Kahles Bruchkraut - Herniaria glabra
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Das HMPC hat Bruchkraut als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft. Auf Grundlage langjähriger Anwendung kann Bruchkraut zur Erhöhung der Harnmenge und zur Durchspülung der Harnwege unterstützend bei leichten Harnwegsbeschwerden eingesetzt werden.
Bruchkraut (syn. Harnkraut, Kahles Bruchkraut, Tausendkorn); Herniaria glabra.
VORKOMMEN
Das Verbreitungsgebiet des Kahlen Bruchkrautes umfasst die gemässigten Breiten Europas und Westasiens. In Nordamerika ist die Art stellenweise eingeschleppt. In Mitteleuropa wächst sie bevorzugt auf kalkarmen, sandigen und trockenen Standorten, etwa in Sandtrockenrasen, an Ruderalstellen, auf Dämmen, Wegen, Pflasterritzen und wenig betretenen Verkehrsflächen.
MERKMALE
Das Kahle Bruchkraut ist eine einjährige bis mehrjährige krautige Pflanze. Die Triebe liegen meist nieder und bilden flache, grüne bis gelblich-grüne Matten. Der Stängel ist typischerweise 5 bis 15 cm lang, kann aber bis etwa 30 cm erreichen.
Blätter und Stängel sind kahl oder nur selten sehr kurz bewimpert. Die Nebenblätter sind dreieckig und etwa 0,5 bis 1,5 mm lang. Die ungestielten, zwittrigen Blüten sind sehr klein und fünfzählig. Die Kelchblätter sind grün, elliptisch und stumpf bespitzt. Die weissen Kronblätter sind deutlich kleiner als die Kelchblätter oder fehlen ganz.
DROGEN
Herba Herniariae (syn. Herniariae herba); Harnkraut, Bruchkraut.
Verwendet werden die zur Blütezeit gesammelten und getrockneten, ganzen oder geschnittenen oberirdischen Teile von Herniaria glabra, Herniaria hirsuta, Herniaria incana oder Mischungen dieser Arten.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Die Droge enthält Triterpensaponine, darunter Herniarasaponine. Es handelt sich überwiegend um Bisdesmoside der Medicagensäure, 16α-Hydroxymedicagensäure und Gypsogensäure. Daneben kommen Flavonoide vor, vor allem Derivate von Quercetin und Isorhamnetin.
Weitere Inhaltsstoffe sind Cumarine wie Herniarin und Umbelliferon sowie geringe Mengen Gerbstoffe. Die Zusammensetzung kann je nach Art, Herkunft, Erntezeitpunkt und Verarbeitung variieren.
PHARMAKOLOGIE
Die traditionelle Anwendung von Bruchkraut bei leichten Harnwegsbeschwerden wird vor allem mit einer Förderung der Harnausscheidung und der Durchspülung der Harnwege in Verbindung gebracht. Triterpensaponine werden als wichtige Inhaltsstoffgruppe betrachtet.
Experimentelle Untersuchungen zeigen diuretische, saluretische und teilweise blutdrucksenkende Effekte in Tiermodellen. Zusätzlich wurden für Herniaria-Extrakte antioxidative, entzündungsmodulierende und antimikrobielle Eigenschaften beschrieben. Diese Befunde sind pharmakologisch interessant, ersetzen aber keine robuste klinische Wirksamkeitsprüfung.
EVIDENZ
Die Evidenz zu Bruchkraut beruht vor allem auf traditioneller Anwendung, HMPC-Bewertung und präklinischen Untersuchungen. Die HMPC-Einstufung stützt die traditionelle Anwendung zur Erhöhung der Harnmenge und zur Durchspülung der Harnwege bei leichten Harnwegsbeschwerden, nicht jedoch eine gesicherte klinische Wirksamkeit im Sinn einer well-established use-Indikation.
Moderne pharmakologische Arbeiten bestätigen einzelne plausible Wirkansätze, insbesondere diuretische Effekte und die Bedeutung von Triterpensaponinen. Klinische Daten bleiben begrenzt; die Anwendung sollte deshalb als traditionelle unterstützende Durchspülungstherapie eingeordnet werden.
- EMA/HMPC – Herniariae herba – HMPC-Monographieseite zu Bruchkraut als traditionellem pflanzlichem Arzneimittel bei leichten Harnwegsbeschwerden.
- EMA/HMPC-Monographie – traditionelle Anwendung zur Erhöhung der Harnmenge und zur Durchspülung der Harnwege.
- PubMed – Studie zum diuretischen Effekt von Herniaria glabra; Triterpensaponine werden als mögliche Wirkträger diskutiert.
- PubMed – Reinvestigation von Saponinen aus Herniaria glabra und ihrer biologischen Aktivität.
