Paprika, Cayennepfeffer - Capsicum annuum
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Die arzneilich anerkannte Hauptanwendung betrifft standardisierte äusserliche Zubereitungen aus Capsici fructus zur Linderung von Muskelschmerzen, insbesondere im Bereich des unteren Rückens. Typische unerwünschte Wirkungen sind lokales Brennen, Wärmegefühl und Hautrötung.
Capsicum annuum (syn. Capsicum longum);
Paprika (syn. Cayennepfeffer, Spanischer Pfeffer, Gemeiner Paprika, Türkischer Pfeffer, Indischer Pfeffer).


VORKOMMEN
Die ursprüngliche Heimat von Capsicum annuum liegt wahrscheinlich in Mexiko. Bereits vor der europäischen Entdeckung Amerikas war die Art in einem grösseren Gebiet von Mittelamerika bis in den Süden der heutigen USA verbreitet. Heute wird Paprika weltweit in zahlreichen Kulturformen als Gemüse-, Gewürz- und Arzneipflanze angebaut.
MERKMALE
Capsicum annuum ist eine einjährige bis kurzlebig ausdauernde Kulturpflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse. Je nach Sorte wächst sie krautig bis schwach verholzend und erreicht meist 40 bis 150 cm Höhe. Die Blätter sind ganzrandig, eiförmig bis lanzettlich und nach vorn zugespitzt. Die weissen Blüten stehen meist einzeln in den Verzweigungen der Sprosse. Die Früchte sind botanisch Beeren und kommen in sehr unterschiedlicher Form, Grösse, Farbe und Schärfe vor.
DROGEN
Capsici fructus (syn. Capsici annui fructus);
Cayennepfeffer, die reifen, getrockneten Früchte scharfer Sorten von Capsicum annuum beziehungsweise nah verwandter Capsicum-Arten. Arzneilich verwendet werden vor allem standardisierte Zubereitungen mit definiertem Gehalt an Capsaicinoiden für die äusserliche Anwendung.
WIRKSTOFFE
Die charakteristischen Scharfstoffe sind Capsaicinoide, insbesondere Capsaicin und Dihydrocapsaicin. Ihr Gehalt variiert stark je nach Sorte, Herkunft und Verarbeitung. Gemüsepaprika enthält nur sehr geringe Mengen, während Cayenne-Typen deutlich schärfer sind. Daneben enthalten die Früchte unter anderem Carotinoide, Flavonoide, fettes Öl in den Samen sowie Vitamin C.

PHARMAKOLOGIE
Capsaicinoide aktivieren vor allem den TRPV1-Rezeptor an sensiblen Nervenendigungen. Zunächst entstehen Brennen und Reizung, bei wiederholter oder ausreichend starker lokaler Exposition kommt es jedoch zu einer funktionellen Desensibilisierung nozizeptiver Fasern. Dadurch kann die Schmerzempfindung in dem behandelten Gebiet abnehmen.
Die klinisch relevante pharmakologische Wirkung beruht somit nicht auf einer allgemeinen „Wärmesalbe“-Wirkung allein, sondern auf einer neurogenen Reiz- und anschliessenden Desensibilisierungsreaktion. Lokal können Rötung, Wärmegefühl und Brennen auftreten; systemische Effekte sind bei sachgerechter äusserlicher Anwendung in der Regel von untergeordneter Bedeutung.
EVIDENZ
Die Evidenz für Capsici fructus stützt sich auf eine langjährige arzneiliche Anwendung und auf eine plausible, gut untersuchte Pharmakologie der Capsaicinoide. Für standardisierte äusserliche Zubereitungen ist die klinische Evidenz bei chronischen Schmerzen insgesamt vorhanden, aber je nach Indikation und Präparat heterogen. Für die HMPC-Hauptlinie ist vor allem die Linderung von Muskelschmerzen, etwa bei Rückenschmerzen, regulatorisch abgestützt.
- EMA / HMPC: Capsici fructus – regulatorische Zusammenfassung mit anerkannter Anwendung zur Linderung von Muskelschmerzen.
- EMA / HMPC: European Union herbal monograph on Capsici fructus – EU-Monographie mit well-established use für Muskelbeschwerden.
- Mason et al. (2004), systematic review – systematische Auswertung topischer Capsaicin-Präparate bei chronischen neuropathischen und muskuloskelettalen Schmerzen.
- PMC-Volltext: Mason et al. (2004) – frei zugänglicher Volltext derselben systematischen Übersicht.
