Zwiebel – Allium cepa

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Die Zwiebel ist eine sehr alte Kultur- und Nutzpflanze. Medizinisch interessant sind vor allem ihre schwefelhaltigen Inhaltsstoffe und Flavonoide. Klinisch gesichert ist jedoch weniger, als die breite volkstümliche Anwendung vermuten lässt.

Allium cepa L. (syn. Allium esculentum, Cepa esculenta, Cepa vulgaris, Porrum cepa);
Zwiebel, Küchenzwiebel, Hauszwiebel, Speisezwiebel.

Zwiebel – Allium cepa

Blüte der Zwiebel – Allium cepa

VORKOMMEN

Die Zwiebel ist eine sehr alte Kulturpflanze, deren Ursprung in Zentral- oder Vorderasien angenommen wird. Allium cepa wird heute weltweit in zahlreichen Sorten und Formen angebaut. Sie gehört zu den wichtigsten Gemüse- und Gewürzpflanzen überhaupt.

MERKMALE

Die Küchenzwiebel ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die in der Kultur meist ein- oder zweijährig geführt wird. Typisch sind die fleischigen, speichernden Blattscheiden, die zusammen die bekannte Zwiebel bilden. Die Blätter sind röhrig und hohl. Im zweiten Jahr bildet die Pflanze einen blattlosen, aufrechten Blütenstandsschaft mit einer kugeligen Dolde aus zahlreichen weisslichen bis grünlich-weissen Blüten.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Allii cepae bulbus (syn. Bulbus Allii cepae, Bulbus Cepae): frische oder getrocknete Zwiebel.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Die Zwiebel enthält vor allem schwefelhaltige Verbindungen, insbesondere Alk(en)ylcysteinsulfoxide und daraus entstehende Abbauprodukte. Beim Zerschneiden werden durch die Alliinase rasch reaktive Schwefelverbindungen gebildet, darunter auch der sogenannte Tränenfaktor.

Weiter wichtig sind Flavonoide, vor allem Quercetin und seine Glykoside, ausserdem Phenole, Fruktane, geringe Mengen ätherischer Bestandteile, Vitamine und Kohlenhydrate. Die Zusammensetzung ist sorten-, lagerungs- und verarbeitungsabhängig.

Schwefelhaltige Inhaltsstoffe der Zwiebel

PHARMAKOLOGIE

Experimentell wurden für Zwiebel und Zwiebelextrakte antioxidative, antimikrobielle, entzündungsmodulierende, antiplättchenaktive sowie metabolische Effekte beschrieben. Besonders diskutiert werden Wirkungen auf Thrombozytenaggregation, Lipidstoffwechsel, Blutzuckerregulation und Gefässfunktion.

Wie andere Arten der Gattung Allium enthält die Zwiebel keine Stärke als hauptsächlichen Reservestoff, sondern Fruktane. Diese werden im Dünndarm nicht vollständig verdaut und im Dickdarm bakteriell umgesetzt. Daher kommt es nach dem Genuss von Zwiebeln häufig zu Flatulenz.

EVIDENZ

Die klinische Evidenz für Allium cepa ist insgesamt begrenzt und deutlich schwächer als bei Allium sativum (Knoblauch). Es existieren zahlreiche präklinische Arbeiten und Übersichtsarbeiten zu potenziellen antidiabetischen, lipidsenkenden, antihypertensiven und antiplättchenaktiven Eigenschaften, doch robuste europäische Standardmonographien fehlen.

Beim HMPC wurde keine EU-Monographie zu Allium cepa erstellt; stattdessen liegt ein Public Statement vor. Das spricht für eine ungenügende Grundlage für eine reguläre HMPC-Monographie.

Für die äusserliche Anwendung von Zwiebelextrakt in der Narbenpflege gibt es klinische Studien und Reviews. Die Resultate sind aber uneinheitlich: einzelne Arbeiten beschreiben Vorteile, systematische Übersichten bewerten den Nutzen insgesamt zurückhaltend. Daraus ergibt sich keine starke allgemeine Empfehlung.

