Silberdistel - Carlina acaulis
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Die Silberdistel besitzt keine anerkannte medizinische Anwendung. Die Wurzel wurde traditionell volksmedizinisch verwendet, ist aber klinisch nur unzureichend untersucht. Das ätherische Öl der Wurzel enthält Carlinaoxid, das pharmakologisch interessant, zugleich aber toxikologisch relevant ist.
Carlina acaulis (syn. Carlina alpina, C. caulescens, C. chamaeleon, C. grandiflora, C. subacaulis);
Silberdistel (syn. Jägerdistel, Stengellose Eberwurz, Wetterdistel).

VORKOMMEN
Die Silberdistel ist in grossen Teilen Europas verbreitet, von Süd- und Mitteleuropa bis in östlichere Regionen. Sie wächst bevorzugt auf mageren, sonnigen und meist kalkhaltigen Böden, in Wiesen, Weiden und lichten Berglagen. In den Alpen steigt sie bis in höhere Lagen auf.
MERKMALE
Die Silberdistel ist eine ausdauernde, niedrig wachsende Pflanze aus der Familie der Korbblütler. Der Stängel bleibt sehr kurz, sodass die grossen Blütenköpfe oft unmittelbar über der Blattrosette erscheinen. Charakteristisch sind die tief fiederschnittigen, stacheligen Blätter und die silbrig glänzenden inneren Hüllblätter, die der Pflanze ihren deutschen Namen geben. Die Blüten sind röhrenförmig und weisslich bis purpurbräunlich.
DROGEN
Carlinae radix (syn. Radix Carlinae);
Eberwurzel, die getrocknete Wurzel von Carlina acaulis. Traditionell wurde sie vor allem in der Volksmedizin verwendet.
WIRKSTOFFE
Die Wurzel ist phytochemisch weniger gut untersucht als viele etablierte Arzneidrogen. Beschrieben sind vor allem Inulin, Gerbstoffe und ein ätherisches Öl, dessen Hauptbestandteil häufig Carlinaoxid ist. Dieses Polyacetylen gilt als charakteristische Leitsubstanz der Wurzel. Daneben wurden weitere Begleitstoffe beschrieben.

PHARMAKOLOGIE
Carlinaoxid zeigt in experimentellen Untersuchungen antimikrobielle und weitere biologische Aktivitäten. Pharmakologisch ist die Pflanze deshalb interessant, besonders im Zusammenhang mit dem ätherischen Öl der Wurzel. Gleichzeitig weisen neuere Untersuchungen darauf hin, dass Carlinaoxid toxikologisch relevant sein kann. Eine pharmakologische Plausibilität einzelner Effekte ist daher vorhanden, reicht aber nicht aus, um eine heutige medizinische Standardanwendung zu begründen.
EVIDENZ
Die Evidenz beruht vor allem auf traditioneller volksmedizinischer Anwendung und auf neueren experimentellen Daten zu antimikrobiellen sowie weiteren biologischen Effekten von Carlinaoxid und Wurzelextrakten. Klinische Studien zur therapeutischen Anwendung beim Menschen fehlen weitgehend. Die heutige Einordnung ist deshalb zurückhaltend: traditionelle Nutzung und pharmakologische Plausibilität sind vorhanden, belastbare klinische Evidenz fehlt, und toxikologische Bedenken begrenzen eine therapeutische Nutzung zusätzlich.
- Strzemski et al. (2019) – kritische Übersicht zu historischen und traditionellen Anwendungen von Carlina acaulis.
- Stojanović-Radić et al. (2012) – Untersuchung von Carlinae radix zu botanischer Identität, chemischer Zusammensetzung und antimikrobiellen Eigenschaften.
- Wnorowski et al. (2020) – experimentelle Arbeit zur Toxizität von Carlinaoxid.
- PMC-Volltext: Wnorowski et al. (2020) – frei zugänglicher Volltext zur toxikologischen Bewertung von Carlinaoxid.
