Pilzschutz - Naturschutz
blau_gruen_750.gif (2389 Byte)
 
Auszug aus: Wegweiser durch die Natur; PILZE Miteleuropas; Verlag das Beste, Stuttgart 1982.
  

Während uns die Schutzbedürftigkeit seltener grüner Pflanzen wie Orchideen, Aronstab, Enzian und vom Aussterben bedrohter Tiere wie Greifvögel, Birkhuhn, Murmeltier seit langem bewußt ist, werden Pilze selten unter dem Gesichtspunkt des Arten- und Biotopschutzes betrachtet. Deshalb soll hier etwas Grundsätzliches darüber gesagt werden.
  
Um die Frage zu klären, welche Pilzarten selten werden oder gar vom Aussterben bedroht sind, müssen zunächst Bestandsaufnahmen gemacht und die möglichen Ursachen dafür geprüft werden. Für einigermaßen gesicherte Aussagen ist ein sehr langer Beobachtungszeitraum notwendig.
 
Von Pfifferlingen z.B. ist bekannt, daß sie ständig im Rückzug begriffen und in stadtnahen Gebieten vielfach schon ausgestorben sind. Riesenschirmpilze gehen in vielen Gebieten seit Jahren zurück, während Safranschirmlinge und vor allem Schopftintlinge sich immer mehr ausbreiten.
       

schopftintling.jpg (17392 Byte) Einer der wenigen Pilze die immer häufiger werden - Der Schopftintling.

Bildquelle: Wegweiser durch die Natur; PILZE Miteleuropas; Verlag das Beste, Stuttgart 1982.

Die Ursachen lassen sich in vier Themengruppen zusammenfassen:
   
1.

Rücksichtsloses Sammeln, massenhaft gezieltes Sammeln weniger Speisepilzarten

2.

Wald- und weidewirtschaftliche Einflüsse, Wegebau, rationelle Kulturbaumarten, Düngung

3. Großindustrielle Immissionseinflüsse
4. Altersstufen der Wälder und Heidelandschaften, Jahresklima
    

In den letzten zehn Jahren tauchten immer wieder Meldungen auf, daß das wachsende Heer der Pilzsammler bald alle Pilze ausgerottet haben werde. Die Folge davon war,daß gebietsweise Sammelverbote, Mengenbeschränkungen und andere staatliche Eingriffe zum Pilzschutz erprobt wurden. Mit generellen Verboten, die außerdem kaum zu überwachen sind, ist aber dem Problem kaum beizukommen.

pfifferlinge.jpg (19999 Byte) Ist der Pfifferling nur durch ein totales Sammelverbot vor dem Aussterben zu retten?

Bildquelle: K Hartmann: Pilze; Buch-Vertriebs-Gesellschaft Zürich (1978).

  

Durch Aufklärung über richtiges Sammeln und durch eine Art rote Liste der gefährdeten Arten, die ständig durch neue Erkenntnisse ergänzt werden müßte, wäre sicherlich mehr zu erreichen.
  
Auf der roten Liste müßte dann auch der beliebte Pfifferling erscheinen, denn er gehört zu den Arten, die massenhaft und gezielt gesammelt werden. Wird von immer mehr Speisepilzsammlern eine einzige Art gesammelt, ist es leicht erklärlich, daß kaum noch reife Fruchtkörper die Chance haben, Sporen abzuwerfen. Eine Pilz-, Pflanzen- oder Tierart produziert aber nur so viele Sporen, Samen oder Nachkommen, wie im biologischen Gleichgewicht zur Arterhaltung nötig sind, zumindest solange der Mensch nicht eingreift oder großklimatische Veränderungen nicht völlig neue Lebensgemeinschaften in der Natur, neue Ökosysterne, hervorbringen. Beim Pfifferling ist es sicher der Sammler, der die Art bedroht. Denn oft werden auch noch die kleinsten Pilzchen aus dem Moos gegraben, und sogar halb verdorbene, alte Hüte wandern noch wie eine Trophäe in den Korb -und später in den Mülleimer. Damit wird der Art sicher der Garaus gemacht.

Zu den Arten, die durch das Sammeln bedroht werden, gehören zumindest nahe den Ballungsgebieten auch Steinpilze, Wiesenchampignons und der Parasol.

  
Durch übermässiges sammeln bedroht
- Steinpilz und Parasol

 
steinpilz.jpg (16423 Byte)
parasol.jpg (13431 Byte)
  
Wohl die bedeutendste Ursache für Veränderungen in der Pilzflora ist die moderne Wald- und Landwirtschaft. Moderne Erntemaschinen erfordern eine künstliche Parzellierung der gesamten Landschaft. Wo noch vor wenigen Jahrzehnten ein grasbewachsener Weg ausreichte, finden wir heute eine geschotterte oder gar geteerte Feld- oder Waldstraße. Solche Erntestraßen sind teuer. Deshalb werden sie zumindest auf der Hangseite durch einen tiefen Graben gegen Überflutung oder Unterspülung gesichert. Steile künstliche Böschungen und der anschließende Graben beschleunigen den Wasserabfluß. Naßstellen und Druckwasserhänge trocknen aus oder werden zu einem erbärmlichen Rinnsal zusammengefaßt. Der Grundwasserspiegel sinkt, und dies kann zusammen mit der veränderten Ventilation - Waldschneisen und -wege sind regelrechte Windleitlinien - verheerende Folgen für Pilze, aber auch Moose und Bärlappe haben. Wenn man trotzdem am Weg oder am Rand einer Lichtung oft die meisten Pilze sieht, so liegt es daran, daß in der Traufe der Bäume auch die feinen Haarwurzeln zur Lebensgemeinschaft Pilz-Baum liegen und daß dort - wie der Name sagt -das Regenwasser abläuft. Am Waldrand hingegen findet man meist nur wenige, auf den Bruch zwischen offenem Land und Wald mehr spezialisierte Arten. Breite Waldstraßen, Holzabfuhrwege, haben fast den Charakter von Waldrändern.
  
pfeil_orange_15.gif (887 Byte)  Fortsetzung folgt!
  
blau_gruen_750.gif (2389 Byte)
ZURUECK HOME