Weinraute - Ruta graveolens

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Die Weinraute ist eine Giftpflanze ohne anerkannte medizinische Anwendung. Die Anwendung als Phytopharmakon wird heute wegen phototoxischer und systemischer Risiken abgelehnt.

Ruta graveolens L. (syn. Ruta hortensis);
Weinraute (syn. Edelraute, Gartenraute, Kreuzraute, Weinkraut).

Weinraute - Ruta graveolens

Weinrautepflanzen - Ruta graveolens

Habitus der Weinraute - Ruta graveolens

VORKOMMEN

Die Heimat der Weinraute liegt im südöstlichen Europa, im Mittelmeerraum und in angrenzenden Gebieten Vorderasiens. Die Pflanze wurde seit alter Zeit kultiviert und ist in wärmeren Regionen Europas stellenweise eingebürgert.

In Mitteleuropa findet man Weinraute vor allem in Gärten, an warmen Mauern, in Steingärten und gelegentlich verwildert. Sie bevorzugt sonnige, trockene, steinige und kalkreiche Standorte.

MERKMALE

Die Weinraute ist eine kräftige, aromatisch riechende Staude bis Halbstrauch mit holziger Basis. Sie wird meist 30 bis 60 cm hoch, gelegentlich auch höher. Die Stängel sind kahl, graugrün bis blaugrün und mit zahlreichen durchscheinenden Öldrüsen besetzt.

Die Laubblätter sind zwei- bis dreifach fiederschnittig und besitzen spatelförmige Abschnitte. Der Blütenstand ist eine Doldenrispe. Die Blüten sind grünlich-gelb; die endständigen Blüten sind meist fünfzählig, die seitlichen oft vierzählig. Die Frucht ist eine vier- bis fünffächerige Kapsel.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Rutae herba (syn. Folia Rutae, Herba Rutae) - Rautenkraut. Verwendet wurden früher die während der Blüte gesammelten oberirdischen Pflanzenteile.

Rutae aetheroleum (syn. Oleum Rutae) - Rautenöl. Es handelt sich um das durch Wasserdampfdestillation aus den oberirdischen Pflanzenteilen gewonnene ätherische Öl.

Eine medizinische Anwendung dieser Drogen wird heute wegen der Sicherheitsrisiken nicht empfohlen.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Die Weinraute enthält zahlreiche Alkaloide, darunter Graveolin, Edulinin, Rutaverin, Ribalinium, Dictamin, Skimmianin und weitere Acridon- und Chinolin-Alkaloide.

Dictamin - Alkaloid aus Ruta graveolens

Wichtig sind ausserdem Cumarine und Furanocumarine. Dazu gehören Psoralen, Bergapten, Xanthotoxin, Isoimperatorin, Isopimpinellin und verwandte Verbindungen. Diese Stoffe sind wesentlich für die phototoxische Wirkung der Pflanze verantwortlich.

Psoralen - phototoxisches Furanocumarin

Das Hauptflavonoid ist Rutosid, das in den Blättern in nennenswerten Mengen vorkommen kann. Weitere Flavonoide sind Glykoside von Kämpferol, Isorhamnetin und anderen Flavonolen.

Das ätherische Öl enthält vor allem aliphatische Ketone und Ester, darunter 2-Nonanon, 2-Nonylacetat und 2-Undecylacetat. Je nach Herkunft, Entwicklungsstadium und Trocknung können Zusammensetzung und Gehalt deutlich schwanken.

PHARMAKOLOGIE

Historisch wurde Weinraute sehr breit verwendet, etwa als krampflösendes, menstruationsförderndes, harntreibendes und verdauungsförderndes Mittel. Diese Anwendungen entsprechen jedoch nicht einer heutigen Nutzen-Risiko-Bewertung.

Pharmakologisch bedeutsam sind vor allem die Furanocumarine. Sie können nach Hautkontakt und anschliessender UVA-Bestrahlung eine phototoxische Reaktion auslösen. Typisch sind Rötung, Brennen, Blasenbildung und nachfolgende bräunliche Hyperpigmentierung.

Bei innerer Anwendung bestehen zusätzliche Risiken. Beschrieben werden unter anderem Magen-Darm-Beschwerden, Schwindel, Krämpfe, Leberschäden, Nierenschäden und abortive Wirkungen. Die therapeutische Breite ist ungünstig.

EVIDENZ

Für Weinraute gibt es keine anerkannte medizinische Anwendung. Die vorhandene Literatur beschreibt zwar traditionelle Anwendungen und zahlreiche Inhaltsstoffe, liefert aber keine ausreichende Grundlage für eine sichere und wirksame phytotherapeutische Anwendung.

Die Evidenz ist vor allem für Risiken relevant: phototoxische Hautreaktionen durch Furanocumarine sind gut dokumentiert. Zusätzlich bestehen toxikologische Bedenken bei innerer Anwendung, insbesondere in Schwangerschaft und bei höherer Dosierung.

ANWENDUNG

Keine anerkannte medizinische Anwendung.

