Schisandra - Schisandra chinensis

Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Chinabeere im Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ

Schisandra chinensis, auch Wu Wei Zi oder Chinabeere genannt, ist eine traditionelle ostasiatische Arznei- und Nutzpflanze. Die Früchte enthalten charakteristische Lignane. Pharmakologisch sind antioxidative, leberbezogene und stoffwechselbezogene Effekte gut untersucht, klinisch gesicherte Indikationen nach europäischem Standard bestehen jedoch nicht.

Schisandra chinensis (Turcz.) Baill. (syn. Kadsura chinensis, Maximowiczia chinensis, Schizandra chinensis);
Schisandra (syn. Chinesisches Spaltkörbchen, Chinesischer Limonenbaum, Chinabeere, Wu Wei Zi).

Schisandra chinensis - Chinesisches Spaltkörbchen mit roten Früchten

Chinesisches Spaltkörbchen (Schisandra chinensis) - Wu Wei Zi

VORKOMMEN

Schisandra chinensis ist in Ostasien heimisch. Das natürliche Verbreitungsgebiet umfasst China, das Amurgebiet, Sachalin, die Kurilen, Korea, die Mandschurei und Japan.

Die Pflanze wächst in lichten Wäldern, an Waldrändern, in Gebüschen und an feuchten, humosen Standorten. In Mitteleuropa kann sie als winterharte Kletterpflanze kultiviert werden.

MERKMALE

Schisandra chinensis ist eine laubwerfende, mehrjährige Liane, die mehrere Meter hoch klettern kann. Die Blätter sind wechselständig, eiförmig bis elliptisch und meist 5–10 cm lang. Die Pflanze benötigt eine Kletterhilfe oder ein Spalier.

Die eingeschlechtigen, duftenden Blüten besitzen weissliche bis cremefarbene Blütenhüllblätter. Aus den weiblichen Blüten entwickeln sich hängende, traubige Fruchtstände mit leuchtend roten Beeren. Die Früchte schmecken auffallend komplex: sauer, süss, salzig, bitter und scharf. Daher stammt der chinesische Name Wu Wei Zi, die „Frucht der fünf Geschmäcker“.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Schisandrae fructus (syn. Schizandrae fructus); Schisandra-Früchte, die reifen, meist getrockneten Früchte von Schisandra chinensis.

In der traditionellen ostasiatischen Medizin werden vor allem die Früchte verwendet. Die Samen enthalten besonders hohe Konzentrationen der charakteristischen Lignane.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Die Früchte enthalten organische Säuren, Zucker, Vitamin C, Vitamin E, ätherisches Öl und charakteristische Lignane. Zu den wichtigsten Lignanen gehören Schisandrin, Schisandrol A und B, Schisantherin A und B sowie verschiedene Gomisine.

Besonders typisch sind Dibenzocyclooctadien-Lignane. Sie werden pharmakologisch intensiv untersucht und stehen im Zusammenhang mit antioxidativen, entzündungsmodulierenden, leberbezogenen und stoffwechselbezogenen Effekten.

Schisandrin und verwandte Lignane in Schisandra chinensis

PHARMAKOLOGIE

Die Pharmakologie von Schisandra chinensis wird vor allem durch die Lignane bestimmt. In experimentellen Studien zeigen Schisandra-Lignane antioxidative, entzündungsmodulierende, leberzellschützende, stoffwechselbezogene und neuropharmakologische Effekte.

Besonders Schisandrin B wurde im Zusammenhang mit mitochondrialem Glutathion-Stoffwechsel, oxidativem Stress, Leberzellschutz und Fettstoffwechsel untersucht. Viele dieser Daten stammen jedoch aus Zellkultur- und Tiermodellen. Die Übertragbarkeit auf den Menschen ist begrenzt.

Zusätzlich sind Wechselwirkungen mit Arzneistoff-metabolisierenden Enzymen und Transportproteinen möglich, insbesondere mit Cytochrom-P450-Enzymen und P-Glykoprotein. Dies ist für die Sicherheit wichtiger als die oft allgemein formulierte Bezeichnung als „adaptogene“ Pflanze.

EVIDENZ

Die experimentelle Evidenz zu Schisandra chinensis ist umfangreich. Besonders gut dokumentiert sind Inhaltsstoffe, Lignane und pharmakologische Effekte auf oxidativen Stress, Entzündung, Leberstoffwechsel und Arzneistoffmetabolismus. Klinische Studien sind dagegen deutlich schwächer, heterogener und für klare therapeutische Empfehlungen nicht ausreichend.

Traditionelle Anwendungen bei Husten, Schwächezuständen, Schweissneigung, Schlafstörungen und Leberbeschwerden sind historisch bedeutsam, aber nach europäischen Kriterien nicht als gesicherte Indikationen einzustufen. Für Schisandra chinensis besteht keine HMPC-Monographie.

