Bischofskraut – Ammi visnaga
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Keine anerkannte medizinische Anwendung.
Das Bischofskraut (Ammi visnaga) ist eine historisch verwendete Arzneipflanze mit Inhaltsstoffen wie Khellin und Visnagin. Experimentell beschriebene Effekte wie spasmolytische oder vasoaktive Wirkungen führen jedoch zu keiner klinisch gesicherten Standardanwendung; zudem sind unerwünschte Wirkungen wie Photosensibilisierung zu beachten.
Ammi visnaga (syn. Daucus visnaga, Apium visnaga, Sium visnaga, Selinum visnaga, Visnaga vera, Ammi dilatum).
Bischofskraut (syn. Zahnstocherkraut, Khellakraut, Zahnstocherammei).




VORKOMMEN
Ammi visnaga ist hauptsächlich im Mittelmeergebiet und in Nordafrika verbreitet. Die Art wird auch in anderen warmen Regionen kultiviert und kann in Mitteleuropa gelegentlich verwildert auftreten.
MERKMALE
Das Bischofskraut ist eine ein- bis zweijährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen bis etwa 1 Meter. Charakteristisch sind die grossen doppeldoldigen Blütenstände mit zahlreichen kleinen weissen Blüten. Die Strahlen der Dolden verhärten nach der Fruchtreife und wurden traditionell als Zahnstocher verwendet.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Ammeos visnagae fructus (syn. Fructus Ammi visnagae): Ammi-visnaga-Früchte, die getrockneten Früchte.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Furanochromone, vor allem Khellin und Visnagin beziehungsweise Khellol-Derivate; ferner Pyranocumarine wie Visnadin, Samidin und Dihydrosamidin. Daneben Flavonoide, unter anderem Kämpferol-, Quercetin- und Isorhamnetin-Derivate, geringe Mengen ätherisches Öl sowie weitere Begleitstoffe.

PHARMAKOLOGIE
Auszug aus der Monographie BGA/BfArM (Kommission E):
Beanspruchte Anwendungsgebiete mit Begründung ihrer negativen Bewertung:
Zubereitungen aus Ammi-visnaga-Früchten wurden bei Angina pectoris, Koronarinsuffizienz, paroxysmaler Tachykardie, Extrasystolen, Altersherz mit Hypertonie, Asthma, Keuchhusten sowie krampfartigen Beschwerden des Unterleibs verwendet.
Risiken:
Beschrieben wurden unter anderem pseudoallergische Reaktionen, cholestatischer Ikterus sowie Photosensibilisierung. Khellin kann die Haut lichtempfindlicher machen; zudem wurden nach höheren Dosierungen reversible Erhöhungen von Leberenzymen beobachtet.
Beurteilung:
Da die Wirksamkeit der Droge und ihrer Zubereitungen für die beanspruchten Anwendungsgebiete nicht ausreichend belegt war, wurde die therapeutische Anwendung angesichts der Risiken negativ beurteilt.
EVIDENZ
Die heutige Datenlage stuft Ammi visnaga als pharmakologisch interessante, historisch verwendete Pflanze ein, nicht jedoch als etablierte Arzneidroge. Einzelne Inhaltsstoffe wie Khellin, Visnagin und Visnadin zeigen zwar experimentell spasmolytische und vasoaktive Effekte; eine klinisch gesicherte und anerkannte medizinische Anwendung der Droge besteht jedoch nicht.
Quellen:
- BfArM / Kommission E – die offizielle Liste der Kommission-E-Monographien führt Ammeos visnagae fructus als Negativ-Monographie.
- ESCOP – in der aktuellen Monographienübersicht ist für Ammi visnaga keine Monographie ersichtlich.
- HMPC / EMA – für Ammi visnaga ist keine HMPC-Kräutermonographie ersichtlich.
- Khalil et al. – Übersichtsarbeit zu Botanik, Inhaltsstoffen und pharmakologischen Ansätzen; sie zeigt das wissenschaftliche Interesse, belegt aber keine anerkannte klinische Standardanwendung.
ANWENDUNG
Ammi visnaga wurde bereits in der antiken Medizin verwendet und später vor allem wegen ihrer krampflösenden und gefässerweiternden Eigenschaften diskutiert. Historisch standen Beschwerden wie Angina pectoris, Koronarspasmen, Koliken oder asthmatische Zustände im Vordergrund.
Aus heutiger Sicht ist jedoch zu betonen, dass die Droge keine anerkannte medizinische Anwendung besitzt. Die pharmakologischen Effekte einzelner Inhaltsstoffe sind nicht mit einer gesicherten therapeutischen Wirksamkeit der Droge gleichzusetzen. Wegen des ungünstigen Nutzen-Risiko-Verhältnisses spielt Bischofskraut in der modernen Phytotherapie keine wesentliche Rolle mehr.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Eine gebräuchliche standardisierte Anwendung der Droge besteht heute nicht. Historisch wurden Extrakte und isolierte Inhaltsstoffe verwendet; als übliche Arzneiteedroge hat sich das Bischofskraut jedoch nicht etabliert.
Eine Selbstmedikation ist nicht zu empfehlen, da Sicherheit, Dosierung und Nutzen klinisch nicht ausreichend gesichert sind und unerwünschte Wirkungen, insbesondere Photosensibilisierung, beachtet werden müssen.
STATUS
- Kommission E: negative Bewertung
- ESCOP: keine Monographie vorhanden
- HMPC: keine Monographie vorhanden
BISCHOFSKRAUT IM GARTEN
Das Bischofskraut braucht einen vollsonnigen, möglichst geschützten Standort, damit es gut blüht und Früchte ausbilden kann. Der Boden sollte tiefgründig, eher frisch und mässig nahrhaft sein. Ab April kann ins Freiland gesät werden, in raueren Lagen besser erst ab Mai. Bischofskraut ist ein Lichtkeimer.
SONSTIGES
Bischofskraut wird auch Khella oder Khellakraut genannt. Die ebenfalls verbreiteten Trivialnamen Zahnstocherkraut oder Zahnstocherammei gehen darauf zurück, dass die verholzten Doldenstrahlen traditionell als Zahnstocher verwendet wurden.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Engelwurz (Angelica archangelica) – ebenfalls eine Doldenblütler-Arzneipflanze, jedoch mit ganz anderer heutiger Anwendungstradition im Magen-Darm-Bereich.
- Fenchel (Foeniculum vulgare) – klassischer Vertreter der Apiaceae mit anerkannter krampflösender Anwendung bei Verdauungsbeschwerden.
- Kümmel (Carum carvi) – ebenfalls eine Doldenblütler-Heilpflanze mit gut eingeführter Verwendung gegen Blähungen und leichte krampfartige Magen-Darm-Beschwerden.
FAQ
- Hat Bischofskraut heute eine anerkannte medizinische Anwendung?
Nein. Die Früchte von Ammi visnaga haben heute keine anerkannte medizinische Anwendung. - Welche Stoffe sind typisch für Bischofskraut?
Typisch sind vor allem Furanochromone wie Khellin und Visnagin sowie Pyranocumarine wie Visnadin. - Welche Risiken sind zu beachten?
Wichtig sind insbesondere Photosensibilisierung und mögliche unerwünschte Wirkungen auf Magen-Darm-Trakt und Leber. - Kann man Bischofskraut als Tee verwenden?
Es handelt sich nicht um eine heute gebräuchliche und anerkannte Arzneiteedroge.
Letzte Änderung: 12.04.2026 / © W. Arnold