Quellen:

ANWENDUNG

Die Zwiebel ist in erster Linie Nahrungs- und Gewürzpflanze, besitzt aber auch eine lange Tradition als Haus- und Heilmittel. Innerlich wurde sie traditionell bei Appetitlosigkeit und zur unterstützenden Vorbeugung altersbedingter Gefässveränderungen verwendet. Volkstümlich wird sie ausserdem bei Husten, Erkältungen und Katarrhen der Atemwege eingesetzt.

Äusserlich werden Zwiebelsaft oder Zwiebelzubereitungen traditionell bei Insektenstichen, kleinen entzündlichen Hautveränderungen, Furunkeln, Blutergüssen und in der Narbenpflege verwendet. Diese Anwendungen sind pharmakologisch plausibel, aber klinisch unterschiedlich gut belegt.

Die Zwiebel ist keine stark evidenzbasierte Arzneidroge im modernen regulatorischen Sinn. Ihre Bedeutung liegt vor allem in der traditionellen Verwendung und in ihrer Rolle als funktionelles Nahrungsmittel.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Medizinisch verwendet werden frische Zwiebeln, Zwiebelsaft oder Extrakte. Da Zusammensetzung und Gehalt an wirksamkeitsbestimmenden Stoffen stark von Sorte, Verarbeitung und Lagerung abhängen, sind allgemeine Dosierungsangaben nur eingeschränkt sinnvoll.

In der Hausmedizin werden frische Zwiebeln häufig roh, ausgepresst oder als Sirupzubereitung verwendet. Für äusserliche Anwendungen kommen Saft, Breiumschläge oder standardisierte Extrakte in Betracht.

Bei empfindlichem Magen-Darm-Trakt kann der Verzehr grösserer Mengen zu Reizungen, Aufstossen oder verstärkter Gasbildung führen.

STATUS

ZWIEBEL IM GARTEN

Allium cepa gedeiht an sonnigen Standorten in lockeren, humosen, nährstoffreichen und gut drainierten Böden. Staunässe ist ungünstig. Die Kultur erfolgt aus Samen, Steckzwiebeln oder vorgezogenen Jungpflanzen.

Zwiebeln gehören zu den klassischen Gemüsepflanzen im Hausgarten. Je nach Sorte erfolgt die Aussaat oder das Stecken im Frühjahr; Winterzwiebeln werden im Spätsommer oder Herbst gesetzt. Geerntet wird, wenn das Laub vergilbt und sich niederlegt.

SONSTIGES

Die Zwiebel ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit und seit Jahrtausenden als Nahrungs-, Gewürz- und Heilpflanze bekannt. Bereits im Alten Ägypten hatte sie hohen Stellenwert; Funde in Gräbern zeigen ihre Bedeutung im Alltag und in rituellen Zusammenhängen.

Auch in Europa gehörte die Zwiebel über lange Zeit zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln. Ihre breite volkstümliche medizinische Verwendung erklärt sich aus guter Verfügbarkeit, langer Lagerfähigkeit und deutlich wahrnehmbaren sensorischen Eigenschaften.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Allium sativum – Knoblauch mit besser dokumentierter traditioneller Anwendung im kardiovaskulären Bereich.
  • Allium ursinum – Bärlauch als nahe verwandte Allium-Art mit ähnlichen schwefelhaltigen Inhaltsstoffen.

FAQ

  • Wofür wird die Zwiebel traditionell verwendet?
    Traditionell bei Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden sowie volkstümlich bei Erkältungen und Husten. Äusserlich wird sie bei Insektenstichen, kleinen Entzündungen und in der Narbenpflege verwendet.
  • Ist die medizinische Evidenz für Zwiebeln stark?
    Nein. Es gibt viele experimentelle Daten und einzelne klinische Untersuchungen, aber keine starke europäische HMPC-Monographie.
  • Warum verursachen Zwiebeln oft Blähungen?
    Zwiebeln enthalten Fruktane, die im Dickdarm von Bakterien vergoren werden. Dabei entstehen Gase.
  • Kann Zwiebelsaft oder Zwiebelextrakt Narben verbessern?
    Dazu liegen klinische Daten vor, die Resultate sind aber uneinheitlich. Eine allgemein gesicherte Standardanwendung lässt sich daraus nicht ableiten.

Letzte Änderung: 03.04.2026 / © W. Arnold