ANWENDUNG

In der traditionellen chinesischen Medizin wird Schisandrae fructus als Wu Wei Zi verwendet. Traditionelle Anwendungsgebiete sind langanhaltender Husten, Schwächezustände, spontanes Schwitzen, Nachtschweiss, Durchfall, Enuresis, Pollakisurie, innere Unruhe und Schlafstörungen.

Diese Anwendungen beruhen auf der ostasiatischen Arzneitradition und auf traditionellen Konzepten, die nicht direkt mit europäischen Indikationsbegriffen gleichgesetzt werden können. Klinische Studien, die diese Anwendungsgebiete nach heutigen Kriterien eindeutig absichern, fehlen oder sind nicht ausreichend.

Eine besondere Forschungsrichtung betrifft Leberstoffwechsel und Leberschutz. Die vorhandenen Daten sind pharmakologisch interessant, reichen aber nicht aus, um eine Selbstbehandlung von Lebererkrankungen zu begründen.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Traditionell werden getrocknete Schisandra-Früchte als Abkochung, Pulver, Tinktur oder Extrakt verwendet. In der Literatur werden häufig Tagesmengen genannt, die etwa 1,5–6 g getrockneter Droge entsprechen.

Eine allgemein anerkannte europäische Dosierung besteht nicht. Qualität, Extraktverhältnis, Lignangehalt und Zubereitungsform können stark variieren. Eine medizinische Anwendung sollte deshalb nicht allein aus traditionellen Dosierungsangaben abgeleitet werden.

SICHERHEIT

Schisandra-Zubereitungen können Magen-Darm-Beschwerden, Sodbrennen, Übelkeit, Kopfschmerzen oder allergische Reaktionen auslösen. Wegen möglicher Einflüsse auf Arzneistoff-metabolisierende Enzyme und Transportproteine sind Wechselwirkungen mit Arzneimitteln möglich.

Vorsicht ist besonders angezeigt bei regelmässiger Einnahme von Medikamenten, bei Lebererkrankungen, während Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern. Bei bestehenden Leberwertveränderungen oder chronischen Erkrankungen sollte Schisandra nicht zur Selbstbehandlung eingesetzt werden.

STATUS

  • Kommission E: keine Bearbeitung
  • ESCOP: keine Monographie vorhanden
  • HMPC: keine Monographie vorhanden

CHINABEERE IM GARTEN

Die Chinabeere gedeiht in humosem, durchlässigem und ausreichend feuchtem Gartenboden. Ideal ist ein halbschattiger bis sonniger Standort. Als Schlingpflanze benötigt sie eine Kletterhilfe, ein Spalier oder eine stabile Rankstruktur.

Im Frühling kann die Pflanze mit Kompost oder organischem Dünger versorgt werden. Trotz ihres exotischen Aussehens ist Schisandra chinensis in Mitteleuropa winterhart, robust und bei passendem Standort pflegeleicht.

SONSTIGES

In Ostasien besitzt Schisandra eine lange Anwendungstradition. Die Bezeichnung Wu Wei Zi bedeutet „Frucht der fünf Geschmäcker“ und verweist auf das komplexe Geschmacksprofil der Beeren.

In Russland und Ostasien wurde Schisandra auch im Zusammenhang mit Belastbarkeit, Müdigkeit und körperlicher Leistungsfähigkeit untersucht. Solche Anwendungen sind historisch und pharmakologisch interessant, aber nicht mit einer gesicherten medizinischen Indikation gleichzusetzen.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Ginseng (Panax ginseng) – traditionelle ostasiatische Arzneipflanze bei Schwächezuständen und verminderter Leistungsfähigkeit.
  • Taigawurzel (Eleutherococcus senticosus) – adaptogen verwendete Wurzel mit HMPC-Monographie.
  • Rosenwurz (Rhodiola rosea) – traditionell bei Stress- und Erschöpfungszuständen verwendete Pflanze.
  • Süssholz (Glycyrrhiza glabra) – Arzneipflanze mit traditioneller Anwendung bei Husten und Magenbeschwerden.

FAQ

  • Hat Schisandra eine anerkannte medizinische Anwendung?
    Nein. Für Schisandra chinensis besteht keine HMPC-Monographie und keine anerkannte medizinische Anwendung nach europäischem Standard.
  • Welche Inhaltsstoffe sind besonders wichtig?
    Besonders wichtig sind Dibenzocyclooctadien-Lignane wie Schisandrin, Schisandrol, Schisantherin und Gomisine.
  • Wofür wird Wu Wei Zi traditionell verwendet?
    Traditionell bei Husten, Schwächezuständen, Schweissneigung, Durchfall, Unruhe und Schlafstörungen.
  • Ist Schisandra ein Lebermittel?
    Leberbezogene Effekte sind experimentell gut untersucht, klinisch aber nicht ausreichend gesichert.
  • Sind Wechselwirkungen möglich?
    Ja. Schisandra kann Arzneistoff-metabolisierende Enzyme und Transportproteine beeinflussen; bei Medikamenteneinnahme ist Vorsicht angezeigt.

Letzte Änderung: 11.05.2026 / © W. Arnold