Wundklee - Anthyllis vulneraria

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Wundklee hat keine anerkannte medizinische Anwendung. Überliefert ist vor allem eine volkstümliche äusserliche Verwendung bei kleineren Wunden und Hautproblemen; die klinische Evidenz dafür ist begrenzt.

Anthyllis vulneraria (syn. Vulneraria heterophylla).

Wundklee (syn. Apothekerklee, Bärenklee, Frauenkäppeln, Gelber Klee, Goldknopf, Sommerklee, Tannenklee, Watteblume, Wollklee, Wundkraut).

Blühender Wundklee (Anthyllis vulneraria) mit gelben Blütenständen

Wundklee (Anthyllis vulneraria) auf trockenem Wiesenstandort

Mehrere Pflanzen des Wundklees (Anthyllis vulneraria) im natürlichen Bestand

VORKOMMEN

Der Echte Wundklee ist in fast ganz Europa verbreitet. Das Verbreitungsgebiet reicht nach Osten bis zum Kaukasus und nach Vorderasien, im Süden bis nach Nordafrika. Wundklee bevorzugt trockene Wiesen und ist auf mageren, kalkreichen Böden, an Geröllstandorten und auf Felsen vom Tiefland bis in höhere Lagen zu finden.

MERKMALE

Der Wundklee ist eine Halbrosettenstaude mit kräftiger Pfahlwurzel und kurzem, einfachem oder manchmal ästigem, vielköpfigem Rhizom. Die krautige Pflanze ist mehrjährig und erreicht Wuchshöhen von etwa 5 bis 40 Zentimetern. Die Stängelblätter bestehen aus zwei bis sieben Blättchenpaaren; die Blättchen sind lang-elliptisch. Die Blüten stehen in vielblütigen Blütenköpfen. Die goldgelbe Krone wird bis zu 20 mm lang, gelegentlich kommen auch weissliche, orange oder rötliche Blüten vor. Der weisszottig behaarte Kelch ist nach der Blütezeit aufgeblasen und besitzt ungleiche Zähne. Der Same ist eiförmig, glatt und gelbgrün gescheckt. Die Blütezeit reicht von Juni bis September.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Anthyllidis vulnerariae flos (syn. Flores vulnerariae cum calice) – Wundkleeblüten, die getrockneten Blüten.

Anthyllis-vulneraria-Kraut – Wundkleekraut.

WIRKSTOFFE

Anthyllidis vulnerariae flos – beschrieben sind vor allem Gerbstoffe, vermutlich vom Catechin-Typ.

Anthyllis-vulneraria-Kraut – für das Kraut wird das Vorhandensein von Saponinen erwähnt, genauere quantitative Angaben sind in der Literatur jedoch begrenzt. In Blüten, Stängeln und Blättern wurden Gerbstoffe sowie Flavonoide und Flavonolglykoside nachgewiesen, darunter Verbindungen von Quercetin, Kämpferol, Isorhamnetin und Rhamnetin.

PHARMAKOLOGIE

Die überlieferten Anwendungen des Wundklees lassen sich teilweise durch seinen Gehalt an Polyphenolen, Gerbstoffen und Flavonoiden pharmakologisch plausibilisieren. Für Extrakte wurden in Laboruntersuchungen antioxidative, antimikrobielle und teilweise antivirale Effekte beschrieben; zudem gibt es präklinische Hinweise auf entzündungsmodulierende und wundheilungsrelevante Eigenschaften.

Diese Befunde stammen jedoch überwiegend aus in-vitro- und tierexperimentellen Untersuchungen. Aus solchen Daten allein lässt sich keine gesicherte therapeutische Wirksamkeit beim Menschen ableiten.

EVIDENZ

Die Evidenz für Wundklee ist begrenzt. Traditionell steht die äusserliche Anwendung bei kleineren Wunden und Hautproblemen im Vordergrund; dafür besteht eine ethnomedizinische und historische Überlieferung. Pharmakologisch sind antioxidative und weitere biologische Effekte plausibel, doch die klinische Evidenz ist schwach, da robuste Studien am Menschen weitgehend fehlen und die Datenlage insgesamt heterogen bleibt.

