Stechwinde - Smilax aristolochiifolia

Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ

Die Stechwinde beziehungsweise Sarsaparille hat keine anerkannte medizinische Anwendung. Die Kommission E bewertet Sarsaparillwurzel negativ: Die Wirksamkeit bei den beanspruchten Anwendungsgebieten ist nicht belegt, und wegen möglicher Risiken ist eine therapeutische Anwendung nicht zu vertreten.

Smilax aristolochiifolia Mill. (syn. Smilax medica, Smilax milleri, Smilax ornata);
Osterluzeiblättrige Stechwinde (syn. Sarsaparille, Sarsaparilla, Veracruz-Sarsaparille).

Stechwinde (Smilax aristolochiifolia) - Sarsaparille

VORKOMMEN

Die Osterluzeiblättrige Stechwinde ist in Mexiko und Mittelamerika beheimatet. Sie kommt unter anderem an den Ostabhängen der Cordilleren vor. Verschiedene Smilax-Arten werden oder wurden als Sarsaparille-Drogen gehandelt.

MERKMALE

Die Osterluzeiblättrige Stechwinde ist ein kletternder Strauch mit kräftigen, kantigen und stacheligen Stängeln. Die Blätter der sterilen Zweige sind gross, herz-, ei- oder fast pfeilförmig. Die Blattspreite ist auf der Unterseite, aber nicht am Rand, stachelig.

Die Blüten stehen in Dolden, meist in den Achseln von Laubblättern. Die Früchte sind rundliche, rote Beeren von etwa 1 cm Durchmesser.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Sarsaparillae radix (syn. Radix Sarsaparillae, Radix Sarsae, Radix Smilacis); Sarsaparille, Sarsaparillwurzel, Stechwindenwurzel, Veracruz-Sarsaparille. Verwendet wurden die getrockneten Wurzeln.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Wurzeln und Rhizomteile enthalten ein Steroidsaponingemisch. Als genuine Komponente wurde das bisdesmosidische Furostanolglykosid Sarsaparillosid beschrieben. Aus diesem können durch Abspaltung von Glucose und Cyclisierung Spirostanol-Glykoside wie Parillin entstehen.

Weitere beschriebene Saponine und Aglyka sind Desglucoparillin, Desglucodesrhamnoparillin, Diosgenin, Sarsasapogenin und Smilagenin. Steroidsaponine sind für mehrere pharmakologische und unerwünschte Wirkungen verantwortlich.

Sarsaparillosid - Steroidsaponin der Stechwinde

PHARMAKOLOGIE

Die Pharmakologie der Sarsaparille wird vor allem durch Steroidsaponine bestimmt. Saponine können oberflächenaktive Eigenschaften besitzen und Schleimhäute reizen. Dies erklärt unerwünschte Wirkungen wie Magenreizungen und mögliche Nierenreizungen.

Für verschiedene Smilax-Arten wurden experimentell antientzündliche, zytotoxische, antimikrobielle oder stoffwechselbezogene Effekte beschrieben. Diese Befunde sind präklinisch und erlauben keine gesicherte medizinische Anwendung der Sarsaparillwurzel beim Menschen.

EVIDENZ

Die klinische Evidenz für Sarsaparillwurzel ist unzureichend. Traditionelle Anwendungen bei Hauterkrankungen, Psoriasis, Rheuma, Nierenerkrankungen, als Diuretikum, Diaphoretikum oder Aphrodisiakum sind nicht ausreichend belegt.

Die Kommission E bewertet Sarsaparillwurzel negativ. Aufgrund fehlender Wirksamkeitsbelege und möglicher Risiken wird eine therapeutische Anwendung nicht empfohlen.

ANWENDUNG

Zubereitungen aus Sarsaparillwurzel wurden traditionell bei Hauterkrankungen, Psoriasis und deren Folgeerscheinungen, rheumatischen Beschwerden, Nierenerkrankungen, als Diuretikum und als Diaphoretikum verwendet. Früher wurde die Droge auch bei Syphilis eingesetzt.