Die Anwendung von Weinraute als Phytopharmakon wird heute abgelehnt. Frühere volksmedizinische Anwendungen bei Verdauungsbeschwerden, Menstruationsbeschwerden, Krämpfen oder als harntreibendes Mittel sind aufgrund der Toxizität nicht zu empfehlen.

Eine innerliche Selbstanwendung, insbesondere als Tee, Tinktur, Extrakt oder ätherisches Öl, ist nicht sicher. Auch äusserliche Anwendungen sind wegen der Phototoxizität problematisch.

SICHERHEIT

Giftpflanze. Weinraute darf nicht innerlich zur Selbstbehandlung verwendet werden. Besonders gefährlich ist die Anwendung in der Schwangerschaft, da abortive Wirkungen beschrieben sind.

Frische Pflanzenteile können bei Hautkontakt und anschliessender Sonnenbestrahlung phototoxische Hautreaktionen verursachen. Beim Schneiden, Ernten oder Umpflanzen sollten Handschuhe und bedeckende Kleidung getragen werden. Nach Hautkontakt ist Sonnenexposition zu vermeiden.

Mögliche unerwünschte Wirkungen bei innerer Aufnahme sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Schwindel, Krämpfe, Leber- und Nierenschäden sowie schwere Vergiftungserscheinungen. Bei versehentlicher Einnahme, stärkeren Hautreaktionen oder Beschwerden nach Kontakt ist ärztliche beziehungsweise toxikologische Abklärung erforderlich.

STATUS

Giftpflanze ohne empfohlene phytotherapeutische Anwendung.

  • Kommission E: negative Bewertung.
  • ESCOP: keine Monographie vorhanden.
  • HMPC: keine Monographie vorhanden.

WEINRAUTE IM GARTEN

Die Weinraute liebt sonnige, warme und eher trockene Standorte. Geeignet sind magere, kalkhaltige, durchlässige und steinige Böden. Staunässe wird schlecht vertragen. Die Pflanze passt gut in Steingärten und mediterran wirkende Pflanzungen, zum Beispiel zusammen mit Lavendel, Küchenschelle und Adonisröschen.

Die mehrjährige Pflanze ist relativ robust, aber nicht überall vollständig winterhart. Ein leichter Winterschutz ist in rauen Lagen sinnvoll. Wegen der phototoxischen Wirkung sollte die Pflanze nicht an Stellen gesetzt werden, an denen Kinder häufig spielen oder Personen regelmässig mit der Haut an die Pflanze geraten.

Blüte der Weinraute - Ruta graveolens

SONSTIGES

Die Weinraute durchzieht die medizinische und kulturhistorische Literatur seit der Antike. Sie galt früher als Universalheilmittel und wurde mit Schutzvorstellungen gegen Gifte, Geister und den sogenannten bösen Blick verbunden.

Der botanische Artname graveolens bedeutet stark riechend und verweist auf den intensiven, eigenartigen Geruch der Pflanze. Trotz ihrer historischen Bedeutung ist Weinraute heute vor allem als Gift- und Zierpflanze einzuordnen.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Johanniskraut (Hypericum perforatum) - kann photosensibilisierend wirken, besitzt aber eine andere Nutzen-Risiko-Bewertung.
  • Engelwurz (Angelica archangelica) - enthält Furanocumarine und erfordert bei Anwendung Vorsicht gegenüber Sonnenlicht.
  • Liebstöckel (Levisticum officinale) - aromatische Pflanze mit Cumarinen und traditioneller Anwendung, aber anderer Sicherheitslage.
  • Diptam (Dictamnus albus) - Rautengewächs mit ätherischem Öl und phototoxischem Potenzial.

FAQ

  • Hat Weinraute eine anerkannte medizinische Anwendung?
    Nein. Weinraute hat keine anerkannte medizinische Anwendung. Die Anwendung als Phytopharmakon wird heute wegen erheblicher Risiken abgelehnt.
  • Warum ist Weinraute gefährlich?
    Die Pflanze enthält Furanocumarine, Alkaloide und ätherisches Öl. Sie kann phototoxische Hautreaktionen auslösen und bei innerer Anwendung schwere Vergiftungen verursachen.
  • Darf Weinraute in der Schwangerschaft verwendet werden?
    Nein. Weinraute darf in der Schwangerschaft nicht verwendet werden. Abortive Wirkungen und schwere Vergiftungsrisiken sind beschrieben.
  • Was passiert bei Hautkontakt mit Weinraute?
    Bei Kontakt mit frischen Pflanzenteilen und anschliessender Sonnenbestrahlung können Rötung, Brennen, Blasenbildung und bräunliche Pigmentierungen entstehen.
  • Ist Weinraute als Gartenpflanze geeignet?
    Ja, als Zierpflanze an trockenen, sonnigen Standorten. Wegen der Phototoxizität sollte man beim Schneiden Handschuhe tragen und Hautkontakt vermeiden.

Letzte Änderung: 11.05.2026 / © W. Arnold