| HEILPFLANZEN |
Viscum album - Mistel |
| Mistel (Syn. Laubholz-Mistel, Affolter, Bocksfutter, Drudenfuss, Elfklatte, Geisskrut, Hexenbesen, Hexenkrut, Hexennest, Immergrüne, Kluster, Leimmistel, Marenklatte, Marentaken, Mischgle, Mischgelt, Misple, Mistelsenker, Nistle, Vogelchrut, Vogelkläb, Vogellim, Vogelmistel, Wespe, Wintergrün, Wispel, Wispen) |
| Das Verbreitungsgebiet der Weissbeerigen Mistel sind die wintermilden Regionen Südskandinaviens sowie Mittel- und Südeuropas. Dort wächst sie zerstreut auf Laubbäumen wie z. B. verschiedenen Obstbaumarten, Linden, Ahorn oder Weissdorn bevorzugt an basenreichen Standorten. |
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Die Weissbeerige Mistel ist ein immergrüner Halbschmarotzer, der auf den Ästen von Laubbäumen sitzt und Wasser und darin gelöste Mineralsalze aus deren Holzteil entzieht. Im Laufe der Jahre wachsen Misteln häufig zu kugeligen Büscheln heran, die bis zu einem Meter Durchmesser erreichen können. An den Enden der gleichmässig gabelig verzweigten Sprosse der Mistel sitzen die lederigen Blätter, die mehrjährig oder einjährig sein können. Die eingeschlechtlichen unscheinbaren Blüten sitzen in der Gabel zwischen den Zweigen. Die Früchte der Weissen Mistel sind weisse, ein- bis zweisamige runde Scheinbeeren. Je Samen bilden sich bis zu 3-4 grüne Embryonen aus. Die Samen sind von einem zähen, schleimig klebrigen Fruchtfleisch umgeben, wodurch die Verbreitung der Mistel durch Vögel (Verdauungsverbreitung) ermöglicht wird. Die Blütezeit der Weissen Mistel ist von Juni bis September.
Nach der Bindung an unterschiedliche Wirtsbaumarten werden innerhalb der Art Viscum album mehrere Unterarten oder "Wirtsrassen" unterschieden:
- Laubholz-Mistel (Viscum album subsp. album; synonym Viscum album) - auf Pappeln, Weiden, Apfelbäumen, Weissdorn, Birken, Haseln, Robinien, Linden, Ahornbäumen, amerik. Rot-Eiche, amerik. Schwarznuss, amerik. Eschen, Hainbuche und anderen, nicht aber z.B. auf Rot-Buche, Süsskirsch- und Pflaumenbäumen, Walnussbaum, Platanen, Paulownien, Götterbäumen oder Magnolien.
- Tannen-Mistel (Viscum album subsp. abietis; synonym Viscum abietis) - auf Weisstannen.
- Kiefern-Mistel (Viscum album subsp. austriacum; synonym Viscum laxum) - auf Kiefern, selten auf Fichten. In Bayreuth wurde sie erstmalig auf der europäischen Lärche entdeckt. Vorkommen in Süd- und Ostdeutschland, Österreich (Wachau) und Japan.
- Im Jahr 2002 wurde mit der Kretischen Mistel (Viscum album subsp. creticum) eine weitere Unterart beschrieben, die als Endemit nur auf Kreta vorkommt und dort auf der Brutia-Kiefer (Pinus halepensis subsp. brutia) schmarotzt.
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| DROGEN (verwendete Pflanzenteile) |
1. Visci albi herba (syn. Herba Albi visci, Herba Visci, Herba Visci albi, Visci herba); Mistelkraut, die vor der Fruchtbildung gesammelten Blätter und Zweige.

2. Visci albi herba recens (syn. Herba Visci albi recens); Frisches Mistelkraut, das zu genau vorgegebenen Jahreszeiten, meistens im Sommer oder Winter, von vorgegebenen Wirtspflanzen geerntete frische Kraut. |
| WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE |
Die Pflanze enthält viel Lektine (0,1 %) (Glykoproteine, die an spezifische Zuckermoleküle binden können; Mistellektin I-III, abgekürzt Ml I-III), jedes besteht aus zahlreichen Isolektinen.

Von besonderem Interesse sind bis zu 0,1% Viscotoxine, d.h. Polypeptide (Viscotoxine A, B, P) aus 46 Aminosäuren. Ferner kommen vor: Schleimstoffe, Polysaccharide, Phenylpropane, Kaffeesäurederivate, Flavonoide. Die Sekundärstoffe der Wirtspflanze können die pharmakologische Aktivität der Droge nachweislich beeinflussen.
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| In niedriger Konzentration injizierte Mistelzubereitungen (insbesondere die Lektine und Viscotoxine) zeigen immunstimulierende Effekte, bei höheren Konzentrationen überwiegen die zytotoxischen Antitumoraktivitäten. In einigen der zahlreichen klinischen Studien konnte ein statistisch signifikanter Nutzen bei der Behandlung von malignen metastasierenden Tumoren gezeigt werden. Die blutdrucksenkenden Eigenschaften werden kontrovers diskutiert; die Beweise für den Nutzen einer oralen Misteltherapie sind nicht überzeugend. |
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Toxische Inhaltsstoffe sind die Mistellectine und die Viscotoxine. Die toxischen Mistelinhaltsstoffe werden nach p. o. Gabe nicht resorbiert.

Resorption:
Makromolekulare Wirkstoffe wie Lectine, Viscotoxine und Heteroglykane der Mistel werden nicht in nennenswertem Masse resorbiert. Das folgt unter anderem aus dem Ausbleiben von Vergiftungserscheinungen nach p. o. Aufnahme von Mistelkraut oder -extrakten. Wie allgemein bekannt, erfolgt die Resorption von Aminen nur unter Extrembedingungen in nennenswertem Masse. Die Beteiligung der makromolekularen Stoffe und der Amine an der Wirkung der Droge nach p. o. Applikation kann somit ausgeschlossen werden. Die Resorption der anderen, kleinmolekularen Verbindungen, z. B. der Flavonoide und Phenylacrylsäuren, ist denkbar.

