Roter Chinarindenbaum - Cinchona pubescens

Cinchona pubescens Vahl (syn. Cinchona cordifolia, C. succirubra, C. tucuyensis)


Von Forest & Kim Starr, CC BY 3.0, Link


Von H. Zell - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

VORKOMMEN

Die Heimat des Roten Chinarindenbaumes ist das nördliche Peru, das westliche Ecuador, bis Mittelamerika (Costa Rica). Am Chimborazo ist die Pflanze besonders verbreitet. Kultiviert werden Chinarindenbäume besonders in Indonesien (Java), Indien, Sri Lanka, Afrika, Südamerika und Russland. Hauptproduzenten sind Indonesien und Zaire.

MERKMALE

Der Rote Chinarindenbaum ist ein mittelgrosser, 5 bis 15 m hoher Baum mit rundlicher, dichtlaubiger Krone. Sein Stammdurchmesser beträgt 15 bis 30 cm. Die Äste rechtwinkelig abstehend, junge Zweige sind meist behaart. Die grossen eiförmigen Blätter sind ganzrandig und stehen gegenständig an den Zweigen. Der Blütenstand ist rispig, bis 35 cm lang und endständig angeordnet. Die Rispen bestehen aus einer hellrosa, seidig behaarten Kronröhre mit 5 abstehenden, behaarten Lappen (pubescens = behaart), umgeben von einem ebenfalls behaarten Kelch. Die Frucht ist eine Kapsel mit geflügelten Samen.

Die Gliederung der Gattung Cinchona L. ist sehr schwierig. Nach den Angaben in den neueren Flora schwankt die Zahl der Arten zwischen 40 und 50. In neuerer Literatur werden folgende Arten berücksichtigt: Cinchona officinalis L. und Cinchona pubescens VAHL. Als eigenständige Arten sind ausserdem zu berücksichtigen: Cinchona micrantha Rutz et PAVON und Cinchona pitayensis WEDD. Chinarinden werden heute nur noch von Kulturen geerntet. Plantagenpflanzen sind mit dem Ziel eines optimalen Arzneistoffprofils gezüchtet durch Selektion und/oder Kreuzungen.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Cinchonae cortex (syn. Chinae cortex, Cinchona, Cortex Chinae, Cortex Cinchonae); Rote Chinarinde (syn. Fieberrinde, Apothekerrinde), die getrocknete Rinde.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Alkaloide
Etwa 5 bis 15 % Gesamtalkaloide sind enthalten. Der überwiegende Teil der Alkaloide ist an organische Säuren oder Gerbstoffe gebunden. Die absoluten und relativen Mengen der vier Hauptalkaloide schwanken in der Droge. Stammrinde enthält einen wesentlich höheren Anteil an Chinin als Ast- oder Wurzelrinde. Chinin 0,8 bis 4 %, Chinidin 0,02 bis 0,4 %, Cinchonin 1,5 bis 3 %, Cinchonidin 1,5 bis 5 %.

Alkaloide der Chinarinde

Chinidin ist ein Diastereomer des Chinins und weist eine (8R,9S)-Konfiguration auf (Chinin besitzt (8S,9R)-Konfiguration). Die Konfiguration am Kohlenstoffatom, an das die Vinylgruppe gebunden ist, ist bei diesen beiden chiralen Verbindungen gleich. In gleicher Weise sind (–)-Cinchonidin und das Isomer (+)-Cinchonin zu betrachten.

Bitterstoffe
Gemisch von Triterpensäuremonoglykosiden: Chinovasäure-3-chinovosid ca. 60 %, Chinovasäure-3-glucosid ca. 30 %, Cincholsäure-3-chinovosid ca. 5 %.

Chinovasäure - Bitterstoff aus Chinarinde

Säuren
Chinasäure, Kaffeesäure (keine Mengenangaben gefunden).

Gerbstoffe
Bis zu 8% Catechingerbstoffe und entsprechende Vorstufen, die sogenannten Cinchonaine.
Von den Cinchonainen gibt es es zwei Gruppen:

  • Phenylpropansubstituierte Epicatechine (Cinchonain la bis Id)
  • Phenylpropansubstituierte dimere Proanthocyanidine (Cinchonain Ila und 11b).

