Labkraut – Galium verum

Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ

Das Echte Labkraut besitzt keine anerkannte medizinische Anwendung. Volksheilkundlich wird das blühende Kraut als mild harntreibendes und schweisstreibendes Mittel sowie äusserlich bei Hautproblemen verwendet. Eine klinisch gesicherte Wirksamkeit ist nicht belegt.

Galium verum L. gehört zur Familie der Rötegewächse (Rubiaceae). Die Pflanze ist unter den Namen Echtes Labkraut, Gelbes Labkraut oder Liebfrauenstroh bekannt.

VORKOMMEN

Das Echte Labkraut ist in Europa und Teilen Asiens weit verbreitet. Es wächst bevorzugt auf trockenen Wiesen, Magerweiden, Böschungen, Dämmen, Wegrändern und an sonnigen, eher nährstoffarmen Standorten. Die Pflanze ist wärmeliebend und kommt besonders auf kalkreichen Böden vor.

MERKMALE

Galium verum ist eine ausdauernde, 30–100 cm hohe Staude mit meist aufrechten, vierkantigen Stängeln. Die schmalen, linealischen Blätter stehen in Scheinquirlen. Auffällig sind die zahlreichen kleinen, goldgelben Blüten, die in dichten Rispen erscheinen und einen süsslich-honigartigen Duft entwickeln. Die Blütezeit reicht meist von Juni bis September.

DROGEN

Galii veri herba – das zur Blütezeit gesammelte und getrocknete Kraut von Galium verum.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Das Echte Labkraut enthält vor allem Iridoidglykoside, Flavonoide sowie weitere sekundäre Pflanzenstoffe.

Zu den Iridoidglykosiden gehören insbesondere Asperulosid, Monotropein, Scandosid, Deacetylasperulosidsäure, Geniposidsäure und Asperulosidsäure.

Asperulosid – Iridoidglykosid aus Labkraut

Weiterhin wurden Flavonoidglykoside nachgewiesen, darunter Quercetin-3-glucosid, Quercetin-7-glucosid, Quercetin-3,7-diglucosid sowie Luteolin-7-glucosid. Zusätzlich kommen Rutosid, Chlorogensäure und weitere phenolische Verbindungen vor.

Die Droge enthält ausserdem geringe Mengen ätherisches Öl, das den charakteristischen Blütenduft verursacht, sowie Spuren eines pflanzlichen Labenzyms, das historisch zur Milchgerinnung genutzt wurde. Weitere Bestandteile sind n-Alkane und andere Begleitstoffe.

PHARMAKOLOGIE

Pharmakologische Untersuchungen zu Galium verum betreffen vor allem antioxidative, antimikrobielle, entzündungsmodulierende und zellbiologische Effekte in experimentellen Modellen. Diese Daten zeigen eine gewisse biologische Aktivität einzelner Extrakte oder Inhaltsstoffgruppen, lassen sich aber nicht direkt auf eine gesicherte therapeutische Wirkung beim Menschen übertragen.

Die volksheilkundlich angenommene harntreibende Wirkung ist pharmakologisch nur unzureichend belegt. Sie wird vor allem aus traditioneller Anwendung und aus der allgemeinen Bewertung phenolischer und flavonoidhaltiger Pflanzen abgeleitet.

EVIDENZ

Die Evidenz zu Galium verum beruht überwiegend auf traditioneller Anwendung, phytochemischen Untersuchungen und präklinischen Daten. Moderne klinische Studien, die eine medizinische Wirksamkeit beim Menschen belegen, fehlen. Aussagen zu harntreibenden, entzündungshemmenden oder hautbezogenen Wirkungen bleiben daher traditionell bzw. experimentell begründet.

  • PubMed – phytochemische Untersuchung und antioxidative Aktivität ausgewählter Galium-Arten, darunter Galium verum.
  • PubMed – Review zu phytochemischen und pharmakologischen Untersuchungen von Galium verum.

