Gemeines Schneeglöckchen – Galanthus nivalis

Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Anwendung | Zubereitung | Evidenz | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ


Das Schneeglöckchen hat keine anerkannte medizinische Anwendung.
Die Droge wird heute wegen des stark schwankenden Inhaltsstoffspektrums nicht mehr verwendet.
Lediglich isoliertes Galanthamin wird therapeutisch zur symptomatischen Behandlung der Alzheimer-Demenz eingesetzt.

Gemeines Schneeglöckchen (syn. Kleines Schneeglöckchen, Lausblume, Lausbüschel, Schneeguckerchen, Schneekater).

Schneeglöckchen (Galanthus nivalis)

Gemeines Schneeglöckchen (Galanthus nivalis)

Schneeglöckchen mit Blüte

VORKOMMEN

Das Kleine Schneeglöckchen kommt in Frankreich, Italien, auf dem Balkan, in Österreich und der Schweiz, in Südwestdeutschland, in Südpolen und in der Westukraine in Laubwäldern in Höhenlagen von meist 300 bis 600 Metern vor. Es wächst bevorzugt auf kalkhaltigen Böden. Im nördlichen Mitteleuropa und in Nordamerika wurde die Art eingebürgert. Das Schneeglöckchen ist zudem eine beliebte Gartenpflanze.

MERKMALE

Das Schneeglöckchen ist 10–20 cm hoch und einblütig. Die Blätter sind lineal, fleischig, bläulichgrün und bis 10 mm breit. Die Blüte ist nickend und sitzt an einem dünnen Stiel; sie wird von der den Stängel verlängernden Spatha meist überragt. Die Pflanze besitzt 6 Perigonblätter, davon sind die 3 äusseren rein weiss, ± abstehend und etwa 2 cm lang. Die 3 inneren Perigonblätter sind etwa halb so lang, zusammenneigend, ausgerandet und mit einem gewinkelten grünen Fleck versehen. Es sind 6 Staubblätter vorhanden. Die Frucht ist eine fleischige, dreifächerige, undeutlich dreikantige, mehrsamige Kapsel.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Galanthi bulbus – Schneeglöckchenzwiebel.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Alkaloide:
In allen Teilen der Pflanze kommen Amaryllidaceen-Alkaloide vor, und zwar vom Crinin-Typ (Haemanthamin), vom Galanthamin-Typ (Galanthamin, Narwedin und Nivalidin), vom Lycorenin-Typ (Hippeastrin, Magnarcin, Masonin und Nivalin), vom Lycorin-Typ (Galanthin, Lycorin und Nartazin), vom Narciclasin-Typ (Narciclasin) und vom Pretazettin-Typ (Tazettin).

Der Alkaloidgehalt wird, bezogen auf das Trockengewicht, für die unterirdischen Teile mit bis zu 1,6 % angegeben. Alkaloidgehalt und Mengenverhältnisse der einzelnen Alkaloide zueinander werden stark vom Chemotyp sowie von Boden- und Klimafaktoren bestimmt.

Im Weiteren wurden an D-Mannose gebundene Lectine gefunden.

Galanthamin und Lycorin – Inhaltsstoffe des Schneeglöckchens

PHARMAKOLOGIE

Pharmakologische Untersuchungen sind nur zur Wirkung der aus der Droge isolierten Alkaloide, vor allem zu Galanthamin, nicht jedoch zur Droge selbst bekannt. Beim Galanthamin handelt es sich um einen selektiven, kompetitiven und reversiblen Cholinesterasehemmer, der zur Behandlung der Demenz vom Alzheimer-Typ angewendet wird. Galanthamin führt durch einen zweifachen Wirkmechanismus (1. Modulation nikotinerger Acetylcholin-Rezeptoren und 2. Hemmung der Acetylcholinesterase) zu einer Erhöhung der Acetylcholinkonzentration im synaptischen Spalt.

Bei Demenz kann Galanthamin Merkfähigkeit, Orientierungsvermögen und Konzentration verbessern. Es ist jedoch zu beachten, dass Galanthamin das Absterben von Nervenzellen nicht aufhalten kann; verbessert werden kann vor allem die Funktion noch verbliebener Zellen.

