Wilder Wein – Parthenocissus quinquefolia
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Inhaltsstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Wilder Wein hat keine anerkannte medizinische Anwendung. In der Volksheilkunde wurde Parthenocissus quinquefolia gelegentlich als harntreibendes Mittel erwähnt, doch ist die Evidenz dafür schwach. Die Pflanze ist heute vor allem als Zier- und Fassadenpflanze bekannt; die Beeren sind für Menschen nicht zum Verzehr geeignet.
Parthenocissus quinquefolia (L.) Planch.;
Wilder Wein, Selbstkletternde Jungfernrebe, Gewöhnliche Jungfernrebe.
Hinweis zur Namensverwendung: Auch andere Arten der Gattung Parthenocissus, insbesondere Parthenocissus tricuspidata, werden im Gartenbau als Wilder Wein oder Jungfernrebe bezeichnet. Diese Seite behandelt Parthenocissus quinquefolia.


VORKOMMEN
Die Selbstkletternde Jungfernrebe (Parthenocissus quinquefolia) ist eine Kletterpflanze aus der Familie der Weinrebengewächse (Vitaceae). Ihre ursprüngliche Heimat ist das östliche Nordamerika. In Europa wird sie seit langem als Zierpflanze kultiviert und ist stellenweise verwildert.
Die Pflanze wächst an Mauern, Zäunen, Bäumen und Fassaden und kann mit Hilfe von Ranken und Haftscheiben grössere Flächen bedecken. Wegen ihres kräftigen Wachstums sollte sie im Garten regelmässig kontrolliert werden.
MERKMALE
Die Blätter sind meist fünfteilig handförmig zusammengesetzt. Die einzelnen Fiederblättchen sind zugespitzt und am Rand gesägt. Die Blattunterseite ist weisslichgrün bis mattgrün. Im Herbst färben sich die Blätter auffällig scharlachrot bis purpurrot.
Die unscheinbaren grünlichweissen Blüten erscheinen meist im Juni und Juli. Ab September reifen erbsengrosse, dunkelblaue bis schwarze Beeren mit blauem Wachsüberzug. Sie werden von Vögeln gefressen, sind für Menschen jedoch nicht zum Verzehr geeignet.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Für Parthenocissus quinquefolia ist keine gebräuchliche Arzneidroge mit anerkannter medizinischer Anwendung etabliert. Historisch wurden unterschiedliche Pflanzenteile erwähnt, insbesondere Rinde, junge Sprossteile oder Blätter; eine standardisierte pharmazeutische Droge ist heute jedoch nicht gebräuchlich.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Beschrieben werden vor allem phenolische Verbindungen, darunter Anthocyanidine, Leukoanthocyanidine, Anthocyane und andere Flavonoide. Diese Farbstoffe tragen zur intensiven roten Herbstfärbung der Blätter bei.
Neuere phytochemische Untersuchungen nennen ausserdem Tannine, Saponine, Catechine, Hydroxyzimtsäurederivate, Polysaccharide und weitere sekundäre Pflanzenstoffe. Für eine therapeutische Anwendung sind diese Befunde jedoch nicht ausreichend belegt.
PHARMAKOLOGIE
In der Volksheilkunde wurde Wilder Wein gelegentlich als Diuretikum erwähnt. Eine moderne pharmakologische oder klinische Absicherung dieser Anwendung liegt jedoch nicht vor. Die bekannten Inhaltsstoffe erklären vor allem antioxidative und farbstoffbezogene Eigenschaften, aber keine gesicherte medizinische Wirkung.
EVIDENZ
Die Evidenz für eine medizinische Anwendung von Parthenocissus quinquefolia ist sehr schwach. Die volksmedizinische Verwendung als harntreibendes Mittel ist historisch erwähnt, aber nicht durch belastbare klinische Studien abgesichert.
Für Wilden Wein gibt es keine positive Monographie der Kommission E, keine ESCOP-Monographie und keine HMPC-Monographie der EMA. Damit besteht keine regulatorisch anerkannte medizinische Anwendung.
- PubMed: Phytochemical Screening and Antioxidant Potential of Parthenocissus quinquefolia – Untersuchung zu Inhaltsstoffen und antioxidativem Potential von Rinde und Spross.
- PubMed Central: Bioactive Components of Parthenocissus quinquefolia – neuere Übersicht zu bioaktiven Inhaltsstoffen, antioxidativen und entzündungsbezogenen Eigenschaften.
- EMA / HMPC: European Union herbal monographs and list entries – Übersichtsseite der europäischen HMPC-Monographien.
Zusammenfassend ist Wilder Wein medizinisch nicht als Heilpflanze etabliert. Botanisch und gärtnerisch ist die Art interessant; eine therapeutische Empfehlung lässt sich aus der vorhandenen Datenlage jedoch nicht ableiten.
