Aufrechtes Glaskraut – Parietaria officinalis

Vorkommen | Merkmale | Drogen | Inhaltsstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ

Das Aufrechte Glaskraut hat heute keine anerkannte medizinische Anwendung. Der Droge wurde traditionell eine gewisse harntreibende Wirkung zugeschrieben. Die Evidenz ist jedoch schwach, Angaben zur Dosierung sind unzureichend, und eine therapeutische Bedeutung als Heilpflanze besteht heute kaum noch.

Parietaria officinalis L. (syn. Parietaria erecta);
Aufrechtes Glaskraut, Glaskraut.

Aufrechtes Glaskraut (Parietaria officinalis)

Parietaria officinalis – Blätter und Wuchsform des Aufrechten Glaskrauts

Aufrechtes Glaskraut (Parietaria officinalis) am Standort

VORKOMMEN

Das Aufrechte Glaskraut ist im Mittelmeergebiet heimisch. Zerstreut ist die Pflanze in Mitteleuropa eingebürgert, unter anderem an Ruinen, Zäunen, auf Schutt, in Kiesgruben, in Hecken, in eher feuchten Gebüschen, in Gemüsegärten und in Weinbergen. In der Schweiz ist die Art besonders im Tessin anzutreffen und kommt dort vereinzelt bis in Höhenlagen von etwa 1450 m vor.

MERKMALE

Das Glaskraut wird bis zu 100 cm hoch; meist ist die Pflanze nur wenig verzweigt oder unverzweigt. Die Blätter sind gestielt, gewöhnlich 5–10 cm lang, lanzettlich, gegen Stiel und Spitze allmählich verschmälert und kurz behaart.

Die Blütenstände stehen dicht knäuelig in den Blattwinkeln und enthalten männliche, weibliche und zwittrige Blüten. Die kelchähnlichen Hochblätter sind bis zum Grunde frei. Die Frucht ist ein schwarzes, glänzendes, meist 1,5–2 mm langes Nüsschen.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Herba Parietariae; Glaskraut, das getrocknete Kraut.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Die Droge ist nur unzureichend untersucht. Nach älteren Angaben enthält sie viel Kaliumnitrat, Bitterstoffe und Schwefelverbindungen. Ausserdem wurden Gerbstoffe, Flavonoide und phenolische Verbindungen beschrieben. Für Parietaria officinalis sind unter anderem Flavonoidglykoside und Kaffeesäurederivate nachgewiesen worden.

PHARMAKOLOGIE

Dem Glaskraut wurde traditionell eine harntreibende Wirkung zugeschrieben. Diese Annahme wurde vor allem mit dem Mineralstoffgehalt, insbesondere älteren Angaben zu Kaliumnitrat, in Verbindung gebracht. Eine moderne pharmakologische Absicherung der Anwendung liegt jedoch nur sehr begrenzt vor.

Das Glaskraut ist daher nicht mit gut untersuchten pflanzlichen Diuretika wie Goldrute, Birkenblättern, Brennnesselblättern oder Schachtelhalmkraut gleichzusetzen.

EVIDENZ

Die Evidenz für das Aufrechte Glaskraut ist schwach. Historisch wurde die Pflanze als harntreibende Droge verwendet, doch fehlen belastbare klinische Studien, moderne regulatorische Monographien und gesicherte Dosierungsangaben.

Für Parietaria officinalis ist keine HMPC-Monographie der EMA auffindbar. Auch Kommission E und ESCOP führen keine positive Monographie zur medizinischen Anwendung des Aufrechten Glaskrauts. Die frühere volksmedizinische Verwendung lässt sich deshalb nicht als anerkannte medizinische Anwendung einstufen.

Zusammenfassend ist das Aufrechte Glaskraut aus heutiger Sicht vor allem botanisch und kulturhistorisch interessant. Eine therapeutische Empfehlung lässt sich aus der vorhandenen Datenlage nicht ableiten.

