Goji, Gemeiner Bocksdorn – Lycium barbarum

Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Bocksdorn im Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ

Goji oder Gojibeeren sind die Früchte des Gemeinen Bocksdorns. Sie werden vor allem als Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel verwendet. Eine anerkannte medizinische Anwendung besteht nicht. Viele Werbeaussagen zu Anti-Aging, Immunsystem, Krebs, Augen oder antioxidativem Zellschutz sind wissenschaftlich nicht ausreichend gesichert.

Lycium barbarum (syn. Lycium flaccidum, Lycium subglobosum, Lycium vulgare, Jasminoides flaccida);
Gemeiner Bocksdorn (syn. Goji, Gojibeere, Wolfsbeere, Teufelszwirn).

Gojibeeren des Gemeinen Bocksdorns (Lycium barbarum)

Getrocknete Gojibeeren (Lycium barbarum)

Goji, Gemeiner Bocksdorn - Lycium barbarum

VORKOMMEN

Goji beziehungsweise der Gemeine Bocksdorn stammt ursprünglich aus Asien, besonders aus Regionen Chinas. Die Pflanze ist in Südosteuropa, Mitteleuropa, Nordafrika und Westasien eingebürgert und wird vielerorts kultiviert.

Als Heckenpflanze und Bodenfestiger wurde der Bocksdorn häufig angepflanzt und ist deshalb vielerorts verwildert. Er wächst an Böschungen, Wegen, Mauern, Dämmen, Heckenrändern und auf trockenen, nährstoffreichen Standorten.

MERKMALE

Der Gemeine Bocksdorn ist ein 1 bis 3 m hoher, dorniger oder gelegentlich fast wehrloser Strauch mit dünnen, bogig herabhängenden Ästen.

Die Blätter sind schmal-lanzettlich, ganzrandig, graugrün, kahl und allmählich in einen kurzen Stiel verschmälert. Die Blüten stehen in den Blattachseln. Die Krone ist lila bis violett, mit enger glockiger Röhre und fünfteiligem, ausgebreitetem Rand.

Die Frucht ist eine eiförmige bis längliche, saftige, scharlachrote Beere. Sie wird meist 1,5 bis 2 cm lang und enthält zahlreiche kleine Samen.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Fructus Lycii – Bocksdornbeeren, Bocksdornfrüchte, Gojibeeren; die getrockneten, reifen Früchte von Lycium barbarum beziehungsweise verwandten Lycium-Arten.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Die getrockneten Früchte enthalten Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Proteine, organische Säuren, Mineralstoffe und verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe.

  • Polysaccharide, häufig als Lycium-barbarum-Polysaccharide beschrieben
  • Carotinoide, besonders Zeaxanthin-Dipalmitat
  • Flavonoide und weitere phenolische Verbindungen
  • Aminosäuren, Lipide und Phytosterole
  • Betain und Cholin
  • Vitamine und Mineralstoffe, je nach Herkunft und Verarbeitung in schwankenden Mengen

Der Gehalt einzelner Inhaltsstoffe hängt stark von Herkunft, Sorte, Trocknung, Lagerung und Verarbeitungsform ab.

PHARMAKOLOGIE

In experimentellen Untersuchungen wurden für Extrakte und isolierte Inhaltsstoffe von Lycium barbarum antioxidative, immunmodulierende, metabolische und neuroprotektive Effekte beschrieben.

Besonders häufig untersucht wurden Polysaccharide, Carotinoide wie Zeaxanthin-Dipalmitat sowie phenolische Verbindungen. Solche Befunde stammen jedoch überwiegend aus Labor- und Tiermodellen und lassen sich nicht direkt auf eine gesicherte medizinische Wirkung beim Menschen übertragen.

Für stark beworbene Wirkungen gegen Krebs, Alterungsprozesse, Augenkrankheiten oder zur allgemeinen Immunstärkung liegen keine ausreichend belastbaren klinischen Belege für eine therapeutische Anwendung vor.

