Echter Augentrost - Euphrasia officinalis

Euphrasia officinalis (syn. E. rostkoviana, E. minima, E. nemorosa, E. pratensis);
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Echter Augentrost (syn. Wiesen-Augentrost).

Euphrasia officinalis - Echter Augentrost

Euphrasia officinalis - Echter Augentrost

Euphrasia officinalis - Echter Augentrost

VORKOMMEN

Augentrost ist in ganz Europa (mit Ausnahme des südlichen Teils der Mittelmeer-Halbinseln), der Sowjetunion und Nordamerika (dort z. T. eingebürgert) verbreitet. Die unter Euphrasia officinalis zusammengefassten Arten (die schwer auseinander zu halten sind) sind hauptsächlich auf Weiden, wenig gedüngten Wirtschaftswiesen an eher trockenen Standorten zu finden.

MERKMALE

Der Augentrost wird 5 bis 25 cm hoch und ist schon unter der Mitte ästig und drüsenhaarig. Augentrost ist eine einjährige krautige Pflanze. Die Blätter sind eiförmig und etwa so lang wie breit (bis ca. 18 mm), kreuzweise gegenständig und gezähnt. Die Blüten sind in den obersten Blattwinkeln angeordnet. Die Krone ist 8-14 mm lang, weiss, oft mit lila oder violett geaderter Oberlippe. Die Unterlippe immer mit gelbem Fleck und gelbem Schlund. Die Frucht ist meist kürzer als der Kelch. Augentrost ist eine sehr vielgestaltige Art. Die Blütezeit ist in Mitteleuropa von Juli bis September.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Euphrasiae herba (Herba Euphrasiae); Augentrostkraut (syn. Gemeiner Augentrost, Wiesenaugentrost), die getrockneten oberirdischen Teile.
Auch die frische Pflanze kann verwendet werden.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Je nach verwendeter Stammpflanze weist das Inhaltsstoffspektrum leichte Schwankungen auf.
Enthalten sind Iridoidglykoside wie Aucubin, Euphrosid und Catalpol; Flavonoide (überwiegend Glykoside von Apigenin und Quercetin), Phenolcarbonsäuren, Lignane (Dehydrodiconiferyl-4-β-D-glucosid), geringe Mengen von ätherischem Öl und das Phenylethanoid Leucosceptrosid A.

Inhaltsstoffe des Augentrostes

PHARMAKOLOGIE

Aufgrund der fehlenden Wirkungsnachweise wird die Droge fast nur in der Volksheilkunde verwendet.

ANWENDUNG

Anwendungsgebiete sind gleichermassen Husten und Heiserkeit, insbesondere aber Entzündungen der Augenbindehaut und des Lidrandes infolge von Katarrhen und Übermüdung der Augen durch Überanstrengung.
Gegen die innerliche Verwendung als Tee bestehen keine Bedenken; die äusserliche Anwendung in Form von Waschungen, Umschlägen und Bädern am Auge wird aus hygienischen Gründen dagegen nicht empfohlen, da die Zubereitungen oft nicht schwebstoff- und keimfrei sind. Gegen sterile Zubereitungen ist nichts einzuwenden.
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ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Anwendungen am Auge nur mit Fertigarzneimitteln.

In käuflichen Augentropfen (z.B. Oculosan) ist der Augentrost (neben z.B. Hamamelis, Bitterorange und Lavendel) enthalten.
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Augentrost ist manchmal in Fertigarzneimitteln wie der Weleda Augensalbe (neben Echinacea und Ringelblume) zu finden.

STATUS

  • Kommission E: - negative Bewertung (Wirksamkeit nicht ausreichend belegt)
  • ESCOP: - keine Bearbeitung
  • HMPC: - negative Bewertung (Augentrostkraut-Zubereitungen am Auge können wegen fehlendem Wirkungsnachweis und aus hygienischen Gründen nicht empfohlen werden)

HOMÖOPATHIE

Euphrasia officinalis HAB1, die ganze, frische, blühende Pflanze.
Anwendungsgebiete: katarrhalische Entzündungen am Auge, Entzündungen der oberen Luftwege.

AUGENTROST IM GARTEN

Der echte Augentrost ist ein klassischer Halbschmarotzer, der mit Hilfe von Saugwurzeln den Wurzeln der benachbarten Pflanzen Wasser und Nährsalze entzieht. Die Pflanze kann aber auch ohne diese Hilfe überleben.
Die Keimung der Samen erfolgt allerdings nur in unmittelbarer Nähe einer Wirtspflanze, meistens Gräser. Augentrost ist sowohl Kalt- als auch Lichtkeimer, man sät ihn am besten auf magere Weiden bzw. Wiesen. Augentrost ist meist eine einjährige Pflanze.

Augentrost

SONSTIGES

Der Gattungsname Euphrasia leitet sich von griechischen "euphrasia" (= Wohlbefinden) ab. Der deutschen Begriff „Augentrost“ weist auf die volkstümliche Verwendung der Pflanze bei Augenleiden hin.
In seinem Kräuterbuch vom Jahre 1539 zählte Hieronymus Bock vier Pflanzenarten auf, die zu seiner Zeit den Namen „Augentrost“ führten.

Letzte Änderung: 04.04.2017 / © W. Arnold