ANWENDUNG

Der Droge wurde traditionell eine gewisse harntreibende Wirkung nachgesagt. Sie ist zwar noch in wenigen Teemischungen oder älteren Rezepturen erwähnt, hat darüber hinaus heute als Heilpflanze kaum noch Bedeutung.

Wegen der fehlenden anerkannten Anwendung und der unzureichenden Datenlage sollte Glaskraut nicht zur Selbstbehandlung von Harnwegsbeschwerden, Ödemen, Nieren- oder Blasenleiden verwendet werden.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Historisch wurde Glaskraut als Teeaufguss verwendet. Verlässliche, moderne Dosierungsangaben fehlen jedoch. Eine therapeutische Dosierung kann deshalb nicht empfohlen werden.

SICHERHEIT

Zur Sicherheit von Parietaria officinalis liegen nur wenige belastbare Daten vor. Wegen fehlender anerkannter Anwendung, fehlender Dosierungsangaben und ungenügender klinischer Prüfung sollte die Droge nicht zur Selbstmedikation relevanter Beschwerden eingesetzt werden.

Bei Beschwerden der Harnwege, Schmerzen beim Wasserlassen, Blut im Urin, Fieber, Flankenschmerzen, Ödemen oder Verdacht auf Nieren- oder Herzkrankheiten ist eine ärztliche Abklärung erforderlich. In Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kindern sollte auf die Anwendung verzichtet werden.

Pollen verschiedener Parietaria-Arten sind als Allergene bekannt. Bei bekannter Pollenallergie oder allergischer Disposition ist Vorsicht angezeigt.

STATUS

  • Kommission E: keine Monographie vorhanden
  • ESCOP: keine Monographie vorhanden
  • HMPC: keine Monographie vorhanden

SONSTIGES

Der Name Parietaria stammt vom lateinischen paries, parietis = Wand. Er nimmt Bezug auf das häufige Vorkommen des Glaskrauts in Mauerspalten und an Wänden. Der deutsche Name Glaskraut geht auf die frühere Verwendung des Krauts zum Reinigen von Glas zurück.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Goldrute (Solidago virgaurea) – traditionelle Heilpflanze zur Durchspülung der ableitenden Harnwege.
  • Birke (Betula pendula) – Birkenblätter werden traditionell als mildes Durchspülungsmittel verwendet.
  • Brennnessel (Urtica dioica) – Blätter und Kraut werden traditionell bei Harnwegsbeschwerden und rheumatischen Beschwerden verwendet.
  • Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense) – traditionelle Durchspülungsdroge bei leichten Harnwegsbeschwerden.
  • Bruchkraut (Herniaria glabra) – traditionelle Heilpflanze bei leichten Harnwegsbeschwerden.

FAQ

  • Hat Aufrechtes Glaskraut eine anerkannte medizinische Anwendung?
    Nein. Für Parietaria officinalis ist heute keine anerkannte medizinische Anwendung etabliert.
  • Wofür wurde Glaskraut traditionell verwendet?
    Traditionell wurde Glaskraut vor allem als harntreibende Droge verwendet. Die klinische Evidenz dafür ist jedoch sehr begrenzt.
  • Welche Pflanzenteile wurden verwendet?
    Verwendet wurde das getrocknete Kraut, pharmazeutisch als Herba Parietariae bezeichnet.
  • Welche Inhaltsstoffe enthält Glaskraut?
    Die Droge ist wenig untersucht. Beschrieben wurden unter anderem Mineralsalze, Gerbstoffe, Flavonoide und phenolische Verbindungen.
  • Ist Glaskraut für die Selbstmedikation geeignet?
    Nein. Wegen fehlender anerkannter Anwendung, fehlender Dosierungsangaben und unzureichender Sicherheitsdaten ist Glaskraut für die Selbstmedikation nicht sinnvoll.

Letzte Änderung: 07.05.2026 / © W. Arnold