Schlangen-Knöterich - Bistorta officinalis

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Der Schlangen-Knöterich besitzt keine gesicherte, offiziell anerkannte medizinische Anwendung. Das gerbstoffreiche Rhizom wurde traditionell vor allem bei Durchfall sowie lokal bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum verwendet.

Persicaria bistorta (syn. Polygonum bistorta, Bistorta major, Persicaria amoena, Persicaria elliptica)
Wiesen-Knöterich, Natter-Knöterich, Natterwurz, Schafzunge, Schlangenwurz.

Blühender Schlangen-Knöterich auf einer Wiese

Schlangen-Knöterich mit rosafarbenem Blütenstand

Schlangen-Knöterich, Bistorta officinalis, mit Blütenähre

VORKOMMEN

Der Schlangen-Knöterich ist in den gemässigten und kühleren Zonen Eurasiens weit verbreitet. In Europa kommt er vor allem auf feuchten bis nassen Wiesen, an Bachufern, in Moorwiesen und auf nährstoffreichen Humusböden vor. In tieferen Lagen wächst er besonders auf Feuchtwiesen; in Gebirgen steigt er bis in die alpine Stufe auf.

Die Art gilt als Zeigerpflanze für feuchte bis nasse Standorte. Sie bevorzugt humose, nährstoffreiche, frische bis nasse Böden und meidet sehr trockene Standorte.

MERKMALE

Der Schlangen-Knöterich ist eine ausdauernde krautige Pflanze mit Wuchshöhen von etwa 20 bis 100 cm. Die Stängel sind aufrecht, meist unverzweigt und tragen längliche bis eiförmige Blätter. Die Blattoberseite ist dunkelgrün, die Unterseite häufig bläulichgrün.

Das kräftige Rhizom ist schlangenartig gekrümmt; davon leiten sich Namen wie Schlangenwurz oder Natterwurz ab. Die rosafarbenen Blüten stehen dicht gedrängt in zylindrischen Scheinähren. Die Blütezeit reicht meist von Mai bis Juli, die Fruchtreife von August bis September. Die Früchte sind kleine dreikantige Nüsschen.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Bistortae rhizoma beziehungsweise Rhizoma bistortae: das getrocknete Rhizom, meist mit Wurzelanteilen. Ältere Bezeichnungen sind Radix Polygoni bistortae oder Knöterichwurzel. Volkstümliche Namen sind Drachenwurz, Krebswurz, Natternwurzel, Otterwurz und Schlangenwurzel.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Das Rhizom enthält vor allem Gerbstoffe, darunter Catechin- und Tanningerbstoffe. Der Gerbstoffgehalt kann hoch sein und wird in der Fachliteratur häufig als wesentliches pharmakologisch relevantes Merkmal der Droge beschrieben.

Daneben wurden weitere phenolische Verbindungen und Flavonoide beschrieben. Für die traditionelle Verwendung als adstringierende Droge sind jedoch vor allem die Gerbstoffe bedeutsam.

PHARMAKOLOGIE

Gerbstoffe wirken adstringierend. Sie können oberflächlich Proteine fällen, Schleimhäute abdichten und die Sekretion vermindern. Daraus ergibt sich eine plausible Erklärung für die traditionelle Verwendung bei unkompliziertem Durchfall und bei gereizten Schleimhäuten im Mund- und Rachenraum.

In experimentellen Untersuchungen wurden für Extrakte aus Polygonum bistorta beziehungsweise Bistorta officinalis antidiarrhoische, antispasmodische, antibakterielle, antivirulente und entzündungshemmende Effekte beschrieben. Diese Befunde stützen die pharmakologische Plausibilität, ersetzen aber keine klinischen Wirksamkeitsnachweise.

EVIDENZ

Die Evidenz für Schlangen-Knöterich ist insgesamt begrenzt. Die traditionelle Anwendung des gerbstoffreichen Rhizoms bei Durchfall und lokal bei Schleimhautreizungen ist pharmakologisch nachvollziehbar, klinische Humanstudien von guter Qualität liegen jedoch nicht ausreichend vor.

Experimentelle Arbeiten zeigen antidiarrhoische, antispasmodische, antibakterielle und entzündungshemmende Eigenschaften. Aussagen zu einer gesicherten therapeutischen Wirksamkeit beim Menschen sollten daraus nur sehr zurückhaltend abgeleitet werden.

  • Pawłowska et al. 2020: Untersuchung zu antibakteriellen und entzündungshemmenden Eigenschaften von Bistort-Rhizom; relevant für die pharmakologische Plausibilität, aber kein klinischer Wirksamkeitsnachweis.
  • Duwiejua et al. 1999: experimentelle Untersuchung zu entzündungshemmenden Inhaltsstoffen aus Polygonum bistorta-Rhizom.
  • Liu et al. 2006: Beschreibung eines tanninverwandten Inhaltsstoffs aus dem Rhizom von Polygonum bistorta.
  • Ali et al. 2015: experimentelle Arbeit zu antidiarrhoischen und antispasmodischen Effekten von Polygonum bistorta-Rhizomen.
  • BfArM: Liste der Kommission-E-Monographien: Referenz zur Überprüfung, ob eine Kommission-E-Monographie vorhanden ist.
  • EMA/HMPC: zentrale HMPC-Seite; für Bistortae rhizoma ist keine HMPC-Monographie bekannt.

