Gewöhnliche Brechnuss - Strychnos nux-vomica
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Die Gewöhnliche Brechnuss (Strychnos nux-vomica) ist eine stark giftige Arznei- und Giftpflanze. Die Samen enthalten die hochwirksamen Indolalkaloide Strychnin und Brucin. Wegen der geringen therapeutischen Breite und der Gefahr schwerer Krampfvergiftungen ist eine Anwendung der Droge zur Selbstmedikation nicht vertretbar.
Gewöhnliche Brechnuss (syn. Brechnuss, Krähenaugenbaum, Strychninbaum, Brechnussbaum).
Strychnos nux-vomica L. (syn. Strychnos colubrina Wight, Strychnos lucida, Strychnos spireana Dop, Strychnos vomica).
Frucht der Brechnuss

Bildquelle: Wikipedia
Samen der Brechnuss

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VORKOMMEN
Die Gewöhnliche Brechnuss ist in Südostasien und im tropischen Australien beheimatet. Besonders in Indien, Sri Lanka und Teilen Nordaustraliens ist die Art verbreitet. In weiteren tropischen Regionen wird sie teilweise kultiviert.
Die Pflanze wächst in warmen, tropischen bis subtropischen Gebieten und bevorzugt lichte Wälder, Waldränder und offene Standorte. Arzneilich bedeutsam waren historisch vor allem die getrockneten Samen.
MERKMALE
Die Gewöhnliche Brechnuss ist ein Baum, der bis etwa 25 m hoch werden kann. Die Äste sind stumpf vierkantig, zusammengedrückt und wiederholt gabelteilig. Die Rinde ist grau, die jüngeren Zweige sind grün und glänzend.
Die Blütenstände sind trugdoldig und endständig. Die Blüten besitzen einen fünfzipfeligen Kelch und eine weisse bis grünlichweisse, tellerförmige Blütenkrone. Die reife Frucht ist eine orangerote, kugelige Beere von etwa 4 bis 6 cm Durchmesser.
Im Fruchtfleisch liegen meist 2 bis 4, gelegentlich bis 9 Samen. Die Brechnusssamen werden wegen ihres Aussehens auch Krähenaugen genannt. Sie sind sehr hart, scheibenförmig, etwa 1 bis 3 cm gross und stark giftig.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Verwendet wurden historisch die reifen, getrockneten Samen: Strychni semen (syn. Nux vomica, Semen Nucis vomicae, Semen Strychni). Deutsche Bezeichnungen sind Brechnusssamen, Krähenaugen oder Strychnossamen.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Die Samen enthalten etwa 2 bis 3 % Alkaloide. Toxikologisch entscheidend sind Strychnin und Brucin. Der Strychningehalt liegt häufig im Bereich von etwa 1 bis 1,5 %, kann aber je nach Herkunft und Qualität schwanken. Brucin kommt ebenfalls in relevanten Mengen vor.
Weitere Alkaloide sind unter anderem 12-Hydroxystrychnin, 15-Hydroxystrychnin, alpha-Colubrin, beta-Colubrin, Icajin, Novacin, Vomicin, Pseudostrychnin, Pseudobrucin und verwandte Indolalkaloide.
Die Samen enthalten ausserdem 4 bis 5 % fettes Öl. Als Fettsäuren wurden vor allem Linolsäure, Palmitinsäure und Linolensäure beschrieben. Im Unverseifbaren kommen unter anderem alpha-Amyrin, Cycloartenol und Stigmasterol vor. Weitere Bestandteile sind Reservestoffe, Loganinsäure, geringe Mengen Loganin und Chlorogensäure.
PHARMAKOLOGIE
Die pharmakologische und toxikologische Wirkung der Brechnusssamen wird hauptsächlich durch Strychnin bestimmt. Strychnin wirkt als kompetitiver Antagonist an inhibitorischen Glycin-Rezeptoren im Zentralnervensystem, besonders im Rückenmark und Hirnstamm.
Durch die Blockade der hemmenden Glycinwirkung kommt es zu einer massiven Übererregbarkeit motorischer Nervenzellen. Typisch sind gesteigerte Reflexe, Muskelzuckungen, schmerzhafte Krämpfe, Atemnot und bei schweren Vergiftungen lebensbedrohliche Atemlähmung oder Kreislaufversagen.
Brucin besitzt ein ähnliches Wirkungsspektrum, ist jedoch deutlich weniger wirksam als Strychnin. Dennoch trägt auch Brucin zur Gesamttoxizität der Droge bei. Wegen der extrem engen therapeutischen Breite ist die Droge für eine sichere Selbstmedikation ungeeignet.
EVIDENZ
Die Brechnuss ist pharmakologisch gut erklärbar, aber therapeutisch wegen der hohen Toxizität problematisch. Moderne Untersuchungen beschreiben verschiedene biologische Aktivitäten von Strychnin, Brucin und Gesamtextrakten. Diese Befunde begründen jedoch keine Empfehlung zur Anwendung der Droge.