ANWENDUNG

Die Droge wird heute wegen des stark schwankenden Inhaltsstoffspektrums nicht mehr verwendet. Lediglich isoliertes Galanthamin wird therapeutisch zur symptomatischen Behandlung der Alzheimer-Demenz eingesetzt.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Keine Anwendung der Droge.
Die Droge dient ausschliesslich zur Gewinnung von Galanthamin.

EVIDENZ

Für Galanthus nivalis beziehungsweise die Droge Galanthi bulbus besteht keine anerkannte medizinische Anwendung. Weder durch die Kommission E noch durch ESCOP oder den HMPC wurden Monographien zur Droge erstellt. Eine therapeutische Verwendung der Pflanze selbst wird aufgrund der stark variierenden Alkaloidgehalte sowie der bestehenden Toxizität nicht empfohlen.

Die pharmakologische und klinische Bedeutung der Pflanze beruht ausschliesslich auf dem isolierten Alkaloid Galanthamin. Für diesen definierten Wirkstoff liegen klinische Daten zur symptomatischen Behandlung der Alzheimer-Demenz vor. Systematische Reviews und randomisierte kontrollierte Studien zeigen konsistente, jedoch moderat ausgeprägte Effekte auf kognitive Funktionen und Alltagskompetenz bei leichter bis mittelschwerer Erkrankung.

Zusammenfassend besteht Evidenz ausschliesslich für den isolierten Wirkstoff Galanthamin. Für die Droge Galanthi bulbus selbst liegt keine ausreichende klinische Evidenz und keine anerkannte medizinische Verwendung vor.

STATUS

  • Kommission E: – keine Bearbeitung
  • ESCOP: – keine Monographie
  • HMPC: – keine Monographie

SCHNEEGLÖCKCHEN IM GARTEN

Das Schneeglöckchen bevorzugt einen lehmig-humosen Boden, der auch im Sommer nicht austrocknet. Als Standort bevorzugt Galanthus nivalis den Halbschatten. Es fühlt sich am Gehölzrand (keine Nadelhölzer) sowie zwischen Sträuchern, neben Maiglöckchen, Lungenkraut und Bärlauch wohl.

Wer die Pflanze im Garten haben möchte, sollte die Zwiebeln Ende September in die Erde setzen. Schneeglöckchen sind giftig und geschützt, das heisst, sie dürfen nicht an Wildstandorten ausgegraben werden. Einmal gepflanzt, können sie jedes Jahr durch ihre frühe Blüte erfreuen; im Gegensatz zu vielen anderen Pflanzen braucht die Zwiebelpflanze nur wenig Pflege.

Schneeglöckchen säen sich selbst aus und bilden Tochterzwiebeln, sie vermehren sich somit selbstständig. Man kann auch den Horst direkt nach der Blüte teilen und an eine andere Stelle im Garten pflanzen.

Schneeglöckchen-Pflanze

SONSTIGES

Der botanische Name Galanthus ist wohl abgeleitet aus den griechischen Wörtern gála für Milch und ánthos für Blüte. Der deutsche Name „Schneeglöckchen“ bezieht sich auf die frühe Blütezeit der Pflanze, manchmal noch bei Schnee.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

FAQ

  • Hat das Schneeglöckchen eine anerkannte medizinische Anwendung?
    Nein. Für die Droge des Gemeinen Schneeglöckchens besteht keine anerkannte medizinische Anwendung.
  • Warum ist Galanthus nivalis pharmakologisch trotzdem bedeutsam?
    Die Pflanze enthält Amaryllidaceen-Alkaloide, insbesondere Galanthamin. Dieser isolierte Wirkstoff wird therapeutisch zur symptomatischen Behandlung der Alzheimer-Demenz eingesetzt.
  • Ist das Schneeglöckchen giftig?
    Ja. Das Schneeglöckchen ist eine Giftpflanze. Besonders die Zwiebeln enthalten relevante Alkaloide.
  • Wird die Droge heute noch verwendet?
    Nein. Die Droge wird heute wegen des stark schwankenden Inhaltsstoffspektrums und der Toxizität nicht mehr therapeutisch verwendet.

Letzte Änderung: 29.03.2026 / © W. Arnold