Uzara - Xysmalobium undulatum

Xysmalobium undulatum - syn. Asclepias undulata, Xysmalobium amplifolium, Xysmalobium dispar, Xysmalobium lapathifolium.

Uzara - Xysmalobium undulatum
Von SAplants - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link

Uzara - Xysmalobium undulatum - Blüte
Von SAplants - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link

VORKOMMEN

Im letzten Jahrhundert wurden die wildwachsenden Uzara-Pflanzen in Transvaal nördlich von Pretoria (Südafrika) gesammelt. Die Wurzeln wurden getrocknet und nach Europa exportiert. Heute werden in Südafrika und Kenia Uzara-Kulturen angelegt.

MERKMALE

Uzara ist eine aufrechte, milchsaftführende, bitter schmeckende Staude mit vorwiegend durchgehender Hauptachse; sie kann während einer Vegetationsperiode bis zu 1 m hoch werden. Der Stengel ist grün, rund und mit weissen Haaren besetzt. Die kurzstieligen, lanzettförmigen, ledrigen Laubblätter sind 7 bis 15 cm lang und stehen über Kreuz. Die Blüten sind in Dolden aus bis zu 12 Einzelblüten angeordnet, diese sind radiär und fünfzählig. Die Pflanze bildet eine Knolle mit zahlreichen mehr oder weniger stark verdickte Seitenwurzeln.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Uzarae radix (syn. Radix Uzarae, Xysmalobii radix); Uzarawurzel.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Cardenolidglykoside
Allo-Uzarin, Allo-Xysmalorin, Ascleposid, Glucoascleposid, Urezin, Uzarin, Uzarosid, Xysmalorin. Hierbei sind die Genine mit Ausnahme des Ascleposids, einem Uzarigenin-3-O-ß-D-allomethylosid, mit einem bis 3 Molekülen Glucose verknüpft. Für die Diglucoside (Sophoroside) Allo-Xysmalorin, Allo-Uzarin, Xysmalorin und Uzarin wird eine 1"—>2'-Verknüpfung angegeben.

Uzarin, Caroglaucigenin

Cardenolidaglykone
Allo-Uzarigenin, Coroglaucigenin, Pachygenol, Smalogenin, Urezigenin, Uzarigenin, Xysmalogenin machen nur einen geringen Teil der Gesamtcardenolide aus. Möglicherweise entstehen sie erst nach der Ernte unter der Einwirkung von Glucosidasen.

Pregnanglykoside
Δ5-Pregnen-3β-ol-20-on-glucosid und 5α-Pregnan-3β-ol-20-on-glucosid.

Weitere Inhaltsstoffe
Gerbstoffe und Flavonoide.

PHARMAKOLOGIE

Die Cardenolidglykoside aus Uzara unterscheiden sich stereochemisch (und in der Zucker-Verknüpfung) von den eigentlichen herzwirksamen Glykosiden. Die Ringe A/B sind trans-verknüpft, bei den herzwirksamen Glykosiden sind sie cis-verknüpft. Deshalb weisen Uzara-Glykoside in therapeutischer Dosierung praktisch keine Wirkung auf den Herzmuskel auf. Trotzdem sollten digitalisierte Patienten auf mögliche Wechselwirkungen aufmerksam gemacht werden.

Extrakte aus der Uzarawurzel wirken motilitätshemmend am Dünndarm. Es wird postuliert, dass Uzara ähnlich einem indirekten Sympathomimetikum wirkt, also hemmend, aber nicht lähmend auf die gesamte glatte Muskulatur des Intestinaltraktes. Auf milde Art reguliert die Uzara-Wurzel die erhöhte Peristaltik. Die oft den Durchfall begleitende Übelkeit vermindert sich unter dem Einfluss von Uzara, so dass sich Patienten schon unmittelbar nach der ersten Einnahme subjektiv besser fühlen.

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendungen (Kommission E)

  • Anwendungsgebiete: Unspezifische, akute Durchfallerkrankungen.
  • Gegenanzeigen: Therapie mit herzwirksamen Glykosiden.
  • Nebenwirkungen, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln: Keine bekannt.
  • Dosierung:
    Soweit nicht anders verordnet:
    Erwachsene: Initiale Einzeldosis, Zubereitungen entsprechend 1 g Droge bzw. 75 mg Gesamtglykoside; Tagesdosis entsprechend 45 bis 90 mg Gesamtglykoside, berechnet als Uzarin.
  • Art der Anwendung: Drogenauszüge mit Ethanol/Wasser-Gemischen oder Trockenextrakte, hergestellt mit Methanol/Wasser-Gemischen, zum Einnehmen.
  • Dauer der Anwendung: Sollten die Durchfälle länger als 3-4 Tage andauern, ist ein Arzt aufzusuchen.
  • Wirkungen: Motilitätshemmend; In hoher Dosierung digitallsartige Wirkung am Herzen.

Verwendet werden meistens wässrig alkoholische Extrakte aus der Droge (Liquor Uzara) bzw. der Trockenextrakt.

In der traditionellen Medizin Südafrikas wird die Uzarawurzel zur Behandlung von Verdauungsbeschwerden, Koliken, Dysenterie (Ruhr) sowie bei Kopfschmerzen, Fieber und Malaria eingesetzt.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Uzaraextrakte sind in Deutschland in Form von Tabletten, als Lösung und Saft zum Einnehmen im Handel (Uzara®).

STATUS

HOMÖOPATHIE

Xysmalobium undulatum HAB; die getrockneten unterirdischen Teile der zwei- bis dreijährigen Pflanze.
Anwendungsgebiete: Krämpfe des Magen-Darm-Kanals, der Gebärmutter sowie generell bei Gebärmutterschmerzen.

SONSTIGES

Die Ureinwohner Südafrikas verwenden die Uzarawurzel bei Magen‐ und Darmbeschwerden seit Jahrhunderten. Der deutsche Forscher Heinrich Adolf Hopf (1887−1929) schätzte während einer seiner Reisen in Südafrika die Heilwirkung der Uzarawurzel bei der Bekämpfung seiner Darmerkrankung. Ein Medizinmann gab ihm kleine Wurzelstücke zum Kauen, worauf die Genesung in kürzester Zeit gelang. Der Forscher brachte die Pflanze mit nach Deutschland. An der Universität Marburg wurde das wirksame Uzarin als Hauptwirkstoff festgestellt. So gibt es seit 1911 Uzarawurzelpräparate in Deutschland.

Letzte Änderung: 19.06.2019 / © W. Arnold