Uzara (Xysmalobium undulatum)
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Die Uzarawurzel hat eine anerkannte medizinische Anwendung bei akuten unspezifischen Durchfallerkrankungen. Verwendet werden standardisierte Extrakte; bei Überdosierung sind wegen cardenolidartiger Inhaltsstoffe potentiell gefährliche Nebenwirkungen möglich. Bei anhaltendem Durchfall, Fieber, Blut im Stuhl oder ausgeprägter Schwäche ist eine ärztliche Abklärung erforderlich.
Xysmalobium undulatum (syn. Asclepias undulata, Xysmalobium amplifolium, Xysmalobium dispar, Xysmalobium lapathifolium).


VORKOMMEN
Uzara ist in Südafrika beheimatet. Die Arzneidroge stammt traditionell aus den unterirdischen Pflanzenteilen von Xysmalobium undulatum. Historisch wurde die Droge aus Südafrika nach Europa exportiert; heute stammt das Rohmaterial aus Anbau beziehungsweise Sammlung im südlichen Afrika.
MERKMALE
Uzara ist eine aufrechte, milchsaftführende, bitter schmeckende Staude. Die Pflanze kann in einer Vegetationsperiode etwa einen Meter Höhe erreichen. Die Blätter stehen gegenständig, sind kurz gestielt, lanzettlich und ledrig. Die Blüten erscheinen in doldigen Blütenständen, sind fünfzählig und radiärsymmetrisch. Unterirdisch bildet die Pflanze eine kräftige Hauptwurzel mit verdickten Seitenwurzeln, die arzneilich verwendet werden.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Uzarae radix (syn. Radix Uzarae, Xysmalobii radix); Uzarawurzel.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Die Uzarawurzel enthält vor allem Cardenolidglykoside, darunter Uzarin, Uzarosid, Urezin, Xysmalorin, Allo-Uzarin und Allo-Xysmalorin. Daneben kommen Cardenolidaglykone, Pregnanglykoside, Gerbstoffe und Flavonoide vor.
Pharmakologisch besonders relevant sind die cardenolidartigen Inhaltsstoffe. Sie unterscheiden sich zwar stereochemisch von den klassischen herzwirksamen Glykosiden, erklären aber die Notwendigkeit einer vorsichtigen Dosierung und die Warnung vor Überdosierung.

PHARMAKOLOGIE
Uzara wirkt vor allem motilitätshemmend am Darm. Traditionell wurde die Wirkung dadurch erklärt, dass die Droge die übersteigerte Darmperistaltik dämpft, ohne den Darm vollständig zu lähmen. Damit passt Uzara in die klassische Gruppe pflanzlicher Antidiarrhoika mit spasmolytischem und motilitätsregulierendem Profil.
Neuere experimentelle Daten sprechen zusätzlich für einen antisekretorischen Mechanismus. In Zellkultur- und Gewebeexperimenten hemmte Uzara die aktive Chloridsekretion und damit einen wichtigen Mechanismus sekretorischer Diarrhöen. Damit lässt sich die Wirkung nicht nur über eine reduzierte Motilität, sondern auch über eine verminderte intestinale Sekretion erklären.
Wegen der cardenolidartigen Inhaltsstoffe ist bei hoher Dosierung eine digitalisartige Herzwirkung möglich. Deshalb sollte Uzara nicht unkritisch oder in Eigenregie überdosiert werden.
EVIDENZ
Für Uzara ist die klinische Evidenz insgesamt begrenzt, aber die traditionelle und regulatorische Anwendung bei akuten unspezifischen Durchfallerkrankungen ist historisch gut etabliert. Präklinische Daten stützen sowohl eine motilitätshemmende als auch eine antisekretorische Wirkung. Im Vergleich zu vielen häufig verwendeten Heilpflanzen ist die moderne klinische Studienlage jedoch eher schmal, sodass die Seite AWL-konform zurückhaltend formuliert bleiben sollte.
- PMC: Anti-diarrheal Mechanism of the Traditional Remedy Uzara – experimentelle Arbeit zur Hemmung der aktiven Chloridsekretion im Darm.
- PubMed: Review of an antidiarrhoeal traditional medicine – Überblick zu Ethnopharmakologie, Inhaltsstoffen, Sicherheit und Anwendung.
- PubMed: Uzara – An underutilized anti-diarrhoeic and spasmolytic herbal remedy – neuere Übersicht zur historischen und aktuellen Datenlage.