EVIDENZ

Goji-Beeren haben keine anerkannte medizinische Anwendung in der europäischen Phytotherapie. Die vorhandenen klinischen Daten sind überwiegend klein, heterogen und häufig auf Lebensmittel- oder Nahrungsergänzungs-Kontexte bezogen.

Die Inhaltsstoffe sind ernährungsphysiologisch interessant, insbesondere Carotinoide und Polysaccharide. Daraus lässt sich jedoch keine gesicherte therapeutische Wirkung gegen Krankheiten ableiten. Werbeaussagen wie „Wundermittel“, „Anti-Aging“ oder „Krebsschutz“ sind wissenschaftlich nicht haltbar.

  • EMA / HMPC: European Union monographs and list entries – In der HMPC-Monographienübersicht ist für Lycium barbarum keine pflanzliche Arzneimonographie ersichtlich.
  • Vidović et al. 2022, PMC – Übersichtsarbeit zu Goji-Beeren, Inhaltsstoffen, möglichen gesundheitsbezogenen Effekten und Sicherheitsaspekten; die klinische Evidenz bleibt begrenzt.
  • Shunkai et al. 2025, PubMed – umfassende Review zu chemischer Zusammensetzung, bioaktiven Verbindungen und Anwendungen von Lycium barbarum; betont zugleich offene Fragen zu Standardisierung, Bioverfügbarkeit und Sicherheit.
  • Rivera et al. 2012, PubMed – Fallbericht und Bewertung einer wahrscheinlichen Wechselwirkung zwischen Goji und Warfarin.
  • Zhang et al. 2015, PMC – Fallbericht zu Blutung unter Warfarin nach Einnahme von Goji beziehungsweise Lycium barbarum.

ANWENDUNG

Gojibeeren werden in China und anderen asiatischen Ländern traditionell als Lebensmittel und in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet. Genannt werden Anwendungen bei Altersbeschwerden, Augenproblemen, Müdigkeit, Blutzucker- und Blutdruckthemen sowie zur allgemeinen Stärkung.

Diese traditionellen Anwendungen sind nicht mit einer anerkannten europäischen medizinischen Anwendung gleichzusetzen. Für therapeutische Aussagen bei Krebs, Diabetes, Hypertonie, Augenkrankheiten oder Immunstörungen fehlen belastbare klinische Belege.

Gojibeeren sind deshalb sachlich als Lebensmittel beziehungsweise Nahrungsergänzungsmittel einzuordnen, nicht als gesichertes pflanzliches Arzneimittel.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Eine anerkannte medizinische Dosierung besteht nicht. Traditionell werden getrocknete Gojibeeren als Lebensmittel, als Absud, in Wein oder in Mischungen verwendet.

In der traditionellen chinesischen Anwendung werden häufig Mengen im Bereich von mehreren Gramm getrockneter Früchte pro Tag genannt. Diese Angaben sind jedoch nicht als gesicherte medizinische Dosierung für eine bestimmte Indikation zu verstehen.

Für den normalen Verzehr als Lebensmittel gilt: mässige Mengen sind bei gesunden Erwachsenen in der Regel unproblematisch. Nahrungsergänzungsmittel mit hohen Extraktmengen sind kritischer zu beurteilen als der gelegentliche Verzehr der getrockneten Beeren.

SICHERHEIT

Gojibeeren gelten bei üblichem Verzehr als Lebensmittel im Allgemeinen als gut verträglich. Dennoch sind Allergien möglich. Beschrieben sind Kreuzreaktionen, insbesondere bei Personen mit Sensibilisierung gegen bestimmte pflanzliche Nahrungsmittel oder Lipid-Transfer-Proteine.

Besonders wichtig sind mögliche Wechselwirkungen mit gerinnungshemmenden Arzneimitteln, insbesondere Warfarin beziehungsweise Cumarinen. Bei entsprechender Therapie sollten Gojiprodukte nur nach fachlicher Rücksprache verwendet werden.

In Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern sind hochdosierte Goji-Extrakte oder konzentrierte Nahrungsergänzungsmittel zurückhaltend zu beurteilen, da belastbare Sicherheitsdaten fehlen.

Tropanalkaloide wie Atropin kommen in Gojibeeren nach heutiger Kenntnis nicht in relevanten Mengen vor; die früher gelegentlich geäusserte Sorge einer entsprechenden Giftigkeit steht nicht im Vordergrund.

STATUS

Goji-Beeren sind in Europa vor allem als Lebensmittel beziehungsweise Nahrungsergänzungsmittel einzuordnen. Eine Einordnung als anerkanntes Phytopharmakon besteht nicht.

  • Kommission E: keine Monographie vorhanden
  • ESCOP: keine Monographie vorhanden
  • HMPC: keine Monographie vorhanden

BOCKSDORN IM GARTEN

Die Goji-Beere beziehungsweise der Gemeine Bocksdorn ist eine sehr anspruchslose Pflanze. Auch an schwierigen Standorten gedeiht sie oft zuverlässig. Günstig ist ein sonniger Standort; die Pflanze kommt aber auch mit halbschattigen Plätzen zurecht.

Die bogig überhängenden Triebe bilden schnell Wurzeln, sobald sie den Boden berühren. Der Bocksdorn kann dadurch fast lästig werden. Es empfiehlt sich, die Pflanze an einem horizontalen Gerüst zu ziehen, um den Wuchs besser zu kontrollieren.

Der Gemeine Bocksdorn gilt als sehr winterhart. In meinem Garten wächst er neben Brombeere, Sanddorn und Berberitze.

SONSTIGES

Durch die häufige Verwendung zur Dammbepflanzung und als Zierpflanze kommt der Bocksdorn vielerorts verwildert vor.

Die starke Vermarktung als sogenanntes „Superfood“ hat zu zahlreichen überzogenen Gesundheitsversprechen geführt. Sachlich handelt es sich um eine nährstoffreiche Beere mit interessanten Inhaltsstoffen, aber nicht um ein Wundermittel.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Sanddorn (Hippophae rhamnoides) – vitaminreiche Beerenfrucht mit traditioneller Nutzung als Lebensmittel.
  • Hagebutte (Rosa canina) – Frucht mit Vitamin-C-Gehalt und traditioneller Verwendung in Tees.
  • Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) – anthocyanreiche Beere mit medizinisch und ernährungsphysiologisch interessanten Inhaltsstoffen.
  • Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) – traditionell bei Harnwegsbeschwerden verwendet.
  • Berberitze (Berberis vulgaris) – rote Beerenfrucht; Wurzel und Rinde enthalten Berberin und sind gesondert zu beurteilen.

HÄUFIGE FRAGEN (FAQ)

  • Haben Gojibeeren eine anerkannte medizinische Anwendung?
    Nein. Gojibeeren haben in Europa keine anerkannte medizinische Anwendung durch Kommission E, ESCOP oder HMPC.
  • Sind Gojibeeren ein Arzneimittel?
    Gojibeeren werden vor allem als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel verwendet. Sie sind keine etablierte Arzneidroge im Sinne einer anerkannten europäischen Phytotherapie-Monographie.
  • Welche Inhaltsstoffe sind wichtig?
    Wichtige Inhaltsstoffe sind Polysaccharide, Carotinoide wie Zeaxanthin-Dipalmitat, Flavonoide, Aminosäuren, Vitamine, Mineralstoffe und Betain.
  • Sind die beworbenen Wirkungen wissenschaftlich gesichert?
    Nein. Viele Aussagen zu Anti-Aging, Immunsystem, Krebs, Augen oder antioxidativem Zellschutz sind wissenschaftlich nicht ausreichend gesichert.
  • Welche Risiken sind bei Goji bekannt?
    Relevant sind mögliche Allergien und mögliche Wechselwirkungen mit gerinnungshemmenden Arzneimitteln, insbesondere Warfarin beziehungsweise Cumarinen.

Letzte Änderung: 04.05.2026 / © W. Arnold