Zusammenfassend besteht keine klinisch gesicherte Evidenz für eine anerkannte medizinische Anwendung. Die volksheilkundliche Nutzung ist historisch nachvollziehbar, therapeutisch aber nicht ausreichend belegt.

ANWENDUNG

Volksheilkundlich wird Labkraut innerlich als mildes Diuretikum und schweisstreibendes Mittel verwendet. Äusserlich wurde das Kraut traditionell bei kleineren Hautproblemen eingesetzt. Diese Anwendungen sind nicht durch ausreichende klinische Studien abgesichert.

Bei Harnwegsbeschwerden, Fieber, anhaltenden Hautveränderungen, Schwellungen, Schmerzen oder Blut im Urin ist eine medizinische Abklärung erforderlich.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Volksheilkundlich wird ein Tee aus dem getrockneten Kraut bereitet. Üblich sind etwa 1–2 Teelöffel getrocknetes Kraut auf 150–250 ml heisses Wasser, zugedeckt 5–10 Minuten ziehen lassen und anschliessend abseihen.

Eine standardisierte, behördlich anerkannte Dosierung liegt nicht vor. Die Anwendung sollte zeitlich begrenzt bleiben und bei unklaren oder anhaltenden Beschwerden nicht die medizinische Abklärung ersetzen.

SICHERHEIT

Für die übliche volksheilkundliche Anwendung sind keine spezifischen schweren Risiken gut dokumentiert. Wegen fehlender klinischer Sicherheitsdaten sollten Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder sowie schwere Nieren- oder Herzerkrankungen als Vorsichtsbereiche gelten.

Bei bekannter Allergie gegen Pflanzen aus der Familie der Rötegewächse (Rubiaceae) ist Vorsicht angezeigt. Bei gleichzeitiger Einnahme von entwässernden Arzneimitteln oder bei bestehenden Nieren- und Herzproblemen sollte Labkraut nicht ohne fachliche Rücksprache verwendet werden.

STATUS

  • Kommission E: keine Monographie vorhanden
  • ESCOP: keine Monographie vorhanden
  • HMPC: keine Monographie vorhanden

GARTEN

Labkraut ist eine pflegeleichte, trockenheitsverträgliche Wildstaude für naturnahe, sonnige Standorte. Es eignet sich für Magerwiesen, Wildpflanzen- und Insektengärten. Die gelben Blüten werden von verschiedenen Insekten besucht und setzen in naturnahen Pflanzungen einen auffälligen Farbakzent.

SONSTIGES

Der Name Labkraut verweist auf die historische Verwendung bei der Käseherstellung. Pflanzliche Inhaltsstoffe wurden traditionell zum Gerinnen von Milch genutzt. Die gelben Blüten dienten ausserdem früher zum Färben.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Brennnessel (Urtica dioica) – traditionell bei Durchspülungstherapien verwendet.
  • Birke (Betula pendula) – Blätter traditionell als mild harntreibende Droge genutzt.
  • Goldrute (Solidago virgaurea) – besser etablierte Arzneipflanze bei leichten Harnwegsbeschwerden.

FAQ

  • Hat Labkraut eine medizinisch belegte Wirkung?
    Nein. Für Galium verum fehlen klinische Studien, die eine medizinische Wirksamkeit beim Menschen ausreichend belegen.
  • Wofür wird Echtes Labkraut traditionell verwendet?
    Traditionell wird das Kraut als mild harntreibendes Mittel sowie äusserlich bei Hautproblemen verwendet. Diese Anwendungen sind nicht klinisch gesichert.
  • Gibt es eine HMPC-Monographie zu Labkraut?
    Nein. Für Galium verum ist keine HMPC-Monographie vorhanden.
  • Ist Labkraut sicher?
    Für die übliche volksheilkundliche Anwendung sind keine spezifischen schweren Risiken gut dokumentiert. Wegen fehlender klinischer Sicherheitsdaten ist Vorsicht bei Schwangerschaft, Stillzeit, Kindern sowie schweren Nieren- oder Herzerkrankungen sinnvoll.

Letzte Änderung: 02.05.2026 / © W. Arnold