- Pharmazeutische Zeitung: Uzara – Das Übel mit der Wurzel packen – deutschsprachige Übersicht zur Anwendung und Pharmakologie.
ANWENDUNG
Anerkannte medizinische Anwendung
Kommission E: Unspezifische, akute Durchfallerkrankungen.
- Anwendungsgebiet: akute unspezifische Durchfallerkrankungen.
- Gegenanzeigen: Therapie mit herzwirksamen Glykosiden.
- Hinweis: Bei Durchfall, der länger als wenige Tage anhält, sowie bei Fieber, Kreislaufschwäche oder Verdacht auf Austrocknung ist ärztliche Abklärung erforderlich.
- Wirkung: motilitätshemmend; in hoher Dosierung digitalisartige Wirkung am Herzen möglich.
ESCOP: keine Monographie vorhanden.
HMPC: keine EU-Monographie zu Uzarae radix vorhanden.
Uzara ist als traditionelle und kommissionell anerkannte Arzneidroge bei akuten unspezifischen Durchfallerkrankungen einzuordnen, jedoch nicht als breit evidenzgesichertes Standardmittel für alle Formen der Diarrhö.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Verwendet werden standardisierte Extrakte der Uzarawurzel, meist als flüssige oder feste Fertigarzneimittel. Die Anwendung sollte sich an der jeweiligen Fachinformation orientieren. Bei anhaltenden Beschwerden ist die Selbstmedikation zu beenden.
SICHERHEIT
Uzara sollte nicht überdosiert werden. Trotz der im Vergleich zu klassischen Herzglykosiden abweichenden Struktur sind bei hoher Dosierung digitalisartige Herzwirkungen möglich. Vorsicht ist besonders angezeigt bei gleichzeitiger Therapie mit herzwirksamen Glykosiden.
Für die AWL-Hauptseite ist wichtig: Uzara ist kein harmloses Hausmittel für jede Form von Durchfall. Bei Kindern, älteren Menschen oder Zeichen der Austrocknung ist eine niedrige Schwelle für ärztliche Beurteilung angebracht.
STATUS
- Kommission E: positive Bewertung
- ESCOP: keine Monographie vorhanden
- HMPC: keine Monographie vorhanden
SONSTIGES
Die Uzarawurzel wurde in der südafrikanischen traditionellen Medizin seit Langem gegen Magen-Darm-Beschwerden verwendet. Anfang des 20. Jahrhunderts gelangte sie nach Deutschland und wurde dort als pflanzliches Antidiarrhoikum eingeführt. Die Geschichte von Uzara ist daher ein gutes Beispiel für die Übernahme einer afrikanischen Arzneipflanze in die europäische Phytotherapie.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Eiche (Quercus robur) – gerbstoffreiche Arzneipflanze bei leichter Diarrhö und Schleimhautentzündungen.
- Blutwurz (Potentilla erecta) – traditionelle Gerbstoffdroge bei unspezifischen Durchfallerkrankungen.
- Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) – getrocknete Früchte traditionell bei leichtem Durchfall.
- Pfefferminze (Mentha x piperita) – bei krampfartigen Verdauungsbeschwerden und funktionellen Magen-Darm-Beschwerden.
FAQ
- Wofür wird Uzara medizinisch verwendet?
Uzarawurzel wird vor allem bei akuten unspezifischen Durchfallerkrankungen verwendet. Die Anwendung sollte zeitlich begrenzt bleiben; bei anhaltenden oder schweren Beschwerden ist ärztliche Abklärung nötig. - Wie wirkt Uzara?
Uzara wirkt vor allem motilitätshemmend und zusätzlich antisekretorisch im Darm. Experimentelle Daten zeigen eine Hemmung der aktiven Chloridsekretion. - Ist Uzara harmlos?
In therapeutischer Dosierung gilt Uzara als verwendbar, bei Überdosierung sind jedoch digitalisartige Herzwirkungen möglich. Deshalb sollte Uzara nur gemäss Fachinformation oder ärztlicher Empfehlung eingesetzt werden. - Wann sollte bei Durchfall ein Arzt aufgesucht werden?
Bei hohem Fieber, Blut im Stuhl, starker Austrocknung, schweren Allgemeinsymptomen oder wenn die Beschwerden länger als wenige Tage anhalten, sollte ärztliche Hilfe gesucht werden.
Letzte Änderung: 14.04.2026 / © W. Arnold

