Chinarindenbaum - Cinchona pubescens

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Chinarinde ist eine klassische Bitterdroge mit den Alkaloiden Chinin und Chinidin. Traditionell wird sie bei Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden eingesetzt. Historisch war Chinin für die Malariatherapie von grosser Bedeutung.

Cinchona pubescens Vahl (syn. Cinchona succirubra).

Roter Chinarindenbaum mit dicht belaubter Krone

Getrocknete Chinarinde als Arzneidroge

VORKOMMEN

Die Heimat des Roten Chinarindenbaumes liegt in den Andenregionen von Peru, Ecuador und angrenzenden Gebieten. Später wurde die Art in tropischen Regionen kultiviert, insbesondere in Indonesien, Indien, Sri Lanka, Afrika und Südamerika.

MERKMALE

Der Chinarindenbaum ist ein mittelgrosser Baum von etwa 5 bis 15 m Höhe. Die Blätter stehen gegenständig, sind ganzrandig und eiförmig. Die kleinen Blüten stehen in endständigen, rispigen Blütenständen und sind weisslich bis rosa gefärbt.

DROGEN

Cinchonae cortex; Chinarinde, die getrocknete Stamm- oder Astrinde verschiedener Cinchona-Arten.

WIRKSTOFFE

Wesentliche Inhaltsstoffe sind Chinolin-Alkaloide: Chinin, Chinidin, Cinchonin und Cinchonidin. Daneben Bitterstoffe, Gerbstoffe und organische Säuren.

Strukturformeln wichtiger Alkaloide der Chinarinde

PHARMAKOLOGIE

Die Bitterstoffe regen reflektorisch Speichel- und Magensaftsekretion an und erklären die traditionelle Anwendung bei Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden.

Chinin besitzt antimalarische Eigenschaften und war historisch ein Schlüsselwirkstoff gegen Malaria. Chinidin wurde als Antiarrhythmikum verwendet.

EVIDENZ

Die Evidenz für Chinarinde als Bitterdroge bei Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden ist überwiegend traditionell und pharmakologisch plausibel. Moderne hochwertige klinische Studien zur gesamten Droge sind begrenzt.

Für isoliertes Chinin besteht eine sehr gut belegte historische und pharmakologische Bedeutung in der Malariatherapie. Dies ist jedoch von der heutigen Anwendung der gesamten Chinarinde zu trennen.

  • PubMed – Übersicht zur Geschichte von Chinin und Malaria.
  • PMC – Historische und pharmakologische Übersicht zu Cinchona und Chinin.

ANWENDUNG

Anerkannte traditionelle Anwendung: Appetitlosigkeit sowie dyspeptische Beschwerden wie Blähungen und Völlegefühl.

Reinstoffe wie Chinin und Chinidin sind eigenständige Arzneistoffe und nicht mit der heutigen Anwendung der Droge gleichzusetzen.

Volkstümlich wurde Chinarinde auch bei Fieber, Muskelkrämpfen, grippalen Infekten und anderen Beschwerden verwendet. Für diese Anwendungen besteht keine ausreichende moderne Evidenz.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Die Dosierung richtet sich nach der jeweiligen Zubereitung. Traditionell werden bittere Flüssigextrakte, Pulver oder Teeansätze verwendet.

SICHERHEIT

Chinarinde kann wegen ihrer Alkaloide unerwünschte Wirkungen verursachen. Möglich sind Übelkeit, Magenbeschwerden, Überempfindlichkeitsreaktionen und selten Blutbildveränderungen.

Nicht anwenden bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Chinin oder Chinidin. In der Schwangerschaft nur nach ärztlicher Abklärung.

STATUS

  • Kommission E: positive Bewertung
  • ESCOP: keine Monographie vorhanden
  • HMPC: keine Monographie vorhanden

GARTEN

Der Chinarindenbaum ist eine tropische Art und in Mitteleuropa nur im Gewächshaus oder Wintergarten kultivierbar. Er benötigt Wärme, hohe Luftfeuchtigkeit und frostfreie Bedingungen.

SONSTIGES

Der Name Chinarinde steht nicht mit dem Staat China in Verbindung, sondern geht auf südamerikanische Bezeichnungen für Rinde zurück.

Die Entdeckung der fiebersenkenden und antimalarischen Wirkung machte Cinchona weltweit berühmt.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Enzian (Gentiana lutea) – klassische Bitterdroge bei Appetitlosigkeit.
  • Wermut (Artemisia absinthium) – Bittermittel bei dyspeptischen Beschwerden.
  • Fieberklee (Menyanthes trifoliata) – Bitterdroge mit traditioneller Anwendung.

FAQ

  • Wofür wird Chinarinde verwendet?
    Traditionell bei Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden.
  • Welche Stoffe sind wichtig?
    Vor allem Chinin, Chinidin, Cinchonin und Cinchonidin.
  • Ist Chinarinde gleich Chinin?
    Nein. Chinin ist ein isolierter Einzelwirkstoff aus Chinarinde.
  • Gibt es Risiken?
    Ja, wegen der Alkaloide sind Nebenwirkungen und Überempfindlichkeitsreaktionen möglich.
  • Gibt es eine HMPC-Monographie?
    Derzeit keine HMPC-Monographie für Chinarinde.

Letzte Änderung: 25.04.2026 / © W. Arnold