- PubMed – tierexperimentelle Untersuchung zu Effekten von Herniaria glabra-Saponinen auf Blutdruck sowie Salz- und Wassertransport in den Nieren.
- PMC – phytochemische Charakterisierung und metabolisches Profil von Herniaria-Arten; relevant für Inhaltsstoffe und Qualitätsbewertung.
ANWENDUNG
Bruchkraut wird traditionell zur Erhöhung der Harnmenge und damit zur Durchspülung der Harnwege unterstützend bei leichten Harnwegsbeschwerden verwendet. Diese Anwendung entspricht der HMPC-Einstufung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel auf Grundlage langjähriger Anwendung.
Historisch wurde Bruchkraut auch bei Nieren- und Blasenbeschwerden, Gicht, Rheuma, Atemwegsbeschwerden und zur sogenannten Blutreinigung verwendet. Für diese weiter gefassten Anwendungsgebiete liegt keine ausreichende klinische Evidenz vor.
Die Anwendung ersetzt keine Behandlung bakterieller Harnwegsinfekte. Bei Fieber, Schmerzen beim Wasserlassen, Blut im Urin, Flankenschmerzen oder anhaltenden Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung erforderlich.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Bruchkraut wird traditionell als Tee oder in entsprechenden pflanzlichen Zubereitungen verwendet. Bei Fertigpräparaten ist die Dosierung der Packungsbeilage massgebend.
Bei einer Durchspülungstherapie ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig, sofern keine medizinischen Gründe dagegen sprechen. Bei Herz- oder Nierenerkrankungen, Ödemen oder eingeschränkter Flüssigkeitsaufnahme sollte Bruchkraut nicht ohne fachliche Abklärung verwendet werden.
SICHERHEIT
Bruchkraut gilt bei traditioneller Anwendung in üblichen Mengen als vergleichsweise gut verträglich. Wegen der saponinhaltigen Droge sind Magen-Darm-Beschwerden bei empfindlichen Personen möglich.
Nicht geeignet ist eine Durchspülungstherapie bei Erkrankungen, bei denen eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr problematisch sein kann, insbesondere bei schweren Herz- oder Nierenerkrankungen und Ödemen. Bei Schwangerschaft, Stillzeit und Kindern sollte die Anwendung nur nach fachlicher Beurteilung erfolgen.
STATUS
- Kommission E: negative Bewertung für die früher beanspruchten breiten Anwendungsgebiete.
- ESCOP: keine Monographie vorhanden.
- HMPC/EMA: traditionelles pflanzliches Arzneimittel (Herniariae herba).
SONSTIGES
Der Gattungsname Herniaria ist lateinischer Herkunft (hernia = Bruch) und bezieht sich auf die frühere Verwendung bei Bruchleiden. Der Artname glabra bedeutet kahl und verweist auf den Unterschied zum behaarten Bruchkraut (Herniaria hirsuta). Die ältesten Hinweise auf eine arzneiliche Nutzung des Bruchkrautes stammen aus der frühen Neuzeit.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense) – traditionell zur Durchspülung der Harnwege verwendet.
- Birke (Betula pendula) – Blätter werden traditionell bei leichten Harnwegsbeschwerden eingesetzt.
- Goldrute (Solidago virgaurea) – klassische Pflanze der Durchspülungstherapie.
- Orthosiphon (Orthosiphon aristatus) – traditionell bei leichten Beschwerden der ableitenden Harnwege.
- Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) – traditionell im Umfeld von Harnwegsbeschwerden verwendet.
FAQ
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Wofür wird Bruchkraut verwendet?
Bruchkraut wird traditionell zur Erhöhung der Harnmenge und zur Durchspülung der Harnwege unterstützend bei leichten Harnwegsbeschwerden verwendet. -
Welche Inhaltsstoffe sind wichtig?
Wichtig sind Triterpensaponine, darunter Herniarasaponine, ausserdem Flavonoide, Cumarine wie Herniarin und Umbelliferon sowie geringe Mengen Gerbstoffe. -
Ist die Wirksamkeit klinisch gut belegt?
Die klinische Evidenz ist begrenzt. Die HMPC-Einstufung beruht auf traditioneller Anwendung und langjähriger Erfahrung. -
Wann ist ärztliche Abklärung nötig?
Bei Fieber, Blut im Urin, Flankenschmerzen, starken Schmerzen beim Wasserlassen oder anhaltenden Beschwerden ist ärztliche Abklärung erforderlich. -
Ist Bruchkraut für eine Durchspülungstherapie immer geeignet?
Nein. Bei schweren Herz- oder Nierenerkrankungen, Ödemen oder eingeschränkter Flüssigkeitsaufnahme sollte Bruchkraut nicht ohne fachliche Beurteilung verwendet werden.
Letzte Änderung: 30.04.2026 / © W. Arnold