ANWENDUNG
Arzneilich verwendet werden standardisierte äusserliche Zubereitungen aus Capsici fructus beziehungsweise Capsaicinoiden. Die am besten abgestützte Anwendung betrifft die Linderung von Muskelschmerzen, insbesondere im Bereich des unteren Rückens. Darüber hinaus gibt es klinische Daten auch für bestimmte neuropathische Schmerzsyndrome und weitere Schmerzindikationen, diese liegen jedoch ausserhalb der engen HMPC-Hauptindikation oder betreffen andere standardisierte Capsaicin-Präparate.
Die Anwendung erfolgt als Pflaster, Creme, Gel oder andere kutane Zubereitung. Entscheidend ist die Standardisierung des Präparates; einfache Küchenanwendungen mit scharfen Früchten sind davon klar zu unterscheiden und arzneilich nicht gleichzusetzen.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Verwendet werden standardisierte äusserliche Zubereitungen mit definiertem Gehalt an Capsaicinoiden. Die Dosierung richtet sich nach dem jeweiligen zugelassenen oder registrierten Präparat. Nach HMPC betrifft die well-established-use-Monographie vor allem medikamentöse Pflaster beziehungsweise halbfeste kutane Zubereitungen zur kurzzeitigen Behandlung von Muskelschmerzen.
Die Anwendung soll nur auf intakter Haut erfolgen. Nach der Anwendung sind die Hände sorgfältig zu waschen, sofern nicht die Hände selbst behandelt wurden. Kontakt mit Augen, Schleimhäuten und empfindlicher Haut ist zu vermeiden.
SICHERHEIT
Häufig sind lokale Reaktionen wie Brennen, Stechen, Rötung und Wärmegefühl. Diese Wirkungen sind pharmakologisch erwartbar und meist vorübergehend, können aber individuell stark ausgeprägt sein. Nicht angewendet werden sollen capsaicinoidhaltige Zubereitungen auf verletzter, entzündeter oder erkrankter Haut sowie in der Nähe von Augen und Schleimhäuten.
Bei Überempfindlichkeit gegen Capsaicinoide ist die Anwendung kontraindiziert. Wärmezufuhr von aussen kann die Reizung verstärken. Bei anhaltenden, unklaren oder sich verschlechternden Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung angezeigt.
STATUS
- Kommission E: positive Bewertung
- ESCOP: Monographie vorhanden
- HMPC: EU-Monographie vorhanden (well-established use) – Capsici fructus
GARTEN
Spanischer Pfeffer kann in Mitteleuropa gut im Garten, im Gewächshaus oder auf dem Balkon kultiviert werden. Geeignet sind sonnige, warme und windgeschützte Standorte mit lockerem, nährstoffreichem und gut drainiertem Boden. Staunässe sollte vermieden werden. Die Pflanzen sind frostempfindlich und werden meist einjährig kultiviert. Regelmässiges Giessen und eine mässige Nährstoffversorgung fördern Fruchtansatz und Wachstum.
SONSTIGES
Capsicum annuum gehört wie Tomate, Kartoffel und Tollkirsche zu den Nachtschattengewächsen. Die Schärfe der Früchte wird über die Scoville-Skala beschrieben. Zwischen Gemüsepaprika und Cayenne-Typen bestehen erhebliche Unterschiede im Capsaicinoidgehalt, weshalb kulinarische und arzneiliche Verwendung klar getrennt betrachtet werden sollten.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Pfefferminze (Mentha x piperita) – ätherisches Öl wird auch äusserlich bei lokalisierten Beschwerden verwendet.
- Eukalyptus (Eucalyptus globulus) – traditionell in äusserlichen Zubereitungen mit kühlend-reizender Wirkung verwendet.
- Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) – eher bei degenerativen Gelenkbeschwerden und Rückenschmerzen innerlich verwendet.
FAQ
- Wofür wird Cayennepfeffer medizinisch verwendet?
Vor allem für standardisierte äusserliche Zubereitungen zur Linderung von Muskelschmerzen, insbesondere im Bereich des unteren Rückens. - Ist scharfer Paprika aus der Küche dasselbe wie ein Arzneimittel mit Capsaicin?
Nein. Arzneimittel verwenden definierte, standardisierte Zubereitungen. Küchenpaprika und Chilis sind in Zusammensetzung und Dosierung sehr unterschiedlich. - Welche Nebenwirkungen treten häufig auf?
Häufig sind lokales Brennen, Wärmegefühl und Hautrötung. - Darf Capsaicin auf verletzte Haut aufgetragen werden?
Nein. Die Anwendung soll nur auf intakter Haut erfolgen.
Letzte Änderung: 21.04.2026 / © W. Arnold