PHARMAKOLOGIE

Die Anwendungen bei Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden wie Blähungen und Völlegefühl sind aufgrund der in der Chinarinde enthaltenen Bitterstoffe, des Alkaloids Chinin und der Triterpensäureglykoside, plausibel.

Der Reinstoff Chinin erlebte in der Malariatherapie eine Renaissance. Für die p. o. Verabreichung wird vor allem das Chininsulfat, für die i. v. Applikation das bessere lösliche Chinindihydrochlorid eingesetzt. Chinin wird insbesondere zur Therapie chloroquin- oder multires. Plasmodium falciparum-Infektionen (= Malaria tropica) eingesetzt.

Chinidin gilt als das erste wirksame Antiarrhythmikum. Seine Wirkung gegen Arrhythmien konnte 1918 durch Maximilian Rupert Franz von Frey (1852–1932) nachgewiesen werden. Er belegte die Wirksamkeit bei Vorhofflimmern.

ANWENDUNG

Gemäss Kommission E:

Anwendungsgebiete
Appetitlosigkeit; dyspeptische Beschwerden wie Blähungen und Völlegefühl.

Gegenanzeigen
Schwangerschaft, Überempfindlichkeit gegen Cinchona-Alkaloide wie Chinin oder Chinidin.

Nebenwirkungen
Gelegentlich können nach Einnahme von chininhaltigen Arzneimitteln Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hautallergien oder Fieber auftreten. In seltenen Fällen ist eine erhöhte Blutungsneigung durch Verminderung der Blutplättchen zu beobachten (Thrombowtopenie), in diesen Fällen ist sofort ein Arzt aufzusuchen.
Hinweis: Eine Sensibilisierung gegen Chinin oder Chinidin ist möglich.

Wechselwirkungen mit anderen Mitteln
Bei gleichzeitiger Gabe Wirkungsverstärkung von Antikoagulantien.

Dosierung
Soweit nicht anders verordnet: Tagesdosis: 1 bis 3 g Droge, 0,6 bis 3 g Chinafluidextrakt mit 4 bis 5 % Gesamtalkaloiden, 0,15 bis 0,6 g Chinaextrakt mit 15 bis 20 % Gesamtalkaloiden, Zubereitungen mit entsprechendem Bitterwert.

Art der Anwendung
Zerkleinerte Droge sowie andere, bitterschmeckende galenische Zubereitungen zum Einnehmen.

Wirkungen
Förderung der Magensaft- und Speichelsekretion.

Volkstümliche Anwendungen und andere Anwendungsgebiete

Chinarinde wird bei grippalen Infekten, Malaria, Milzvergrösserung, Muskelkrämpfen, Muskelschmerzen, Appetitlosigkeit, auch bei Krebsleiden, und vor allem bei Magenbeschwerden eingesetzt. China-Puder wird äusserlich bei Hautverletzungen und Geschwüren angewandt. Die Wirksamkeit bei den genannten Anwendungsgebieten ist gegenwärtig nicht belegt.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Siehe oben -> ANWENDUNG

STATUS

HOMÖOPATHIE

Cinchona succirubra HAB1, die getrocknete Rinde jüngerer Stämme und älterer Zweige.
Anwendungsgebiete: Unter anderem Fieberanfälle, Entzündungen der Atemwege, akute Durchfälle, Verdauungsschwäche, Gallenkoliken, allgemeine Entkräftung.

SONSTIGES

Der Gattungsname Cinchona soll von der Gräfin von Chinchon, der spanischen Vizekönigin, abstammen. Aus quina, der Bezeichnung der südamerikanischen Indianer für Rinde, ist die Bezeichnung Chinarinde abgeleitet. Der Name Chinarinde steht in keinem Zusammenhang mit dem Land China. Zunächst fiel die Chinarinde durch ihren bitteren Geschmack auf. Die Entdeckung der Wirkung der Droge erfolgte nach der Eroberung Südamerikas durch die Europäer.

Letzte Änderung: 03.01.2019 / © W. Arnold