ANWENDUNG
Die Silberdistelwurzel wurde traditionell in der Volksmedizin in unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet, unter anderem als schweiss- und harntreibendes Mittel sowie äusserlich bei Haut- und Wundproblemen. Solche Anwendungen sind historisch belegt, aber klinisch nicht hinreichend abgesichert. Moderne anerkannte Anwendungsgebiete bestehen nicht.
Einzelne experimentelle Arbeiten zu antimikrobiellen oder zytotoxischen Effekten dürfen nicht mit einer klinisch belegten therapeutischen Wirksamkeit gleichgesetzt werden. Aussagen zu schweren Erkrankungen, insbesondere Krebs, sind mit der vorhandenen Evidenz nicht belastbar und sollten nicht als Anwendung dargestellt werden.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Historisch wurde die Wurzel als Abkochung oder Tinktur verwendet. Für eine heutige Selbstmedikation ist die Silberdistelwurzel jedoch nicht zu empfehlen, da klinische Daten fehlen und toxikologische Bedenken bestehen. Eine verlässliche, moderne Dosierung für eine therapeutische Anwendung lässt sich daraus nicht ableiten.
SICHERHEIT
Besondere Vorsicht ist wegen des ätherischen Öls und seines Hauptbestandteils Carlinaoxid geboten. Experimentelle Untersuchungen zeigen, dass Carlinaoxid toxische Effekte entfalten kann. Für die praktische Anwendung bedeutet dies, dass Nutzen und Risiken ungünstig erscheinen, zumal klinische Sicherheitsdaten fehlen.
Von einer innerlichen Selbstmedikation ist deshalb abzuraten. Auch in Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kindern ist eine Anwendung nicht zu empfehlen. Bei traditionellen Zubereitungen sind Verträglichkeit und Wirkstoffgehalt zusätzlich unzureichend standardisiert.
STATUS
- Kommission E: keine Monographie vorhanden
- ESCOP: keine Monographie vorhanden
- HMPC: keine Monographie vorhanden
GARTEN
Die Silberdistel ist eine typische Pflanze sonniger, magerer und eher kalkreicher Standorte. Im Garten benötigt sie einen sehr gut drainierten, eher nährstoffarmen Boden und möglichst viel Sonne. Für üppige, feuchte und stark gedüngte Beete ist sie ungeeignet. Als markante Wildstaude eignet sie sich eher für naturnahe, trockene Steingarten- oder Alpinstandorte als für klassische Kräuterbeete.
SONSTIGES
Die glänzenden, silbrig wirkenden Hüllblätter gaben der Pflanze ihren Namen. Historisch wurde die Wurzel in Kräuterbüchern breit beschrieben, was die frühere Bedeutung der Droge widerspiegelt. Heute ist die Silberdistel vor allem botanisch, kulturhistorisch und pharmakognostisch interessant, weniger als zeitgemässe Arzneipflanze.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Enzian (Gentiana lutea) – ebenfalls eine traditionelle Wurzeldroge, heute jedoch deutlich besser regulatorisch eingeordnet.
- Schafgarbe (Achillea millefolium) – traditionelle europäische Heilpflanze mit breiterer volksmedizinischer Nutzung und besserer Einordnung.
- Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) – Wurzeldroge mit modernerer phytotherapeutischer Bedeutung als die Silberdistel.
FAQ
- Hat die Silberdistel eine anerkannte medizinische Anwendung?
Nein. Für Carlina acaulis beziehungsweise Carlinae radix besteht heute keine anerkannte medizinische Standardanwendung. - Welcher Inhaltsstoff ist besonders wichtig?
Besonders charakteristisch ist Carlinaoxid, ein Hauptbestandteil des ätherischen Öls der Wurzel. - Warum ist die Silberdistel problematisch?
Carlinaoxid zeigt zwar biologische Aktivität, wird aber zugleich als toxikologisch relevant beschrieben. - Ist die Silberdistel für die Selbstmedikation geeignet?
Nein. Wegen fehlender klinischer Absicherung und toxikologischer Bedenken ist die Wurzel für die heutige Selbstmedikation nicht zu empfehlen.
Letzte Änderung: 21.04.2026 / © W. Arnold