Die Nutzen-Risiko-Bewertung ist ungünstig: Schon geringe Mengen können schwere Vergiftungen auslösen. Historische Anwendungen als Tonikum, Appetitanreger oder Mittel bei neurologischen und gastrointestinalen Beschwerden sind heute nicht ausreichend sicher und nicht vertretbar.
- Regulatorische Bewertung: Kommission E: negative Bewertung. ESCOP und HMPC führen keine Monographie zu Strychnos nux-vomica.
- Botanik, Phytochemie, Pharmakologie und Toxizität: Eine umfassende Übersichtsarbeit beschreibt Alkaloide, traditionelle Anwendungen, pharmakologische Effekte und toxikologische Risiken der Brechnuss. PubMed
- Gesamtalkaloide aus Nux vomica: Experimentelle Untersuchungen zeigen pharmakologische Wirkungen, betonen aber auch die hohe Toxizität, besonders durch Strychnin. PMC
- Brucin: Eine Review-Arbeit beschreibt Brucin als pharmakologisch aktiven, zugleich toxikologisch relevanten Bestandteil von Nux vomica. PMC
- Strychnin-Vergiftung: Toxikologische Fachinformationen beschreiben Strychnin als hochgiftiges Alkaloid aus Strychnos nux-vomica mit schwerer Neurotoxizität. NCBI Bookshelf
ANWENDUNG
Brechnusssamen wurden historisch in verschiedenen medizinischen Traditionen verwendet, unter anderem als Tonikum, Bittermittel, Appetitanreger und bei unterschiedlichen Beschwerden des Nervensystems, Verdauungstraktes und Kreislaufs. Diese Anwendungen sind heute wegen der Giftigkeit nicht mehr vertretbar.
Eine therapeutische Anwendung der Droge oder selbst hergestellter Zubereitungen ist nicht zu empfehlen. Die frühere Verwendung beruht auf pharmakologisch aktiven Alkaloiden, deren toxische Wirkung jedoch die mögliche therapeutische Wirkung klar überwiegt.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Für Brechnusssamen wird keine Teezubereitung, Tinktur oder andere Selbstmedikation empfohlen. Historische Dosierungsangaben sind wegen der hohen Toxizität und der schwankenden Alkaloidgehalte nicht geeignet.
Die Samen, Pulver, Extrakte und nicht geprüften Zubereitungen dürfen nicht eigenständig angewendet werden.
SICHERHEIT
Die Brechnuss ist eine stark giftige Pflanze. Besonders die Samen enthalten Strychnin und Brucin. Strychnin kann bereits in kleinen Mengen lebensbedrohliche Vergiftungen verursachen.
Typische Vergiftungssymptome sind Unruhe, Angst, Überempfindlichkeit gegen Licht und Geräusche, Muskelzuckungen, schmerzhafte Krämpfe, Kieferkrampf, Atemnot und Bewusstseinsstörungen. Schwere Vergiftungen können tödlich verlaufen.
- Keine innerliche Anwendung.
- Keine Selbstmedikation mit Samen, Pulver, Extrakten oder Tinkturen.
- Nicht bei Kindern anwenden.
- Nicht in Schwangerschaft und Stillzeit anwenden.
- Samen sicher und unzugänglich aufbewahren.
- Bei Verdacht auf Aufnahme sofort ärztliche Hilfe oder eine Giftinformationsstelle kontaktieren.
STATUS
Giftpflanze.
- Kommission E: negative Bewertung.
- ESCOP: keine Monographie vorhanden.
- HMPC: keine Monographie vorhanden.
SONSTIGES
Brechnusssamen hatten in den traditionellen medizinischen Systemen Indiens, insbesondere Ayurveda und Unani, über lange Zeit eine Bedeutung. Diese historische Verwendung ist von einer heutigen Nutzen-Risiko-Bewertung klar zu unterscheiden.
Die deutsche Bezeichnung Brechnuss ist botanisch und pharmakologisch ungenau: Die Früchte sind keine Nüsse, und die Droge ist kein eigentliches Brechmittel. Die Bezeichnung Krähenauge bezieht sich auf das augenartige Aussehen der harten, scheibenförmigen Samen.
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- Stechapfel (Datura stramonium) – stark giftige Pflanze mit atropinartigen Alkaloiden.
FAQ
-
Ist die Brechnuss eine Giftpflanze?
Ja. Die Samen enthalten Strychnin und Brucin und sind stark giftig. -
Darf man Brechnusssamen einnehmen?
Nein. Eine Einnahme zur Selbstmedikation ist wegen der hohen Vergiftungsgefahr nicht vertretbar. -
Welche Wirkung hat Strychnin?
Strychnin blockiert hemmende Glycin-Rezeptoren im Zentralnervensystem und kann schwere Krämpfe auslösen. -
Ist die Brechnuss medizinisch anerkannt?
Nein. Die Kommission E bewertete Brechnusssamen negativ; ESCOP und HMPC führen keine Monographie. -
Was tun bei Verdacht auf Vergiftung?
Sofort ärztliche Hilfe oder eine Giftinformationsstelle kontaktieren.
Letzte Änderung: 12.05.2026 / © W. Arnold