt einen erfrischend aromatischen, teils zitronenähnlichen Geruch.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Herba Artemisiae (syn. Herba Abrotani), die getrockneten oberirdischen Pflanzenteile.
WIRKSTOFFE
Die Eberraute enthält 0,18 bis 1,4 % ätherisches Öl, 2 bis 3 % Abrotanin sowie Bitterstoffe. Je nach chemischer Rasse ist der Hauptbestandteil entweder 1,8-Cineol oder Thujon. Weitere Inhaltsstoffe sind Fenchene, Sabinen, α-Caryophyllen und β-Caryophyllen. Eberrautenöl enthält zudem die heterocyclischen Sesquiterpene Davanol, Davanon und Hydroxydavanon.
Nichtflüchtige Inhaltsstoffe sind das Alkaloid Abrotin, Cumarine wie Isofraxidin und Umbelliferon, Flavonglykoside wie Rutin sowie freie Flavonolether. Den bitteren Geschmack verursachen unter anderem Sesquiterpenlactone und Bitterstoffe.

PHARMAKOLOGIE
Aus den Inhaltsstoffen der Eberraute lassen sich bitterstoffbedingte und ätherisch-ölbedingte Wirkungen ableiten. Traditionell werden appetitanregende und verdauungsfördernde Eigenschaften beschrieben. Einzelne Inhaltsstoffe und Extrakte zeigen in experimentellen Arbeiten antioxidative, antimikrobielle, entzündungsmodulierende und weitere biologische Aktivitäten. Eine klinisch gesicherte therapeutische Wirksamkeit lässt sich daraus jedoch nicht direkt ableiten.
EVIDENZ
Die traditionelle Anwendung der Eberraute als appetitanregendes und verdauungsförderndes Mittel ist historisch gut belegt. Pharmakologisch ist eine gewisse Plausibilität durch Bitterstoffe, ätherisches Öl und weitere sekundäre Pflanzenstoffe gegeben. Die klinische Evidenz ist jedoch begrenzt; eine anerkannte medizinische Anwendung lässt sich aus der aktuellen Datenlage nicht ableiten.
- Ekiert et al. (2021) – Review zu traditioneller Verwendung, Phytochemie und biologischen Aktivitäten von Artemisia abrotanum.
- PMC-Volltext zu Ekiert et al. (2021) – ausführliche Übersicht mit Schwerpunkt auf Inhaltsstoffen und traditioneller Anwendung.
- Baiceanu et al. (2018) – Untersuchung zu Polyphenolen in Artemisiae abrotani herba und deren antioxidativen Eigenschaften.
ANWENDUNG
Ähnlich wie Wermut, das heisst hauptsächlich als appetitanregendes und die Verdauung förderndes Mittel. Ferner wurde die Eberraute volkstümlich bei Menstruationsbeschwerden sowie zur Bekämpfung von parasitischen Würmern im Verdauungstrakt verwendet. Diese Anwendungsgebiete sind gegenwärtig nicht belegt.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Traditionell wird das getrocknete Kraut als Tee oder in anderen einfachen Zubereitungen verwendet. Da keine anerkannte medizinische Anwendung vorliegt, gibt es keine gesicherte, allgemein anerkannte Standarddosierung. Eine zurückhaltende Anwendung ist wegen des ätherischen Öls und möglicher Thujongehalte sinnvoll.
SICHERHEIT
Belastbare moderne Sicherheitsdaten zur Eberraute sind begrenzt. Wegen des ätherischen Öls und möglicher Thujongehalte ist bei innerlicher Anwendung Zurückhaltung angezeigt. In Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kindern sollte auf eine medizinische Anwendung verzichtet werden, sofern keine fachliche Empfehlung vorliegt. Bei bekannten Korbblütler-Allergien ist Vorsicht sinnvoll.
STATUS
- Kommission E: keine Monographie vorhanden
- ESCOP: keine Monographie vorhanden
- HMPC: keine Monographie vorhanden
GARTEN
Die Eberraute liebt einen sonnigen Standort mit einem humosen Boden und eher trockenem, kalkhaltigem Erdreich. Jungpflanzen erhält man in guten Kräutergärtnereien, ältere Pflanzen können durch Wurzelteilung vermehrt werden. Die Eberraute ist recht anspruchslos; sie muss nur in längeren Trockenperioden zusätzlich bewässert werden.
Die mehrjährige Staude braucht keinen Dünger und auch keinen besonderen Winterschutz.
SONSTIGES
Vermutlich aus Vorderasien stammend, fand die Eberraute in vielen Klostergärten des Mittelalters ihren Platz.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Wermut (Artemisia absinthium) – traditionell als Bittermittel bei Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden verwendet.
- Gemeiner Beifuss (Artemisia vulgaris) – traditionell als Gewürz- und Arzneipflanze mit bitter-aromatischen Inhaltsstoffen.
- Estragon (Artemisia dracunculus) – aromatische Art der gleichen Gattung mit kulinarischer und traditioneller Verwendung.
FAQ
- Hat Eberraute eine anerkannte medizinische Anwendung?
Nein. Für Artemisia abrotanum ist keine anerkannte medizinische Anwendung belegt. - Wofür wurde Eberraute traditionell verwendet?
Vor allem als appetitanregendes und verdauungsförderndes Mittel. - Welche Inhaltsstoffe sind wichtig?
Wichtig sind ätherisches Öl, Bitterstoffe, Cumarine und Flavonoide; je nach Chemotyp spielt 1,8-Cineol oder Thujon eine grössere Rolle. - Ist bei der Anwendung Vorsicht nötig?
Ja. Wegen der begrenzten modernen Datenlage und möglicher Thujongehalte ist eine zurückhaltende Anwendung sinnvoll.
Letzte Änderung: 18.04.2026 / © W. Arnold