  • Ouerfelli et al. (2018), PubMed – Untersuchung zu Polyphenolgehalt und antioxidativer Aktivität von Blättern und Blüten von Anthyllis vulneraria.
  • Ouerfelli et al. (2018), PMC – frei zugängliche Volltextfassung derselben Arbeit mit detaillierten phytochemischen und antioxidativen Daten.
  • Iova et al. (2025) – präklinische Studie zur wundheilungsbezogenen Anwendung eines Anthyllis-vulneraria-Blattextrakts in einem Rattenmodell; interessant, aber nicht klinisch.
  • Eichenauer et al. (2024) – Übersichtsarbeit zu wenig beachteten Wundheilpflanzen der österreichischen Volksmedizin mit Einordnung des Wundklees.
  • HMPC bei der EMA – zentrale Informationsseite des europäischen Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel; für Wundklee liegt dort derzeit keine etablierte HMPC-Monographie vor.

ANWENDUNG

Anthyllidis vulnerariae flos – Wundklee-Tee wurde volkstümlich zur Wund- und Geschwürbehandlung sowohl innerlich als auch äusserlich verwendet, beispielsweise in Form von Umschlägen oder Spülungen. Daneben wurde Wundklee in Teemischungen gegen Husten, in sogenannten Blutreinigungstees sowie in weiteren traditionellen Anwendungen eingesetzt. Die Wirksamkeit dieser Anwendungen ist wissenschaftlich nicht ausreichend belegt.

Anthyllis-vulneraria-Kraut – für ethanolische Extrakte wurden in Laboruntersuchungen biologische Aktivitäten beschrieben. Volkstümlich wurde das Kraut äusserlich als Wundheilmittel und bei Geschwüren verwendet. Auch hierfür fehlt eine ausreichende klinische Absicherung.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Traditionell wurde ein Tee aus etwa 1 Esslöffel Wundkleeblüten auf 1 Tasse Wasser zubereitet. Solche Angaben beruhen auf volksmedizinischer Überlieferung und nicht auf modernen, klinisch validierten Dosierungsschemata.

SICHERHEIT

Für Wundklee liegen keine gut etablierten modernen Sicherheitsmonographien für eine medizinische Anwendung vor. Bei traditioneller äusserlicher Anwendung kleiner Mengen sind keine charakteristischen Risiken bekannt geworden, dennoch fehlen systematische klinische Sicherheitsdaten.

Bei innerlicher Anwendung ist Zurückhaltung sinnvoll, da weder Wirksamkeit noch Sicherheit ausreichend dokumentiert sind. Bei anhaltenden oder schlecht heilenden Wunden ist eine medizinische Abklärung erforderlich.

STATUS

  • Kommission E: keine Monographie vorhanden
  • ESCOP: keine Monographie vorhanden
  • HMPC: keine Monographie vorhanden

GARTEN

Der Wundklee liebt es sonnig und trocken. Er mag vor allem kalkhaltige Böden. Die Pflanze ist ansonsten anspruchslos und gedeiht meist problemlos. Zusätzliche Düngung ist in der Regel nicht nötig, und gegossen werden muss nur bei längerer Trockenheit in der Anwuchsphase. Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge schätzen den Wundklee sehr.

Wundklee im Garten mit gelben Blüten und behaarten Kelchen

SONSTIGES

Die vielen Volksnamen spiegeln den Bekanntheitsgrad der Pflanze wider: Schöpfli, Wollklee, Bärenpratzen, Hasenklee, Katzenklee, Katzenbratzerl, Katzentapen, Muttergottes-Schühlein, Frauenkapperl, Taubenkröpferl und Tannenklee. Weitere volkstümliche Namen sind Apothekerklee, Bärenklee, Bartklee, Gelber Klee, Goldknopf, Kretzenkraut, Russischer Klee, Schafszähn, Sommerklee und Watteblume.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Spitzwegerich (Plantago lanceolata) – traditionell bei Reizungen der Schleimhäute und kleineren Hautanwendungen.
  • Sanikel (Sanicula europaea) – volkstümlich ebenfalls mit Wund- und Hautanwendungen verbunden.

FAQ

  • Hat Wundklee eine anerkannte medizinische Anwendung?
    Nein. Für Wundklee besteht keine allgemein anerkannte medizinische Anwendung in den massgeblichen europäischen Monographien.
  • Wofür wurde Wundklee traditionell verwendet?
    Vor allem für die äusserliche Anwendung bei kleineren Wunden und Hautproblemen sowie teilweise als Bestandteil von Teemischungen.
  • Ist die Wirkung wissenschaftlich belegt?
    Nur begrenzt. Es gibt vor allem Labor- und präklinische Untersuchungen, aber kaum belastbare klinische Studien am Menschen.
  • Welche Stoffe sind im Wundklee enthalten?
    Beschrieben sind insbesondere Gerbstoffe, Flavonoide und Flavonolglykoside; für das Kraut werden auch Saponine erwähnt.

Letzte Änderung: 17.04.2026 / © W. Arnold