ANWENDUNG
In der Volksheilkunde wurde Wilder Wein vereinzelt als harntreibendes Mittel verwendet. Diese Anwendung ist heute nicht anerkannt und sollte nicht zur Selbstbehandlung von Harnwegsbeschwerden, Ödemen oder Nieren- und Blasenleiden herangezogen werden.
Medizinisch steht bei Parthenocissus quinquefolia heute keine gesicherte Anwendung im Vordergrund. Die Pflanze ist vor allem als schnellwachsende, dekorative Kletterpflanze mit intensiver Herbstfärbung von Bedeutung.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Für Wilden Wein liegen keine verlässlichen modernen Dosierungsangaben vor. Eine therapeutische Zubereitung oder Dosierung kann deshalb nicht empfohlen werden.
SICHERHEIT
Die Beeren des Wilden Weins gelten für Menschen als leicht giftig bis giftig und sollten nicht gegessen werden. Nach Aufnahme grösserer Mengen können Magen-Darm- Beschwerden und weitere Vergiftungssymptome auftreten. Für Kinder sind die auffälligen dunklen Beeren besonders relevant.
Pflanzensaft und Pflanzenteile können bei empfindlichen Personen Hautreizungen verursachen. Bei der Gartenarbeit sind Handschuhe sinnvoll. In Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kindern sollte die Pflanze nicht medizinisch angewendet werden.
Bei versehentlichem Verzehr von Beeren, insbesondere durch Kinder, sollte eine Giftinformationsstelle oder ärztliche Fachperson kontaktiert werden.
STATUS
- Kommission E: keine Monographie vorhanden
- ESCOP: keine Monographie vorhanden
- HMPC: keine Monographie vorhanden
WILDER WEIN IM GARTEN
Wilder Wein wird vor allem wegen seiner kräftigen Kletterfähigkeit und der auffälligen roten Herbstfärbung kultiviert. Die Pflanze gedeiht auf nährstoffreichen Böden sowohl in sonnigen als auch in halbschattigen bis schattigen Lagen.
An Fassaden, Mauern und Pergolen kann sie grosse Flächen begrünen. Wegen des starken Wachstums sollte regelmässig geschnitten werden, damit Rinnen, Fenster, Dächer und empfindliche Bauteile nicht überwachsen werden.
SONSTIGES
Der deutsche Name Wilder Wein bezieht sich auf die Zugehörigkeit zur Familie der Weinrebengewächse und auf den weinähnlichen, kletternden Wuchs. Die Bezeichnung Jungfernrebe entspricht dem wissenschaftlichen Gattungsnamen Parthenocissus.
Obwohl die Beeren von Vögeln gefressen werden, sind sie für Menschen nicht als Nahrung geeignet. Die Pflanze ist daher als Zierpflanze, nicht als Nutz- oder Heilpflanze einzuordnen.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Goldrute (Solidago virgaurea) – traditionelle Heilpflanze zur Durchspülung der ableitenden Harnwege.
- Birke (Betula pendula) – Birkenblätter werden traditionell als mildes Durchspülungsmittel verwendet.
- Brennnessel (Urtica dioica) – Blätter und Kraut werden traditionell bei Harnwegsbeschwerden verwendet.
- Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense) – traditionelle Durchspülungsdroge bei leichten Harnwegsbeschwerden.
- Glaskraut (Parietaria officinalis) – historisch als harntreibende Pflanze erwähnt, heute ohne anerkannte medizinische Anwendung.
FAQ
- Hat Wilder Wein eine anerkannte medizinische Anwendung?
Nein. Für Parthenocissus quinquefolia ist heute keine anerkannte medizinische Anwendung etabliert. - Wofür wurde Wilder Wein volksmedizinisch verwendet?
In der Volksheilkunde wurde Wilder Wein gelegentlich als harntreibendes Mittel verwendet. Die Evidenz dafür ist jedoch sehr schwach. - Sind die Beeren des Wilden Weins giftig?
Ja. Die Beeren gelten für Menschen als leicht giftig bis giftig und sollten nicht gegessen werden. - Welche Inhaltsstoffe enthält Wilder Wein?
Beschrieben werden unter anderem Anthocyane, Anthocyanidine, Leukoanthocyanidine, Flavonoide, Tannine und weitere phenolische Verbindungen. - Ist Wilder Wein eine Gartenpflanze?
Ja. Wilder Wein wird vor allem wegen seines schnellen Wachstums und seiner intensiven roten Herbstfärbung als Zier- und Fassadenpflanze verwendet.
Letzte Änderung: 07.05.2026 / © W. Arnold