Die Wirksamkeit bei diesen beanspruchten Anwendungsgebieten ist nicht belegt. Die frühere Verwendung als Aphrodisiakum oder zur Steigerung des Geschlechtstriebs ist ebenfalls nicht ausreichend belegt.

Wegen der negativen Nutzen-Risiko-Bewertung ist eine medizinische Anwendung der Sarsaparillwurzel nicht zu empfehlen.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Die Anwendung ist heute weitgehend obsolet. Eine anerkannte Dosierung besteht nicht. Von einer inneren Anwendung als Tee, Pulver, Tinktur oder Extrakt ist wegen fehlender Wirksamkeitsbelege und möglicher Risiken abzuraten.

SICHERHEIT

Sarsaparillwurzel kann nach Einnahme Magenreizungen und Nierenreizungen verursachen. Besonders problematisch ist die mögliche Beeinflussung der Aufnahme und Ausscheidung anderer Arzneistoffe.

Die Resorption gleichzeitig eingenommener Stoffe, zum Beispiel Digitalisglykoside oder Wismut, kann erhöht werden. Die Elimination anderer Stoffe, beispielsweise bestimmter Schlafmittel, kann beschleunigt werden. Dadurch sind unkontrollierte Wirkungsverstärkungen oder Wirkungsabschwächungen möglich.

In Schwangerschaft und Stillzeit, bei Kindern, bei Nierenerkrankungen, bei Magen-Darm-Erkrankungen sowie bei regelmässiger Arzneimitteleinnahme sollte Sarsaparille nicht angewendet werden.

STATUS

  • Kommission E: negative Bewertung
  • ESCOP: keine Monographie vorhanden
  • HMPC: keine Monographie vorhanden

SONSTIGES

Die Stechwinden (Smilax), auch Sarsaparille oder Sassaparille genannt, bilden eine artenreiche Pflanzengattung innerhalb der Familie der Smilacaceae. Die Arten sind in tropischen und subtropischen Regionen weit verbreitet.

Der Gattungsname Smilax wurde bereits in der griechischen Antike verwendet. Als Handelsdroge Sarsaparille wurden historisch Wurzeln verschiedener Smilax-Arten genutzt, was die botanische Zuordnung und Qualitätsbewertung erschweren kann.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) – besser dokumentierte Arzneipflanze bei leichten Gelenkschmerzen.
  • Brennnessel (Urtica dioica) – traditionell bei Harnwegsbeschwerden und rheumatischen Beschwerden verwendet.
  • Löwenzahn (Taraxacum officinale) – Bitterstoff- und Diuretikum-Droge mit traditioneller Anwendung.
  • Klette (Arctium lappa) – traditionell bei Hautbeschwerden verwendet, aber ebenfalls nur begrenzt klinisch belegt.

FAQ

  • Hat die Stechwinde eine anerkannte medizinische Anwendung?
    Nein. Für Sarsaparillwurzel besteht keine anerkannte medizinische Anwendung.
  • Wie bewertet die Kommission E Sarsaparille?
    Die Kommission E bewertet Sarsaparillwurzel negativ, da die Wirksamkeit nicht belegt ist und Risiken bestehen.
  • Welche Inhaltsstoffe sind typisch?
    Typisch sind Steroidsaponine wie Sarsaparillosid, Parillin und verwandte Verbindungen.
  • Wofür wurde Sarsaparille traditionell verwendet?
    Traditionell bei Hauterkrankungen, Psoriasis, Rheuma, Nierenbeschwerden, als Diuretikum und früher bei Syphilis.
  • Ist eine innere Anwendung empfehlenswert?
    Nein. Wegen fehlender Wirksamkeitsbelege, möglicher Magen- und Nierenreizungen sowie möglicher Wechselwirkungen ist sie nicht zu empfehlen.

Letzte Änderung: 11.05.2026 / © W. Arnold