Bärlapp - Lycopodium clavatum

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Lycopodium clavatum (syn. Lepidotis clavata, Lycopodium officinale, Lycopodium vulgare); Keulenbärlapp (syn. Drudenfuss, Kolbenbärlapp).

Bärlapp wurde früher volksmedizinisch unter anderem als harntreibendes Mittel und äusserlich bei Hautproblemen verwendet. Wegen toxischer Alkaloide im Kraut und fehlendem Wirksamkeitsnachweis ist eine medizinische Anwendung der Droge heute nicht vertretbar.

Bärlapp (Lycopodium clavatum) mit kriechenden Sprossen

Keulenbärlapp mit aufrechten Sporophyllständen

VORKOMMEN

Der Keulenbärlapp wächst vor allem auf kalkarmen, nährstoffarmen und eher trockenen bis frischen Böden. Typische Standorte sind lichte Nadelwälder, Heiden und Magerrasen. Tiefer Schatten und stark vernässte Böden werden gemieden.

Die Art ist in weiten Teilen Europas, Asiens und Nordamerikas verbreitet, regional aber deutlich zurückgegangen. In Mitteleuropa ist sie vielerorts selten geworden.

MERKMALE

Bärlapp ist eine ausdauernde, immergrüne Sporenpflanze. Die bodennah kriechenden Sprosse können mehrere Dezimeter bis über einen Meter lang werden und tragen aufrechte Seitenäste.

Die kleinen, dicht stehenden Blätter sind nadelig und enden in einer feinen Haarspitze. Charakteristisch sind die gelblichen Sporenähren an langen Stielen, die im Sommer erscheinen.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Lycopodii herba (syn. Herba Lycopodii, Herba Musci clavati); Bärlappkraut, die getrockneten oberirdischen Teile.

Historisch wurden auch die reifen Sporen verwendet, vor allem technisch oder als Hilfsstoff, nicht jedoch als heute anerkannte Arzneidroge.

WIRKSTOFFE

Im Bärlappkraut kommen giftige Lycopodium-Alkaloide vor, darunter Lycopodin, Annotin, Clavatin, Clavononin, Fawcetin und Lycoclavin. Der Gehalt kann je nach Standort und Pflanzenmaterial deutlich schwanken.

Daneben wurden Triterpene, Lipide, Phenolcarbonsäuren, aliphatische Säuren, Zucker und Mineralstoffe beschrieben. Die Sporen enthalten vor allem fettes Öl und Polyterpene wie Sporonin sowie nur sehr geringe Mengen an Alkaloiden.

Strukturfomeln von Inhaltsstoffen des Bärlapps

PHARMAKOLOGIE

Die meisten bekannten Lycopodium-Alkaloide aus dem Kraut gelten als toxikologisch relevant. Beschrieben wurden unter anderem emetische, laxierende und schleimhautreizende Wirkungen.

Einzelne experimentelle Arbeiten berichten über weitere biologische Effekte, etwa antientzündliche Aktivität in Labor- oder Tiermodellen. Solche Befunde reichen jedoch nicht aus, um eine medizinische Anwendung der Droge zu begründen.

EVIDENZ

Die Evidenz für eine medizinische Anwendung von Bärlapp ist unzureichend. Für das Kraut liegen keine belastbaren klinischen Daten vor, die eine therapeutische Wirksamkeit in den früher genannten volksmedizinischen Anwendungsgebieten stützen würden.

Die Datenlage ist begrenzt und betrifft überwiegend pharmakologische oder experimentelle Untersuchungen. Gleichzeitig ist das toxikologische Risiko durch die Alkaloide im Bärlappkraut relevant.

Insgesamt ergibt sich daher keine evidenzbasierte Grundlage für eine moderne phytotherapeutische Anwendung. Aus heutiger Sicht steht die Sicherheitsproblematik klar im Vordergrund.

ANWENDUNG

Frühere volksmedizinische Anwendung

Bärlapp wurde früher innerlich zur Förderung der Harnabsonderung und äusserlich bei wunden, juckenden oder nässenden Hautveränderungen verwendet.

Diese Anwendungen sind nicht ausreichend belegt. Wegen der Giftigkeit des Krauts ist eine medizinische Verwendung heute nicht zu empfehlen.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Bärlapp wird heute nicht als Phytopharmakon empfohlen. Eine Dosierungsangabe für eine moderne medizinische Anwendung ist daher nicht sinnvoll.

Von Teeaufgüssen, Extrakten oder anderen innerlichen und äusserlichen Anwendungen aus dem Kraut ist abzuraten.

SICHERHEIT

Bärlappkraut enthält toxische Alkaloide. Die Verwendung ist deshalb mit Risiken verbunden und aus heutiger Sicht medizinisch nicht vertretbar.

Die Konzentration der Alkaloide kann schwanken. Dadurch ist die Droge auch hinsichtlich ihrer Sicherheit schlecht kalkulierbar.

Historisch verwendete Bärlappsporen enthalten deutlich weniger Alkaloide, sind aber ebenfalls keine empfohlene Arzneidroge. Bei Sporen wurden zudem allergische Reaktionen beschrieben.

STATUS

  • Kommission E: keine Monographie vorhanden
  • ESCOP: keine Monographie vorhanden
  • HMPC: keine Monographie vorhanden

BÄRLAPP IM GARTEN

Bärlapp ist eine langsam wachsende, anspruchsvolle Wildpflanze für eher magere, saure und lockere Böden. Er bevorzugt lichte, nicht zu trockene Standorte ohne Konkurrenz durch stark wachsende Arten.

Für den Hausgarten ist die Art nur bedingt geeignet. Zudem ist zu beachten, dass Bärlapp regional selten ist und in verschiedenen rechtlichen Zusammenhängen als schutzwürdig geführt wird.

SONSTIGES

Bärlappsporen wurden früher technisch vielseitig verwendet, etwa als Trennmittel oder für pyrotechnische Effekte. Auch in der Kriminalistik fanden sie Verwendung.

Der botanische Name verweist auf die wolfspfotenähnliche Form der dicht beblätterten Zweige. Clavatum bezieht sich auf die keulenförmigen Sporenstände.

Ähnliche Heilpflanzen

  • Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense) – traditionelle Pflanze mit völlig anderer Sicherheitslage und anderer heutiger Anwendung.
  • Fieberklee (Menyanthes trifoliata) – Bitterstoffpflanze, früher wie Bärlapp teilweise volksmedizinisch genutzt, aber mit klar anderer Indikationslage.
  • Salbei (Salvia officinalis) – gut etablierte Arzneipflanze im Gegensatz zum heute nicht empfohlenen Bärlapp.

FAQ

  • Wird Bärlapp heute medizinisch verwendet?
    Nein. Wegen toxischer Alkaloide im Kraut und fehlender klinischer Belege wird Bärlapp heute nicht als Phytopharmakon empfohlen.
  • Sind die Sporen weniger problematisch?
    Die Sporen enthalten deutlich weniger Alkaloide als das Kraut, sind aber ebenfalls keine moderne, empfohlene Arzneidroge.
  • Gibt es eine HMPC-, ESCOP- oder Kommission-E-Monographie?
    Nach aktuell auffindbaren regulatorischen Übersichten liegt keine entsprechende Monographie für eine medizinische Anwendung vor.
  • Warum ist Bärlapp problematisch?
    Das Kraut enthält toxische Alkaloide, deren Gehalt schwanken kann. Gleichzeitig fehlt ein belastbarer Wirksamkeitsnachweis.

Letzte Änderung: 16.04.2026 / © W. Arnold