Akute Toxizität:
Im Tierversuch kommt es nach i. v. Injektion toxischer Dosen von Mistelauszügen nach kurzer Zeit zu heftiger flacher Flankenatmung und zu stridorartigen Erscheinungen, der Tod erfolgt, je nach Dosis, nach Stunden bis Tagen im systolischen Herzstillstand. Nach i. c. Injektion subletaler Dosen bilden sich, je nach eingesetzter Konzentration, Entzündungsherde, Quaddeln oder Nekrosen. Die akute Toxizität ist möglicherweise nicht nur auf die direkte Cytotoxizität der Lectine und Viscotoxine, sondern auch auf die provozierte Ausschüttung von Mediatoren des Immunsystems zurückzuführen.

Bei p. o. Gabe des Krautes oder der Beeren treten keine Vergiftungserscheinungen auf. |
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1. Visci albi herba: zur Langzeitbehandlung von Hypertonie und Prophylaxe der Arteriosklerose; in der Volksheilkunde auch bei Epilepsie, Keuchhusten, Asthma, Schwindelanfällen, Amenorrhoe, Durchfällen, Chorea, Hysterie und Nervosität.

2. Visci albi herba recens: zur Segmenttherapie bei degenerativ entzündlichen Gelenkerkrankungen sowie zur Palliativtherapie bei malignen Tumoren. Die Präparate der anthroposophisch orientierten Medizin werden bei gut- und bösartigen Geschwulsterkrankungen, bei gut- und bösartigen Erkrankungen und begleitenden Störungen der blutbildenden Organe, zur Anregung der Knochenmarksfunktion, zur Vorbeugung gegen Tumorrezidive, bei definierten Präcancerosen sowie chronischen Erkrankungen, wie Morbus Crohn und chronischen Gelenkentzündungen verwendet. |
| ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG |
| Handelsprodukte und isolierte Verbindungen werden in der Regel injiziert. Bei Hypertonie wird ein Kaltauszug (2,5 g Droge pro Tasse) verwendet. |
Viscum album HAB 1; Mistel, die frischen, im Herbst geernteten, beblätterten Sprosse und Früchte.
Anwendungsgebiet: Erkrankungen des arteriellen Gefässsystems, des Herzens, der Atemwege, der weiblichen Geschlechtsorgane sowie des Stütz- und Bewegungsapparates. |
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| Der Gattungsname Viscum ist bei den Römern der Name für die Mistel sowie der aus den Beeren bereitete Vogelleim. Sowohl in der antiken als auch in der germanischen Mythologie hatte die Mistel grosse Bedeutung. So wird "die goldene Zauberrute", die dem Aeneas den Zugang zu der Unterwelt öffnet, gern mit der Mistel identifiziert. In der Edda findet man, dass der blinde Gott Hödur den lichten Sonnengott Baldur mit einem "misteltein" (Mistelzweig) als Lanze tötete. Nach Plinius hielten die Druiden, die Priester der alten Gallier und Britannier, nichts für so heilig wie eine auf einer Eiche wachsende Mistel. Eine alte Druidenregel lautete: "Der Mistelzweig muss mit Achtung und, wenn möglich, im sechsten Monde gesammelt werden. Er muss mit einem goldenen Messer abgeschnitten werden. Das Pulver von Mistelzweigen macht Frauen fruchtbar." Mit deutlich mystischem Bezug ist die Mistel noch heute das Grün des englischen Weihnachtens. Die Verwendung der Mistel in der Heilkunde geht bis auf die vorchristlichen Hippokratiker zurück. |
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| Letzte Änderung: 17.01.2012 / © W. Arnold |
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Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004. |
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A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2. |
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Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg. |
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M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002. |
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H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9. |
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Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008. |
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Wikipedia; Freie Enzyklopädie. |
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L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988. |
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Ordnung
Familie
Gattung
Art |
Santalales
Santalaceae
Viscum
Weissbeerige Mistel
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Wiss. Bez. |
Viscum album |
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Versuche zur Kombination der A-Kette der Mistellectine mit gegen Tumorzellen oder bestimmte Lymphocytenpopulationen gerichteten spezifischen Antikörpern zur Erzeugung sog. Immuntoxine oder Affinotoxine mit dem Ziel eines Drug-Targetings zur Abtötung dieser Zellen befinden sich im experimentellen Stadium. |
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Seit frühester Zeit existieren zahlreiche Mythen und Legenden um die Mistel. Auch unsere Vorfahren sagten der immergrünen Pflanze, die hoch oben in den Bäumen wächst, geheimnisvolle Kräfte zu. Man war der festen Überzeugung, dass sie vor Feuer schütze und Hexen sowie bösen Geistern den Einlass ins Haus verwehre, und sie deshalb an Hauswände hängte. Besonders bei Druiden, Hohenpriester in Gallien und Britannien galt sie als die heiligste aller Pflanzen und wurden nur mit einem goldenen Messer geschnitten.

Auch Miraculix, der ehrwürdige Druide eines wohlbekannten gallischen Dorfes, ist stets in Baumwipfeln auf der Suche nach dieser wertvollen Pflanze.

Die gegabelte Form der Mistelzweige machte sie zum Vorbild der Wünschelrute. |
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Nicht zur Selbstmedikation geeignet. |
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Traditionelle Medizin, Pharma
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Kommission E: positive Bewertung |
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klinische Studien (Extrakte zur Injektion). |
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