ANWENDUNG

Traditionell wurden Abkochungen und Aufgüsse aus dem Rhizom innerlich bei Durchfall verwendet. Die Anwendung beruht auf dem hohen Gerbstoffgehalt und der daraus abgeleiteten adstringierenden Wirkung.

Lokal wurde Schlangen-Knöterich als Gurgel- oder Spülmittel bei Reizungen und Entzündungen im Mund- und Rachenraum sowie äusserlich für Umschläge und Teilbäder verwendet. Für diese Anwendungen besteht eine traditionelle, pharmakologisch plausible Grundlage; belastbare klinische Nachweise sind jedoch unzureichend.

Historische oder volksmedizinische Anwendungen bei inneren Blutungen, Geschwüren oder Tumorerkrankungen sind nicht ausreichend belegt. Eine Anwendung bei Tumorerkrankungen ist nicht zu empfehlen.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Traditionell werden 1 bis 2 g der zerkleinerten Droge als Aufguss oder Abkochung verwendet, zwei- bis dreimal täglich. Wegen des hohen Gerbstoffgehalts wird häufig eine Abkochung bevorzugt.

Für Spülungen, Gurgellösungen oder Umschläge können Aufgüsse oder Abkochungen äusserlich verwendet werden. Eine länger dauernde innerliche Anwendung sollte ohne fachliche Abklärung vermieden werden.

SICHERHEIT

Bei kurzzeitiger Anwendung in üblichen Mengen gilt die gerbstoffreiche Droge traditionell als eher unproblematisch. Gerbstoffe können jedoch empfindliche Magen-Darm-Schleimhäute reizen und bei empfindlichen Personen Übelkeit oder Magenbeschwerden auslösen.

Bei Durchfall mit Fieber, Blut im Stuhl, starken Schmerzen, Austrocknungszeichen oder einer Dauer von mehr als wenigen Tagen ist ärztliche Abklärung nötig. Für Schwangerschaft, Stillzeit und kleine Kinder liegen keine ausreichenden modernen Sicherheitsdaten vor; hier sollte eine Anwendung nur nach fachlicher Rücksprache erfolgen.

STATUS

  • Kommission E: keine Monographie vorhanden.
  • ESCOP: keine Monographie vorhanden.
  • HMPC: keine Monographie für Bistortae rhizoma vorhanden.

SCHLANGEN-KNÖTERICH IM GARTEN

Der Schlangen-Knöterich liebt frischen, humosen und gut durchlässigen Untergrund. Der Boden sollte feucht sein, da dies für ein gutes Wachstum wichtig ist. Die Pflanze bevorzugt einen sonnigen bis halbschattigen Standort, gerne auch am Ufer eines Gartenteichs.

Fühlt sich der Schlangen-Knöterich wohl, kann er sich kräftig ausbreiten. In naturnahen Gärten ist er eine dekorative Staude und eine wertvolle Pflanze für feuchte Wiesenbereiche.

Schlangen-Knöterich als Gartenpflanze

SONSTIGES

Der Schlangen-Knöterich wurde auch als Wildgemüse genutzt. Die stärkereichen Wurzeln können nach längerer Wässerung und geeigneter Zubereitung verwendet werden. Junge Blätter wurden regional als Bestandteil von Salaten, Spinat- oder Blattgemüsegerichten genutzt.

Die Pflanze ist ausserdem ökologisch interessant: Sie dient unter anderem Raupen verschiedener Schmetterlingsarten als Nahrungspflanze.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Blutwurz (Potentilla erecta) – ebenfalls eine gerbstoffreiche Droge mit traditioneller Anwendung bei Durchfall.
  • Zaubernuss (Hamamelis virginiana) – gerbstoffhaltige Pflanze mit adstringierender Wirkung auf Haut und Schleimhäute.
  • Odermennig (Agrimonia eupatoria) – traditionell bei leichten Schleimhautreizungen und als gerbstoffhaltige Pflanze verwendet.
  • Eiche (Quercus robur) – Eichenrinde enthält Gerbstoffe und wird traditionell äusserlich adstringierend verwendet.

FAQ

  • Wofür wurde Schlangen-Knöterich traditionell verwendet?
    Das Rhizom wurde traditionell vor allem bei Durchfall sowie lokal als Gurgel-, Spül- oder Umschlagmittel verwendet.
  • Welche Inhaltsstoffe sind wichtig?
    Entscheidend sind vor allem Gerbstoffe, darunter Catechin- und Tanningerbstoffe.
  • Ist die Wirkung klinisch gut belegt?
    Nein. Die Anwendung ist pharmakologisch plausibel, aber klinisch nicht ausreichend durch gute Humanstudien abgesichert.
  • Hat Schlangen-Knöterich eine HMPC-Monographie?
    Nein. Für Bistortae rhizoma ist keine HMPC-Monographie vorhanden.
  • Wann ist ärztliche Abklärung nötig?
    Bei blutigem Durchfall, Fieber, starken Schmerzen, Austrocknungszeichen oder Beschwerden über mehrere Tage ist ärztliche Abklärung nötig.

Letzte Änderung: 10.05.2026 / © W. Arnold