Spitzkegeliger Kahlkopf - Psilocybe semilanceata

Der Spitzkegelige Kahlkopf gehört zur Gruppe der psilocybinhaltigen Pilze, die auch als Zauberpilze ("magic mushrooms") oder halluzinogene Pilze bezeichnet werden. Es sind psychoaktive Pilze mit den Wirkstoffen Psilocybin und Psilocin und wirken als Psychedelika.

Spitzkegeliger Kahlkopf
von Alan Rockefeller (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

von Scienceman71 (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

CCBY-SA 3.0, Link

Beschreibung des Pilzes

Hut

10 bis 20 mm im Durchmesser, jung konisch, später konvex mit spitzem Buckel, spitzkegelig mit mehr oder weniger scharf ausgeprägter spitzer Papille, manchmal auch stumpfbuckelig oder ungebuckelt, Rand etwas einwärts geschlagen, nicht eingerollt, blass-, gelb- bis oliv-bräunlich, oft blaugrün-fleckig; Oberfläche schmierig und klebrig glänzend, knotig uneben; Hutdeckschicht als dünne, hyaline, nicht gummiartig dehnbare Haut, leicht abziehbar.

Lamellen

Etwa 4 mm breit, olivbraun bis dunkelrotbraun, mit weisser, flaumiger Schneide, gedrängt, aufsteigend angeheftet, leicht bauchig-lanzettlich.

Stiel

Meist 80 bis 150 mm lang, schlank, 2 bis 3 mm dick, hellockerfarbig bis blassbräunlich, Stielbasis häufig blaugrün gefärbt, faserig, etwas seidig-glänzend, immer wellig-gebogen.

Fleisch

Im Hut blassgelblich, im Stiel bräunlich werdend, ohne auffälligen Geruch oder Geschmack.

Sporen

Dunkelbraun, purpurbraun (8-9,9 x 5,5-7,7 μm).

Verwechslung

Fatale Verwechslungen mit muscarinhaltigen Risspilzen, z. B. Inocybe geophylla, beruhen auf ungenauer und flüchtiger Betrachtung. Inocybe geophylla (Seidiger Risspilz) hat blasse, graue bis graubraune Lamellen und einen seidigen Hut. Viele Düngerlinge, Faserlinge, Helmlinge und auch junge Träuschlinge sehen recht ähnlich aus. Sehr gefährlich wäre eine Verwechslung mit dem Gift-Häubling (Galerina marginata).

Vorkommen

Der Spitzkegelige Kahlkopf ist die am weitesten, vor allem in Europa, verbreitete psilocybinhaltige Art. Die Pilz wächst in stark gedüngten Rasen und Weiden, vom Sommer bis in den Herbst. In der Schweiz ist Psilocybe semilanceata vorwiegend in einer Höhe von 700 bis 1500 m auf in Nadelwald liegenden Weiden mit Dung anzutreffen.

Inhaltsstoffe

Im wesentlichen Indolalkaloide (Tryptaminderivate) mit den phosphorylierten Indolaminen Psilocybin (O-Phosphoryl-4-hydroxy-N,N-dimethyltryptamin) und Baeocystin (O-Phosphoryl-4-hydroxy-N-methyl-tryptamin, Norpsilocybin) als Hauptkomponenten. Norpsilocybin stellt mit grosser Wahrscheinlichkeit die direkte biogenetische Vorstufe von Psilocybin dar]. Es wurde zusammen mit Norbaeocystin (O-Phosphoryl-4-hydroxytryptamin) zum ersten Mal aus einer Laborkultur von Psilocybe baeocystis und später auch aus Psilocybe semilanceata sowie Psilocybe cubensis isoliert. Psilocin (4-Hydroxy-N, N-dimethyltryptamin), das Dephosphorylierungsprodukt von Psilocybin, kommt im Pilzmaterial in der Regel nur in Spuren vor, da Psilocybin sehr stabil ist. Infolge Fehlens der Phosphorsäureester-Schutzgruppe wird Psilocin an der phenolischen Hydroxylgruppe leicht oxidiert, was zu blauen, chinoiden Produkten („Pilzbläuung") führt. Psilocybin wurde 1958 zusammen mit Psilocin erstmals aus Psilocybe mexicana isoliert, strukturaufgeklärt und synthetisiert. Psilocybin war damit die erste in der Natur gefundene phosphathaltige Indolverbindung bzw. das erste natürliche 4-Hydroxy-substituierte Tryptaminderivat.

Psilocybe semilanceata zählt mit bis zu 2,4 % Psilocybin zu den alkaloidreichsten Arten. In gefriergetrockneten Fruchtkörpern des Spitzkegeligen Kahlkopfes, welche an verschiedenen Standorten in der Schweiz gesammelt worden waren, wurden mittels HPLC 0,21 bis 2,02 % Psilocybin und 0,05 bis 0,77 % Baeocystin und <0,01 % Psilocin gemessen. Der Psilocybingehalt war jeweils in den Stengeln höher als in den Hüten, während die Baeocystinkonzentration in den Hüten bis zu 60 % höher war. Keine Korrelation war zwischen der geographischen Provenienz, der Grösse der Fruchtkörper und dem Alkaloidgehalt feststellbar.

Wirkungen

Die nach Einnahme von psilocybinhaltigen Psilocybe-Arten beobachteten zentralen und peripheren Effekte entsprechen weitgehend denjenigen nach Einnahme von Psilocybin. Die psychotrope Wirkung vieler Psilocybe-Arten ist primär auf den Gehalt an Psilocybin zurückzuführen, wobei die eigentliche Wirkform das enzymatisch dephosphorylierte Psilocin darstellt. Bis heute ist nicht bekannt, ob Baeocystin, das N-Demethylderivat des Psilocybins, ebenfalls halluzinogen wirksam ist.

Toxizität

Toxikologische Daten (Hager):

LD50 (Maus, i. v.): 275 mg/kg.
LD50 (Maus, i. p.): 420 mg/kg

Echte Überdosierungen mit Psilocybe-Pilzen scheinen kaum möglich zu sein. Psilocybe-Intoxikationen werden in der Regel als harmlos eingestuft. Zwischen 1978 und 1981 wurden in England 318 Fälle von Psilocybe-Intoxikationen registriert, wobei keine tödlich verlief. Die eingenommene Menge schwankte zwischen wenigen Pilzen und 900 bis 1360 g und korrelierte in der Regel nicht mit den Vergiftungssymptomen. Während bei einigen Patienten weniger als 10 Pilze starke zentrale und vegetative Effekte zeigten, beklagte sich ein anderer Patient nach Einnahme von 200 Pilzen nur über Abdominalschmerzen. Die häufigsten, meistens nach 12 h abgeklungenen Vergiftungssymptome waren visuelle, akkustische oder sensorische Halluzinationen und gestörte Verhaltensweise ohne Halluzinationen. Weitere Vergiftungszeichen waren Aggression, Nausea, Erbrechen, Dysurie, Mydriasis und Tachykardie. Weiter wurden bis zu 4 Monate andauernde Flashback-Effekte beobachtet. Wie alle psychoaktiven Substanzen birgt auch Psilocybin die Gefahr, eine latent vorhandene Psychose auszulösen.

Letzte Änderung: 18.01.2018 / © W. Arnold