HEILPFLANZEN

Aloe vera (Aloe barbadensis) - Echte Aloe

Aloe barbadensis (syn. Aloe chinensis, Aloe elongata, Aloe indica, Aloe officinalis, Aloe perfoliata, Aloe vera, Aloe vulgaris).
Aloe-Arten - Aloe vera (Aloe barbadensis)
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VORKOMMEN

Besonders Nordafrika, Mittelmeerraum, Kanaren, Madeira und Indien. Anbaugebiete vor allem Küstenregionen von Venezuela sowie subtropische Gebiete der USA und Mexikos.
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MERKMALE

Stammlose Pflanze mit einer oder mehreren Rosetten aus dicken, fleischigen, nicht bedornten Blättern sowie aufrechten Blütenständen mit gelben oder roten Blüten.
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DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

1. Curacao-Aloe - (syn. Aloe barbadensis, Aloe hepatica), der zur Trockene eingedickte Saft der Blätter.
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2. Aloe-vera-Gel - (syn. Aloe vera, Aloe-Extrakt). Die Droge besteht aus dem Schleim der Blätter und wird durch Auspressen oder Extraktion, meist mit heissem Wasser, gewon­nen. Da das genuine Produkt instabil ist, sind die Handelsgele stabilisierte und konzen­trierte, oft lyophilisierte Extrakte.
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WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Aloin1. Curacao-Aloe - Anthron-C-glykosyle (35-38 % Aloine A und B, ferner etwa 3 % 7-Hydroxyaloine A und B, 1,8-Dihydroxy­anthrachinone (0,05-0,5 %) sowie die bitteren, bicyclischen Polyketide Aloeresine.
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2. Aloe-vera-Gel - Insbesondere Gemische von Hetero­polysacchariden unterschiedlicher Kettenlänge, meist mit Mannose als dominierendem Grundbaustein. Die Zuckereinheiten sind meist linear 1,4-verknüpft und teilweise acetyliert. Der mögliche Gehalt an Anthron-C-glykosylen ist abhängig vom Herstellungsverfahren. Neuere, meist patentierte Verfahren ermöglichen anthranoidfreie Gelprodukte.
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PHARMAKOLOGIE

Aloin wird im Dickdarm durch Bakterien in Aloe-Emodin-Anthron umgewandelt. Anth­rone sind für die stimulierende Abführwirkung verantwortlich. Molekulare Angriffspunkte sind der Chloridkanal und, weniger bedeutend, die Na+/K+ -ATPase. Anthranoide verstärken die Darmperistaltik und Sekretion von Wasser, hemmen jedoch seine Rückresorption im Dickdarm. Aloe-Extrakte besitzen antimikrobielle, antivirale und zellschädigende Eigenschaften.
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Das Gel besitzt entzündungshemmende, wundheilende und immunstimulierende Eigenschaften, die im Einzelnen aber wissenschaftlich nicht belegt sind.
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ANWENDUNG

1. Curacao-Aloe - In Form des eingestellten Extraktes als Laxans, oft in Kombination mit Medizinalrhabarber und Senna. Die Droge steigert direkt die Motilität und beschleunigt damit die Darmpassage, steigert die Sekretion von Elektrolyten und Wasser in das Darmvolumen und hemmt die Rückresorption aus dem Dünndarm. Füllungsdruck bedingt zusätzliche Anregung der Darmperistaltik. Die laxierende Wirkung setzt nach 8-12 Stunden ein.
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2. Aloe-vera-Gel - Zahlreiche Tests ergaben besonders antiphlogistische und immun­stimulierende Eigenschaften sowie die Beeinflussung der dermalen Ischämie. In der Volksheilkunde legt man die der Länge nach geteilten Blätter mit der Innenseite, gegebenfalls nach Befestigung auf die erkrankten Hautpartien. Oft werden auch die nach Abschälen der äusseren, grünen Blattpartien erhaltenen Gelfilets angewendet. Die Droge kann ferner zur Stabilisierung von Öl-in-Wasser Emulsionen herangezogen werden. Sie dient in der Kosmetik als "feuchtigkeitsspendender" sowie "weichmach­ender" Bestandteil von Cremes, Körperlotionen, Shampoos, Zahnpasten, Antitran­spirantien und Sonnenschutzpräparaten.
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SONSTIGES

Der Name Aloe kommt vermutlich von Alloeh, dem arabischen Namen der Pflanze. In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde mit der Verwendung von Röntgenstrahlen in der Krebstherapie die Aloe-Paste als Mittel gegen die Hautverbrennungen durch hohe Strahlendosen wiederentdeckt. Ab ca. 1920 bis zum Jahr 2002 fristete diese Heilpflanze ein unbekanntes Dasein, denn die Pharmaindustrie war in der Lage, viele der in der Natur vorkommenden Substanzen zu synthetisieren. Wie auch andere Kosmetika werden Aloe-Vera-Produkte häufig von MLM-Unternehmen vertrieben. Aloe wird (häufig über den gleichen Vertriebsweg) auch als Frisch-(Press)-Saft oder „Mark“ für die innerliche Anwendung gehandelt. Dabei werden oftmals Produkte angeboten, die aufgrund des Produktionsprozesses (z. B. Wärmebehandlung, Filtrierung) nahezu wirkungslos sind. Bestimmte Produkte werden allerdings einer regelmässigen Qualitäts­kontrolle unterzogen (International Aloe Science Council Inc., Kosher Rating, Fresenius-Institut und Islamisches Prüfsiegel).
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Letzte Änderung: 15.04.2014 / © W. Arnold
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Spacer Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004.
Spacer A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2.
Spacer Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
Spacer M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002.
Spacer H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9.
Spacer Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Spacer Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
Spacer L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.


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Icon Wikipedia
Icon Mythos: Aloe Vera stärkt das Immunsystem


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Aloe-Arten - Aloe vera (Aloe barbadensis)
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  Ordnung
Familie
Unterfamilie
Gattung
Art
Asparagales
Xanthorrhoeaceae
Asphodeloideae
Aloe
Echte Aloe
  Wiss. Bez. Aloe vera


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Spacer Wild wachsende Aloe-Arten sind durch das Washingtoner Arten­schutz­abkommen vom 3. März 1973 geschützt


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Spacer Nicht in der Schwangerschaft ein­nehmen, da die Droge Darm­krämpfe und Fehlgeburt hervor­rufen kann. Laborstudien liefern Hinweise, dass Anthrachinone karzinogen sein können. Anthrachinonhaltige Abführ­mittel sollten nicht über längere Zeit eingesetzt werden, da sie den Ka­liumhaushalt verändern.
Spacer Chronischer Missbrauch von Ab­führ­mitteln ist potenziell gefährlich.


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